Beiträge von CheshireDogs

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    Aggression gegenüber Menschen wäre schlecht. Gegen andere Hunde haben diese Hunde kaum Aggressionen, die sind im Normalfall sehr sozial, weil sie auch auf der Straße im Rudel leben

    Das ist leider echt eine Fehlannahme. Gerade Auslandshunde sind oft sehr skeptisch gegenüber fremden Hunden und hoch reaktiv bei Hundebegegnungen.


    Wir haben drei Ungaren. Für mich tatsächlich auch die ersten Hunde, mein Mann hat Hundeerfahrung. Ich bin per se nicht gegen Auslandshunden bei Anfängern oder Direktimporte, aber: man muss eine große Leidensfähigkeit haben und wahnsinnig flexibel sein. Und in deinem Falle nicht nur du, sondern auch die Familie.


    Unsere drei verstehen sich im eigenen Rudel prächtig. Mit Fremdhunden absolut gar nicht.


    Die ersten Jahre Gassi gehen mit Trip und Gee waren eine Katastrophe, jeder Hund wurde schon von weitem angepöbelt, dazu sind beide auch komplett ausgerastet wenn sie eine Katze oder Vögel gesichtet haben. Inzwischen geht das mit ausreichend Abstand problemlos, aber man muss doch immer aufmerksam sein. Besonders wenn mal wieder 'herrenlose' Hunde angeschossen kommen, begleitet von einem schreienden Besitzer 'der will nur spielen'. Joa, passiert immer wieder und wir wohnen super ländlich. Ist ja schön, unsere wollen aber nicht spielen, und Trip beißt dann auch zu. (Er wurde tatsächlich zwei Mal von solchen Hunden aggressiv angegangen und hat die dann innerhalb von Sekunden am Boden fixiert, so schnell konnte man gar nicht gucken. Tatsächlich ohne Verletzungen beim anderen Hund außer einem Kratzer...)


    Entspannte Spaziergänge ohne aufmerksam zu sein gibt es nicht. Auch Fahrräder und herumlaufende Kinder muss man immer im Blick haben, da sie beide Angst davor haben.



    Leia geht auch nach vier Jahren nicht spazieren. Die ist so ein Angsthund. Bei ihr ohne Angstaggression, ich weiß aber dass ihre Schwester aus Angst auch nach vorne gegangen ist. Leia friert 'einfach' nur ein in Angstsituation. Und das sind auch nach vier Jahren außerhalb des Grundstückes noch jegliche fremde Menschen (und selbst wenn die ewig weit weg sind, sobald sie Stimmen hört ist Ende). Im Haus und Garten hat sie noch immer Angst vor jeglichen Lichtreflexen - flackernde Lichter, Sonnenlicht, Auto Scheinwerfer. Jetzt gerade liegt sie unter der Bettdecke auf meinen Füßen weil eine Glühbirne geflackert hat.


    Das führt auch dazu, dass sie nicht stubenrein ist...wir haben Puppy Pads in zwei Räumen, aber der Teppich kriegt auch mal was ab. Das ist deutlich besser geworden über die Jahre, aber sobald es zum Beispiel windig ist, gibt es null Chancen dass sie sich draußen löst.


    Das nächste Problem was ich sehe ist dann Verhalten gegenüber anderen Menschen. In Form von Besuch, aber auch der Familie. Leia hatte die ersten beiden Jahre Angst vor meinem Mann. Inzwischen weckt sie ihn nachts um vier auf um den Bauch gekrault zu kriegen, aber wenn er umher läuft, findet sie ihn manchmal immer noch unheimlich.

    Gigi liebt Menschen, kann allerdings auch mal zuschnappen wenn es ihr zu eng wird. Anfangs hat sie sofort ohne Vorwarnung geschnappt und durchaus auch gebissen, inzwischen warnt sie Gott sei Dank mit Knurren.

