Jagd, Hege, Naturschutz und mehr - allgemeine Diskussion

  • Beim Jagdhunde online Kongress gibt es heute genau zu dem Thema einen Beitrag "Der Labrador - (k)ein richtiger Jagdhund?".

    Ich habe es noch nicht gesehen, weil ich noch keine Zeit hatte. Aber ist für die Diskussion vielleicht interessant?

  • Inwiefern zeichnet das beschriebene Verhalten denn einen Vollblutjagdgebrauchshund aus?

    Auf die Schnelle würde ich sagen, mit sowas (also nur auf das beschriebene Verhalten bezogen) schlägt sich gefühlt jeder vierte oder jeder fünfte Hundehalter rum, oder nicht? Dass ein Hund sich ein im Gebüsch sitzendes Tier schnappt, ist doch keine Seltenheit? Oder geht es dabei konkret um eine Besonderheit von Frischlingen, wie der wehrhaften Sau, die dazugehört? Ich sehe da, je nach Größe der Frischlinge, keine Besonderheit im Hundeverhalten, sondern einen in der Situation verantwortungslos geführten Hund, aber vielleicht fehlt mir dazu mehr Hintergrund?


    Wirklich? Jeder 4. oder 5. HH schlägt sich mit einem Hund rum der einfach mal eben in eine Wildschweinrotte springt, sich einen (zu der Jahreszeit 20-30 kg wiegenden) Frischling packt, den tötet und raus zieht? Das wage ich mal sehr stark zu bezweifeln.

    Vor allem "rumschlagen", wir reden wir hier nicht von einem überforderten HH, der seinen Hund nicht erzogen und unter Kontrolle bekommt, sondern von einem gut ausgebildeten, wirklich richtig gut arbeitenden, führigen Arbeitshund, der ganz selbstverständlich im Freilauf Gassi gehen kann. Den aus Versehen mitten in eine Rotte am Wegrand zu setzen ist halt einfach blöd gelaufen.


    Hier hat NIEMAND auch nur ein schlechtes Wort über Retriever verloren - lediglich angemerkt, dass sie einen anderen Arbeitsschwerpunkt haben

    Also Jagdhund light ist jetzt nicht gerade...nett...

    Das ist deine persönliche Abwertung, nicht meine. Ich sehe es nicht als negativ an, wenn ein Hund nicht der Krasseste der Welt ist, sondern einfach moderat. Im Gegenteil, ich finde das eher positiv. Hier zieht ja auch ein Vollgebrauchshund und keine Bracke o.ä. ein, weil ich mit dem Hund auch privat noch halbwegs was anfangen können will.



    Auch ein Retriever muss Niederwild betreffend Wildschärfe mitbringen. Er soll ja kranke Hasen, Fasane usw. trotzdem bringen und darf davor nicht zurück schrecken. Das ist dann einfach eine Wesensschwäche oder schlechte Anlage. Die Wildschärfe bei einem gut veranlagten Retriever ist dann natürlich trotzdem nicht die eines Terriers, aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein.

    Ja, ich denke das dürfte so der Knackpunkt sein. Ich jage hier hauptsächlich in Hochwildrevieren, noch dazu mit wolfserprobten Rotten. Ich denke wir bewerten Dinge wie nötige Wildschärfe usw. unterschiedlich.
    Wie gesagt, ich will den Retrievern ihren Platz als Jagdhunde wirklich nicht absprechen. Aber ich jage hier nunmal unter Bedingungen in denen sich deutlichst zeigt, dass sie mit den Allroundern eben doch nicht mithalten können und wo sich ihre Limits deutlich aufzeigen. Hier gibt es auch ein paar Jäger die Retriever daheim haben, kein Einziger von denen wird aber jagdlich geführt, weil sich das eben nicht lohnt, kein Einsatzgebiet.

    Ich bin jetzt allerdings neugierig, du redest immer wieder von guten Hunden. Gute Hunde sind natürlich das eine, aber wie sieht es denn jetzt so im Durchschnitt aus? Wenn man jetzt einfach irgendeinen Labbi oder Golden aus jagdlicher Leistungszucht nimmt. Wie sehr muss man denn damit rechnen, dass der den Hasen, das Reh, den Fuchs nicht abtut? Ich muss gestehen, bevor du das geschrieben hattest, bin ich ganz automatisch davon ausgegangen, dass man von einem Retriever ganz selbstverständlich erwarten kann, dass er zumindest einen kranken Hasen abtut, wenn nötig.
    Wie wahrscheinlich ist es denn, dass der scharf am Schwarzwild arbeitet und zwar ganz, nicht nur Standlaut aus sicherer Entfernung oder mal ein kurzer Schnapper in den Hintern, wenn Hund sicher sein kann, dass es sich nicht mehr wehren kann?
    Ich meine Einzeltalente gibt es immer genauso wie das Gegenteil, aber wenn man sich einen Hund holt, dann rechnet man ja damit, dass man irgendwas um den Durchschnitt herum bekommt.

    (Ihre Leistung am Geflügel, vor allem im Wasser, das habe ich schon paarmal gesagt, will ich ja absolut nicht in Frage stellen. Wenn du mir da erzählst, dass es irgendwelche Einschränkungen gibt, falle ich vom Glauben ab.)

  • Das ist deine persönliche Abwertung, nicht meine. Ich sehe es nicht als negativ an, wenn ein Hund nicht der Krasseste der Welt ist, sondern einfach moderat. Im Gegenteil, ich finde das eher positiv. Hier zieht ja auch ein Vollgebrauchshund und keine Bracke o.ä. ein, weil ich mit dem Hund auch privat noch halbwegs was anfangen können will.

    Ich auch nicht und ich finde es auch ganz zurecht gesagt, dass ein Retriever doch gemäßigter unterwegs ist. Was ja für viele auch das Argument ist.

