genauso wie der Labrador.
Diese Aussage kam von dir schon vor ein paar Seiten und da habe ich schon drauf reagiert. Das stimmt schlicht nicht. Der Labrador wird und wurde in Schottland nicht kupiert.
Um schreiben oder kommentieren zu können, benötigst du ein Benutzerkonto.
Du hast schon ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.
Jetzt anmeldenHier kannst du ein neues Benutzerkonto erstellen.
Neues Benutzerkonto erstellengenauso wie der Labrador.
Diese Aussage kam von dir schon vor ein paar Seiten und da habe ich schon drauf reagiert. Das stimmt schlicht nicht. Der Labrador wird und wurde in Schottland nicht kupiert.
In meinem Kopf war direkt die gleich Frage Lucy_Lou
Wenn sie auf den inneren Stress reagiert, den dein Partner hat, wäre er denn bereit Wege zu finden den Stress zu reduzieren?
Reagiert der Hund auf den inneren Stress des Partners oder den der Besitzerin, die weniger gestresst ist, wenn der Partner nicht da ist?
Nur ein Gedankenanstoß, muss natürlich nicht beantwortet werden.
...und jetzt diskutieren wir und überlegen gerade, was die Ursache für so ein Verhalten sein könnte.
Habt ihr Ideen?
Ich tippe auf Sodbrennen.
Direkt auch mein Gedanke.
Ich habe die Studie aus Schottland noch einmal überflogen, weil mich das Thema interessiert. Sowohl die Stellungnahme des DJV als auch der verlinkte Artikel, die sich beide u.a. auf den schottischen Fall beziehen, greifen nur einen Aspekt heraus, der im ersten Teil der Studie behandelt wird. Der erste Teil der Studie ist eine Besitzer:innenbefragung zur Anzahl von Rutenverletzungen über den Zeitraum einer Jagdsaison. Das Ziel war es, u.a. einen Überblick über die Prävalenz von Rutenverletzungen zu erlangen. Auf Basis dieser zurückgemeldeten Ergebnisse, folgendes Fazit:
ZitatThe results from this survey clearly indicated that working spaniels and HPR (but not terriers or pointer/setters) were at increased risk of sustaining tail injuries, especially if undocked. In addition, the work shows that docking HPR and spaniels by one-third (but not shorter) would be sufficient to significantly decrease the risk of tail injury in these breeds.
Also erstmal: aus diesen Befragungen ergibt sich, ja, Rutenverletzungen sind häufiger in "working breeds", und dort zumindest bei zwei Rassen häufiger bei unkupierten Individuen.
Der zweite Teil der Studie ist auch sehr spannend. Hier werden Daten aus verschiedenen Tierarztpraxen über einen Zeitraum von 10 Jahren ausgewertet. Natürlich spielen in diesem Teil der Auswertung auch nur Rutenverletzungen eine Rolle, die veterinärmedizinischer Versorgung bedurften. Durch Einteilung und Gewichtung der Ergebnisse wir außerdem der Zeitraum vor und nach dem Kupierverbot in Schottland differenziert betrachtet.
Hier auch erstmal deutlich zu sehen: "Working breeds" (nicht eingeteilt in kupiert/unkupiert) haben allgemein gesehen ein höheres Risiko, Rutenverletzungen zu erleiden als Hunde, die als "pets" gehalten werden.
ZitatA total of 585 tail injuries were recorded from a population of 99,368 dogs visiting 16 veterinary practices between 2002 and 2012, which constitutes an overall prevalence of 0.59% (95% confidence interval 0.54 to 0.64%). Of these 585 tail injuries 275 were recorded in working breeds which were represented by a total population of 30,869 dogs. This equates to an overall prevalence of 0.90% (confidence interval 0.79 to 1.00%) in working dog breeds
Interessant finde ich erstmal, dass Rutenverletzungen generell nicht häufig sind. Von diesen Rutenverletzungen, enden auch wiederum nur wenige in einer Amputation. Der Großteil wird verbunden, mal mit Antibiotika behandelt, mal besteht gar kein Behandlungsbedarf.
