Amys will to please (will to work ist für mich das gleiche, den Begriff gibt es außerhalb des DF ja auch nicht) ist auf jeden Fall vorhanden, trotz Haus-Hof-Hüte-HS-Hund-Wurzeln. Am Wochenende hat sie im Garten geholfen, indem sie die herabgefallenen Äste apportiert hat. Es hat sie einfach gefreut, dass wir uns darüber gefreut haben. Ihr will to eat ist allerdings noch ausgeprägter. Ich denke, würde man ein Käsebrötchen vom Dach werfen, würde sie ohne zu zögern hinterher springen!
Mich interessiert die ganze "Straßenhund"-Thematik seit ihrem Einzug bei uns sehr, daher hab ich mittlerweile mehrere Bücher darüber gelesen und bin im Austausch mit einer Mitarbeiterin unseres Tierheims, das sehr viele Auslandshunde, vor allem aus Rumänien und Spanien, gelegentlich auch aus Polen, importiert.
Welches Buch ich sehr empfehlen kann, ist
Der Autor ist Tierpfleger und Tierheimleiter und hat auch mit an dem Projekt Pizzahunde gearbeitet. Für das Buch ist er auf der Suche nach Straßenhunden durch ganz Europa gereist und hat seine Beobachtungen und Erfahrungen aufgeschrieben.
Dadurch hab ich einige Klischees über Bord geworfen.
So gibt es, wie Czarek auch sagt, in den meisten Ländern gar nicht mehr so viele "richtige" Straßenhunde.
In den südlichen Ländern wie Spanien oder Italien sind die vermeintlichen Straßenhunde vor allem ausgemusterte, ausgesetzte Hunde, oft Jagdhunde, die meist ziemlich schnell auch wieder eingefangen werden. In Norditalien soll es gar keine Straßenhunde mehr geben.
In den östlichen Ländern treiben sich zwar oft ganze Gruppen auf den Straßen rum, viele davon gehörten aber eigentlich auch mal jemandem, aber sie streunen eben, ohne dass es die Besitzer interessiert. Deshalb, und weil sie auf der Suche nach Essbarem die Nähe des Menschen suchen und oft von Einheimischen gefüttert werden, sind die meisten dieser Hunde zwar vorsichtig, manche auch scheu, aber eher nicht aggressiv.
Nur extrem wenige Hunde werden wirklich auf der Straße geboren und wachsen dort auch auf. Die Überlebensrate dieser Hunde ist einfach sehr gering, irgendwas um die 5-10%.
Und da fällt mir noch ein, es gibt bei YouTube eine Doku, die zeigt, dass rumänische Hundefänger oft sogar Hunde vom Grundstück ihrer Besitzer klauen - gibt schließlich Geld für jeden eingefangenen Hund. Wenn diese Hunde dann wiederum von Tierschützern aus den städtischen Tierheimen oder Tötungsstationen freigekauft, in die privaten Shelter gebracht und nach Deutschland vermittelt werden, wundert man sich darüber, dass "Straßenhunde" oft so unkompliziert sind, dabei ist es ganz logisch, weil sie eben schon mal Besitzer hatten und Menschen kennen. Der Hund meiner Eltern bspw. kam etwa einjährig nach Deutschland, findet Menschen super, hat eine Tätowierung am Bauch - der hatte sehr sicher auch schon in Rumänien einen Besitzer, wurde aber als "Straßenhund" deklariert.
Wirklich wild lebende Hunde, die bei ihrer Nahrungssuche NICHT die Nähe des Menschen suchen und auch noch aggressiv sind, sind sehr selten, weil sie schlicht nicht überleben bzw. sich nicht fortpflanzen. Sowohl von den Menschen als auch von den anderen Hunden werden sie ausgeschlossen. Survival of the fittest wird erwähnt, was eben nicht heißt, dass der Stärkste überlebt, sondern der Angepassteste. (In den Sheltern, wo oft willkürlich Hunde zusammengepfercht werden, die sich dann u.U. nicht verstehen und nicht aus dem Weg gehen können, gibt es zwar öfter Beißereien, manchmal leider auch tödlich endende, aber das ist ja eine ganz andere Situation. Aus dem Grund können einige ehemalige Shelterhunde in ihrem neuen Leben dann gut auf Artgenossen verzichten.)
Die einzigen wirklich unabhängigen Hunde, die dem Autor bekannt sind, sind tatsächlich die Pizzahunde (von denen inzwischen nur noch einer am Leben ist).
Als am fortschrittlichsten im Umgang mit freilebenden Hunden wird interessanterweise die Türkei bezeichnet. Da dürfen die Hunde nach der Kastration zurück auf die Straße (in Rumänien zB nicht, aber das ändert sich da auch ständig), sind dann an Ohrmarken als kastriert zu erkennen und werden auch durchaus von der Bevölkerung akzeptiert.
Auch so ein Vorurteil, mit dem aufgeräumt wird: Hunde gelten dort nicht als unrein. Das ist wohl eine recht veraltete Denkweise und eher bei manchen hier lebenden Türken noch üblich.
Was allen Ländern mit Straßenhunden gemein ist, ist die Duldung der Hunde durch zumindest einen größeren Teil der Bevölkerung. In dem Buch wird dann immer mal wieder etwas geschildert und dabei direkt der Vergleich mit Deutschland gezogen.
So gibt es im Umfeld einer großen Uni in, ich meine Portugal, eine Hundegruppe, die täglich auf den Campus, teils sogar in die Mensa, läuft, weil sie dort gefüttert wird. In Deutschland undenkbar, oder?
Oder es wird geschildert, wie in Rumänien und der Türkei Hundegruppen (meist "auch noch" HSH-Mixe) durch die Parks oder auf Spielplätze laufen und dort von picknickenden Familien gefüttert werden. Und wieder die Frage des Autors: Wäre das auch in Deutschland denkbar?