Beiträge von Traventure Dog

    Tag 22 - wenigstens ein wenig braun geworden


    Kein Wecker, dafür Schüsse, so werde zumindest ich heute geweckt, Kenai bekommt es, dank alters bedingter Schwerhörigkeit, nicht mit.

    Wenn draußen gejagt wird, dann kann ich auch erst noch ne Runde schlafen, die Nacht war ziemlich unruhig, neben dem üblichen sich von der schmerzenden Seite auf die noch nicht schmerzenden Seite gedrehe hat sich Kenai auch noch so ausgebreitet, dass ich nur noch in Embryonalhaltung schlafen konnte und ständig aufgewacht bin.


    Irgendwann geht's dann doch raus aus dem Zelt und als beim Zähne putzen ein Jäger vorbeikommt bin ich a) froh, dass Kenai nicht ernsthaft versucht die zwei Jagdhunde zu schreddern und b) noch viel glücklicher darüber, dass er das Gewehr im Arm und nicht auf Anschlag hat.


    Es geht erst gegen 09.30 Uhr los und das auch ziemlich entspannt. Wieder an irgendeinem Gewässer entlang, eventuell die Dheune, keine Ahnung. Es gibt eine Möglichkeit meine Wassertanks aufzufüllen und in einem Kaff eine offene Boulangerie, dummerweise hat diese nichts herzhaftes vegetarisches und da ich mir während der vormittaglichen Fahrt schon nebenbei Gummibärchen und Kekse reingefuttert hatte und mir ehrlich gesagt davon ein wenig schlecht geworden ist verlasse ich sie wieder ohne etwas zu kaufen.

    Die Sonne scheint und für die Mittagspause bietet sich ein Platz mit mehreren Bänken und einem Tisch an einem kleinen Bach an. Erst wird alles, was wieder trocken werden muss, in die Sonne gelegt und dann gibt es etwas zu Essen.

    Als ein Rad fahrendes Paar die gleiche Idee wie ich hat scheint meinte Körpersprache schon klar zu signalisieren, dass ich keine Lust auf eine Konversation habe.

    Ich unterdrücke meine Tränen, als die Zwei ihre belegten Brote (sogar die Vollkornvariante) auspacken und essen und rühre in meiner xten Asiasuppe auf dieser Tour herum. Was würde ich gerade alles tun für einen riesen Salat oder Gemüse in warm in irgendeiner Form.


    Bereits in der Mittagspause hat es begonnen so richtig windig zu werden und als ich in meine Nachmittagskilometer beginne ist schnell klar, dass der Motherfucker Wind von gestern ein lasches laues Lüftchen war und mir hier der wahre Endgegner gegenüber tritt! Dass ich nicht rückwärts weggeblasen werde sondern Millimeter für Millimetern mich gegen den Wind stemme wundert mich selber, jeder mir entgegenkommende Radfahrer wird von mir gehasst, mich lächeln sie mitleidig an.

    Ein Blick ins Netz sagt mir, dass ich es mit Böen um die 60km/h zu tun habe, na herzlichen Dank, hätte ich auch darauf verzichten können.


    Als es windstill wird kämpfen wir uns irgendwelche Straßen nach oben, weg vom Gewässer, schätze, in ein paar Kilometern kommt dann der nächste nichtssagende Fluss und himmelarsch, langsam aber sicher wäre ich gerne an der Loire!

    Es hat zugezogen, fühlt sich ein wenig so an, als ob es noch Regnen könnte und so beziehe ich neben einem verlassenen und sehr kaputtem Haus die verlassene keine Ahnung was, war vielleicht eine kleine Scheune, Abstellraum oder Garage, auf jeden Fall mit Dach.a


    Von den 2 Litern Wasser, welche wir noch haben, trinkt Kenai erst einmal 1,5 Liter und so besteht mein Abendessen aus ein paar Gummibärchen, einer gelutschten Calciumtablette Geschmacksrichtung Mango Maracuja und minimal Trockenobst.

    Wegen Mangel an klaubarem Toilettenpapier habe ich in Frankreich schon vor Tagen feuchtes Toilettenpapier gekauft, sehr sparsam verwendet und heute, bin ja nicht anspruchsvoll, muss es für die Katzenwäsche herhalten, drei so Teile reichen übrigens aus um sich ansatzweise sauber zu fühlen.


