Bindung vs. Allein bleiben?
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Hallo ihr Lieben,
der Countdown läuft, die letzten Anschaffungen sind erledigt und nächsten Montag zeiht endlich unsere Rayna ein
Beim Aufstellen eines Fahrplanes für die ersten Wochen ist mir aber ein Widerspruch aufgefallen:
Zum Einen habe ich von einer Hundetrainerin den Rat bekommen, in der ersten Zeit nur aus der Hand zu füttern um die Bindung zwischen uns und Rayna aufzubauen. So sollte sie für jedes Blickkontakt aufnehmen ein Stückchen Futter bekommen erschien mir auch erstmal logisch.
Zum anderen könnte das ja dazu führen, dass sie mir auf Schritt und Tritt hinterher dackelt. Und das könne (1.) auf Dauer ziemlich nervig sein und (2.) das Training fürs Alleinbleiben torpedieren was ja zunächst einmal beinhaltet, dass ich häufiger mal den Raum wechsle, ohne sie groß zu beachten, damit sie lernt, dass es sich nicht lohnt mir nachzukommen.
Somit widersprechen sich die beiden Ansätze meiner Meinung nach grundlegend.Ich überlege jetzt, ob ich das Kontakt aufnehmen ausschließlich draußen belohne.
Was sagt ihr denn dazu? Mir sind ja beide Punkte, Bindung und interessant für sie sein und, dass sie gut allein bleiben kann, wichtig.
Liebe Grüße und vielen Dank
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Wie alt ist Rayna dann? Ich persönlich belohne wirklich viel (über das Trockenfutter aus der Hand), aber gerade bei Welpen finde ich es essentiell, dass sie lernen, wirklich ungestört und regelmäßig in ausreichender Menge fressen zu können. Ich hab ja selbst gerade einen 11 Wochen alten Welpen, die bekommt 3x täglich in Ruhe aus dem Napf ihr Futter und Belohnungen verteilen geht natürlich dennoch
. Nur aus der Hand füttern würde ich generell nicht mehr machen (hab ich früher auch mal interessant gefunden als Ansatz), finde ich aber zu stressig für den Hund, wenn er nur auf die Möglichkeit wartet, sich wieder was verdienen zu können.
In der Wohnung würde ich keinesfalls Futter dafür verteilen, dass sie dich stalkt, also hinter dir her läuft, dich im Blick behält. Draußen, ja, fürs angeflitzt kommen gibt es Spiel oder Futter oder "Yipieh"! Futter ist ja auch nicht das einzige, um Bindung aufzubauen. Gerade bei einem jungen Hund kriegst du Aufmerksamkeit ja über alles mögliche und am wichtigsten ist, dass du Ruhe, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit ausstrahlst, Körperkontakt bietest, nicht "unfair" wirst. Sofern dein Hund bei Einzug noch kein Trauma hat oder sonst was wichtiges in der Entwicklung verpasst hat, schließt der sich dir eh an.
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Ich habe meine Welpe auch in ruhe fressen lassen. Jetzt nehm ich hin und wieder ihr Frühstück mit zum morgen gassi.
In der Wohnung darf sie hinter mir her laufen ~ sie wechselt einfach ihre schlafPlätze und schnarcht weiter . Wenn sie morgens weiss dass ich aufräume verkrümelt sie sich ins Schlafzimmer. Da bin ich ihr zu hektisch :).obwohl wir haben mit den allein bleiben erst nach 6 Monaten angefangen haben klappt das Problembefreit bis zu 5 h (da begrüßt sie mich schlaftrunken und legt sich meist wieder hin).
Ich würde deinen Hund erstmal ankommen lassen und nicht zuviel machen -
Schließe mich an, würde mit einem Welpen keine ausschließliche Handfütterung machen. Das muss das kleine Tier ja enorm stressen, ständige Unsicherheit, wann es wieder was gibt und wieviel... zudem wäre es mir mit der Stubenreinheit auch zu umständlich. Wenn man normal aus dem Napf füttert (oder größtenteils aus dem Napf, klar, Belohnungen zwischendurch kommen immer dazu), hat man schneller ein Gefühl dafür, wann Welpi wieder raus muss.
