Hund und Baby - Vorbereiten&Aneinander gewöhnen

  • Hallo Hundefreunde,


    ich würde mich gerne darüber austauschen, wie man Hund und Baby am besten aneinander gewöhnt, wie man den Hund schon in der Schwangerschaft vorbereiten kann, welche Regeln gelten sollten und wie man es möglichst sicher für alle gestaltet. Auf welche Verhaltensweisen des Hundes sollte man achten?


    ich bin momentan im 6. Monat schwanger. Mein Hund ist ein Wolfsspitzrüde, 3 Jahre alt. Babys und Kinder kennt er nicht wirklich, aber wir "üben" gerade mit dem Baby einer Freundin...d.h. er lernt sie bei gemeinsamen Spaziergängen kennen, darf auch schnüffeln...er findet sie von mal zu mal uninteressanter, was mich sehr beruhigt. Er ist ein etwas unsicherer Hund, der sehr schnell auf 180 ist (im Sinne von Unruhe, Nervosität, Hektik; nicht aggressiv) und dann Probleme hat wieder runter zu kommen. Insgesamt also schnell gestresst.


    ich habe mir eine Babypuppe besorgt und möchte nun schon mal die Situation üben, dass ich etwas im Arm halte und mich damit beschäftige, mein Hund aber nicht bzw. nur ganz vorsichtig ran geht...so dass es einfach ein normales Bild für ihn wird. Meint ihr, das kann so klappen und er kann das später aufs Baby übertragen?


    Kinderzimmer und Schlafzimmer werden mit Kindergitter gesichert, ich habe vor das Kinderzimmer zur Tabuzone für ihn zu erklären. Aus dem Schlafzimmer möchte ich ihn aber eigentlich nicht verbannen, obwohl das Baby ja erstmal dort mit uns schlafen soll...ich werde das einfach von seinem Verhalten tagsüber abhängig machen, dann kann ich ja einschätzen ob da nachts eine Gefahr bestehen könnte. (das Beistellbett steht ja direkt neben unserem Bett und ist von der anderen Seite durch die Wand begrenzt. Er müsste also entweder über uns zu dem Beistellbett steigen oder sich von vorne drauf stellen. Wenn er sowas tagsüber aber nicht macht erwarte ich es nachts auch nicht...unser Bett ist auch Tabu für ihn, da geht er nicht rein...zumindest nicht in der Nacht :hust: )...oder bin ich da zu naiv?


    Wenn es zum Gassi geht, habe ich ihm beigebracht gesittet die Treppe runter zu laufen und auf jedem Absatz auf mich zu warten, bis ich "weiter" sage...das klappt schon super. Die Leinenführigkeit ist verbesserungswürdig, ich hoffe wir bekommen das noch hin. Ich möchte auch noch üben, mit Kinderwagen zu laufen...
    ich habe geplant, die erste Zeit alleine nur kurze Runden mit Hund und Baby zu laufen und das Baby dabei an mir zu tragen...und wenn mein Freund da ist, größere Runden zu gehen mit Baby im Kinderwagen.


    welche Tipps habt ihr noch bzw wie klingt das alles für euch? Was sollte ich unbedingt noch beachten oder einüben, bis das Baby kommt?

  • Das hört sich schon ganz gut an wie ihr das vorhabt.
    Ich denke besonders wichtig wird sein, daß ihr ihm ganz klar zeigt wie er sich im Umgang mit dem Baby verhalten soll und was ihr genau von ihm möchtet, er also ein Alternativverhalten angeboten bekommt. Am Besten mit viel positiver Bestärkung.
    Ich finde es gut, daß du ihn nicht ausschließen möchtest wenn du mit dem Baby beschäftigst bist. Überlege dir was er, deiner Meinung nach tun soll wenn du beispielsweise das Baby fütterst oder wickelst, wie er Kontakt zum Baby aufnehmen darf und biete ihm das von vornherein an und Belohne das.
    Da du deinen Hund als einen Hund beschreibst der sehr schnell Stress bekommt würde ich dafür sorgen, daß er immer die Möglichkeit hat sich zurück zu ziehen, wenn er Ruhe braucht. Trotzdem sollte er die Möglichkeit jeder Zeit zurück zu kommen.
    Das Kinderzimmer zur Tabuzone zu erklären finde ich absolut richtig. Andersherum sollte auch er eine Zone zugewiesen bekommen die für das Kind absolut tabu ist und wohin er sich zurück ziehen kann wenn er Ruhe braucht.


    LG


    Franziska mit Till

  • Was wären denn sinnvolles Alternativverhalten? Habe schon überlegt ihm einen Kong zu geben wenn ich das Baby füttere, aber das kann ich ja nicht alle 3-4h machen und irgendwie wäre es auch stressig, dann jedes Mal noch einen Kong zu holen oder zu richten :D also ihn sitzen lassen? Auf den Platz schicken? Vor dem Kinderzimmer abliegen lassen, damit er beobachten kann was ich da mache? Irgendwie bin ich da grade total unkreativ. Oder sollte ich ihn garnicht gross beachten (weil Beschäftigung mit Baby = Normalität) und es nur bestätigen wenn er zb sich von selbst wegbewegt oder sich entspannt hinlegt?

  • Ich würde schauen, was dein Hund von sich aus anbietet. Wenn er sich interessiert zeigt würde ich ihn auch teilhaben lassen wollen. Dann würde ich das Baby beispielsweise gegebenenfalls auch im Wohnzimmer füttern, damit der Hund dabei sein kann. Für mich persönlich wäre alles in Ordnung wobei der Hund sich ruhig verhält. Wenn du mit dem Baby auf dem Sofa sitzt kann er sich Beispielsweise zu deinen Füßen legen, wenn er bei dir sein möchtet. Wenn er auf das Sofa darf könnte er sich auch neben euch legen, solange die Nase von Baby und Flasche weg bleibt. :D
    Sollte er kein Interesse haben wird er sich selbst einen Platz zum ausruhen suchen.


