Junghund - ängstlich bei Kontakt mit fremden Hunden

  • Meine Junghündin (5Monate) ist anderen Hunden gegenüber eher ängstlich. Sie mag stürmische und aufdringliche Hunde überhaupt nicht. Konkret bedeutet das folgendes: Wenn ein fremder Hund eher flotten Schrittes auf sie zu kommt und gleich mal schnuppern will, bekommt sie Angst, fängt zu bellen an und geht weg. Wenn der andere Hund ihr nachgeht, bellt sie immer weiter und droht auch schon mal. Wenn ihr ein eher zurückhaltender Hund begegnet, sieht sie sich den Hund interessiert an. Sie lässt sich dann beschnuppern bzw. fängt selbst zum Schnuppern an und fordert zum Spielen auf. Das geht aber eben nur bei Hunden die nicht zu aufdringlich sind. Mittlerweile habe wir die Erfahrung gemacht, dass die meisten Hunden eher aufdringlich sind und gleich mal herkommen und schnuppern wollen. Ich weiß jetzt nicht genau wie ich mich verhalten soll?
    Bisher haben wir es so gemacht.


    Sobald ich weiter weg einen Hund gesehen habe, versuche ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken - mit Leckerlie oder Spielzeug. Das funktioniert manchmal. Wenn der andere Hund zu bellen beginnt, ist ihre Aufmerksamkeit sofort bei ihm und ich kann sie nicht mehr ablenken. Manchmal kann ich sie überhaupt nicht ablenken und sie bellt gleich mal den anderen Hund an. Wenn der Hund nah ist und der andere Hundebesitzer auch sehr nah kommt, dann lass ich den fremden Hund erstmal an meiner Hand schnuppern, rede etwas mit ihm und streichle ihn vielleicht. Meinen Hund lass ich dann eher hinter mir. Sie wird dann neugierig und will auch "Hallo" sagen. Manchmal funktoniert das so sehr gut. Wenn ich das Gefühl habe, der fremde Hund ist eher ruhig, dann lass ich sie einfach mal hin und dann ist sie nachher ganz stolz, dass sie es ohne Bellen und ohne Angst geschafft hat.


    Ich will ihr lernen, dass fremde Hund nicht schlimm sind und sie keine Angst haben braucht. Daher versuche ich sie eher nur zu ruhigen Hunden gehen zu lassen. Die anderen soll sie mal ignorieren und sich an mir orientieren.
    Heute war aber eine Situation, wo ich nicht genau weiß, ob es so in Ordnung war. Wir waren im Wald spazieren, meine kleine war schon eher müde, da sie viel herum gelaufen ist. Wir hatten sie an der langen Schleppleine (5m) und haben weiter vorne eine Gruppe Menschen mit 5 eher großen Hunden ohne Leine gesehen. Da ich davor schon gemerkt habe, dass meine Hündin aufgrund der Müdigkeit eher unkonzentriert war, habe ich gar nicht versucht sie abzulenken. Ich hab sie hochgenommen, ohne Kommentar an den Hunden vorbei getragen, abgesetzt und bin weiter gegangen. Sie hat geschaut, nicht gebellt oder geknurrt und ist nach dem Absetzten gleich weiter gegangen. Die anderen Hundebesitzer haben uns aber gleich angesprochen wie alt sie ist und dass wir sie absetzten solle, vorallem wenn sie Angst muss sie andere Hunde kennen lernen. Ich wollte sie nicht in die "Höhle des Löwen" werfen. Bei 5Hunden ohne Leine wären sicherlich mehr als einer auf sie zugekommen. Im Wald wollte ich sie auch nicht ohne Leine laufen lassen. Sie hätte sicherlich die Flucht ergriffen. War das Hochnehmen falsch?
    Nach 10min habe wir eine ältere Goldidame getroffen. Da durfte sie hin, hat Hallo gesagt, sie haben sich gegenseitig angeschnuppert, meine Kleine hat zum Spielen aufgefordert und dann gingen wir weiter. Sie war nachher richtig stolz.


    So, Ende des langes Textes :D Bitte um ein paar Tipps ob ich was falsch mache oder was ich besser machen kann. Soll ich sie hochnehmen wenn der andere Hund sehr stürmisch ist?


    Achja, wir sind in der Hundeschule. Dort lernt sie den Umgang mit anderen natürlich auch.


    Danke erstmal :smile:

  • In dem Alter habe ich regelmssige Kontakte zu bekannten, erwachsenen Hunden gesucht. Ausserdem waren wir in einer guten Welpengruppe, in der das freie Spiel gut gemanagt wurde. Geht ihr in eine Gruppe mit Gleichaltrigen?


    Wie groß ist deine Hündin? Welche Rasse, ist sie ein Kleinhund?


    Ich denke, ob du deinen Hund trägst oder nicht, geht niemanden was an - einen müden Welpen "darf" man durchaus tragen. Ich finde, du hast das richtig gemacht. Bist ja dabei ruhig geblieben. Nur stehenbleiben um zu diskutieren würde ich nicht.