Und, ja - den Ansatz, jede Kontaktaufnahme drinnen zu belohnen, finde ich für einen nicht traumatisierten Welpen auch etwas "zu gut gemeint". Welpen kommen schon von sich aus und interessieren sich für dich. Und selbst wenn nicht, gibt es (sofern du es nach einer Weile ändern wollen würdest!) auch andere Bestätigungen/Mittel.
Viele Grüße
Silvia -
Was sagt ihr denn dazu? Mir sind ja beide Punkte, Bindung und interessant für sie sein und, dass sie gut allein bleiben kann, wichtig.
Ich schreib mal was zur BindungBindung entsteht durch ...
... Feinfühligkeit: Bedeutet Einfühlsamkeit bei allen hundlichen Belangen. Also Verstehen was den Hund antreibt, was seine Bedürfnisse und Sorgen sind.
... Nähe: Das Bedürfnis ist nicht in jeder Situation und Hund gleich stark. Es hängt vom individuellen Wesen und der Tagesform des Hundes ab. Je schutzbedürftiger der Hund ist, desto ausdrucksstärker ist Bindungsverhalten (hinterherlaufen, weinen und heulen beim Alleinesein, großer Stress bei Heimkehr etc. pp.) Ruhig begrüßen beim Heimkehren und ruhig streicheln, baut Stress ab. Zu Hause kein Absondern des Hundes ermöglichen, also beieinander sein. Angebote des Sozialkontaktes machen (bedeutet nicht zwangsläufig Körperkontakt).
... Entwickeln eines achtsamen Miteinanders: Dinge, die der Hund spannend findet, selbst spannend finden. So ist man bei ihm, interessiert sich für das was er macht, hat ein Auge auf die Dinge (so vermeidet man auch Anmeckern a la "Pfui ist das!"). Umwelt anschauen, zusammen schlendern, weiche Bewegungen, anhalten und warten geschieht ruhig, nicht abrupt, alles ohne Leinenruck.
... Berührungen, die gut tun: also kein Bedrängen! Es muss aus dem Moment heraus passen und es sollte dem Hund überlassen werden, ob er Kontakt möchte (durch Hand hinhalten). Bei liebevoller Berührung wird Serotonin ausgeschüttet, Oxytocin schafft Bindungssicherheit. Wenn du magst, lass den Hund ins Bett oder auf die Couch (vorausgesetzt er verteidigt nichts davon). Die Nähe zum Menschen ist bindungsfördernd und der Hund fühlt sich wertgeschätzt (nicht „aufgewertet“) und auch Kontaktliegen ist dann möglich. Tabuzonen beachten! Nicht übers Ziel hinausschießen beim Wunsch nach Nähe. Spielen und Fiddeln auseinanderhalten und nicht sofort auf jede „Einladung“ des Hundes eingehen (zu nah, zu dicht, zu viel) – lieber ansprechen und sich fragen „Will der auf dem Rücken liegende Hund gerade wirklich am Bauch gekrault werden?“
... Schutz, Geborgenheit und Fürsorge: Sie Sehnsucht nach schützender Bindung ist immer da, nur manchmal (sehr) schwer erkennbar. Das Gefühl der Geborgenheit kann man durch kuschelige Decken vermitteln. Wärme und Schutz kann der Hund in einer sicheren "Höhle" finden. Das Angebot einen solchen Ort aufsuchen zu können sollte immer gegeben sein!
... Verlässlichkeit und Beständigkeit: über Rituale schafft man eine Vorhersagbarkeit von Aktionen. Man wird einschätzbar für den Hund.