    LG


    Franziska mit Till

  • Kinderzimmer und Schlafzimmer werden mit Kindergitter gesichert, ich habe vor das Kinderzimmer zur Tabuzone für ihn zu erklären.

    Habe ich nie gemacht. Der Hund durfte sich vor der Schwangerschaft überall aufhalten und danach auch.


    Bei mir lief das so:
    Aus dem Krankenhaus wurde ein volle Babywindel entführt und Hundi durfte dran schnuppern. Ich kam nach Hause, Kind im Maxi Cosi, Hund durfte den Rüssel reinhalten und schnuppern. Mein damaliger Hund (weißer Schäfirüde, 40 kg schwer, unsicher, konnte Kinder nicht ausstehen) war bei allem dabei: Wickeln, füttern, schlafen. Meine Kinder haben ihn schon mit lecker Babybrei gefüttert, da konnten sie eben erst sitzen: Ein Löffel für Mama, einen für den Hund :lol:


    Meine größte Sorge war eigentlich immer nur, eines der Kinder könnte eine Tierhaarallergie entwickeln und ich müsste eine Entscheidung treffen, die mir mein Herz gebrochen hätte. War zum Glück nicht so, vllt. genau weil der Hund von Anfang an dabei war? Wer weiß...


    Beim ersten Babygeschrei ist mein Rüde völlig verwirrt durchs Haus gelaufen, ich hab ihm gezeigt, dass der kleine Mensch die Töne macht und alles gut ist. Damit so was funktioniert finde ich es absolut wichtig, dass der Hund die gleichen Rechte hat und seine Aufmerksamkeit und Auslastung bekommt, wie vor dem Kind.


    Drei Kinder und der Hund haben das überlebt und haben eine wunderbare Freundschaft zu einander entwickelt. Zwei meiner Kinder hatten schlimme Koliken, ich konnte sie meinem Hund auf den Bauch legen und sie sind seelig eingeschlafen.


    Klar, kann es auch anders laufen. Ich finde, du gehst überbesorgt an die Sache ran. Je souveräner du bist, desto entspannter ist auch dein Hund. Ein Fehler wäre es, ihn aus gewissen Abläufen auszuschließen, so hat er keine Chance richtiges Verhalten zu lernen.


    Es gibt eine Grundregel: Der Hund soll Respekt vor dem Kind haben, dass Kind aber auch vor dem Hund! Der Hund darf vom Kind nicht bedrängt, befummelt oder sonst wie belagert werden, wenn er das nicht will. Kommt er von selbst, ist alles gut.


    Gerade wenn die Kleinen anfangen zu krabbeln, ist es noch mal ungewohnt für den Hund. Da braucht er seine Ruhezone, d.h. es wird nicht auf Hundi zugekrabbelt oder hinterher gekrabbelt. Man muss immer ein Auge drauf haben und beide, Hund und Kind, korrigieren.

  • Ja, ich denke je mehr er sein Interesse ausleben und befriedigen kann, desto schneller wird die Situation ja auch normal und damit uninteressant und kein Grund für Aufregung.

  • Ich sehe das wie @Mia2015.
    Wir haben vorher eigentlich gar nichts verändert, außer dass die Hunde nicht mehr im Bett schlafen durften. Da war aber die Schwangerschaft nur ein weiterer Grund für: ich konnte die Haare einfach nicht mehr ertragen ;)


    Ansonsten waren und sind sie hier überall dabei. Unser Sohn ist nun bald 11 Monate, krabbelt wie verrückt durch die Gegend. Er lernt nun die Hunde in Ruhe zu lassen, wenn sie sich ins Körbchen verziehen. Die Hunde haben dafür gelernt, dass alles, was er in der Hand hat, nicht für sie gedacht ist (mittlerweile entscheidet er selbst, dass sie mit essen dürfen :D).
    Da mein Rüde mit Kindern nicht wirklich kann und Krabbelkinder ganz gruselig fand und ihm das heute bei Liam auch nicht geheuer ist, haben wir uns vor wenigen Wochen eine KinderschutzTür zum Kinderzimmer geholt. Da parke ich den kleinen manchmal zum Spielen drin.


    Ansonsten kommt das meiste im Verlauf der Zeit.
    Mach dir da keine großen Sorgen. Genieß die Schwangerschaft, genieß die Runden mit deinem Hund. Anders wird es danach auf jeden Fall...

  • Und wie würdet ihr das erste Zusammentreffen gestalten? Als Spitz findet mein Hund alles fremde nicht so toll, das in unsere Wohnung kommt...also vielleicht eher draussen? Dass er am Baby schnüffelt, wir eine kurze gemeinsame Runde gehen und dann erst rein?

  • Ja, ich denke je mehr er sein Interesse ausleben und befriedigen kann, desto schneller wird die Situation ja auch normal und damit uninteressant und kein Grund für Aufregung.

    Am meisten habe ich mich immer auf die morgendlichen Spaziergänge mit Hund und Kinderwagen gefreut :smile: Ich fand das super.


    Das Zusammenleben hat sich nebenbei entwickelt, hat wer Mist gebaut (egal ob Hund oder Kind) gas nen Anschiss und gut war. Ich habe meinem Hund da sehr vertraut und war davon überzeugt, dass er wissen wird, dass die Kinder zu uns und so auch ihm gehören. Aber: Immer ein Auge drauf gehalten :smile:

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