    Vor Chagny bis Saint Vallier, 60km

    Tag 21 - Le Doubs, La Saone, Le Doubs, La Saone und immer der Motherfucker Wind


    Nach einem kompletten Tag Ruhe kann man auch vor 8.00 Uhr starten. Innerhalb der ersten Stunde sind wir in Damparis und der Weg führt direkt an einer Boulangerie/Patisserie vorbei und beim Anblick der Auslage würde ich mich am liebsten hinein werfen um mich durch das komplette Sortiment zu probieren.

    Aber ich reisse mich zusammen und bestelle ein Croissant und komme fast vom Glauben ab als sie keines haben! Gut, je suis flexible, dann nehme ich halt eines mit Schokolade.

    Gegenüber gibt es einen Supermarkt und da ich am Morgen meine Trinkflasche geschrottet habe und es gut sein kann, dass sich heute keine zweite Möglichkeit mehr bieten wird (ich hatte so recht, am heutigen Tag sind wir an keiner weiteren Einkaufsvariante mehr vorbei gekommen!) lege ich auch hier einen kurzen Stopp ein und kaufe eine PET Flasche Eistee, passt wunderbar in die Halterung meines Rades.


    Weiter geht es und beim Versuch gleichzeitig zu radeln, mir die Biografie von Elon Musk vorlesen zu lassen und das Croissant zu essen beisse ich mir gschmeidig auf die Zunge.

    Erst entlang des Doubs, dann an der Saone und immer begleitet von Wind, der dummerweise nicht von hinten uns anschiebt, sondern uns von vorne bremst, dazu Wolken, welche die Sonne nicht einmal erahnen lassen.

    Wir werden überholt von einem Angler, wir sehen mittlerweile tägliche dutzende von Anglern (muss nicht gegendert werden, das sind wirklich immer nur Männer) und keine Fernradler mehr, der seinen Kram auf einem kleinen Anhänger hinter sich herzieht. Bei einer kurzen gebrüllten Unterhaltung will er erst wissen, was "vent" auf Deutsch heisst und dann, welches die Übersetzung für Motherfucker ist, anscheinend ist es hier nicht immer so windig und es geht auch nicht nur mir auf die Nerven.

    Faszinierend hier sind auch die Kühe die fast komplett weiss sind, aus der Distanz sehen die liegenden Kälbchen aus wie kleine, weisse Mäuse.


    Der Wind ist es auch, der dafür sorgt, dass die Mittagspause kurz ausfällt, allerdings kann ich auch langsam aber sicher Müsli mit Obst nicht mehr sehen, aber beim besten Willen, ich kann mich ja nicht nur von Keksen ernähren.

    Weiter geht es, irgendwann wieder am Doubs, wir fahren durch allerlei kleiner Dörfer und es ist komplett ausgestorben, kaum Menschen und schon zweimal keine Kinder. Auch schaut alles irgendwie heruntergekommen aus, ich hatte mir Frankreich so viel romantischer vorgestellt, aber soooooo viel Unterschied zu Rumänien sehe ich ehrlich gesagt nicht.

    Am Nachmittag zeigt sich seit vielen Tagen mal wieder die Sonne und da ich auch heute wieder die Uhr mittracken lasse, ziemlich motiviert bin und es gut läuft höre ich diese leise Stimme in meinem Hinterkopf die mir zuflüstert, dass ich heute doch mal wieder die 100 Kilometer knacken könnte.

    Nach der Biographie bin ich wieder bei Podcasts angelangt, hier ein kurzer Einblick in mein Potpourri :


    Wissen:

    SWR2 Wissen, Ted Talk, Eine Stunde History etc.


    Sex Podcast :

    Untenrum (Schweizerdeutsch), My Dad wrote a Porno etc.


    Interviews :

    Hotel Matze, Alles gesagt?, Gedanken tanken etc.


    Einfach berieseln lassen:

    Gemischtes Hack, Pottcast (Schweizerdeutsch), Beste Freundinnen, Fest & flauschig etc.


