Beiträge von Frau+Hund

    Oder hier, ganz aktuell:


    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32607099/


    Der Artikel ist frei zugänglich und super spannend, auch über die direkte Frage hinaus. Dieses Ergebnis, dass Mischlinge im Durchschnitt ein Jahr länger leben als gleichgroße Rassenhunde, wiederholt sich seit über 20 Jahren in vielen Studien. (Siehe Literaturverzeichnis des Artikels). Zum Beispiel auch in den Auswertungen der schwedischen Krankenkassen für Hunde, wo man davon ausgehen kann, dass die Versicherten Mischlinge und Rassenhunde etwa vergleichbar gehalten werden.

    Ich finde die Frage schon wichtig, warum Rassenhunde bei all dem medizinischen Aufwand mit Diagnostik, Datenbanken usw., trotzdem in der Lebenserwartung so weit (rund 10%) hinter den Mischlingen zurückbleiben.

    Könnt ihr mir etwas mit den Definitionen helfen? Wenn ich etwas über Doodle-Produzenten sagen will, spreche ich da vom Vermehrer oder vom Züchter? Und was ich mich schon seit Jahren frage: ist Vermehrung nicht eigentlich der Überbegriff für jegliche Welpenproduktion?


    Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht. Wie immer.

    Für mich ist es eine Züchterin jemand, die gezielt Hunde verpaart, um bei den Nachkommen bestimmte Eigenschaften zu erreichen. Das kann sie innerhalb oder außerhalb einer Rasse tun und innerhalb oder außerhalb eines Vereins. Doodle Züchterinnen sind daher für mich auch Züchterinnen. Die totale Isolation eines kleinen Genpools, Rasse genannt, innerhalb der Gesamthundepopulation ist eine Methode der Zucht. Vielleicht auf Dauer nicht die beste. Hybridzucht oder die Zucht von Leistungsmischlingen mit offenem Zuchtbuch sind andere Methoden.

    Vermehrerin ist ein Kunstwort. Von der Wortbedeutung her würde ich auch sagen, jede, die aus 2 Hunden mindestens drei Nachkommen erlaubt, ist eine Vermehrerin.

    Ich finde es unsinnig, eine Wertung mit den Worten zu verbinden. Es gibt aus meiner Sicht gute Züchterinnen und absolut schreckliche. Innerhalb und außerhalb der Vereine.

    Zitat

    Czarek

    Wieso auch, der viel gelobte und fälschlicherweise genannte Heterosiseffekt ist dann ja auch endgültig ein nichtiges Argument.

    Immer noch hast du mit keinem Wort erklärt, was hier fälschlich genannt wird?

    Ein F1 Doodle erbt die Hälfte seiner Gene von seinem Labrador-Elternteil, die andere Hälfte von seinem Pudel-Elternteil. Da diese beiden Rassen schon lange getrennt gezüchtet werden, hat er mit großer Wahrscheinlichkeit zwei verschiedene Varianten für fast jedes Gen. Das wirkt sich positiv auf das Immunsystem und viele weitere Stoffwechselvorgänge aus und verbessert die Vitalität.

    Was ist daran fälschlich?

    Ist schlicht eine anderes Zucht-Strategie, als der Aufteilung der Gesamtpopulation in lauter kleine, vollständig genetisch abgeschottete Unter-Populationen. Natürlich braucht sie die Ursprungsrassen, aber die braucht die Rassen Hundezucht doch auch. Es kann doch zwei (oder mehr) Zuchtstrategien nebeneinander geben.

    Und der Vorteil ist der Hybrid-Effekt, aber das hat Langstrumpf schon weiter oben geschildert.

    Genau, darum verstehe ich oft nicht, dass häufig gefordert wird, Doodle Züchter müssten ein Zuchtziel haben oder eine neue Rasse schaffen. Eigentlich sind doch die F1 hybriden interessant, weil sie zum einen vorhersagbar sind (jedenfalls nach Mendel) und zum andern den Hybrid- Vorteil haben.

    Was ist denn eine indivuelle Ebene in der Genetik? xD

    Heterosis Effekt ist ganz einfach beschrieben: dieser Begriff kommt aus der Großtier- und vor allem Pflanzenzucht, wo über Inzucht über viele Jahre homozygotie in allen Bereichen erreicht wird. Kreuzt man 2 solche homozygote inzuchtlinien (auch mit hohem Verlust der Saat), erreicht man für 1 Generation eine erhöhte Leistungsbereitschaft (zb höhere Saat).

