Rudel, Familienverband, kein Rudel,... was denn nun....

  • Warum muss denn eigentlich immer unbedingt der Begriff "Rudel" für einen beliebigen Zusammenschluß von Tieren herhalten?
    Dieser Begriff ist doch nunmal belegt, mit viel Geschichte und Assoziationen.
    Warum also gerade "Rudel", wenn es zudem doch auch zweifelhaft ist, ob ein Hundeverband überhaupt Rudelkriterien erfüllt (was er meiner Meinung nach nicht tut)?
    Ist das die Sehnsucht nach dem "Wolfsrudel für Zuhause"?
    Begriffsignoranz?


    Ich versteh es nicht so recht...


    Weil es nunmal ganz einfach ist. Die Wolfsforscher haben sich den Begriff geschnappt und neumodisch umgeändert.
    Ändert aber nichts daran was umgangssprachlich schon seit bald 200 Jahren ein Rudel ist: Ein Haufen Lebewesen die zusammen leben oder agieren. Eine Gemeinschaft, ein Zusammenschluß.


    Ein Rudel Kinder auf dem Spielplatz, Kerle die immer im Rudel auftreten, das Rudel Bengel die nix als Unsinn im Kopf haben, das Rudel Radfahrer, das Rudel Camper, ... Die Liste ist lang.
    So haben das Wort Rudel schon die Großeltern, die UrGroßeltern und die UrUrGroßeltern benutzt. Nur weil irgendwelche Wolfsleute nun meinen sie hätten den Begriff gepachtet ändert es nix daran. Das Wort Rudel wurde ja niemals ausschließlich für Wölfe benutzt!
    Ein bestehendes Wort ist ein bestehendes Wort. Grün ist ja auch Grün und nicht Blau. nur weil der Papst das so will.



    Und natürlich sind wir hier ein Rudel. Wir sind ein Zusammenschluß von hochsozialen Lebewesen die sich einander anpassen.
    Warum sollte das kein Rudel sein? Eine Familie geht ja nicht, denn das ist innerartlich. Eine Horde? Eine Rotte? Das hat die gleiche Bedeutung wie Rudel, nur etwas abgewertet.


    (Ganz davon abgesehen das es auch Wolfsrudel gibt die eben nicht aus Familienmitgliedern bestehen, so ganz einig sind sich die Experten aller Arten doch eh nicht.)



    @Lucy_Lou: Reicht dir der Duden? http://www.duden.de/rechtschreibung/Rudel
    Oder ein Buch über Synonyme von 1826? https://books.google.de/books?…cad=0#v=onepage&q&f=false
    Da kann man links unterm Buch im Buch suchen.
    "das einen Haufen, eine Menge zusammen gehöriger Dinge anzeigt" Zitat aus oben verlinkten Buch.

  • Früher hat man eine Gruppe Hunde, die Mensch zum Zusammenleben verdonnert hat, als "Meute" bezeichnet. Die war immer menschgemacht - keine Überschneidung mit dem "Wildtierrudel". Im jagdlichen Gebrauch gibt es die Meute ja noch.

  • Ich verstehe gar nicht, warum man den Begriff überhaupt verwenden muss? Gibt doch Alternativen... da reiten die Rudel-Sager wohl selbst gerne auf dem Wort herum. :)
    Gebe da einem Vorschreiber recht, mag vielleicht Sehnsucht sein.

  • Wer reitet hier denn auf irgendwas Rum?
    Ich für meinen Teil möchte nur gern verstehen und es richtig benennen. Und so wirklich viele alternativen kenne ich nicht.

  • Also ich finde umgangssprachlich Rudel völlig ok. Ich sage zu einer Patchworkfamilie mit Adoptiv-, Stief- und Pflegekindern auch Familie und erfinde kein anderes Wort, weil ich halt meine, dass diese Menschen als Familie zusammenleben.


    Ich will weder Leader of the Pack noch Rudelchef sein, dafür habe ich hier eine tolle Hündin sitzen, die das alles managed. (und es von Menschenseite aus auch darf)
    Nur durch ihre Art ist der interne Frieden hier gewährleistet.
    In meinem Rudel sind die Aufgaben klar verteilt, kommt jemand dazu, strukturiert sich alles etwas um, aber nie so, daß es sich für den Einzelnen verschlechtert.


