Unerfahrener Mensch will Hund kaufen

  • In meinem ersten Quasi-Hundebuch stand, dass man den Welpen zum Geschäft-Verrichten in eine Kiste mit Papierschnipseln setzen soll, und wenn er woanders hinmacht, soll man ihn mit einer zusammengerollten Zeitung schlagen und dabei laut „Nein, nein, nein“ sagen… bin ganz froh, dass zwischen dem und dem ersten eigenen Hund nicht noch tausend Bücher sondern fast zwanzig Jahre TH-Ehrenamt und Gassiservice lagen….

    und ich hab schon damals Bücher gelesen, wo drin stand, daß man es eben genau so nicht macht :)

  • was ich mich frage, wie entsteht der Wunsch nach einem Hund?

    Ich glaube das ist auch immer ein ganz wichtiger Ausgangspunkt!!!


    Als Kind war ich ja so der Klassiker.

    Hand aufs Herz wer kennt noch „Balto“

    und „Wolfsblut“ :smiling_face_with_halo:

    Diese klassische ich wünsche mir einen pelzigen besten Freund. Ging halt nicht und ich bekam keinen Hund. Dafür gab es einige Hunde im Umfeld mit denen ich gut aus kam.

    Als ich älter war durfte ich lange Hunde in den Ferien sitten. Ich hab diverse Rassen kennen und lieben gelernt. Ich war eine Zeit mit meinem Ex aufm Platz und hab auch Schutzhundesport kennengelernt (mit allen Vorurteilen die heute längst überholt sind).

    Natürlich schnappt man da eine Menge auf im laufe der Jahre.

    Man wird erwachsen und irgendwann passt es dann. Irgendwann ist der Zeitpunkt X da und man überlegt was man möchte. Und auch was nicht.


    Bei Menschen wo es aber ohne Erfahrungen und Berührungspunkte im ersten romantische Stadium bleibt, die Zeit und Geduld fehlt sich mehr als nur theoretisch zu informieren, tja da treffen dann auch einfach Welten aufeinander.

    Darum bin ich auch durchaus immer dafür, sich nicht nur über Bücher und Internet zu informieren. In der Praxis lernt man so unendlich viel mehr.

    Wenn ich bedenke, was ich allein als Trainerhilfe in 2 Jahren gelernt habe, hab ich in 20 Jahren lesen nicht gelernt.

  • Den Wunsch nach einem Hund hatte ich schon als Kind und habe auch alles gelesen in puncto Hund was mir so in die Finger kam.


    Als meine Kinder im Schulalter waren kam der erste Hund in unser Leben gepurzelt.


    3 Jahre nach seinem Tod ging ich auf die Suche nach einem Terrier. Bitte hochläufig und mit moderater Größe, gemäßigt und mit wenig gesundheitlicher Belastung.


    So kam ich schlussendlich auf den Irish Terrier.

    Sprich ich wusste was ich wollte und wo ich es finden würde.


    Der nächste Schritt war die Suche nach dem geeigneten Züchter über den kft, dem Klub für Terrier. Der ist VDH angeschlossen.


    Der Rest ist bekannt.


    Mittlerweile bin ich beim Irish so gut vernetzt, dass ich genau weiß bei welchem Züchter ich schauen und vorstellig werden würde für einen weiteren Irish und auch die Preise sind mir geläufig.

  • Wenn ich bedenke, was ich allein als Trainerhilfe in 2 Jahren gelernt habe, hab ich in 20 Jahren lesen nicht gelernt.

    ja, ich hatte als Kind und Jugendliche Gassihunde, das war sehr sehr hilfreich und gut :)

  • was ich mich frage, wie entsteht der Wunsch nach einem Hund?

    Könnte ich gar nicht beantworten. Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Meine Eltern hatten immer Hunde, vom Zwergpudel bis zum Bernhardiner. Ein Leben ohne Hund kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. In meinem ganzen Leben gab es nur 6 Jahre keinen Hund ansonsten hatte ich immer bis zu 3 Hunde an meiner Seite.

  • Bei Hund 1 hatte das Tierheim um die Ecke gerade verschiedene Welpen. Hund 2 hatte ich von EBay Kleinanzeigen 😅 das waren Leute, die ihn angeschafft haben und dann merkten, das ein Hund eigentlich nichts für sie ist. Hund 3 ist von einem polnischen Züchter, wirkte auch alles gut und seriös und wir waren nach dem Kauf noch ein paar Monate in Kontakt- aber ich bin mir nicht sicher, ob wir da nicht doch reingefallen sind, schließlich hat der Hund zwar den goldigsten Charakter, den ein Hund haben kann, aber er ist nicht gesund. Hodenhochstand und Hüftdysplasie- bei einer guten Zucht würde ich zumindest nicht beides erwarten. Das würde ich also nicht wieder machen.


    Ich würde aber auch nicht ewig bei Verbänden herumwuseln und telefonieren. Wenn man mal im Tierheim vorbeischaut, macht man nicht viel verkehrt. Oder den Tierarzt um die Ecke fragt, ob er jemanden kennt.

