Beiträge von Traventure Dog

    Tag 14 - mit Begleitung


    Entspannt, nach einer erneut kalten Nacht, aufgewacht auf dem Hundeplatz, wie immer Morgenroutine und dann ab zum Bahnhof um dort ein ganz besonderes Nachschubpaket in Empfang zu nehmen. Das Thema Nachschubpakete hat mich letztes Jahr wirklich sämtliche Nerven gekostet weshalb ich für dieses Jahr einfach mal komplett darauf verzichten wollte.

    Wenn aber schon die Frage der Schwester "kann ich an einem Wochenende durch die Schweiz mitfahren" kommt, dann kann man das ja auch verbinden.

    Also warte ich an Stein am Rhein Bahnhof nicht nur auf meine Schwester, welche aus Zürich aus mit ihrem Rennrad angereist kommt, sondern auch auf neues Hundefutter und Lebensmittel für mich.


    Dass die zwei Tage in Begleitung nicht so werden wie die anderen Tage war bereits mit der Aussage "ich schlafe aber in keinem Zelt" besiegelt und so laufen wir erst einmal entspannt durch Stein am Rhein und holen uns für das Frühstück Chäschüechli.

    Danach geht es hoch und runter, ich biete meiner Schwester sehr schnell an, dass sie doch mal mein Rad nen Berg hochschieben soll, dann muss ich zumindest mein langsames Tempo nicht mehr rechtfertigen.

    Wir radeln bis zum Rheinfall, der zugegeben ein wunderschönes Fotomotiv bildet, folgen dann einer Umleitung, immer den Schildern des EV6 folgend und sind trotzdem irgendwann sehr weit entfernt von dem eigentlich Track und ich maximal genervt.

    Hilft aber alles nichts, das ziehen wir jetzt durch, versüßen uns die Zeit bis zur Mittagspause erst mit Süsskram, dann mit Vermicelles.


    In der Mittagspause erst einmal mit GPS und Google Maps geguckt wo wir sind um danach ziemlich entspannt der Landstraße zu folgen. Wir tauschen die Räder und die nächsten 20 Minuten sind für mich ein absoluter Traum, denn ich habe gerade mal 10kg unter meinem Hintern, das ist noch nicht einmal ein Viertel des Gewichtes meines Hundes! Ist mir komplett wurscht ob der Sattel auf mich eingestellt ist und ob ich gut bremsen kann oder nicht, ich fliege quasi über die Strecke und jede Steigung meistere ich mit links!

    Dummerweise will meine Schwester ihr Rad auch wieder zurück und auch wenn ich noch so theatralisch vor mich hin schluchze, ich sitze wieder auf meinem Rad und quäle mich die Anstiege hoch.

    Tatsächlich geht es die letzten Kilometer bis nach Kaiserstuhl relativ entspannt voran und dort angekommen muss nur noch die Unterkunft gesucht werde.

    Ich kann meine Kleidung waschen, der Hund pennt, wir gehen Essen und leeren eine Flasche Rose und als Dessert gibt es einen Gin Tonic, bin ja mal gespannt, wie der morgige Tag aussehen wird.


    Stein am Rhein bis Kaiserstuhl, ca 50 km

    Tag 13 - Tschüss Donau, Hallo Rhein


    Fast trifft mich der Schlag als ich am Morgen das Zelt öffne und nach draußen blicke. Dort, wo sich normalerweise der Morgentau abgesetzt hat, also auf dem Regenschutz des Anhängers oder auch auf dem Aussenzelt liegt Eis! Nix Morgentau - Eis! Selbst auf dem Wasser in Kenais Wassernapf hat sich eine mehrere Millimeter dicke Eisschicht gebildet!

    Dass es eine kalte Nacht werden würde war mir schon klar, als ich mich gegen 20 Uhr in das Zelt und den Schlafsack begeben habe und wie in der ersten Nacht bitterlich gefroren habe (meine Garmin Uhr zeigt mir für die Nacht einen Puls von 40 Schlägen die Minute an, entweder bin ich jetzt Leistungssportlerin oder ich war kurz vor dem Kältetod und mein Körper hat schon langsam meine Systeme runter gefahren) und mir mehr und mehr Sorgen um den Hund gemacht habe.

    Kenai mag ja ein dickes Fell haben und andere Temperaturen aushalten, aber er ist eben auch ein Oldie. Tatsächlich aber lag er, im Gegensatz zu mir, nicht in Embryonalhaltung im Zelt sondern entspannt auf der Seite und hat tief und fest geschlafen, kann also so schlimm für ihn nicht gewesen sein.


    By the way, meine Behaarung an den Beinen macht beim Thema Länge seinem Fell durchaus langsam Konkurrenz, hat aber leider nicht ansatzweise so gut gewärmt!


