Herdenschutzhundehalter hier im Forum?

  • Leute, ich muss mich einfach mal freuen.


    Was war ich noch vor gut einem Jahr verzweifelt, und wie oft habe ich geweint, und heute habe ich einen so tollen Hund.


    Konnten heute entspannt mit Hund und Nachbarn und neuem Nachbarn im Garten sitzen. Er hatte den Maulkorb auf und hat sich wirklich wirklich gut gemacht. Er hatte zwischenzeitlich sogar richtige nette Avancen gemacht. Dann durfte er auch hin und hat sich streicheln lassen :)
    Dann wars dem Nachbarn aber nicht mehr geheuer und ich hab ihn weggenommen. Aber sowas wäre vor einem Jahr ununundenkbar gewesen. Er hat sich wahnsinnig gut gemacht. Unsere Nachbarn am Zaun liebt er mittlerweile fast und die Beiden sind immer ganz entzückt, wenn er am Zaun steht. Dann geben sie ein Leckerchen und er freut sich. Letztes Jahr war er auf 180 wenn er die Beiden sah, da durfte er nur mit Schleppleine in den Garten. Und heute? Er patroulliert gar nicht mehr, freut sich sogar und letztens stieg im anderen Nachbargarten eine Party und er hat es soo cool gemeistert. Hat sich immer abrufen lassen, hat nur geschaut, was da los ist und ansonsten war er total friedlich. Ich hab keine Ahnung, was genau mit ihm passiert ist und warum er sich plötzlich so gut führen lässt, aber es ist nur großartig.
    Wir haben mittlerweile ein ganz anderes miteinander, weil ich ihm wieder vertraue und ihm (aber auch durch den Maulkorb bedingt) wieder viel mehr Freiheiten gebe und so auch Vertrauen zurückgewinnen kann.


    Ist er erwachsen geworden? Liegt es an der Kastration? Oder zahlt sich unser ewiges Training endlich aus?


    Er ist in allem so ganz anders. Sein Futterneid ist fast wie weggeblasen, seine Ressourcenfixiertheit ist zurückgegangen, seine Übersprungshandlungen gibt es gar nicht mehr. In der Hundeschule (wo viele Hunde Probleme mit Menschen haben) ist er der freundlichste, läßt sich gerne (!) anfassen, liebt manche Menschen sogar. Es gibt keinen Hund, der sich so extrem gern anfassen lässt, der auch den Kontakt richtig sucht. Wir haben aber auch in der Hundeschule viel mit fremden Menschen gemacht und es scheint, als ob in ihm ein dickes Eis gebrochen ist. Er findet Menschen nämlich überhaupt nicht doof, und das merkt er gerade.


    Ich bin nur happy. Wirklich.

  • Guten Abend, Jansens,
    Deine Freude kann ich gut nachvollziehen, denn auch bei unserer Circe erlebte ich nach scheinbaren Fortschritten immer wieder Rückschläge erschreckender Art.
    Getreu der Devise der Bläck Föss: "Mädche dürfe kriesche, Indianer dürfe das nit," habe ich dann zwar nicht direkt geweint, habe mich aber nach unserem Rundgang vor dem Schlafengehen mit ihr an den Teichgesetzt, ihr zwischen meinen Beinen die Ohren gekrault und sie beschworen: "Bitte lass mich nicht im Stich".
    Ob das geholfen hat, weiß ich nicht so recht, aber über die gewaltigen Fortschritte seither bis nun, wo es keine Probleme mehr gibt, habe ich immer wieder nachgedacht. Deshalb meine ich, Dir sagen zu können: "Eure Fortschritte gründen eben darin, dass er Menschen nicht mehr doof findet". Natürlich findet ein Herdie die Menschen um sich herum "doof", die nicht in der Lage sind, eine Gefahr abzuwehren und ihn mit dieser angeborenen Aufgabe allein lassen.
    Da hat sich weder durch erwachsen werden, durch Kastration oder Training seine Meinung geändert, sondern Ihr habt ihm offensichtlich Erfahrungen verschafft, in denen er sich auf Euch verlassen konnte, in denen er Euch als stark empfunden hat. Das heißt: Ihr habt Fortschritte gemacht. Da geht er gerne mit und fühlt sich immer wohler.
    Darauf weisen insbesondere die Schilderungen von der Ruhe hin, die nun zunehmend einkehrt. Er hat einfach weniger Angst davor, ohne verlässliches Rudel alles selber regeln zu müssen. Denkt doch einfach einmal über kleine gemeinsame Ereignisse nach, bei denen Ihr selbst keine Angst hattet, es könne wieder etwas schief gehen, sondern ihm Sicherheit vermittelt habt. Da lässt sich ein roter Faden finden, der sich konstruktiv weiter fortspinnen lässt.
    Selbstverständlich kann man sich nach stressigen Erfahrung nicht so leicht von Ängstlichkeiten frei machen, die ihrerseits den Hund verunsichern und so die Garantie für die nächste Pleite sind. Aber im Gegensatz zum Hund haben wir die Möglichkeit, diesen Teufelskreis zu erkennen und durch Arbeit an uns selbst zu durchbrechen.
    Einen schönen Abend noch.
    Anselm