ZitatTail amputation was reported in 20.2% (118) of cases of tail injury, the majority of which were due to unspecified injuries (51) or lacerations (38). The remaining 80.8% injuries were treated with a combination antibiotics and dressings or recorded as untreated.
Auch hier kommt wieder der Schluss, dass "working breeds" häufiger Rutenverletzungen erleiden und in dieser Gruppe auch häufiger Ruten amputiert werden müssen. Es gab allerdings keinen signifikanten Anstieg in Rutenverletzungen nach dem Eintritt des Kupierverbots.
ZitatThere was no statistically significant difference in the prevalence of tail injuries, in all breeds or all working breeds before compared to after the introduction of the tail docking legislation.
Warum das so ist, dafür werden diverse Hypothesen aufgestellt. Wichtig ist für mich hier nur, diese Studie kann nicht herangezogen werden, um das Rückgängigmachen des Kupierverbots zu rechtfertigen.
Außerdem wird auf Grundlage der veterinärmedizinischen Daten berechnet, wieviele Hunde "prophylaktisch" kupiert werden müssten, um eine Rutenverletzung zu vermeiden: im Schnitt müsste man 232 Welpen einer "working breed" kupieren.
Das Fazit für mich ist ganz klar, dass diese Zahlen, nur auf Basis dieser Studie, das Kupieren nicht rechtfertigen. Außerdem wird gezeigt, dass Rutenverletzungen nicht der häufigste Grund ist, weswegen Jagdhunde während der Saison zwangspausieren müssen. Es gibt darauf bezogen in meinen Augen keinen Grund, prophylaktisch zu kupieren, wenn sich die meisten, platt gesagt, die Pfote vertreten und deswegen nicht einsatzbereit sind. Gehören also Rutenverletzungen schlicht zum "Berufsrisiko" eines Jagdhunds, der sich in seiner Karriere generell signifikant öfter verletzten wird—egal an welchem Körperteil.
Interessant finde ich auch, dass in diesem schottischen Fall, die Spaniels die mit den meisten Rutenverletzungen sind. Eine Rasse, bei denen ich diese Kupierdebatte überhaupt nicht stark im Vordergrund erlebe—zumindest in Deutschland. Liegt das daran, dass sie nicht so beliebt sind in Jägerkreisen oder täuscht mich einfach mein Eindruck zur Debatte? In der Stellungnahme des DJV wird sogar im Gegenteil folgende Behauptung aufgestellt:
"Langhaarige Hunde haben allerdings einen gewissen Schutz durch die Fahnen, ihre langen Haare am Schwanz. Sie bremsen die Rutenbewegung und bilden mit den langen Haaren einen natürlichen Schutz. Rutenverletzungen treten deshalb bei langhaarigen Hunden weniger auf."
Schaut man sich die Zahlen der schottischen Studie an, auf die sich angeblich auch diese Stellungnahme u.a. bezieht, ist genau das Gegenteil der Fall. Spaniels führen die Liste der Rutenverletzungen sogar an. Das lässt wiederum für mich Schlüsse zu, dass sich der Themenkomplex Kupieren und Rutenverletzung viel mehr (womöglich unterbewusst) auf Diskurse um Ästhetik und Tradition stützt, als auf tatsächliche belastbare und mit dem heutigen Stand des Wissens vereinbare Grundsätze.
Seht es mir nach, wenn ich nicht alles richtig einsortiert habe hier zwischen Tür und Angel, das war ein knapper Exkurs meinerseits in eine doch recht umfangreiche Studie. Ich lasse mich gerne berichtigen.
Nochmals die Quelle:
Lederer, Rose (2014) Investigations regarding tail injuries in working gundogs and terriers in pest control in Scotland. MVM(R) thesis, University of Glasgow.
Hier ist übrigens noch die Masterarbeit, auf die — so meine Vermutung — in dem Artikel verwiesen wird. Falls Interesse besteht:
Lederer, Rose (2014) Investigations regarding tail injuries in working gundogs and terriers in pest control in Scotland. MVM(R) thesis, University of Glasgow
In Schottland ist der Labrador eine Rasse die kupiert wird und dort konnte in der genannten Studie eben auch nachgewiesen werden, dass die Rutenverletzungen signifikant zunahmen und Jagdhunde wesentlich gefährdeter sind.