    Zum ersten Mal auf der Tour ziehe ich die ganz lange Radhose an und stell mich erst einmal beim Nettoparkplatz zum auftauen und frühstücken in die Sonne.

    Danach geht es entspannt durch Tuttlingen, ich verabschiede mich leise von der Donau, immer den Schildern des EV6 folgend, die mich leider direkt nach der Stadt bergauf schicken. 90 Minuten läuft Kenai und ich schiebe Rad und Anhänger. Irgendwie hatte ich mit einem entspannten Tag gerechnet, wird es mal wieder nicht.

    Danach geht es mal runter mal hoch durch viel grün und an diversen Pferdeweiden vorbei, eigentlich ganz idyllisch, wenn es nicht so windig wäre.

    Wo es steil bergauf geht, da geht es irgendwann auch wieder bergab, tatsächlich aber lasse ich es nur sehr selten komplett laufen, Anhänger und Hund schieben doch ganz gut an und ich trage noch nicht einmal einen Helm, also bremse ich die ganze Zeit ab und freue mich über die kurze Tretpause.


    In Eigeltingen werfe ich einen kurzen Blick in mein GPS und stelle fest, dass ich zwar auf dem EV6, nicht aber auf meinem Track bin. Keine Ahnung wo die Person durchgefahren ist, der EV6 war es auf jeden Fall nicht, denn dem bin ich (ausnahmsweise mal) konsequent gefolgt.

    Macht nichts, ich fahre weiter in Richtung Singen, überquere die Grenze in die Schweiz, bin schon fast ein wenig enttäuscht, dass man mich nicht anhält, letztes Jahr wollte man an der Grenze nach Rumänien sogar den Impfpass von Kenai sehen (witzige Erinnerung : Drei Grenzbeamte, welche sich den Pass anschauen und "Problem, Problem" murmeln, woraufhin ich nur lächel und "kein Problem" erwiedere, wissend, dass die garantiert nichts aus dem Pass rauslesen konnten und Kenai alle relevanten Impfungen besitzt). Nach der Grenze geht es weiter nach Stein am Rhein und schon fast ein wenig gerührt begrüße ich den Rhein.

    Ich laufe entspannt durch den Ort, erkundige mich nach einem Fussballplatz und da dieser genau am Bahnhof liegen soll geht es direkt dorthin. Der Platz erweist sich als nicht optimal, aber bei einem kleinen Spaziergang entdecke ich einen Hundeplatz welcher nicht abgesperrt ist und einen kleinen, halb überdachten Vorplatz hat und wir bleiben dort, mit direktem Blick auf den Bahnhof, bei dem uns morgen gegen 9 Uhr ein ganz spezielles Nachschubpaket erwartet.

    Tag 12 - Google Maps kannste vergessen


    Schon einmal mit einem Rad plus Hundeanhänger auf einem Wanderweg unterwegs gewesen? Kann ich auf keinen Fall empfehlen und war so auch nicht von mit geplant! Aber als ich gegen Mittag (bitte, ich hatte eine Matratze unter meinem Körper u d eigentlich auch keinen Stress, also habe ich möglichst lange geschlafen, gelesen und den Tag entspannt gestartet) mir von Google Maps die Route aus Stetten am kalten Markt zurück zum Donauradweg anzeigen hab lassen sah das nach einer entspannten Strecke aus.


    Bei Norma trotzdem noch schnell Hundefutter, nen Joghurt und frisches Obst gekauft (jaaaaaaa, plus Schokolade und Kekse, ich gebe es ja zu) gekauft und dann immer schön der Route auf dem Handy gefolgt und innerhalb von 3 Kilometern bin ich irgendwo im Nirgendwo und brülle meine Frustration und meine Wut den Bäumen entgegen, interessiert die nur dummerweise null und mich einfach auf den Boden legen und weinen bringt mich ja auch nicht weiter.

    Wanderweg nach Neidingen? Gut, da muss ich hin, also entscheide ich mich einfach diesem zu folgen, sind ja auch nur 3 Kilometer, wird schon nicht so schlimm werden.

    Wird schlimmer!

    Erst geht es ganz gut und dann haben wir einen Wanderweg vor uns wie er im Buche steht: Steil, Steine, Wurzeln, eng, teilweise Geländer an dem man sich festhalten soll und immer wieder die Möglichkeit nach links oder rechts weg zu rutschen.

    Ich lerne viel darüber, wann man mit welcher Bremse bremsen muss und trotzdem kommt die Stelle, an der ich Rad und Anhänger voneinander trenne und einzeln den Weg runter tragen muss.