    Trip und Leia sind beide wahnsinnig skeptisch gegenüber Fremden und besonders gegenüber Kindern und älteren Menschen. Meine Schwiegereltern können die beiden immer noch nicht anfassen oder auch nur in die Nähe kommen. Mit uns im Haus alles kein Problem - alleine würde ich tatsächlich niemandem empfehlen, das Haus zu betreten. Macht Fremdbetreuung unmöglich. Ich fliege jetzt in zwei Wochen alleine nach Deutschland zum Familienbesuch, weil mein Mann bei den Hunden bleiben muss .


    Thema Gesundheit: unsere sind recht gesund. Trip war aber durch den Transport hier her aber so gestresst, dass er gleich zu Beginn eine Warze am Maul entwickelt hat, die letztlich in den ersten Monaten operiert werden musste. Kostenpunkt um die 1000 Euro.


    Das muss nicht so sein, aber bei einem Direktimport ist es einfach reine Glückssache, was man bekommt. Wir sind glücklich mit unseren dreien und ich würde behaupten sie drei sind auch glücklich hier, aber es bedeutet definitiv jede Menge Einschränkungen.

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    Sie (die Vermittlerin) hat z.B. eine Pflegestelle erwähnt die sie kennt,

    die auch Nager hält und wo es keine Probleme gibt. Den Kontakt wollte sie mir vermitteln um weitere Tipps zu erhalten.

    Ich hab auch diverse Nager (inzwischen nur noch Hamster und Rennmäuse, vorher Ratten und Farbmäuse) und drei Hunde aus dem Auslandstierschutz (zwei davon mit ordentlich Jagdtrieb) und das klappt auch ohne Probleme.


    ABER: die Nager haben ein eigenes Zimmer in das die Hunde keinen Zutritt haben. Sind wir Zuhause ist die Tür offen, aber mit einem Gitter gesichert. Wenn ich im Raum bin, ist das Gitter auch mal offen, die Hunde wissen aber dass sie den Raum nicht betreten dürfen und warten dann auch artig auf dem Flur. (Da reichte von Anfang an ein scharfer Blick und ein sofortiges Herausschicken, falls sich doch Mal einer über die Schwelle gewagt hat). Während der Freilaufzeit bin ich im Raum mit geschlossener Tür, sind wir nicht Zuhause ist die Tür auch grundsätzlich geschlossen.

    Das funktioniert super. Nager in einem Zimmer, in dem sich die Hunde aufhalten müssen - ne, würde es hier definitiv nie geben.

    Meerschweinchen gibt es selbst bei separatem Zimmer nicht, da ich mir ziemlich sicher bin dass die Geräusche unseren Dackelmix absolut triggern würden.

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    ist für so einen Hund eine Box überhaupt geeignet?

    Schottet er sich da nicht zu sehr ab von allem? muss sich mit nichts auseinandersetzen?

    Gibt es keine anderen Möglichkeiten für sinnvolle Saveplaces?

    Gerade wenn das Verkriechen dermassen stark ist, und der Hund eigentlich nur mit „Gewalt“ rausgeholt werden kann, muss man ihn da drin ja in seinem Tunnell hängen lassen.

    Hilft das wirklich? Ernst gemeinte Frage.

    Ich hätte bei uns eine Box kontraproduktiv gefunden, unsere Organisation hat sich auch immer dagegen ausgesprochen.

    Eine ruhige Ecke, ja, aber kein Versteck in dem sie sich verkriechen können. Ist aber denke ich auch wieder eine sehr individuelle Sache.

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    Ich merke schon, für einen richtigen Angsthund würde mir die Geduld fehlen!




    Aber mir wochenlang das Haus vollkacken zu lassen, gäbe es halt bei mir (trotz besten Willens) nicht

    Das kannst du aber mit Zwang bei einem Angsthund auch noch schlimmer machen. Wenn der wirklich panisch ist, löst der sich auch nicht draußen, bloß weil man ihn nach draußen befördert.