    Was du lassen solltest, ist deiner Hündin Kontakte aufzunötigen. Ideal läuft es so:


    Beide Hunde an der Leine, kein Kontakt. Ihr geht nebeneinander. Du übst, dass dein Hund an deiner Seite bleibt (abgewandte Seite) und nicht kreuzt. Die darf gucken, ablenken ist Quatsch - aber sie soll eben nicht hin. Du darfst sie nicht mit der Leine abhalten, sondern mit dem Körper. Einfach dein Bein zwischen ihr und dem Hund (oder was sonst da ist). So lernt sie, dass sie nicht an dir vorbei kann - aber eben auch nichts anderes, an dir kommt nix vorbei. Sie lernt, dass du ein Schutzschirm bist. Das musst du aber auch sein!!! Sprich: sobald deine Hündin an der Leine ist oder im Freilauf zu dir kommt, wird sie abgeschirmt, und weder Mensch noch Hund hat sich ihr zu nähern. Das ist wichtig! Schieb den anderen Hund einfach weg. Wenn sie von selbst wieder hingeht, ok. Aber du bedeutest Schutz. V.a. für Welpen und Kleinhunde ist dieses Wissen sehr sehr wichtig.


    Wenn der andere Hund nicht mehr so interessant ist und alles ruhig ist, kann man ableinen. Wichtig: Dabei weiterlaufen. so bleibt alles ruhig. Auch wenn du deine in eine fremde Gruppe integrieren willst (was in der Regel eigentlich ganz problemlos ist, Gruppen sind tatsächlich oft einfacher als Einzelne), IMMER erst mal in Bewegung bleiben. Nicht rumstehen und gucken.


    Hab nicht die Erwartung, dass deine Hündin alle Hunde toll finden soll, das ist weder nötig, noch ist es gut wenn sie überall hinrennt.
    Und wenn dein Welpe mal angemotzt wird, ist das auch kein Drama, solange man keins draus macht.

  • Danke erstmal für die rasche Antwort. Da sind einige Tipps für mich dabei :smile:


    Ja, wir sind in der Welpenschule. Dort findet das Spielen nur unter Aufsicht statt und die Hunde werden genau beobachtet. Wenn es passt, dürfen sie spielen. Wenn einer Unbehagen zeigt, wird gleich getrennt.
    Sie ist ein Sheltie und im Moment 33cm hoch. Also eher klein ;)


    Bei Hunden aus dem Bekanntenkreis, wo ich weiß, dass sie ruhig sind, lass ich sie ohne Leine spielen bzw. einfach mal gemeinsam herum laufen. Das klappt auch ganz toll. Sie orientiert sich dann stark an dem anderen Hund, läuft interessiert hinterher und passt sich gut an.


    Das mit dem vor sie stellen und von den anderen Hunden abschirmen versuche ich, klappt aber nicht so ganz :???: Sie reckt dann den Kopf immer so, dass sie irgendwie an meinem Bein vorbei bellen kann. Soll ich sie dabei anschauen oder zum anderen Hund hinschauen? Soll ich dabei in die Knie gehen oder aufrecht stehen bleiben?


    Gut, dann werden wir es so handhaben: beide Hunde an der Leine = keint Kontakt, anderer Hund wird nicht hingelassen.


    Heute habe ich mit den anderen Hundbesitzern auch gar nicht diskutiert. Ich habe sie ganz ruhig auf den Arm genommen, bin vorbei gegangen (habe nur mit "5Monate" auf die Frage wie alt sie ist geantwortet), hab sie abgesetzt und bin weiter. Ganz ohne Drama.


    Mein Ziel ist es, dass sie ohne Stress an fremden Hunden vorbei geht. Sie soll gar nicht jeden begrüßen und lieben, sie soll einfach keine Angst haben.

  • Zitat

    Das mit dem vor sie stellen und von den anderen Hunden abschirmen versuche ich, klappt aber nicht so ganz :???: Sie reckt dann den Kopf immer so, dass sie irgendwie an meinem Bein vorbei bellen kann. Soll ich sie dabei anschauen oder zum anderen Hund hinschauen? Soll ich dabei in die Knie gehen oder aufrecht stehen bleiben?



    Nein, du musst dich gar nicht vor sie stellen. Wenn der Hund kapiert hat, dass du da einfach ne Wand bildest, dann bleibt sie von alleine da. Sie soll nie die Leine als Einschränkung erfahren, sondern dich. Ich würde immer, wenn irgendwie möglich, in Bewegung bleiben, nicht stehen bleiben. Das ist viel einfacher. Und natürlich üben, auch ohne Ablenkung, denn man braucht schon ein bisschen Koordination, um schnell genug zu sein.
    Ich habs hier mal beschrieben: http://pfotenblog.blogspot.de/…-kannst-nicht-vorbei.html


    Ich schaue meinen Hund dabei nicht an, und den anderen auch nicht, ich schaue dahin wo ich hinwill.


    Ansonsten halt flexibel reagieren, jeder Hund ist anders, schauen, was euch taugt, Hauptsache unaufgeregt.