    Die Podcasts tragen mich über die Kilometer und obwohl sich um Kilometer 80 viele schöne Plätze um das Zelt aufzustellen bieten ist nun mein Ehrgeiz geweckt und es ist klar, dass die 100 Kilometer heute fallen müssen.

    Mein Track ist durch Chalon-sur-Saone gefahren, ich plane einen Weg drumherum und siehe da, hier verläuft auch der offizielle Weg des EV6.


    Wäre natürlich schön, wenn direkt bei Kilometer 100 ein wunderschöner Platz für das Zelt wäre, ist leider nicht, aber nachdem es mittlerweile auch schon relativ spät ist und der Weg wieder das typische Bild mit rechts Wasser und links Bäume bietet ist klar, dass ich heute nicht sehr wählerisch sein darf.

    Also die nächste Option genützt, beim angucken der Umgebung findet sich in zweiter Reihe ein annehmbarer Ort, Kenai gefüttert, Zelt aufgestellt, mir stehend Nudeln mit Spinatkäsesauce aus der 5 Minuten Kollektion reingezogen, die Übliche Abendroutine und morgen geht es dann weiter.


    Von den ganzen Kilometern ist Kenai ungefähr 6 Kilometer am Rad gelaufen, ausserdem sehe ich hier in Frankreich viele Malinois und Schweizer Schäferhunde.


    Dole bis kurz von Chagny, 102 Kilometer

    ich hab mich beim lesen gerade gefragt wie die Hotels auf dich und Kenai reagieren. So ganz wie Butterblümchen duftend kommt ihr ja nicht da an. Kannst du den Hänger dann immer irgendwo bei denen parken oder musst du ihn zusammenklappen und ach weiß weiß ich. Ist ja schon auch eine logistische Leistung das erstmal alles ins Zimmer zu bringen. Mach doch mal Fotos von diesen Trockenaktionen im Zimmer! Waschen die Hotels deine Klamotten?


    Ich wünsche dir eine entspannte Nacht und morgen einen Tag ganz ohne Regen!

    Wenn sich nochmal die Möglichkeit ergibt, dann mach ich dir ein paar Bilder ?


    Ehrlich gesagt hat noch niemand komisch reagiert, bis jetzt konnte auch immer meine Wäsche gewaschen werden, manchmal gegen Aufpreis, manchmal hat man mir auch einfach gezeigt wo die Maschine steht (bissi Waschpulver habe ich dabei) und für Rad und Anhänger gab es oft eine Möglichkeit sie einzusperren, oder ich lasse beides, gut abgesperrt, draußen stehen, ins Zimmer mitnehmen musste ich die zwei Sachen zum Glück noch nie.


    Ich habe als Packtaschen die von Vaude (Karekorum oder so), die sind mega schnell weggeklickt und mehr als dreimal musste ich noch nie laufen.

    Ich hab da ehrlich gesagt weniger ein Problem damit, in vielen Situationen meiner Touren hätte es auch keine Möglichkeiten gegeben großartig jemanden zu fragen.

    Ich hinterlasse die Orte welche ich aufsuche immer so wie ich sie vorfinde, versteht sich von selber.


    Ich mag die Suche nach einem Schlafplatz, habe ja auch das Zelt noch dabei, Kenai ist nicht verträglich mit anderen Hunden und immer wieder in Interaktion mit anderen Menschen gehen zu müssen wäre auch nicht meins.

    Mini-Sofawolf : Ich finde Vorbereitung und Training komplett überbewertet! Unsere erste 5 Wochen Tour vor 4 Jahren ging zu Fuß mit Zelt etc. über die Alpen und wir haben davor ehrlich gesagt nichts gemacht, also keine Testtouren etc.

    Einfach machen, geht besser als man sich denkt.

    Erst, wenn Lina älter ist. Mit 9-10 Monaten denk ich noch nicht an mehrtägige Touren, wenn, dann eher mit 1,5 oder 2 Jahren =)

    ... und meine Waden schreien auch immer ein wenig nach so ner 12-14 km Tour xD

    Bei mir wird ja nächstes Jahr ein DSH Welpe einziehen, mein Plan ist, dass ich mit ihm, wenn er in etwa ein Jahr alt ist, die erste grosse Tour mache, dann mit dem Rad, da kann ich die körperliche Belastung super steuern, und im Jahr darauf würde ich gerne die Alpen von München nach Venedig überqueren.