... Achtung, Wertschätzung und Förderung: Auf Persönlichkeit des Hundes achten! Man darf Verhalten doof finden aber nicht den Hund. Er soll an Anforderungen wachsen dürfen und lernt durch die Unterstützung Gefühle selbst zu regulieren. Die Wertschätzung des Hundes ist dann ehrlich gemeint, wenn der Hund nichts dafür vorher erbringen muss. Wenn er also einfach nur weil er da ist gelobt wird
... achtsame Eingewöhnung in der neuen Familie: wiederkehrende Abläufe schaffen Sicherheit und Gewohnheiten sind etwas Vertrautes. Evtl. ist es ratsam, dass der Hund nicht sofort das ganze Haus zur Verfügung hat, evtl. ist eine konfliktfreie Teilung nötig: separieren hat nichts mit Wegsperren zu tun und später kann man immernoch mehr Raum freigeben. Dann langsames zeigen und lehren der Hausstandsregeln. Zeit zum Verarbeiten geben und Wohlfühlräume schaffen.Mach dich nicht verückt. Der Hund wird dir anfangs sicherlich eh überall hin folgen und gucken was du machst. Klar kannst du Leckerchen geben, aber ich würde zumindest am Anfang nichts davon abhängig machen.
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Zum Einen habe ich von einer Hundetrainerin den Rat bekommen, in der ersten Zeit nur aus der Hand zu füttern um die Bindung zwischen uns und Rayna aufzubauen. So sollte sie für jedes Blickkontakt aufnehmen ein Stückchen Futter bekommen erschien mir auch erstmal logisch.
Dein Gedankengang ist völlig richtig. Wenn Du so einen Stress um Deine Person machst, dann wirst Du diesen Stress beim Hund "ernten".
Schau Dir Deinen Hund an, wie er tickt. Und dann entscheide wie oft es wann Belohnung braucht, damit er für Dich lenkbar bleibt.
Ich finde, dass die Fütterung aus der Hand eine ganz grauenvolle Modeerscheinung ist, die viele Hunde enorm unter Stress setzt. Meist wird sie von Trainern empfohlen, die schlichtweg zu blöd sind ein paar simple Trainingsschritte korrekt zu gestalten. Aber ein Hund muss diese Blödheit nicht ausbaden, indem er in eine solche Notlage gebracht wird, finde ich.
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Wow!! Vielen, vielen Dank für eure wirklich ausführlichen Antworten. Dann ist es ja gut, dass ich mittlerweile so viele tolle Tipps hier im Forum abstauben konnte, um die Hinweise der Trainerin zu hinterfragen :-)
Dann hat sich das mit dem "nur aus der Hand füttern" also erledigt :-)
Rayna ist dann übrigens ca. 18 Wochen alt.
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Handfütterung (also dass die Tagesration statt aus dem Napf über den Tag verteilt in Häppchen gegeben wird) würde ich höchstens als Lösung für ein besonderes Problem einsetzen, nicht pauschal zur Eingewöhnung.
Ich habe damit früher auch mal experimentiert, und dabei festgestellt, dass die Hunde davon massiven Zahnbelag bekamen! Und zwar von demselben Futter, dass bei der 2 Mal täglichen Fütterung aus dem Napf überhaupt keinen Zahnbelag verursachte.
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Bei Wildcaniden haben Welpen und Junghunde das Privileg, von ihren Eltern bedarfsdeckend mit Futter versorgt zu werden. Sie müssen sich ihr Futter nicht "erarbeiten" durch irgendein bestimmtes Verhalten oder irgendeine Leistung.
Deshalb lehnen Verhaltensforscher die ausschließliche Handfütterung von Welpen ab, da sie unnötigen Stress erzeugt.
Natürlich kann man Leckerchen als Belohnung von Hand verfüttern, aber den größten Teil des Futters sollte der junge Hund in Ruhe aus dem Napf fressen dürfen.Worauf es bei der Bindung wirklich ankommt, hat Estandia schon wunderbar beschrieben.
Dagmar & Cara
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