Für Sleipnir: Halsband vs. Geschirr (die sozialen Aspekte)

  • Hi Ihr!


    Da mich Sleipnir im Thread "Brauche Beistand!! Halbstarke Ohrenprobleme!!" gefragt hatte, warum ich ein Geschirr generell für besser halte und was die sozialen und psychologischen Aspekte sind, die mir für meine Hunde am Herzen liegen sind hier dieser Thread! Ich wollte nicht, dass das eigentliche Thema untergeht, weil ich eine erneute erbitterte Geschirr-Halsband-Diskussion befürchte hab ich einen neuen Thread eröffnet! Wär schön, wenn das eine nette und ruhige Diskussion bleibt und nicht ausartet! Danke!



    Wie gesagt ist das Halsband in Verbindung mit einer Schleppleine ziemlich belastend, wenn man sich vorstellt, dass der Hund mit sagen wir mal 15 Meter (Durchaus realistisch mit SL) Anlauf in die Leine rennt. Als Mensch registriert man solch ein Vorhaben des Hundes oft noch im Vorbeiflitzen und kann sich auf den Ruck vorbereiten... Dementsprechend spannt man als Mensch die Muskeln an und die Federung des Armes wird härter...! Wenn man sich mal das Skelett eines Hundes ansieht, dann wird man erkennen, dass der Hals die instabilste Stelle am Hundekörper ist! Die Wirbelsäule ist beim Hund genauso wie beim Menschen aufgebaut... Durch diese Gegebenheit kann es also durchaus sein, dass der Ruck zwischen zwei Wirbeln abgefangen wird... So kann es auch zu einer Verschiebung der Bandscheibe kommen. Sicher nicht gesund, in einigen Fällen von kleineren Rucken aber auch nicht längerfristig gesundheitsschädlich, wenn man das ein-, zweimal durchmacht.
    Trotzdem alles andere als angenehm und auch sicher nicht schmerzfrei! Was aber wenn sowas immer wieder mal vorkommt? Dann geht das auf die Wirbelsäule und die Bandscheiben! Ob nun ein grober Ruck oder ein Dauerzug ist egal, die Wirbelsäule ist einer unnatürlichen Belastung ausgesetzt!


    Auch der Kehlkopf und die Halsmuskulatur ist nicht gerade das stabilste, was der hundliche Körperbau zu bieten hat...! Auch die oberen Atemwege werden beeinträchtigt. Um die Atemwege frei zu halten, muss der Hund bei Zug die Muskulatur anspannen, durch das Anspannen kommt es - wie auch beim Menschen - zu Verspannungen, die meist zu Kopfschmerzen und Schmerzen im Rückenbereich führen.
    Wer sich selbst auch schon mal mit einem Halsband von allen möglichen Seiten hat rucken lassen und sich reingehängt hat, weiß, wie unangenehm das auch für den Hund ist. Nun sagen vielleicht einige "Ein Hund ist kein Mensch!" Völlig richtig, dem kann ich nur zustimmen! Und ein Hund hat auch nicht das gleiche Empfinden zu einem Halsband wie ein Mensch! Auch richtig, denn ein Hund ist weitaus sensibler am Hals als es jeder Mensch ist!!!


    Hunde kommunizieren überwiegend non-verbal... Also ohne Laute, über Mimik, Ausdrucksverhalten, Bewegung, Blicke und viele andere Dinge, die wir kaum wahrnehmen! Und sie kommunizieren auch viel ohne Körperkontakt...! Dementsprechend sensibler sind Hunde für Berührungen! Und gerade am Hals!
    Über den Hals werden soziale Kontakte gepflegt, die Rangordnung wird über den Hals geklärt, die äußerste Drohgeste des Festhaltens wird über den Hals geklärt und zu guter letzt auch Freundschaften unter engen Familienmitgliedern! Der Hals ist den engsten Familienmitgliedern vorbehalten!


    Wenn wir jetzt mit einem Halsband am Hundehals einen Ruck ausüben, so kommen viele Missverständnisse auf! Wir stellen die Frage nach der Rangordnung und lassen diese Frage unbeantwortet... Der Ruck kann ebenfalls als äußerste Drohgeste verstanden werden! Warum? Weil sich Hunde untereinander zum einen nicht zur Leinenführigkeit erziehen, somit einen Ruck nicht verstehen können, da er in ihrem Sprachrepartior nich in dieser Verbindung auftaucht, und zum anderen "fassen" sich Hunde nicht an um solche Dinge mitzuteilen. Im Prinzip berühren sie sich nur um sich sehr sehr ernstgemeinten Respekt zu verschaffen (als äußerste Drohgeste) oder um soziale Kontakte in sehr vertrauter Form unter den engsten Familienmitgliedern auszutauschen!
    Es kann nun sein, dass der Hund für derartige Signale unter Hunden abstumpft oder ängstlich auf diese von uns Menschen nicht ernst gemeinte Drohgeste reagiert und sich ins Meideverhalten zurück zieht und kaum noch einen Schritt nach vorne wagt...
    Um dem Druck des Halsbandes zu entkommen gibt es aus der Sicht des Hundes einige Möglichkeiten. Er zieht um vom Halsband weg zu kommen, was viele Menschen leider mit einem Leinenruck als Erziehungsmaßnahme maßregeln, wodurch der Hund erneut die Flucht nach Vorne antritt oder aber der Hund wird so beeindruckt sein, dass er nicht mehr nach vorne geht und ins Meideverhalten fällt! Hier hat der Hund nicht über Vertrauen gelernt!