  • Das freut mich auch riesig :)


    Ich erinner mich vor allem an den Brassel mit dem Auto... Halleluja |)


    Das wird eine Mischung aus allem sein, aber ich denke mal vor allem, dass ihr ihm (durch den MK) mehr vertraut und dadurch eine ganz andere Ausstrahlung habt.


    So oder so, ich freu mich für Euch!

  • Anselm, vielen Dank für deine Worte. Ich habe darüber nachgedacht und tatsächlich bin ich viel souveräner geworden. Früher war ich direkt nervös, wenn einige Menschen entgegen kamen, weil "gleich tickt er wieder aus". Und wenn ich nicht die Möglichkeit hatte, 5 Meter ins Gebüsch zu springen, hab ich sozusagen einfach nur die Luft angehalten und hab den Hund eng genommen. Fatal! Dieses "ich nehm dich jetzt eng" und ich bin schon so aufgeregt war ein furchtbarer Fehler unsererseits, denn genau das suggeriete ihm ja, dass was nicht in Ordnung ist.
    Als wir dann unser Menschentraining begannen, habe ich die Stunde zwei Mal abgesagt, weil ich so nervös war, was alles passieren kann usw. Dann habe ich mich getraut, Maulkorb drauf, tolle Trainerin an der Seite und ab gings. Und seitdem habe ich mich absolut verändert. Ich habe viel mehr Möglichkeiten, ihm zu zeigen, wer ich bin und wozu ich in der Lage bin (also, dass ich die Situation lenke und nicht er). Wir haben dadurch beide eine Gradwanderung gemacht, die nicht unerheblich war. Ich bin mittlerweile sehr gelassen geworden. Wenn ich weiss, dass viel los ist oder es nicht gut überschaubar ist, kommt der Maulkorb drauf oder ich nehme ihn ins Fuß. Und dann kommen viele Menschen, er kommt an die abgwandte Seite und wir gehen "einfach", ohne darüber nachzudenken. Es ist so wahnsinnig befreiend.


    Carause, das Autoproblem war wirklich der Gipfel, in einer furchtbar schwierigen Zeit. Aber auch da hatten wir die og. Trainerin, die uns und den Hund gut kennt und genau weiß, was für ihn richtig ist. Wir hatten schon einen Trainer, angeblich mit Hsh-Erfahrung, der ihn nach vielen Stunden nicht so gut einschätzen konnte. Leider. Das Training gefiel mir nämlich ganz gut.

  • Und noch was wegen Vertrauen. Ja, er hat gelernt, uns richtig zu vertrauen. Kleine Beispiele.. meine Eltern sind umgezogen und im neuen Haus lagen Marmorfliesen. Die Treppe hinauf traute er sich einfach nicht. Der erste Trainer riet zum leckerchen geben, Leckerchenspur, machte alles schlimmer. Die zweite Trainerin sagte: Geschirr dran, ganz ganz eng nehmen und ihn dadurch sozusagen am fallen hindern und mit ihm Stufe für Stufe gehen. Gesagt, getan. Bis wir oben waren, war das Geschrei groß seinerseits. Aber ab da... stand er an der Treppe, wir mussten kommen und erst dann traute er sich hoch. Mittlerweile düst er rauf und runter und ist immernoch furchtbar stolz.
    Oder auch, wenn Hunde ihn besteigen wollen, hol ich ihn hinter mich (so ein "das klärt jetzt Mutti" hätte er früher nie zugelassen), ich stelle mich dazwischen und blocke den anderen und er bleibt hinter mir. Sagenhaft.

  • Zitat

    Guten Tag an die fragwürdigen Herdenschutzhundhalter!


