Miserable Ratgeber für Ersthundehalter
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Als ich damals in meiner letzten Arbeitsstelle angefangen hab vor 10 Jahren (eine öffentliche Bibliothek) und glücklicherweise mit dem Bestandsmanagement für den Bereich Landwirtschaft und Hobby (also auch Hunde) betraut war, fiel mir in einem Hundebuch von 1990 folgender Rat ins Auge:
Wenn Ihr Hund zu viel Schnüffelt, dann sprühen Sie ihm einfach viel Parfum auf die Nase und das umliegende Fell, dann riecht er außer dem Parfum nichts mehr und wird aufhören exzessiv zu schnüffeln.
Wtf echt. Das Buch landete umgehend im Altpapier und nicht wie sonst üblich auf dem Medienflohmarkt. Meine Vorgängerin hat halt gerne Kochbücher gekauft und der Hundebücherbestand war ihr egal, dementsprechend veraltet.
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Was haben eigentlich alle für ein Problem mit authentisch sein. Will mir irgendwer wirklich erzählen, dass es für Anfänger einfacher ist komisch rumzuschauspielern?
Mit dem authentisch sein hat vermutlich keiner Probleme. Es ist aber meiner Meinung nach kein nützlicher Rat. Nicht weil er nicht richtig wäre sondern weil er nicht hilft.
Fall 1: der Leser ist im Grunde authentisch, dann wird der lernwillige Anfänger bestenfalls nichts neues lernen und schlimmstenfalls die eigene Authentizität hinterfragen und dadurch verunsichert.
Fall 2: der Leser und Anfänger ist nicht authentisch im Umgang mit dem Hund. Dann weiß er auch nicht wie das geht und kann mit dem Rat genau gar nichts anfangen.
Dazu kommt, dass ein Mensch ganz authentisch die völlig falschen Dinge tun kann. Wem hilft es, wenn ein Anfänger unsicher ist, wie er auf eine bestimmte Situation reagieren soll, und das ganz authentisch zeigt? Was nützt es, wenn ein Anfänger ganz authentisch Dinge tut, die für Hunde richtig blöd sind? Das muss gar nicht die von naijra genannte Gewalt sein, das können ganz simple Kleinigkeiten sein: die falsche Belohnung (das berühmte über den Kopf streicheln), Belohnung im falschen Moment (tückisch für Anfänger) und ganz vieles mehr. Manchmal muss man Dinge erst mühsam lernen, und ist in dieser Lernphase alles andere als authentisch. Da ist es unter Umständen besser , erst mal zu schauspielern. Fake it till you make it.
So denk ich eben auch , danke ich war gestern echt viel zu Platt um das auf den Punkt zu bringen 😂 aber ja sehe ich das auch
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Ich dachte zuerst jetzt werden Bücher aufgezählt die man sich besser nicht kaufen sollte. Ich bin enttäuscht
Hmm mal überlegen...
In den ersten Büchern die ich so hatte ( das dürfte so 15 Jahre + her sein) standen so Dinge drin wie bspw :
- Du musst immer vor dem Hund durch die Tür gehen
- Der Hund muss immer hinter dir gehen
- Der Hund darf nicht auf die Couch
Sonst Dominanz!
Und da gab's noch so witzige Listen verschiedener Rassen aufgelistet in einer Tabelle, wo es dann verschiedene Punkte gab nach so Dingen wie Anfängertauglichkeit, Wachen, Kinderfreundlichkeit, Aufwand der Fellpflege, Gesundheit oder sowas ähnliches.
In einem Buch wurden für einen Kinderhaushalt bspw insbesondere Westie, Berner Sennen, Labrador, Yorkshire Terrier, Golden Retriever oder sowas ähnliches empfohlen. Puh, is echt ewig her, und ich weiß nicht ob wir die alten Teile noch irgendwo haben. Aber ich erinnere mich wirklich an viel bzgl Anfänger-oder nicht Anfängerrassen.
Natürlich hatten wir uns vor dem Westie auch ein Westie Buch gekauft ( und nochmal davor hatten wir übrigens ein Schnauzer-Buch, was ich leider nicht mehr finde, und wo mich ein paar Seiten bzgl Flöhe und Zecken dezent verstört haben weil die Viecher in Nahaufnahme gedruckt waren, und da wars bspw auch OK dem Hund nen Eis vom Eisstand zu geben und so Sachen. Aber wie gesagt - eeewig verschollen, kein Schimmer was da drin stand).