    So ist es bei uns auch. Es würde Mayas Verantwortung und Mühe völlig abwerten, wenn ich das nicht sehen würde, was sie leistet, um Struktur aufrecht zu erhalten. Unser Hunderudel hat Struktur und inneren Zusammenhalt. Mir da eine Sehnsucht nach "Wölfen" zu unterstellen, finde ich wiederum eigenartig - und ein weiter Schritt.


    Aber im Normalfall bekommt nur das ranghöchste Weibchen Welpen - und das wiederum (im Normalfall halt) nur vom ranghöchsten Rüden.
    Der Rest des Rudels sind ältere Nachkommen der beiden, nur in ganz seltenen Fällen werden fremde Wölfe ins Rudel integriert.


    Nun, ich bin keine Expertin, aber ich habe gelesen, dass diese Ansicht veraltet sei. Auch andere Weibchen würden sehr wohl Nachwuchs bekommen, was nicht unbedingt zum Rudelausschluss führen muss. Aber ich kenne mich damit nicht aus, wollte es nur einwerfen.


    Für mich ist ein Rudel ein harmonisches Grüppchen Hund mit wechselnden Strukturen, Aufgabenteilungen und einfach einer ganz bestimmten Interaktion zwischen den Hunden.


    Das entspricht ungefähr meiner Vorstellung vom Hunderudel (nicht Wolfsrudel). Beliebig austauschbar sind sie nicht und abgrenzen tun sie sich auch ganz deutlich. Die Kommunikation innerhalb des Hunderrudels ist sogar sehr intensiv, wenn wir unterwegs sind.


    Ich verstehe gar nicht, warum man den Begriff überhaupt verwenden muss? Gibt doch Alternativen... da reiten die Rudel-Sager wohl selbst gerne auf dem Wort herum. :)
    Gebe da einem Vorschreiber recht, mag vielleicht Sehnsucht sein.


    Was denn für Alternativen? Meute etwa?

  • Ich verstehe grundsätzlich das Theater nicht..wie kann man sich an einem simplen Wort derart aufreiben.
    Ich denke jeder der sein Hunde als Rudel bezeichnet ist sich der Tatsache bewusst, dass es weder Wölfe sind, noch das es eine genetische Familie ist...aber es ist eben ein Sozialverband. Für diese Form gibt es nunmal kein richtiges Wort...also benutzt man Rudel....wem tut man damit weh? Meine Hunde gehören für mich zur Familie und wir leben in einer wie auch immer gearteten Gemeinschaft mt ihren eigenen Regeln und Strukturen. Deshalb sage ich Rudel..ich könnte auch ein neues Wort erfinden und es Kartoffelclub nennen...aber sehe die Notwendigkeit nicht. Wenn man Rudel sagt weiß nahezu jeder (außer halt hier im DF aber in der normalen Welt) was man damit ausdrücken will...auch wenn es fachlich vielleicht nicht korrekt ist...btw meine Meerschweinchen sind auch gelegentlich das Schweinerudel...bisher konnte ich keine negativen Auswirkungen feststellen

  • Was ich sage hängt davon ab, mit wem ich rede und warum ich darüber rede.


    Wenn ich es nicht "wissenschaftlich" meine und mein Gegenüber nun auch nicht gerade der ober Kynologe ist, finde ich es viel normaler (wie in allen anderen Bereichen) "Rudel" zu sagen, weil es einfach umgangsprachlich ist. Dabei habe ich keine Sehnsucht, reite auch auf nichts rum - sondern will einfach nur unproblematisch verstanden werden.


    Ich sag ja auch nicht ich hab ne "Pleuritis" sondern ne "Rippenfellentzündung" oder "Erältung" statt "Influenza" - ich finde das nur respektvoll und ich finde es kommt auch sehr komisch, wenn jeder immer auf den korrekten Bezeichnungen rumreitet und dadurch einen Sprachgebrauch hat, der sich echt hölzern anhört. Ich muss zugeben, dass ich Menschen die sowas tun auch immer etwas belächel. Es wirkt wie ein "aber ich habe Recht".


    Wenn es um eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema geht, wäre es wiederum doof, dann nicht den exakten Begriff zu verwenden. Und den Begriff "Rudel" dahinzugeben, wo er rein wissenschaftlich wirklich hingehört.

  • Moin,


    Rudel bei Säugetieren umfasst ja durchaus noch andere Tiere, bei den großen Weidetieren sprechen wir von Herden.... die aufgeteilt in viele kleine Familiengruppen miteinander leben. Bei Sauen sprechen wir von Rotten - da ist es sehr klassisch, eine Bache, ihre Töchter und deren Töchter und so weiter - fällt die Leitbache aus, sucht sich die Rotte keine neue Leitbache, sondern sie zerfällt in viele kleine Familien, jede Bache gründet mit ihren Frischlingen eine neue Rotte - Keiner spielen dabei keine Rolle, die sind nur geduldet, zur Paarungszeit.