    Irgendwie schaffen wir es bis Neidingen und in Zukunft frage ich bei Google Maps nicht mehr nach einem Radweg, sondern verhalte mich wie ein Chamäleon und bin einfach ein Auto. Hmmmmm, was ist mir lieber, eine Fahrt auf einer Bundesstraße oder ein steiler Wanderweg?

    Von Neidingen nach Beuron fahre ich auf der Landstraße und bin fasziniert von der Umgebung. Viel grün und links und rechts riesige graue Felsen die in den Himmel empor ragen.

    Die Strecke gönnt mir nach meiner Odyssee im Wald ein wenig Entspannung und es kommen nur wenige Steigungen, bei denen ich schiebe.

    Ich nehme früh schon mein Abendessen zu mir weil ich gerne möglichst lange fahren möchte, dummerweise ist es im Schatten ziemlich frisch und so wird es nicht nur ein frühes, sondern auch ein schnelles Abendessen.


    Lange Rede kurzer Sinn, liege aktuell mal wieder im Zelt kurz vor Tuttlingen.

    Tag 11 - gewollte Umwege


    Also ob ich gerade so einen heißen Kopf habe wegen der halben Flasche Weißwein oder wegen der Sonne und der erst zu spät aufgetragenen Sonnencreme kann ich nicht genau sagen, aber gut schlafen werde ich heute auf jeden Fall.


    Der Tag begann ziemlich entspannt mit vielleicht 20 Kilometern in Richtung Sigmaringen, ebenerdig, keine Donau in Sicht dafür Felder links und rechts. Kurz vor Sigmaringen werde ich von Paul angesprochen der von hinten mit seinem Rad angeradelt kommt, gerade krank geschrieben ist und wohl vor ein paar Tagen schon einmal mit einer alleine radelnden Frau gesprochen hat, welche mit wesentlich mehr Tageskilometern, dafür auch ohne Hund und mit Übernachtungen in Betten unterwegs ist.

    Ist ganz nett mal wieder sich ein wenig unterhalten zu können, aber seine Einladung, in Sigmaringen etwas essen zu gehen lehne ich dann doch ab.

    In Sigmaringen bin ich bereits gegen Mittag und biege da dann komplett vom Donauradweg ab um nach Stetten am kalten Markt zu fahren. Als mich vor einigen Tagen ein guter Freund darauf hingewiesen hat, dass er da wohnt und ich ja quasi fast daran vorbei fahren würde und er eine Dusch- und Schlafmöglichkeit hätte, hatte ich noch nicht das Höhenprofil gecheckt und spontan beschlossen ihn zu besuchen.

    Tatsächlich hat mir das Höhenprofil bereits im Vorfeld die Tränen in die Augen getrieben und in real war es dann noch schlimmer als befürchtet! Wie lange kann man eigentlich für 15 Kilometer brauchen? Verdammt lange wenn man irgendwann beschließt, dass man auch aufhören kann, den Hund bei jeder Steigung laufen zu lassen um ihn danach wieder in den Anhänger zu packen um einen Berg bergab zu fahren um dann mit dem nächsten Anstieg vor sich zu haben, und einfach den größten Teil der Strecke das Rad und restliche Equipment schiebt und der Hund daneben läuft.


    Lohnt sich aber auf jeden Fall für einen frischen Salat, eine Dusche, ein Bett und gute Gespräche!


    Morgen erst einmal ausschlafen, auch Kenai dürfte sich darüber freuen, dann weiter in Richtung Schweiz, wo wir am Samstag in der früh erst einmal ein Date haben...

    Tag 10 - erst einmal die StVO checken


    Heutige Abendlektüre: Was sagt eigentlich die Straßenverkehrsordnung zum Thema Radfahrer auf der Bundesstraße?

    Damit ihr die wichtigsten Infos auch habt, hier ein Auszug


    https://www.bussgeldkatalog.net/fahrrad/bundesstrasse/


    "Das Fahrradfahren ist auf Bundesstraßen nur erlaubt, wenn es sich um eine Überlandstraße handelt, da es für eine solche keine festgelegte Mindestgeschwindigkeit gibt. Ein quadratisches blaues Schild, worauf ein weißes Auto zu sehen ist, weist die Straße als Kraftfahr- bzw. Schnellstraße aus. Diese Bundesstraße darf mit Fahrrad nicht befahren werden. Andernfalls sieht der Bußgeldkatalog für das Fahrrad ein Verwarnungsgeld vor."