    Die Aussage "ich kann meinen Hund mit Halsband besser unter Kontrolle bringen" hab ich oft gehört, kann sie aber nicht bestätigen allerdings durchaus nachvollziehen!
    Mit einem Geschirr muss man umgehen lernen! Ich musste das zumindest! Als ich Ronja übernommen habe gab es doch die ein oder anderen Probleme und auch mal eine ausgerenkte Schulter!
    Ronja stand an der 3m ca. 2 Meter vor mir auf einer Wiese, drehte sich zu mir um und preschte einem Hasen hinterher, der in diesem Moment schräg hinter mir aus dem Gras hochsprang. Ich habe nicht schnell genug die Leine losgelassen und Ronja hatte ca 5m Anlauf mit viel Motivation... Sie wog damals knapp 45kg und ich hatte manchmal extreme Probleme sie zu halten. Aber ich habe es gelernt und möchte mal behaupten, dass soetwas nie wieder passieren wird, wenn ich nicht komplett am träumen bin, was eigentlich bei einem Spaziergang mit Hund nicht vorkommt...


    Wenn man am Hund steht ist es so oder so kein Problem. Der Schwerpunkt des Hundes liegt auf den Vorderbeinen! Ein Fuß vor die Vorderbeine, einer dahinter und die Leine so festhalten, dass der Hund nicht nach vorne kommt! Also die Leine nach oben halten und nicht zurückziehen... ;) Somit hat man das nach vorne Verlagern des Schwerpunktes und das damit verbundene Problem mit dem Halten gelöst. Wenn man hinter dem Hund steht, dann darf man eben die Leine nicht durchhängen haben... Das vermeidet den Anlauf und damit eventuell verbundene ganz extrem schmerzhafte Brandblasen, die die komplette Handinnenfläche bedecken übrigens auch! ;)


    Man kann seinem Hund Schmerzen und Missverständnisse durch ein gut angepasstes Brustgeschirr ersparen, deshalb ist es mit jedem Hund der bei mir einziehen wird die erste Anschaffung!


    Sleipnir: Sind alle Fragen beantwortet? Wenn nicht frag einfach! ;)


    LG murmel

  • murmel:
    Toller Beitrag, vielen Dank. Prinzipiell hatte ich ja auch bisher nichts gegen Geschirre, wußte nur nicht so ganz wo die Vorteile liegen. Die hast du mir ja jetzt ausführlich geschildert. Ich werde zwar wahrscheinlich auch weiterhin beim Halsband bleiben, sehe das Geschirr nun aber als bedenkenswerte Alternative.
    Wie sehen die Anderen das denn, Geschirr oder Halsband?
    Liebe Grüsse,
    Sleipnir

  • Ich bin absolut für Geschirr und teile voll und ganz Murmels Meinung. Ziehen lernt ein Hund mit und ohne Geschirr oder Halsband. Erziehung zur Leinenführigkeit kann auch mit beidem gemacht werden, wobei das Geschirr immer die bessere Alternative ist.
    Duran trägt immer Geschirr. Zuggeschirr in Situationen, wo ich weiss, dass ihm das 'Fuss' laufen noch schwerfällt, und ein Erziehungsgeschirr, wenn wir in Ruhe üben können. Halsband trägt er, aber nur weil da seine Marke mit Tel.Nr. dran ist. Das hat er immer an.
    Nur Floyd ist noch ein voller 'Halsbandhund' Er zieht aber auch NIE an der Leine, und trägt ein superweiches, breites, gefüttertes Halsband. Ich wollte ihm vor kurzem mal ein Geschirr anziehen und er blieb wie angewurzelt stehen und sah mich mit einem Blick an, als ob er sich bestraft fühlte. :wink:
    Ich glaube, er bleibt beim Halsband. Wir ziehen halt aber auch nie an ihm und er nie an uns. Meist läuft er eh frei.
    LG CHrissi

  • Einem Erziehungsgeschirr würde ich dann wahrscheinlich fast ein Halsband vorziehen! Erziehungsgeschirre sind auf Schmerzreiz ausgelegt, weil es, sobald der Hund zieht in den Achseln wenn nicht schmerzhaft, dann doch sehr sehr unangenehm ist, sich zuzieht und damit auch die feine Haut in diesen Regionen zwickt und scheuert!


    LG murmel

  • Nee neee, so eins ist das nicht !!!!!!!!!!
    HILFE ! Würde ich NIE benutzen :runterdrueck: :dagegen:
    Ich versuch mal ein Bild hier einzustellen. Die Dinger gibt's in Europa nicht, ich kaufe sie in den U.S.A.

  • Ich benutze auch (fast) nur noch das Geschirr, weil Emma am Halsband so zieht. Am Geschirr geht sie schön, ich denke fühlt sich auch einfach doof an, wenn da was am Hals nervt.. - Hätte ich auch nicht so gern :D
    Leider mag sie es gar nicht, wenn ich ihr das Geschirr anziehe. Sobald ich damit ankomme geht sie erstmal stiften. :runningdog: Sie kriegt während der Anzieh-Prozedur immer ein Leckerchen und wenn es fertig angezogen ist, ist es auch nicht mehr schlimm und sie freut sich aufs Rausgehen.
    Gibt es da irgendwelche Tipps, wie ich ihr das Anziehen angenehmer machen kann?


    LG,
    -Liz

  • Wenn sie gern zottelt, dann mal versuche mit ihr mit dem Geschirr zu zotteln... Vielleicht mal ein Superleckerchen statt einem blöden trockenen Keks oder wenn sie gern spielt das Geschirr in Spiele mit einbauen!? Hast du sowas schon mal versucht?


    Ronja holt bei "Geh'n wir? Kommst du mit?" ihr Geschirr mit einem riesigen Freuden-Tam-Tam selbst und findet das Anziehen so klasse, dass sie nicht ruhig sitzen oder stehen kann... Vielleicht könnte Ronja deiner Hündin was davon abgeben :D


    LG murmel

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