    Übrigens: Hingucken ist kein Problem, sie darf gucken, sie darf wuffen, sie darf rumhüpfen, alles - nur an dir vorbeidrängen darf sie nicht. Der Fehler ist, das Endergebnis anzustreben - das geht aber nicht bei so einem jungen Hund. Also konzentriere dich nur auf das Wichtige: nämlich dass dein Hund deinen "Schutzschirm" kennt und akzeptiert. Alles andere ist jetzt noch gar nicht wichtig. Kommt von alleine.


    Die Welpengruppe klingt gut - auch da, wenn sie zu dir kommt, abschirmen (meist rennen sie eh gleich wieder hin). Nicht weil irgendwas sein könnte, sondern nur zum Lernen für Deinen Hund.

  • Danke für den Link, das klingt toll. Ich habe das gestern Abend gleich mal probiert. Sie musste links von mir bleiben. Ein paar stampfende Schritte und dann hat sie es relativ schnell verstanden :gut: Wir haben auch einen anderen Hund gesehen auf der anderen Straßenseite. Sie hat geschaut, ist aber nicht hin und hat auch nicht gebellt. Der andere Hund hat uns aber auch nicht beachtet.
    Wie mache ich das, wenn es für mich ok ist, das Leute sie streicheln? Wie zeige ich ihr, dass sie da jetzt hin darf?
    Im Moment läuft sie eher kreuz und quer, je nachdem wo ein guter Geruch herkommt. Soll ich sie dann wirklich nur auf einer Seite gehen lassen? Vor und zurück darf sie aber, oder?

  • Das ist nicht die Frage, ob sie was darf! Es geht überhaupt nicht um Verbote.
    Sie soll ja lernen, an der Leine bzw nah bei dir (im Fuss z.B.) kann sie sich darauf verlassen, dass nichts weiter auf sie einstürmt. Also wird da nicht gestreichelt usw.


    Wenn jemand Interesse an dem Hund zeigt, und der Hund auch, dann gib sie frei - ein Freigabe/auflöse Kommandos sollte sie ja bereits kennen, z.B. und ab! oder ok. Vorher Ansprache, Blickkontakt und freigeben. Nicht aus dem Zerren raus nachgeben.


    Vor und zurück - bei einem so jungen Hund finde ich, ist das recht egal, aber einfach stehenbleiben ist nicht, dann latschst du halt weiter. Aber von dir aus viele Pausen zum Schnüffeln anbieten. Frei hin und her laufen und schüffeln kann sie im Freilauf oder an der bewusst langen Leine (Schlepp). Das signalisierst du indem du langsamer läufst oder stehenbleibst (von dir aus!)
    Ansonsten aber ist kreuz und quer nicht drin, wenn irh lauft dann lauft ihr - und zwar lieber zügig gehen, es sit für den Hund sehr sehr viel einfacher, wenn er langsam Traben kann. Dieses Rumgeschlurche was viele Leute machen ist grausam für den Hund. Hunde (v.a. junge) gehen nur langsam, wenn sie schnuppern.


    so handhabe ich das, es gibt sicher viele ansichten.


    Logisch, dass dein junger Hund nur kurze Leineneinheiten kann und viel viel Freilauf und auch freie Kontakte zu anderen Hunden braucht! Die Einschränkung durch den menschen ist für den Hund aber viel leichter zu verstehen als wenn er nur durch die Leine eingeschränkt wird.


    Denk dran, dass du bei Begegnungen (ich mache das bei allem, Hund, Mensch, Fahrrad) immer so gehen solltest, dass dein Hund auf der abgewandten Seite gehen kann. Da muss man dann schon mal stur bleiben... den anderen Leuten gegenüber. Später, wenn es gut klappt, kann man dann beide Seiten üben.

  • Dann bericht mal obs besser wird! und viel spaß!

  • genauso mache ich es bei unserem Hund auch, alleine weil ich dieses kreuzen nicht mag.
    nur dieses blocken von anderen hunden klappt eher selten, denn vor allem kleine hunde laufen einfach an mir links oder rechts vorbei wenn ich mich in den weg stelle oder durch meine beine durch.

  • Dann musst du vielleicht etwas aktiver blocken? Guck die Hunde direkt an und stampfe mit dem fuss auf oder so. Und weitergehen weitergehen weitergehen... Das motiviert die HH, ihre Hunde einzusammeln, und die Hunde haben keine Zeit zum Streiten.


    Komischerweise passiert mir das nie, wahrscheinlich bin ich stadtbekannt für "Nicht an der Leine!!!" oder ich sehe so unfreundlich aus... Manchmal war ich aber schon der Auslöser *schäm* auch wenn man noch so sehr aufpasst und übt und alles, es klappt nicht immer...
    Allerdings gebe ich auch bei Hundebegegnungen oft vor mir aus frei, wenn das möglich ist und der andere schon frei ist, mein Hund liebt andere und hin dürfen ist die beste Belohnung für ordentlich auf Freigabe warten.
    Wir haben hier so ein paar Strecken, da würde es mich auch stressen, weil alle anderen Hunde frei laufen. da würde ich angeleint gar nicht gehen.

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