Nein, der Labrador darf nicht kupiert werden. Kupieren in England ist nur erlaubt bei Spaniels, Terriere, und "Hunt Point Retrievers", also Vorstehhunden. Diese und Mixe aus Vorstehern dürfen kupiert werden, wenn sie für den jagdlichen Gebrauch bestimmt sind.
Rutenverletzungen heilen sehr schlecht und sind ebenfalls sehr schmerzhaft, oft muss später ein teil der Rute entfernt weil es eben nicht abheilt.
Ich habe mich jetzt nicht in die Datenbanken gestürzt, also vielleicht gibt es irgendwo wissenschaftliche Studien dazu, die alle Punkte zum Thema Rutenverletzung beleuchten. Es scheint ja allerdings nicht der Fall zu sein, dass sich hier die Mühe gemacht wird, solche Daten auszuwerten und ggf. mit Ergebnissen anderer Länder zu vergleichen.
Es ist mir unbegreiflich, wie man sich beim „prophylaktischen“ Entfernen eines Körperteils so lax auf Hypothesen ausruhen kann.
Dass nach einer Rutenverletzung schnell gehandelt und amputiert wird, ist ja überhaupt ein völlig anderer Punkt.
Naja, hier wird ja nun aber auch getan, als würde man den Hund eine Stummelrute kupieren wie es bei Dobermann und co der Fall war.
Ein bisschen amputieren ist also okay?
Ich finde Kupieren absolut nicht mehr zeitgemäß. Wir wissen beim Menschen, wie schrecklich Phantomschmerzen sein können. Warum sollte das bei einer Hunderute nicht auch vorkommen? Die Zuchten sind doch nicht gezwungen an Nicht-Jäger abzugeben? Auch heute, in Deutschland gibt es doch die theoretische Möglichkeit, einen Wurf unkupiert zu lassen und ihn dann trotzdem an Jäger und Nicht-Jäger abzugeben?
Ich empfehle dir den Artikel, den Karpatenköter verlinkt hat, in Gänze zu lesen. Der ist sehr interessant. Eine positive Wirkung von Goldimplantation konnte in keiner Studie nachgewiesen werden, im Gegenteil jedoch durchaus die eine oder andere Verschlechterung. Überhaupt herrscht noch nicht einmal Klarheit über die hypothetische Wirkweise. Positive Berichte gibt es meist von Verfechtern der Methode, die daran nicht schlecht verdienen.
Ich würde mir das Geld sparen, so oder so eine Zweitmeinung einholen und die Kosten für die Goldimplantation lieber in nicht-invasive Physiotherapie stecken oder ggf. dem Rat eines anderen Orthopäden folgen, sollte man mit wissenschaftlich belegbaren, operativen Methoden noch etwas rausholen können.
Halbwissen Farbgenetik: Schwarz ist dominant, Braun rezessiv. Möchte man also braun in der Population erhalten, muss man Verpaarungen mit schwarzen Hunden einschränken. Das mag ein Grund sein.
Die Begründung mag mal mangels Genetikwissen dahinter gesteckt haben, ist aber definitiv falsch. Rezessive Gene werden von dominanten Genen nicht verdrängt oder ausgelöscht. Sie werden weniger sichtbar ausgebildet, aber nicht "immer seltener", sondern immer anteilig gleich oft.
In einer Population, in der braun eine häufige Farbe ist, müsste man sich im Gegenteil (ohne Gentests) sogar richtig Mühe geben, dass keine braune Hunde fallen. Selbst, wenn nur noch schwarz verpaart werden würde. Und zwar weil, nicht obwohl, braun rezessiv ist und somit versteckt getragen werden kann.
Züchtet man dagegen nur noch mit braunen Hunden, hat man sofort und in Zukunft keinen einzigen reinrassigen schwarzen Hund mehr.
Danke fürs Richtigstellen und die gute Erklärung. Ich hatte das mal als Laien-Erklärung aufgeschnappt, das war dann wohl falsch.