    Die Begrüßung soll schon meine Frage andeuten.
    Weshalb heißt das Forum "Herdenschutzhundehalter hier im Forum?" mit Fragezeichen? Sollen dadurch Zweifel ausgedrückt werden, ob "die da" überhaupt zu den anständigen Hundehaltern gehören, denen man Gastrecht gewähren darf?
    Mit freundlichen Grüßen.
    Anselm
    :hilfe:


    hi anselm
    ich war die thread erstellerin mit der frage ob es hier im forum auch herdenschutzhundehalter gibt...mir war dies damals nicht ganz klar, da so viele themen rund um den hund als themen erstellt waren. mir ging es jedoch da ganz speziell um die frage ob (noch) jemand mit herdenschutzhund im forum ist. da wir mit diesen speziellen hunden eben meisst ganz andere spezifische themen haben wie die meissten hundehalter mit "normalen" hunden, war es interessant ebensolche besitzer zu finden.
    ich freue mich ausserdem dass du den weg hierher gefunden hast und begrüsse dich auch ganz herzlich.
    wiederum freue ich mich auch, dass ich noch jemanden hier in diesem "unterforum" (haha...was für ein word) habe mit kaukasin. unsere ist nunmehr (schon) 7 jahre alt.
    um euren theo tut es mir schrecklich leid. immerhin durfte er 16 jahre alt werden....und dennoch ist es immer viel zu früh. diese krebsart von der du schreibst hatte auch meine mutter...und das ging rasend schnell...
    auch eine katze bei uns bekam diese hochaggressive form.
    ich bin auch auf deine weiteren berichte von ihr gespannt und wie sie sich so weiterhin entwickeln wird. bin sicher du wirst noch sehr oft überrascht werden, da sie fast noch ein "babie" ist... ;)
    ich muss mich auch entschuldigen, dass ich einige zeit abstinent war. wir hatten leider mit unserem umbau hier ziemlich viel um die ohren und ich wäre froh, würden wir dieses jahr noch fertig werden. sieht jedoch eher mal nicht danach aus...
    wenn man eine baustelle auftut, zeigt sich meisst schon eine neue... :lepra:
    somit habe ich oft nur ganz kurz rein geschaut und hätte gerne zu manchem beitrag von euch noch was geschrieben. hm...dazu hat man meisstens jedoch spät nachts keine wirkliche lust mehr und das hat sicher nichts mit den beiträgen als solchen zu tun.

  • noch kurz...musste erst nochmal alles nachlesen..
    mensch jansens..da freue ich mich gewaltig mit euch mit. toller fortschritt und ja auch ich bin mir sicher dass eure eigene (neue) sicherheit diese sich auch auf den hund überträgt.
    zuvor dachte er wohl sicher dass er da einiges zu regeln hat...und das auch versuchte.
    das hört sich auf jeden fall ganz klasse an. weiter so :gut:

  • hallo ihr lieben leute,


    dann möchte ich mich doch mal gerne bei euch einreihen:


    bei mir leben jona (mioritic-mix, 3 1/2 jahre, als welpe bei mir eingezogen)
    und amana (herdie-mix aus spanien, 6 1/2 jahre, seit 1 jahr bei mir).


    die beiden sind im haus recht ruhig (wenn nicht gerade das fenster zur straße auf ist und leute "laut" vorbeigehen), im garten jedoch wird fleißig patrouilliert und jede bewegung der nachbarn oder überfliegender vögel wird gemeldet.
    zwischendurch liegen die damen ne runde in ihren erdkuhlen und dösen, um dann wieder alles zu verbellen.


    wer von euch macht denn mit seinen hunden hundeschule/-training?
    ich mache mit jona agility und mit beiden unterordnung. dies ist jedoch besonders mit amana recht mühselig, da sie mir, nur wenn sie will, ihre aufmerksamkeit schenkt..... aber das gehört ja irgendwie wohl bei vielen herdies mit dazu.
    sie hetzt leider sehr gerne wild und ist deshalb fast immer an der schlepp (sie hat ihr ersten 2,5 lebensjahre auf den straßen spaniens verbracht) und ist der reinste staubsauger, was potentiell fressbares angeht. aber inzwischen kann ich ihr alles widerstandslos abnehmen.


    ich wünsche euch noch ein schönes rest-wochenende!


    lg, marita





  • hi marita
    herzlich willkommen :-)
    hundesport mache ich auch...aber nicht mit der kaukasin oder der maremma...
    unser bretone hat das weitaus nötiger und den muss man als vollblutjagdhund auch beschäftigen. allerdings geht das bei uns auch eher in diese richtung, wie bs. das vorstehen fördern, nasenarbeit wie z.b. verlorensuche etc..
    mantrail interessiert ihn leider gar nicht, da er versteckte personen zwar findet, jedoch eher nebenbei...und dann auf einer "besseren (wild)spur" einfach weiter hypt...
    so musste ich da etwas umpolen und bin schlicht auf die gegenstandssuche umgestiegen, welche er weitaus konzentrierter ausübt. unterordnung wie bsp. "fuss laufen" usw sieht bei uns inzwischen auch schon ziemlich gut aus. aber eben...er ist rassetechnisch ein anderes "niveau" und fordert einem nochmals völlig anderst als unsere herdis.

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