    Tag 19 - ein paar Kilometer müssen trotzdem gemacht werden


    Um 6.00 Uhr in der früh regnet es noch immer, also schlafe ich weiter bis um 7.00 Uhr, stehe auf, räume alles zusammen und wirklich, es ist nicht schön! Zelt natürlich komplett nass, riecht unangenehm, Evazotematten mehrheitlich nass und riechen ebenso ungut, Kenais Decke nass, Geruch erwähne ich lieber nicht, da er die Nacht auf dem grossen Mikrofasertuch gepennt hat ist auch dieses dreckig, meine Kleidung ebenso nass und müffelnd.


    Gut, dass ich noch im Schlafsack liegend eine Unterkunft gebucht habe. Kommt mir sehr entgegen, dass die nächste Möglichkeit ca. 50 Kilometer entfernt in Dole ist, so bin ich gezwungen, trotz grauenhaftem letzten Tag auch heute wieder einige Kilometer hinter mich zu bringen und mir so das Bett zu verdienen.

    Das nasse Zelt schiebe ich unter das Regenverdeck des Anhängers, ziehe den Regenschutz über meine Packtaschen und die Regenjacke verstaue ich in Griffweite in der Lenkertasche.

    Witzig hier auf dem Weg übrigens, dass jeder Kilometer auf dem Boden angeschrieben ist, heute starten wir bei Kilometer 109 (gestern war der Start bei Kilometer 18, mit dem herumgeeiere zum Hotel und wieder zurück dürften das die 100km gewesen sein) und wie immer sind die ersten ein bis zwei Stunden die Hölle. Gefühlt komme ich nicht voran, bin nicht wirklich wach und meine Oberschenkel protestieren gegen die immer gleich bleiben Bewegungen mit Übersäuerung. Da es natürlich auch kein Frühstück gab und ich keine Zeit für eine Pause vergeuden möchte schiebe ich mir während dem radeln Schokolade und Trockenfrüchte rein, danach geht es ein wenig besser.


    Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich, seitdem ich in Frankreich bin kaum noch andere Fernradler antreffe? Wie letztes Jahr nach Wien.


    Es ist zum Mäuse melken, wann immer ich die Regenjacke ausziehe nieselt es wieder so stark, dass ich sie wieder anziehe und dann, sobald ich sie anhabe, wird es wieder weniger oder ich muss ein paar wenige Meter nach oben pumpen und schwitze wieder! Egal, auf mich wartet ein Bett und eine Dusche.

    Gegen 14 Uhr kommen wir in der Unterkunft an.


    Mein Bedürfnis :

    × schlafen


    Meine To do Liste :

    × alles ausräumen und aufhängen was nass ist und trocknen muss

    × alles zusammen sammeln was gewaschen werden muss und abgeben

    × duschen, Haare waschen

    × einkaufen (Hundefutter und Menschenkekse sind leer)

    × Schlafsack auspacken und lüften

    × Therm-A-Rest Matte säubern und auslüften

    × Tagesberichte nachschreiben


    Ich bin mittlerweile ein Profi darin Hotelzimmer umzubauen um alles aufzuhängen, Innenarchitekten wären begeistert, die Hotelbesitzer würden mich vermutlich sofort wieder vor die Türe setzen. Auch geh ich nicht alleine unter die Dusche sondern nehme eine der zwei Evazotematten mit, denn auch diese müssen unbedingt mal wieder so richtig gewaschen werden.


    Heute übrigens zum ersten Mal mit der Garmin fenix 5X die Strecke getrackt, super spannend weil natürlich der Weg genau gezeigt wird (bis jetzt habe ich es immer über My Maps gemacht, da kann man aber nicht wirklich die Strecke anpassen wenn sie zwischen dem Start- und dem Endpunkt falsch gezogen wird), ausserdem Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch, Herzfrequenz etc. Werde das die nächsten Tage weiterhin damit machen und dabei beobachten, wie lange dann der Akku der Uhr hält.