Wer ist hier der (neue?) Boss? Mehrhundehalter.

  • Das was du beschreibst hat nichts mit Führung übernehmen zu tun sondern ist rotzfreches pubertäres Rüpelverhalten.

    Genau das habe ich bei Fiete gegenüber Emil auch. Also besser ist es schon geworden, er kassiert natürlich regelmäßig mal ne Ansage, aber ich kriege das Mobben auch nicht immer mit. Es läuft subtil ab. Hier wird sich nicht geprügelt, sondern es sind eben so Events, wo Fiete den Zwerg mit Blicken irgendwo festnagelt. Und ich dann irgendwann das Häufchen Elend in der Ecke stehen sehe.

    Generell ist Fiete niemalsnicht eine Führungsnatur. Der hat ja Schiss vor allem, was nur annähernd seine Größe und ein bestimmtes Auftreten hat. Er poliert sein Ego an Emil auf. Was aus menschlicher Sicht gesehen ziemlich danaben ist, denn unterwegs versteckt er sich nur hinter Emil. Emil ist sehr souverän mit Fremdhunden, immer nett, wenns blöd läuft deeskalierend soweit möglich, er krempelt aber auch die Ärmel hoch, wenns ihm zu blöd wird. Fiete kann das alles nicht. Auch das ist besser geworden und er nimmt nicht mehr bei jeder Hundesichtung Reissaus, aber unsicher ist er noch immer. Emil an sich überhaupt nicht. Nur gegenüber Fiete und nur zuhause.


    Chefin ist an sich Chica. Da sie inzwischen wackelig und tüddelig geworden ist, weicht Fiete ihr nicht mehr groß aus, aber er respektiert ihre Individualdistanz, brummt zwar mal, wenn sie an ihm vorbei will, aber da sie das nicht mehr hört und einfach weiter latscht, geht er dann.

    Als wir beim Training waren habe ich auch Micha gefragt, warum ausgerechnet Chica, als ebenfalls sehr unsicherer Hund, wenn wir unterwegs sind die Chefin ist, er meinte Unter den Blinden ist der Einäugige halt König. Jo.

  • Ich gehe da ganz einig mit Hummel: natürlich organisieren sich die Hunde untereinender. Das hat aber rein gar nichts mit rüpelhaftem Schikanieren des/der anderen zu tun, und da es bei Caniden keine lineare Hackordnung gibt, gibt der "Chef" auch nur seltenst in allen Bereichen den Ton an. Meist kommt es zur Aufgabenverteilung.


    Hier war die Konstellation von Anfang an klar: zu einer 4jährigen, souveränen Hündin kommt ein Rüdenwelpe dazu. Der sich dann bisweilen aufgeführt hat wie die Axt im Walde, was meine Hündin allenfalls mal genervt, aber keinesfalls beeindruckt hat. Die hatte es auch nie nötig, den ständig unterzubuttern. Es reichte ihr zu wissen, dass sie ihre Interessen notfalls durchsetzen kann.


    Draussen, in jagdlich interessanter Umgebung hat sich der Rüde aber nach der Pubertät schnell als Chefaufklärer etabliert, der die dazu notwendige km-Arbeit auch gern erledigt. Er hat das Grobe und die Distanzarbeit gemacht, sie das punktgenaue Orten und Finden.


    Meine Hündin ist inzwischen im Greisenalter und nach etlichen Vestbularanfällen nicht mehr so sicher auf den Pfoten und auch oft orientierungslos. Die Aufgabenverteilung zwischen den Zweien hat sich verschoben, er übernimmt jetzt sehr viel mehr an Sicherung, Wegfindung (immer in Rücksprache mit dem menschlichen Chef), hilft gelegentlich beim einsammeln der Omi. Respektieren tut er sie noch immer. Wie es interessanterweise auch Fremdhunde immer noch tun, selbst ungestüme Junghunde. Alles was zumindest eine elementarste Knigge erlernen durfte respektiert meine tüddelige, wacklige Omi - und Hunde ganz ohne Knigge tumeln sich hier GsD nicht.


    Es gibt schon kleine Teilbereiche, wo Splash seine neuen Kompetenzen gerne etwas stärker ausweiten würde. So regle ich halt, wann er bei Rhian den Futterplatz nachputzen darf (sie hinterlässt da körperlich bedingt eine Riesensauerei), damit sie wirklich in Ruhe fressen kann, sowas regle ich für jeden Hund, egal was ihre Meinung dazu ist.