Ich erinnere mich noch dran, wie ich mit Entsetzen festgestellt habe, dass unser Westie ja nicht buddelt, sich nicht in Schlamm wälzt, nicht baden geht und ums verrecken nicht apportiert. Denn in dem Buch waren total viele Westie Bilder mit Bällchen drin, und im Wasser, und total verschlammt, und gebräunt am Buddeln.
Wobei ich bestätigen kann - bisher ist mir auch noch nie ein Rassen Buch untergekommen in welchem wirklich auch nur halbwegs gute Trainingstipps oder Dinge über Verhalten drin waren.. Aber ich finde das ist auch nicht der Sinn eines Rassen Buchs.
Wenn ich mir Lektüre einer bestimmten Rasse kaufe, dann möchte ich wissen wie der geschichtliche Background ist, wie sie charakterlich drauf sind, wie die Fellpflege ausschaut, worauf man sich einstellen kann, wie es gesundheitlich ausschaut und Ähnliches.
Ich hatte auch mal ein Buch, da wurde empfohlen den Hund wenn er Ängste oder Aggressionen hat einfach mit Rescue Tropfen abzufüllen, glaub ich.
Aber, ich weiß grad nicht wie gut ich das thema treffe, ehrlich gesagt 😅
I‘m so sorry 😂 aber wusste nicht, ob das so geht hier einfach über „schlechte“Ratgeber/ Autoren so öffentlich herzuziehen, deswegen alles eher oberflächlich gehalten
Tut mir trotzdem echt leid dich zu enttäuschen ,haha
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Noch kurz zu den Buch, es hat mich tatsächlich echt am meisten gestört, dass es eben so festgefahren war - so und nicht anders! Alles andere wirkt sich total schei*** aus
(Nicht in diesem Wortlaut natürlich) aber eben auch ohne jegliche Begründungen.
Zb steht da: du musst immer zuerst durch jede Tür/ Engstelle etc. gehen - sonst bist du nicht der Boss !
Kann man so stehen lassen, muss man aber nicht, aber „sonst bist du nicht der Boss“ ist für mich lächerlich und keine Erklärung/Begründung.
Es ist natürlich keineswegs schlecht, wenn der Hund in diesen Situationen hinter einem läuft, aber diese Begründungen sind eben das was mich so nervt.
Tatsächlich haben wir das auch so ne Weile gehandhabt, bis ich ein Mal nicht aufgepasst habe. Ich habe eine Tür geöffnet (schwere Brandschutztür) bin vorgelaufen und der Hund hinter mir. Der Herr Hund ist stehengeblieben, um kurz zu schnüffeln (muss wohl gut gerochen haben) und die Tür ist ihm hinten raufgeklatscht, er hat aufgeschrien und sich erschrocken. Der Schreck war schnell weg und alles halb so wild.
Seitdem öffne ich die Türen schau kurz ob dahinter irgendwelche Gefahren lauern, der Hund sitzt/steht neben mir fragt kurz mit einem Blick zu mir ab , ich nicke und Hund geht vor.
Kleine Änderung funktioniert für uns super, den Hund kann keine Tür mehr wehtun.
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Ihr Lieben, ich danke für eure Meinungen und euren Senf! Ist ne schöne Diskussion geworden.
Tatsächlich steht dieses sei souverän und authentisch- ohne Kontext da - also nicht an einem Beispiel erklärt und ohne weitere Erläuterungen.
Es steht gefühlt willkürlich im kompletten Buch verteilt immer mal wieder „sei authentisch“
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Zb steht da: du musst immer zuerst durch jede Tür/ Engstelle etc. gehen - sonst bist du nicht der Boss !
Kann man so stehen lassen, muss man aber nicht, aber „sonst bist du nicht der Boss“ ist für mich lächerlich und keine Erklärung/Begründung.
Es ist natürlich keineswegs schlecht, wenn der Hund in diesen Situationen hinter einem läuft, aber diese Begründungen sind eben das was mich so nervt.
Tatsächlich haben wir das auch so ne Weile gehandhabt, bis ich ein Mal nicht aufgepasst habe. Ich habe eine Tür geöffnet (schwere Brandschutztür) bin vorgelaufen und der Hund hinter mir. Der Herr Hund ist stehengeblieben, um kurz zu schnüffeln (muss wohl gut gerochen haben) und die Tür ist ihm hinten raufgeklatscht, er hat aufgeschrien und sich erschrocken. Der Schreck war schnell weg und alles halb so wild.
Seitdem öffne ich die Türen schau kurz ob dahinter irgendwelche Gefahren lauern, der Hund sitzt/steht neben mir fragt kurz mit einem Blick zu mir ab , ich nicke und Hund geht vor.
Kleine Änderung funktioniert für uns super, den Hund kann keine Tür mehr wehtun.