    Genau, und auf individueller Ebene, also in dem einzelnen Tier, passiert dann das, was ich oben beschrieben habe. Dafür ist es egal, wie Homozygot die Ursprungslinien unter sich waren. Hauptsache diese beiden Elterntiere sind genetisch weit voneinander entfernt. Und das sind zwei nicht verwandte Hunderassen wie Pudel und Labrador. Das funktioniert bei Hunden genauso gut wie bei Pflanzen und Großtieren. Scott und Fuller haben das bereits in den sechziger Jahren bei kontrollierten Kreuzungsversuchen von Hunderassen gezeigt.


    Zitat

    Das ist auch so lustig, weil dieses Thema mit den MHC Genen voll trendy ist und dort auf schlau suggeriert wird, dass eine Durschmischung 2er Fremdrassen automatisch zu höherer Fitness führt.

    Brauchst du diese spöttische Abwertung von Argumenten, die dich stören? Zumal deine Beispiele überhaupt nichts mit Hybridzucht oder MHC Genen zu tun haben.

    Bei mir fallen leider schon sehr viele Rassen weg, weil ich nicht jage, kein Vieh habe, kein großes Grundstück zu bewachen und einem sehr selbstständigen Hund die Freiheit nicht geben kann, die er braucht. Schutzhundesport möchte ich nicht machen und Windhundrennen auch nicht.

    Und gerade bei denen die übrig bleiben, gibt es sehr viel Schauzucht, Über-Typisierung usw. Ich bin glücklich mit meinem Papillon, aber auch hier finde das Fell zu plüschig und bei vielen Vertretern die Nase schon zu kurz.

    Daher werde ich mich beim nächsten Hund unter den Mischlingen zumindest gründlich umschauen.

    Populationsbezogene Aussagen werden durch das Erzählen von Anekdoten weder wahrer noch falscher.

    Natürlich können wir die Fortpflanzung in unserer Umgebung nicht den Hunden selber überlassen. Ich fürchte, lange bevor die streunenden Rüden von anderen Hunden gebissen würden, würden sie überfahren.

    Niemand hier hat das gefordert!

    Aber genauso unsinnig ist es, das Island Pferd zu bemühen, um zu zeigen, dass Inzucht bei Hunderassen ja gar nicht so schlimm ist.

    So ist es. Und noch härter schlägt die natürliche Auslese zu, weil es für diese Hunde zwar Impfungen und Entwurmung gibt, aber sonst nicht viel tierärztliche Hilfe. Da stirbt dann eben auch mal ein ganzer Wurf Welpen weg. Das ist sicher für den Genpool insgesamt gut und hält die Überlebenden Hunde gesund. Aber ich möchte diese Zeiten, die bei uns ja auch noch nicht lange zurück liegen, auch nicht wieder haben!

    Und natürlich prügeln sich die Rüden. Die Hündin schauen sich das interessiert an und ziehen das Ergebnis wahrscheinlich bei ihrer Entscheidung heran.


    Ich glaube nicht, dass dies der Weg ist, der uns aus dem massiven Inzucht Problem unserer Rassenhunde raus hilft. Island Pferde hin und her. Ich denke, wir brauchen unsere Mischlinge.

    Danke Feenzauber!


    Zitat

    Der Hund ist nicht durch natürliche Auslese entstanden, sondern durch die gezielte Selektion von Menschenhand. Das funktioniert also nicht ... bzw. diesen Hund gibt es schon. Der heißt Wolf.

    Natürlich funktioniertes das. Auch bei Hunden. In Tansania, in der Usambara- Region, habe ich solche Hundepopulationen kennen gelernt. Sie leben genauso eng mit ihren Menschen zusammen wie unsere Hunde. Ich habe mit mehreren Menschen darüber gesprochen, alle haben mir gesagt, man müsse die Auswahl des Vaters der Welpen der Hündin überlassen, damit die Welpen gesund sind und es „gute Hunde“ werden. Sie hatten auch beobachtet, dass die Hündinnen verwandte Rüden ablehnen und Zuwanderer aus anderen Dörfern bevorzugen. Das ist dort verkehrstechnisch noch möglich.

    Die Hunde sind dort Wach- und Familienhunde, und werden auch gezielt zum Bewachen und Treiben von Vieh eingesetzt. Rassenhunde gibt es dort schlichtweg nicht.

    Nein, ich will nicht dass wir unsere Hundezucht hier so betreiben. Keine Sorge. Aber der Blick über den Tellerrand hilft zum Verständnis und die Hunde dort, die ich kennenlernen durfte, waren genial.