    Insofern: Ja, ich beobachte die Änderungen mit Interesse, habe aber grösstenteils Vertrauen in die interne Selbsorganisation (halte eine künstliche, menschengemachte "Rangordnung" eh für völlig kontraproduktiv). Mit der Konstellation von prolligem grössenwahnsinnigen Jungrüden und Altrüden habe ich (noch) keine Erfahrung, würde aber wie bei jedem Hund darauf achten, dass der Jungspund ausreichend Knigge lernen darf, was auch sinnloses und schikanöses "Unterbuttern" eliminieren dürfte. Sowas würde ich nicht tolerieren.

  • Meine Hündin ist inzwischen im Greisenalter und nach etlichen Vestbularanfällen nicht mehr so sicher auf den Pfoten und auch oft orientierungslos. Die Aufgabenverteilung zwischen den Zweien hat sich verschoben, er übernimmt jetzt sehr viel mehr an Sicherung, Wegfindung (immer in Rücksprache mit dem menschlichen Chef), hilft gelegentlich beim einsammeln der Omi. Respektieren tut er sie noch immer. Wie es interessanterweise auch Fremdhunde immer noch tun,

    Rührend, immer wieder zu sehen, wie sozial unsere Hunde sind

  • Der Kleine lässt sich vom Großen halt nicht maßregeln, deswegen passen wir natürlich auf. Gemeinsam draußen spielen ist momentan nicht drin weil sie sich so hochfahren dass es knallt.


    Ich vermute allerdings beim Boxer grad einen Spondyschub, deswegen ist er vermutlich etwas touchy.


    Momentan ist der Kleine wegen einer OP die der Große heute eigentlich haben sollte bei ner Freundin, der Große findets doof.

  • Chica kämpft auch gerade mit den Folgen des zweiten Vestibularsyndroms. Ich bin auch recht froh, dass Fiete sich bei ihr nix traut. Die ist unantastbar für ihn.

    Emil kümmert sich auch rührend um Chica. Er sammelt sie unterwegs auch mal ein (dank Hütefähigkeiten eine seiner leichtesten Aufgaben), putzt ihr zuhause die Ohren und liegt gerne nah an ihr dran. Sie hat das nie gemocht, aber inzwischen findet sie es ganz ok. Emil ist ihr Ritter in schillernder Rüstung. Fiete eben unser kleiner Proll.

    Ich muss da schon regeln zwischen den Rüden. Also Emil Schutz anbieten.

  • Der Kleine lässt sich vom Großen halt nicht maßregeln, deswegen passen wir natürlich auf. Gemeinsam draußen spielen ist momentan nicht drin weil sie sich so hochfahren dass es knallt.


    Ich vermute allerdings beim Boxer grad einen Spondyschub, deswegen ist er vermutlich etwas touchy.


    Momentan ist der Kleine wegen einer OP die der Große heute eigentlich haben sollte bei ner Freundin, der Große findets doof.

    Was genau will der Große denn maßregeln und was tut ihr dann?

  • Der würd bei mir die Ansage seines Lebens kriegen.

    Ich lese sowas hier ganz oft. Wie sieht so eine Ansage bei dir aus?

    Würde mich auch interessieren wie das bei anderen abläuft bzw was darunter zu verstehen ist :nicken:

  • knabbermoehre : Gibts ja unzählige Threads zu und ist ja nie allgemeingültig, weil hundabhängig.

    Ich würd vermutlich mit einem "Geh ab!" einen Schritt auf den Hund zugehen und den wegschicken.

  • Witzig, bei uns ist es völlig anders, was ja auch für komplett verschiedene Führungsstile spricht:


    Fremdhunde würde mein Rüde ja, wenn er dürfte, angreifen und ausschalten wollen. Da weiß, dass es verboten ist, ignoriert er sie komplett (guckt nichtmal hin) - solange sie nicht in einen 20cm Radius kommen.


    Gehört ein Hund aber dann bei uns "dazu", wendet sich das Blatt und er wird (vermenschlicht ausgedrückt) zum wohlwollenden, netten Onkel.

    Die beiden Welpen, die nach ihm einzogen, hat er stark gemacht. Er ließ sie im Spiel "gewinnen" (bei Raufspielen oder Zerrspiegeln mit 1 Spielzeug), ließ ihnen oft deutlich sichtbar den Vortritt, zeigte sich cool-gelassen bei Welpen-Generve und schafft es bis heute, durch Ignoranz unerwünschtes Verhalten zu regeln.