Ja, das mit dem zuerst durch die Tür gehen mach ich bspw auch. Für bestimmte Typen Hund Find ich das echt wichtig und nen guten Ratschlag.
Auch so Dinge wie bspw der Hund wartet aufs okay bevor er fressen darf.
Allerdings halt nicht aus dem "Du musst der Boss sein! /Du musst dominanter sein!" Ding.
Sondern ersteres weil ich einfach wachtriebige Hunde habe, denen ich vermitteln muss dass ich vorher die Lage checke, und das nicht deren Aufgabenbereich ist. Sonst kanns sein dass die vorpreschen und verbellen was da grad im Treppenhaus steht oder abgeht, statt sich zurück zu halten und normal nach draußen zu gehen.
Fällt unter dem selben Bereich wie an Ecken nicht vor laufen lassen und abgewandt führen. Weil Hund zwischen mir und fremder Person ist für zumindest einen der beiden so = Du sollst die Person im Auge haben ( oder sie fühlt sich da zumindest unwohl weil ich nicht als Puffer dazwischen stehe).
Und der Punkt mit dem Füttern ist bspw aus dem Grund, damit die gesittet warten und nicht vor Euphorie über "juhuuu es gibt Fressi!" rum springen wie ein Känguru
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So, mal Butter bei die Fische. Jan Fennell fand ich damals ja wahnsinnig faszinierend. Unter anderem, weil sie Dinge wie diese da sagte:
"As the strongest, healthiest, most intelligent and most experiencedmembers of the pack, it is the Alpha pair’s job to ensure its survival. As
a result, they dominate and dictate everything that the pack does. Their
status is maintained by consistent displays of authority. Underlining this,
the Alpha pair are the only members of the pack who breed. As humans
we have, of course, developed along different, what we would like to
believe are more democratic, lines. Yet sometimes I wonder whether it is
we rather than the dogs who took a wrong turn."
(Jan Fennell, The Dog Listener, s. 47)"The first task is to get the dog used to a lead. I personally prefer light
rope leads. Chains, to me, seem like weapons, and if you bear in mind
that a dog only pulls on a lead because it believes it must, being leader,
any form of physical restraint will not change its mind. The dog’s mind
must be changed as to its role in the pack."(Dasselbe interessante Werk, s. 60)
Bei Hilary Harmar sagte das Buchcover (1986 auf Deutsch erschienen) eigentlich auch schon alles. Eines der bisher brutalsten Werke, das ich in die Finger bekommen habe. Anschaulich sind darin auch die gezeichneten Bilder und die Fotos, auf denen dargestellt wird, wie eine Dame in Schuhen mit Absatz und Rock ihren Hund am Kettenwürger
quälterzieht. -
So, mal Butter bei die Fische. Jan Fennell fand ich damals ja wahnsinnig faszinierend. Unter anderem, weil sie Dinge wie diese da sagte:
"As the strongest, healthiest, most intelligent and most experiencedmembers of the pack, it is the Alpha pair’s job to ensure its survival. As
a result, they dominate and dictate everything that the pack does. Their
status is maintained by consistent displays of authority. Underlining this,
the Alpha pair are the only members of the pack who breed. As humans
we have, of course, developed along different, what we would like to
believe are more democratic, lines. Yet sometimes I wonder whether it is
we rather than the dogs who took a wrong turn."Faszinierend, aber komplett falsch, da stimmt nicht ein einziger Satz. Selbst daß nur die Eltern sich fortpflanzen nicht. Auch die Nachkommen von familienfremden Vätern oder von Wölfinnen, die sich der Familie angeschlossen haben, werden gemeinsam aufgezogen. Mal davon ab, daß auch die Jungwölfe mal ein Schäferstündchen einlegen. Ergibt ja Sinn, damit frisches Blut reinkommt.
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So, mal Butter bei die Fische. Jan Fennell fand ich damals ja wahnsinnig faszinierend. Unter anderem, weil sie Dinge wie diese da sagte:
"As the strongest, healthiest, most intelligent and most experiencedmembers of the pack, it is the Alpha pair’s job to ensure its survival. As
a result, they dominate and dictate everything that the pack does. Their
status is maintained by consistent displays of authority. Underlining this,
the Alpha pair are the only members of the pack who breed. As humans
we have, of course, developed along different, what we would like to
believe are more democratic, lines. Yet sometimes I wonder whether it is
we rather than the dogs who took a wrong turn."
(Jan Fennell, The Dog Listener, s. 47)Ich bin vor allem fasziniert von dem protofaschistischen Schlusssatz. Holla die Waldfee.