  • Bei Menschen wo es aber ohne Erfahrungen und Berührungspunkte im ersten romantische Stadium bleibt, die Zeit und Geduld fehlt sich mehr als nur theoretisch zu informieren, tja da treffen dann auch einfach Welten aufeinander.

    Ist bei Hunden wie bei Kindern: Wie oft da die Sätze fallen "Das sagt einem ja keiner.", "So anstrengend hatte ich mir das nicht vorgestellt." und "Es kann sich keiner vorstellen."


    Dabei hat den Personen absolut jeder mit Hund/Kind vorher gesagt, dass man mit Vierbeiner oder Nachwuchs nicht das Land der rosaroten Flauschewolken betritt. Aber zwischen (Wunsch-)Vorstellung, lesen, Videos anschauen und eigenem Erleben liegen eben immer Welten und im Verhältnis wenige sind dazu bereit, praktische Erfahrungen vor der eigenen Anschaffung zu sammeln.

  • Ich denke der Otto Normalverbraucher kauft seinen Welpen in den Kleinanzeigen aus „liebevoller Hobbyzucht“ und das ist auch völlig ok, meiner Meinung nach.


    Rassehundezucht sollte nicht versuchen diesen Markt bedienen zu wollen und kann es auch gar nicht.


    Beispielsweise der Bedarf an französischen Bulldoggen könnte durch den VDH nicht mal annähernd gedeckt werden, dafür müsste bei Otto Normalverbraucher erstmal ein Umdenken stattfinden.


    Außerdem passen Rassehundezucht und die heutige Schnelllebigkeit nur schlecht zusammen, wo alles sofort verfügbar sein muss, am besten gestern.


    Viele schaffen es ja trotzdem zum VDH und ich denke was Züchter und Welpen aus Deutschland angeht, stellen VDH Züchter auch keinen kleinen Anteil. Der Groß der Hunde wird mittlerweile ein Importprodukt sein, der illegale Handel boomt ja.

  • Da dieses Thema ja eigentlich die Reaktion auf den Staupe-Massenvermehrer-Welpen war, und da es mal wieder klingt, als gäbe es erst jetzt die Möglichkeit, sich zum Hundekauf umfassend zu informieren : 1977 (neunzehnhundertsiebenundsiebzig!) brachte ein großes Massenmedium, der "Stern", alles andere als eine Nischenpubliation, als Aufmacher und große Serie "Du armer Hund" von Heiko Gebhardt. Ein Jahr darauf erschien sie als immer noch sehr aktuelles und empfehlenswertes Buch. Sich das antiquarisch zuzulegen, lohnt sich.


    Darin wurde in mehreren Teilen ausführlich und super recherchiert auf das Problem der Hunde-Massenproduzenten eingegangen. Haargenau dasselbe wie heute ,nur dass sie damals noch im Inland und im Westen saßen. Aber die Betrugsmaschen sind im Kern unverändert. Es wurden damals reihenweise Testkaufwelpen an der TiHo untersucht, auf Krankheiten und Qualzuchten eingegangen, Verkäufermaschen wie do it yourself-Papiere vorgeführt - alles.


    Spätestens seitdem kann jeder, der sich auch nur halbwegs ernsthaft auf einen Hundekauf vorbereiten will, auf jede Menge Material zum Thema zurückgreifen. Insofern gibt es da echt keine Ausreden wg. "konnte man ja nicht wissen" - es ist eine Frage des Wollens. Und offenbar zu mühsam, auch nur ein einziges Buch vorab zu lesen?


    Schon damals wurde übrigens bitter darüber geklagt, dass auf den Kauf einer Waschmaschine sehr viel mehr Sorgfalt verwendet würde als auf den eines Lebewesens. Und auch sonst ist das tolle Buch erschreckend aktuell geblieben und lohnt sich immer noch - einfach, weil es zeigt, wie wenig sich trotz so viel besserer Gesetze geändert hat. Aber eben genau nicht aus Mangel an Möglichkeiten, sich zu informieren, sondern einfach aus Bequemlichkeit der Konsumenten. Und ich fürchte, in 50 Jahren wird es noch genauso sein.

  • Es kennt sich halt nicht jeder überall aus und daran wird man auch nichts ändern, weil ernsthaftes Interesse dazugehört.


    Ich bin beispielsweise beim Autokauf heillos überfordert und Betrüger hätten es wohl leicht mit mir. Mich interessiert das Thema auch nicht, ich brauch ein Auto zum fahren und das war’s. Entsprechend zäh gestaltet es sich, wenn ich mich informieren muss.


    Die Masse an Modellen und Möglichkeiten überfordert mich zusätzlich.


    Ich bin aber so schlau und wende mich dafür an Profis, lasse mich unterstützen und tue dann auch einfach das was ein Profi mir rät.


    Dafür kann ich mir problemlos sämtliche Hunde, Hühner, Pferde, Enten und sowas-Rassen merken und benennen.


    Und so wird es unheimlich vielen Leuten mit dem Hundekauf gehen und daran wird sich auch nichts ändern, weil die Welt einfach zu komplex ist um alles auf Grundschulniveau herunterzubrechen.


    Der Punkt ist eher, dass Otto Normalverbraucher sich nichts sagen lassen will und alles meint besser zu wissen.

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