    Das heißt, dass er es z.B. irgendwie schafft, einen ihn nervig anspielenden/zwickenden Welpen so zu ignorieren, dass dieser nach wenigen Sekunden aufgibt. Habe ich so nie zuvor erlebt, dass ein Hund durch Präsenz und Nicht-Reagieren Situationen zu seinem Vorteil regelt. Das muss irgendwas in seiner Ausstrahlung sein, vermutlich wissen die anderen Hunde sehr genau, wie er abgehen könnte, wenn er wollte... Mental ist er sehr stark mit viel Mut und Selbstvertrauen.


    Den Welpen hat er von Anfang an z.B. auch nie Kauzeug streitig gemacht - er war lange vor ihnen fertig, ist dann aber nie auch nur in ihre Nähe und hat sie in Ruhe auffressen lassen. Diese Vorgehensweise hat sich offenbar übertragen, denn als erwachsene Hunde verhalten sie sich genauso - ich kann hier dadurch Knochen verteilen und muss nicht aufpassen. Null Ressourcenverteidigung und Null Futteraggression. Jeder lässt die anderen in Ruhe.


    Meine (eigentlich derb-rüpelige) Mali-Hündin hat er mit dieser Methode dahin erzogen, dass sie ihn bis heute (obgleich sie ihm körperlich überlegen wäre, könnte ihn locker umrennen) höflich und auf Distanz fragt, ob er mit ihr spielt. Steigt er nicht auf die Anfrage ein, lässt sie es. Steigt er ein, spielt sie so, wie er es mag - da gibt es klare Regeln und Rituale. Eingreifen musste ich bei dieser Konstellation noch nie.

    Seine faire, gelassene Art im Umgang miteinander hat er irgendwie auf die anderen übertragen. Sehr angenehm. Wer seine Null-Toleranz-Einstellung bei Fremdhunden kennt, kann das immer kaum glauben, ist wie 2 völlig verschiedene Hunde in 1 Hund.

  • Ich hab jetzt etwas überlegt, wer bei meinen Hunden der Chef ist, aber ich glaube keiner.

    Früher hätte ich immer Janosch gesagt, aber so richtig Chef ist der nicht. Er hat seine Regeln und Grenzen und wer die nicht einhält bekommt Ärger. Er reguliert aber Leo nicht. Leo bekommt nur sehr klare Ansagen, wenn er versucht Janosch was weg zu nehmen (meist Spielzeug, Futter würde er nicht versuchen) oder wenn er zu grob ist. Da musste ich gerade am Anfang aufpassen, dass Janosch wieder runter kommt und nicht zu sauer wird und das Leo nicht nur noch blöd rumfiddelt.

    Leo hat wenig Grenzen. Er lässt sich nicht das Futter wegnehmen, was Janosch akzeptiert und ist draußen mit anderen Hunden eher ein Sicherheitsfaktor für Janosch.


    Ich hab anfangs (natürlich immer noch, aber gibt wenig Gelegenheiten) auf mein Bauchgefühl gehört wenn es Konflikte gab. Janosch durfte deutlich bescheid sagen, aber nicht 10x nachschnappen, nur weil er sauer war. Als Beispiel.

    Sowas wie dazwischen drängeln fand ich nie schlimm. Dann wurden halt beide gestreichelt. Hätte aber einer versucht den anderen wegzuknurren o.Ä. hätte es von mir Ärger gegeben.


    Als Leo Welpe war, war ich mir etwas unsicher wegen einer seiner Verhaltensweisen Janosch gegenüber. Er hat ihn zu gern gestoppt und ausgebremst und dabei häufig in den Nacken gestupst. Nicht stark, aber Janosch hat dazu nie was gesagt, was mich sehr gewundert hat. Meistens verhindere ich das über Management, aber gebe dem inzwischen auch nicht mehr viel Bedeutung. Wenn es Janosch nicht stört und nicht ausartet, mach ich deswegen keinen Stress.


    @Frankyfan leider kann ich dir aufgrund deiner Beschreibungen keine Tipps geben. Nur: meist ist es am besten auf sein Bauchgefühl zu hören. Wenn dir was falsch vor kommt, dann verhindere es möglichst. Aber nicht nur was machen, weil man das halt so macht um irgendwelche Ränge zu festigen o.Ä.

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