    Ich bin da aber auch schmerzbefreit...wir haben nach drei Jahren noch Puppy Pads im Haus. Leia geht zwar meist im Garten inzwischen, aber bei Wind oder unbekannten Geräuschen draußen nicht. So what, ist dann halt so.

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    Nun kommt unser großer nicht aus seiner Box heraus, wenn wir da sind. und läuft im Haus herum, wenn wir nicht im Raum, nicht zuhause sind oder nachts wenn wir schlafen. Alles sehr schwierig.

    Du hattest ja geschrieben, er schläft nicht bei euch. Habt ihr denn Mal ausprobiert im selben Raum zu schlafen?

    Leia kam aus Ungarn und ist auch wahnsinnig ängstlich Sie hat sich anfangs auch absolut nicht bewegt, wenn wir in der Nähe waren. Eine Box hatten wir nicht, aber bei jeder Bewegung wollte sie sich panisch irgendwo verkriechen die ersten Tage. Wir haben die erste Woche mit ihr im Wohnzimmer geschlafen, da sie den Raum nicht verlassen wollte.

    Mein Mann auf dem Sofa, ich mit Matratze auf dem Fußboden. Sobald es dunkel war und wir uns nicht bewegt haben, hat sie den Raum erkundet und auch an uns geschnuppert. Die ersten Ausflüge in den Garten gab es auch nachts. Uns hatte die Organisation eine Retrieverleine empfohlen, die man einfach über den Kopf ziehen kann. Unser Garten war aber dazu auch gut eingezäunt.


    Die ersten Nächte hat sie sich im Garten auch hinter jedem Busch verstecken wollen. Ich hab sie machen lassen und gewartet. (An der Leine!) An Tag drei wurde sie auch tagsüber etwas mutiger und hat zwischen uns zwischen Sofa und Matratze geschlafen. Tagsüber hatte sie sich dann vor meinem Mann erschrocken, ist dabei aufs Sofa hinter mich gesprungen und seitdem war sie dann mein Schatten und permanent an mich gekuschelt. 😂 Da hat sie dann festgestellt, dass so ein Sofa und Mensch ganz gemütlich ist.


    Bei meinem Mann hat es zwei bis drei Jahre (!) gedauert bis sie ähnliches Vertrauen zu ihm hatte.


    Sie ist noch immer ein sehr ängstlicher Hund und will partout nicht spazieren gehen, aber im Haus, Garten, dem Feld hinter unserem Haus oder gemieteten Hundefeldern fühlt sie sich wahnsinnig wohl. Inzwischen leben hier noch zwei weitere Ungaren mit ihr, mit denen sie am liebsten den ganzen Tag spielen würde. Ein ganz 'normaler' Hund wird sie aber nie werden...wir nehmen sie einfach so wie sie ist.

    Das muss gar kein Trauma sein, sondern einfach ein Hund, der noch nie im Haus gelebt hat. Wir haben drei Ungaren und Leia ist auch nach drei Jahren bei meinem Mann noch vorsichtig. Wenn er sitzt oder liegt ist alles super, stehend oder gehend im Haus ist unheimlich.

    Hast du einen Garten ? Hat sie einen Ort an dem sie sich zurück ziehen kann ? Bei unseren hat ignorieren immer am besten funktioniert. Sprich nicht bedrängen, auf den Hund zu gehen etc, den Hund angucken, sondern einfach machen lassen und dem Alltag nachgehen. Ruheplätze schaffen wo der Hund sich sicher fühlt. Drei Monate ist für einem Hund aus dem Auslandstürschutz einfach auch noch nicht lang.

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    Ob es die beste Idee war, sei mal dahingestellt, aber eine "böse Absicht" würde ich da nicht automatisch unterstellen, auch wenn es natürlich nach TschG verboten ist.

    Böse Absicht sehe ich da auch nicht, eher absolute Dummheit. Da kann doch so schnell sonst was passieren. Was dann ja auch eingetreten ist.