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Ich verstehe nämlich auch nicht wieso man ein neues Verhalten einüben sollte. Ein Hund wird um die 15 Jahre alt, und bei jemandem mit dem man zusammen wohnt permanent nicht man selbst sein zu dürfen ist permanent anstrengend und langfristig ungesund für die Psyche.
Es geht doch nicht darum, ein anderer Mensch zu sein und seinem Hund 15 Jahre lang was vorzuspielen, sondern darum, dass man verstehen lernen muss, dass Hunde in gewissen Bereichen anders ticken als Menschen. Wenn man das verstanden hat, muss man sich auch nicht verstellen.
Natürlich ist es sinnvoll, wenn der Hund wesensmäßig zu einem passt und das nicht oder nur selten notwendig ist.
Für meine etwas verschüchterte und geräuschempfindliche Pflegehündin war die Interessentin, eine ziemlich temperamentvolle Opernsängerin, nicht die Richtige. Also grundsätzlich sollte es schon passen.
Aber warum soll man nicht dazulernen und sein Verhalten damit auch ändern?Oder mal ein anderes Beispiel: Wir hatten ja immer sehr liebe, unkomplizierte Hunde, mit denen es einfach so gepasst hat. Da konnten wir uns immer so verhalten, wie wir eben sind, und brauchten nie einen Hundetrainer.
Dann kam Lucumon - und der wollte nach einer Eingewöhnungsphase meinen Freund aus dem Weg räumen. Ok, vielleicht nicht töten, aber zumindest in seine Schranken weisen, von deren Existenz Herr Hund überzeugt war.
Mein Freund sollte sich nicht mehr frei in der Wohnung bewegen, vor allem nicht im Bereich der Küche. Das führte auch zu zwei Bissen, die man mit viel gutem Willen als Zwicken durchgehen lassen könnte - aber es gab Wunden durch die Jeans hindurch. Es gab Situationen, in denen wir nur mit einem Backblech als Beißschutz bewaffnet die Küche verlassen konnten.
Wir mussten also lernen, dass lieb sein manchmal leider nicht das ist, was es zum friedlichen Zusammenleben braucht. Mein Freund ist sehr lieb - und das hat Lucumon ausgenutzt.
Wir waren erstmal unendlich deprimiert, weil das, was wir dann sein mussten (nämlich die Chefs) genau das war, was wir nie wollten. Ich weiß noch, wie deprimiert ich war, als ich gelernt habe, dass ich meinem Hund in bestimmten Situationen einen Platz zuweisen muss etc. - ich musste noch nie einen Hund in so einer Weise einschränken.
Aber es hat gefruchtet, und das Ganze hat sich ziemlich schnell aufgelöst, und nachdem das geklärt war und wir einander besser kennengelernt haben und uns gegenseitig vertrauen, ist alles in Butter.
Mein Freund kann mit ihm kuscheln und schmusen, Lucumon hört auf ihn, freut sich, wenn er heimkommt etc.
Kurz: Wir konnten uns, nachdem dieses Problem aufgetreten war, NICHT authentisch verhalten. Aber glücklicherweise (weil Lucumon nämlich ein Superhund mit sehr viel Brav-sein-Potential ist) hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. -
Als ich damals in meiner letzten Arbeitsstelle angefangen hab vor 10 Jahren (eine öffentliche Bibliothek) und glücklicherweise mit dem Bestandsmanagement für den Bereich Landwirtschaft und Hobby (also auch Hunde) betraut war, fiel mir in einem Hundebuch von 1990 folgender Rat ins Auge:
Wenn Ihr Hund zu viel Schnüffelt, dann sprühen Sie ihm einfach viel Parfum auf die Nase und das umliegende Fell, dann riecht er außer dem Parfum nichts mehr und wird aufhören exzessiv zu schnüffeln.
Dafür vermutlich exzessiv niesen
Ich hab Mal als Kind so eine "Perle" aus der Bibliothek ausgeborgt, da stand drinnen, dass man einen bissigen Hund einfach ganz fest ins Ohr beißen soll, dann wisse der schon, dass man der Chef sei. Ich hab mich damals immer schon gefragt, wie man an das Ohr kommen soll, bevor der Hund einen erwischt hat und hab beschlossen, den Tipp beim bissigen Schäferhund der Tante nicht anzuwenden.
Für Anfänger besonders schlimm find ich ja diese Listen, was der Welpe wann gesehen/gelernt haben muss, damit man ja nicht die Prägezeit verpasst - Das macht nur unnötig Druck und manche Leute machen dann ja wirklich alles mit dem armen Welpen, weil wenn er mit 10 Wochen noch nie eine Giraffe gesehen hat ist das Leben so und so vorbei.
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