Tag 28 - Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
Gegenwart : Eigentlich wollte ich ja auf dieser Tour meine Meditationsfähigkeiten ausbauen, 7 Minuten immer in der früh. Gemacht kein einziges Mal. Ich habe in der früh wichtigeres zu tun und wenn ich ganz ehrlich bin, dann bin ich auf jeder meiner Touren so unfassbar im Moment, in der Gegenwart, im hier und jetzt, dafür brauche ich keine angeleitete Meditation.
Es dauert immer nur wenige Tage und ich höre auf mir unnötige Gedanken zu machen, denn auch wenn ich vor mir einen Steigung sehe, so kann es immer noch sein, dass davor der Weg abbiegt, also warum aufregen oder Sorgen machen? Kein Wasser mehr? Der Schlafplatz für die heutige Nacht? Einfach Augen aufhalten, es hat sich noch immer irgendwas gefunden.
Auch mein Körper ist ganz im Hier und jetzt, hat sich abgehärtet und mittlerweile schlafe ich in den Nächten schon fast durch, egal wie hart der Untergrund ist. Das rechte Knie meldet sich gelegentlich, meist hält es aber still. Mein Hintern brüllt nicht mehr auf, wenn ich mich auf den Sattel setze, schätze, es hat sich Hornhaut gebildet.
Vergangenheit : Wie bei jeder vorherigen Tour auch, so beginne ich nach 3 - 3,5 Wochen mich an Situationen, Plätze oder Bilder der Tour zu erinnern, so wie ich mich auch in der Zukunft daran erinnern werde. Es sind mitnichten nur die schönen und einfachen Parts, sondern auch gerne die richtig dunklen Stunden oder Minuten welche ich gemeistert habe, die Absurditäten, von denen ich erzählen und über welche wir lachen werden und die Eindrücke, welche ich nie vergessen werde und welche sich auch nicht auf Bilder bannen lassen.
Zukunft : Ich gebe es zu, es gibt eine kleine To do Liste auf der ich vermerke, was es nach der Tour zu erledigen gibt, allerdings nur, damit ich damit mein Gehirn nicht zumüllen muss und nichts vergesse.
Über die grossen Dinge mache ich mir immer mal wieder während der Radlerei Gedanken : Ich muss unbedingt etwas erfinden, ausserdem meine Berichte in einen Blog, Podcast oder Buch verwandeln.
Selbst zukünftige Abenteuer werden durchdacht. Nächstes Jahr wird erst einmal ein Welpe bei mir einziehen (wieder ein Deutscher Schäferhund, gleicher Zwinger aus dem auch Kenai stammt) was heisst, dass es 2020 ziemlich sicher keine Tour gebe wird, der Kleine muss ja erst einmal die Welt kennen lernen, souverän und entspannt werden und irgendwann beginnen wir dann mit dem Ausdauertraining, denn ein wenig habe ich mich in die Eurovelo Route 7 verguckt, konkret wäre das mit dem Rad von München aus zum Nordkap. Rad ist gut, da kann ich die Belastung für den Hund wunderbar steuern, im Jahr darauf würde dann noch die Alpenüberquerung von München nach Venedig auf der Liste stehen und weiter habe ich noch nicht geplant ?
Der heutige Tag war relativ unspektakulär, Samur und der Weg dorthin waren sehr schön, helle Steinhäuser, gelegentlich eine Kirche oder ein Schloss, endlich ein richtiges Croissant und mittlerweile ist auch klar, das, was in Deutschland, der Schweiz oder auch in Rumänien die Fussballplätze sind, sind hier die öffentlich Picknickplätze (Sitzgelegenheit, ebenerdig genug für das Zelt, keine Menschen, Mülleimer).
Ich habe beschlossen, die letzten Nächte im Zelt oder sonstwo zu schlafen, nach 7 Tagen ohne Dusche werde ich in Saint Nazaire dann ja wieder in diesen Genuss kommen und dann lohnt es sich auch so richtig. Trotzdem war ich heute dann doch sehr glücklich darüber, dass ich dank ausreichend Brennpaste und Wasser die Katzenwäsche mal wieder mit warmem Wasser durchführen zu können.
Rigny-Ussé bis Bessé, 54 Kilometer