    Warum das heute wichtig war zu klären? Weil ich nach einem relativ entspannten Vormittag über Ehingen und weiteren Ortschaften, von denen ich noch nie etwas gehört habe, mit viel Strecke in der Ebene und bei bewölktem Himmel, ich nach der Mittagspause wieder mit einem so unfassbar ätzendem auf und ab konfrontiert war, dass ich spontan beschlossen habe, die letzten 9 Kilometer nach Riedlingen auf der Bundesstraße zu fahren. Ja, auch auf der Bundesstraße geht es bergauf, aber wesentlich humaner und mit gutem Untergrund, ausserdem sind die hupenden LKWs, je nachdem wie man es sehen möchte, Motivation, weil sie mir auf ihre Art und Weise Respekt zollen und zujubeln oder aber, weil sie mich wegscheuchen und am liebsten von ihrer Straße boxen wollen.


    Neben der ganzen Fahrerei musste ich heute auch neues Hundefutter für Kenai kaufen, bei Penny gab es den 5kg Sack oder einen mit 1,3kg. Hätte ich gewusst, dass Kenai den Kram so runterschlingt, dann hätte ich auch gleich den grosses Sack kaufen können, so darf ich morgen schon wieder nach Nachschub Ausschau halten!

    Wenigstens schmeckt es ihm, für mich gibt es heute zum wiederholten Mal Joghurt mit Obst, zur Abwechslung heute mal mit heißem Babybrei und Heidelbeeren statt Banane.

    Tag 9 - Ulm stinkt!


    20.00 Uhr, kurz nach Ulm auf dem Gelände des Marinevereins Ulm an einem Nebenarm der Donau, gesättigt und gekatzengewaschen und am heulen. Die Hochzeitsbilder eines Freundes haben mich kalt erwischt und nun sitze ich da, fühle mich unfassbar alleine (wissend, dass ich das natürlich nicht bin) und bemitleide mich eine Runde selber.


    Tatsächlich hat mein Tag so gestartet wie ich es liebe: Im Hotel als Erste am Frühstücksbuffet und dann noch einmal zurück in das Bett und noch eine Runde schlafen.

    Los ging es dann gegen 10.00 Uhr mit der Mission, neues Brennmaterial für den Kocher zu besorgen. In der Apotheke verweisen sie auf einen Bastelladen auf der Strecke, dort schicken sie mich weiter zu toom, wo man mich genauso irritiert anschaut, mir dann aber eine flüssige Sicherheitsbrennpaste verkauft. Spoiler : Klappt wunderbar und da die anscheinend auch noch so ergiebig ist ärgere ich mich nicht weiter darüber, dass ich gleich einen Liter davon kaufen und natürlich auch mit mir mitschleppen muss.

    Der Weg heute ist super eben, dafür bläst uns der Wind entgegen und die Temperaturen über 20 Grad lassen uns zur Mittagszeit eine etwas längere Pause einlegen.

    Wir fahren um Günzburg entlang und danach lange auf einem Schotterweg durch den Wald in Richtung Ulm.

    In Ulm geht es an der Donau entlang und schon kurz nach Ulm stinkt es so, als ob die Kläranlage explodiert wäre, wirklich ekelhaft, schätze, es hat mich gleich ein wenig stärker in die Pedale treten lassen.

    Nach Ulm biete ich irgendwo nicht ab wo ich abbiegen hätte sollen, was aber nicht viel ausmacht, mir dafür eine Fahrt komplett alleine auf einer Landstraße beschert. Wie das? Naja, nur weil eine Straße wegen Bauarbeiten für Autos gesperrt ist muss das ja nicht für mich als Radfahrerin gelten, habe ich in Rumänien so gehandhabt und auch hier sind die Bauarbeiter nicht irritiert, als ich an ihnen vorbei fahre.

    Es tut sich keine Möglichkeit auf meine komplett geleerten Wasservorräte aufzufüllen und als ich das Gelände des Marinevereins Ulm entdecke und zu meinem heutigen Schlafplatz erkenne mache ich etwas, was ich noch nie während einer Radtour gemacht habe: Ich klingel bei dem Landwirt gegenüber und bitte ihn um Wasser. Dem mir öffnenden Mann berichte ich natürlich gleich von meinen Plänen was dazu führt, dass er mich und Kenai später besucht (die persönliche Alarmanlage sieht ihn natürlich vor mir uns gibt bellend Bescheid). Zum Glück bin ich gerade am löffeln meiner Suppe und nicht splitterfasernackt bei der Katzenwäsche, hätte ihn vermutlich mehr schockiert als mich.

    Wir unterhalten uns eine Weile über Gott und die Welt, die Mietpreise in München, Glyphosat, ausserdem bietet er mir ein Eis an. Irgendwann verabschiedet er sich und ich mache weiter mit meiner üblichen Abendroutine.


    Höchstädt bis nach Ulm, ungefähr 60km