    Vom Einsatz her kenne ich sie vor allem bei Jägern, die überwiegend auf Federwild jagen (Gänse, Enten, Krähen) und dort die Retrieverart sehr schätzen und einen Hund für einfache Totsuchen benötigen können. Wo außerdem kein Bedarf an einen Hund für DJ besteht und man etwas sehr umgängliches sucht, aus verschiedenen Gründen.


    Wir sind hier ja auch sehr wolfslastig und die Züchter hier kommunizieren das auch so. Trotzdem nimmt die Beliebtheit immer mehr zu und es wechsel schon auch einige vom Vorsteher zum Retriever, wo die Arbeit für den Vorsteher gar nicht mehr allumfassend gegeben ist.


    Wo ich der Diskussion nicht folgen kann, ist an der Stelle, wo der Punkt DJ diskutiert wird? Da ist ein Retriever doch nun wirklich nicht die Wahl, auch wenn man sicherlich Glück haben kann, in Einzelfällen.


    Zumindest am Wasser habe ich im Bekanntenkreis einige Jäger, die mit ihrem Retriever zufriedener sind, als vorher mit den Vorstehern. Das saubere Einweisen, die hohe Steadyness und die leichte Ausbildbarkeit sowie das hohe Durchhaltevermögen werden dort sehr geschätzt. Von denen geht aber auch niemand auf DJ.

  • Beim Jagdhunde online Kongress gibt es heute genau zu dem Thema einen Beitrag "Der Labrador - (k)ein richtiger Jagdhund?".

    Ich habe es noch nicht gesehen, weil ich noch keine Zeit hatte. Aber ist für die Diskussion vielleicht interessant?

    Niemand hier spricht dem Labrador ab ein richtiger Jagdhund zu sein (zumindest, dass er es aus den richtigen Linien sein kann), ich sage nur, dass der nennenswerte Einschränkungen hat und weit weg ist vom Allgemeingebrauch. Und ich finde es Mist in den Allgemeingebrauch zu drängen, solange den Hunden ganz offensichtlich die Voraussetzungen fehlen, da ändern auch irgendwelche Einzelschicksale nichts dran. Das ist dann einfach tierschutzrelevant.

    Ich habe es vorhin geschaut. Ich bin... nicht begeistert...
    Mein Fazit draus ist, in ihrer angestammten Arbeit, für die sie gezüchtet werden, sind die traumhaft. Aber in so ziemlich allem anderen haben sie nichts verloren. Also nicht mal mehr Vollgebrauch light, sondern wirklich nur Apport. Ganz simple und v.a. sichere Totsuchen für den Hausgebrauch wegen mir noch.
    Aber es klingt eben für mich als würde man auf biegen und brechen einen Vollgebrauchshund draus machen wollen. Man führt den Hund in Jagdarten für die er bestenfalls mäßig geeignet ist, die Limits werden mit schlechten Vorstehern (also die die die VGP nicht bestehen würden) verglichen usw. Super Nasenleistung bei der Nachsuche ist ja super, aber wenn das Stück am Ende nicht tot ist, braucht der Hund wieder eine Schärfe und einen Laut, was beides fehlt. Also auch wieder nur in Kombi mit einem Loshund nutzbar. Usw...

    Wo ich der Diskussion nicht folgen kann, ist an der Stelle, wo der Punkt DJ diskutiert wird? Da ist ein Retriever doch nun wirklich nicht die Wahl, auch wenn man sicherlich Glück haben kann, in Einzelfällen.

    Weils ursprünglich mal drum ging, dass man mit einem Retriever alles machen kann. Das ist ja im Endeffekt alles was ich versuche zu sagen "Nein, mit einem Retriever kannst du nicht alles machen, auch nicht fast alles.
    Und es gibt ja Leute die ihre Retriever auf DJ führen.

  • Weils ursprünglich mal drum ging, dass man mit einem Retriever alles machen kann. Das ist ja im Endeffekt alles was ich versuche zu sagen "Nein, mit einem Retriever kannst du nicht alles machen, auch nicht fast alles.
    Und es gibt ja Leute die ihre Retriever auf DJ führen.

    Ne, also jagdlich gesehen sehe ich das auch so wie du. Suche ich einen Allrounder oder einen Hund für DJ ist der Retriever nicht das, was ich mir holen würde.


    Der Retriever kann aber je nachdem wie der Jagdalltag des individuellen Jägers aussieht, die passende Wahl sein und dort auch sehr gut geeignet sein.

  • Nur, weil ein Jagdhund kein Vollgebrauchshund sein kann, ist er doch kein "Jagdhund light".... Genauso wie das Kriterium Spur/Fährtenlaut oder andere Spezialisierungen. Ein hochläufiger Hund passt nicht in einen Bau. Ist er deswegen ein Jagdhund light? Wird der Vollgebrauchshund (bei dem es je nach Gebiet immer Einschränkungen gibt) jetzt als DER Maßstab für die Bezeichnung "Jagdhund genommen? Dann sind Bracken auch Jagdhunde light?

    Wirklich? Jeder 4. oder 5. HH schlägt sich mit einem Hund rum der einfach mal eben in eine Wildschweinrotte springt, sich einen (zu der Jahreszeit 20-30 kg wiegenden) Frischling packt, den tötet und raus zieht?

    Ohne Worte...

  • Hm ich nehme das mit dem "ohne Worte" zurück. Genau diese eigentlich transparente Beschreibung zeigt, warum allein der Gedanke, streunende/wildernde Hunde als Jagdscheininhaber*in abschießen zu wollen, völlig bigott und abstrus ist. Als würde es für das Tier einen Unterschied machen, ob es vom Familien Flat Coated oder Hund mit VGP getötet wird

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