    Bei den Hirschen ist es anders, der Platzhirsch ist der Vater aller Kälber (außer eine seiner Mädels ging am Rande mit einemJüngeren fremd - was nicht so selten ist) - das stört aber keinen. Bei Schimpansen gibt es Verwandschaftsgrade und Alliancen um sich durchzusetzen, je hochrangiger ein Weibachen, desto hochranigere ihre Kinder.


    Also, jede Tierart hat da ganz spezielle Lebensweisen, man kann sie nicht über einen Kamm scheren. Hyänen zum Beispiel leben ein Matriarchat und bilden auch so ein Rudel. Caniden neigen dazu, das immer das ranghöchste Weibchen Nachwuchs bekommt mit immer dem ranghöchsten Männchen.


    Hund, wie sie bei uns in der Familie leben bilden eine Gruppe, die kann man umgangssprachlich durchaus Rudel nennen.


    Ich beobachte das ja nur, Lucas etwa, ein sehr souveräner Hunde, verhält sich, wenn ich andere Hunde in der Familie habe, ganz anders, als wenn er allein mit mir lebt. Drinnen ist er extrem geduldig und lässt sich viel gefallen, aber wehe wehe draußen geht irgendein anderer Hund unseren "Besuchshund" an - dann wird er zum Tier und greift ein. Der mischt normalerweise nicht mit, er beobachtet, aber wehe unser Jungspund quietscht, dann gibt`s was auf die Mütze für den, der den Jungspund zum quietschen gebracht hat. Lucas hat auch Malik in seinen letzten Wochen an schlechten Tagen abgeschirmt und andere Hunde auf Abstand gehalten.


    Er hat auch eine panisch durchgehende Hündin verfolgt, hat ihr, war sehr schön zu sehen, signalisiert, "alles okay" sie zum Spiel aufgefordert (er spielt wenig bis selten, daher war das bemerkenswert) und sie im Spiel so dicht zu mir gebracht, das ich sie wieder anleinen konnte.


    Er verteidigt hier weder Platz noch Futter, okay - Kauknochen, da kann er auch mal Zähne zeigen, dem Tupf gegenüber jedenfalls. Er liegt gelassen und lässt das Donnerwetter vom Tupf einfach über sich hinweg gehen...


    Allein muss er das ja alles nicht, Rudel? Doch, würde ich meinen - keine Rudel wie in der Wildnis aber eines, das eben vergesellschaftet worden ist, mit Symathien und Antipathien. Meine Hunde kennen meine Körpersprache, ich kann auch ohne Worte mit ihnen kommunizieren, das macht mich aber nicht zum Hund, aber durchaus zu ihrem Anführer, auf mich zu hören ist besser als es nicht zu tun. Aber das haben sie gelernt, mit mir - mit anderen klappt das nicht so gut.


    Sundri


    P.S. All diejenigen, die oft mit mehreren Hunden in immer gleicher Zusammensetzung gehen, die können doch beobachten, wie sich die Hunde untereinander verhalten und wie sie sich verhalten, kommt ein Fremdhund dazu. Ich persönlich gehe solchen Gruppen gern aus dem Weg..... besonders wenn den zugehörigen Menschen schnuppe ist, was ihre Hunde da so treiben.

  • Ich seh es pragmatisch
    Kann ich meinem Gegenüber etwas leichter über den Begriff "Rudel" erklären, dann nutz ich das auch
    Im Moment find ich es eher bedenklich wieviel Zeit dafür draufgeht sich die Köppe über einen simplen Begriff zusammen zu hauen
    Ma kleines Beispiel
    Ich auf der Hundewiese, es wird mir was zu voll und ich rufe *Pack*
    Gemeint als
    Pack : Pack Gruppe von Hunden, die als asozial, verkommen... Blahblah
    Die Frau neben mir: "Ah Cesar-Fan ..hm?!"
    Ganz ehrlich, jeder der so auf einer Begrifflichkeit herumreitet wenn sein Gegenüber nicht vom Fach ist sollte sich den Stock aus der Hose nehmen
    Egal ob jetzt Pro Begriff oder Contra
    Es ist ein umgangssprachliches Wort und als das sollte es auch erstmal gewertet werden

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