Hallo 
hier, ich bin Studentin mit Hund
ich kann dir ja einfach mal kurz von mir / uns erzählen. Ich habe mir ähnlich wie du, seit ich denken kann, einen Hund gewünscht und genauso wie bei dir hatten wir eigentlich perfekt Voraussetzungen: einen riesigen Garten, ein Vorort mit vielen Möglichkeiten zum Spazieren, meine Mum war vormittags immer zuhause und im selben Haus hat unten noch meine Oma gewohnt, die schon in Rente aber noch sehr fit war. Leider wollten auch meine Eltern nie einen Hund und ich kann das mittlerweile auch gut verstehen, aber dennoch denke ich irgendwie dass einem ein Stück weit etwas genommen wird, wenn der Wunsch wirklich so groß ist, mit Hund aufzuwachsen.
Im Oktober 2015 habe ich an einer Präsenz-Uni angefangen zu studieren und habe dabei noch die ganze Zeit bei meinen Eltern gewohnt. Mein Hundewunsch war währenddessen immer noch riesengroß, aber zu der Zeit war es leider einfach unrealistisch. Rückblickend bin ich auch recht froh, dass ich diese Zeit hatte ohne dass ich großartig Verpflichtungen hatte. Spontan feierngehen oder auch mal eine Woche Urlaub mit den Mädels waren immer problemlos möglich und ich glaube wenn ich das verpasst hätte, hätte mir auch etwas gefehlt.
Bei solchen Sachen kommt es natürlich auch sehr auf den Hund und das Umfeld an: meine Luna zB kann ich nicht problemlos in Fremdbetreuung geben, sie kommt aber auch aus dem Tierschutz. Wenn du einen Welpen hast, der er von Anfang kennt, auch mal ein Wochenende oder eine Nacht bei deinen Eltern zu sein, dann sehe ich da eher weniger Probleme und man ist nicht so eingeschränkt, wie mit einem Hund, der nicht gut ohne einen sein kann.
Wenn man genug Betreuungsmöglichkeiten hat und der Hund sowas problemlos mitmacht, dann finde ich schon, dass es möglich ist einen Hund während der Studienzeit zu halten. Luna kann abends zB auch sehr problemlos alleine bleiben, also wenn ich jetzt mal feiern gehen würde und von 20.00-02.00 unterwegs bin, dann sollte das auch kein Problem sein. Man muss natürlich nur die Uhrzeit im Blick behalten und ggf. mal etwas früher gehen, als die anderen.
Was man vielleicht auch bedenken sollte ist, was ist wenn man einen Hund bekommt, der keinen großen Spaß dran hat mal mit zu Freunden zu kommen? Das kann ja durchaus auch mal bei einem vdh Hund passieren. Natürlich ist die Vorstellung im Vorhinein immer schön, wenn man einen hundefreundlichen Freundeskreis hat, dass man den Hund immer einfach mitnehmen kann. Es gibt aber auch Hunde, für die sowas eher Stress als Spaß bedeutet und dann darf man nicht enttäuscht sein und muss das berücksichtigen.
Meiner Erfahrung nach, gerade wenn man sich seit Ewigkeiten einen Hund wünscht, malt man sich das Leben mit Hund sehr schön aus (habe ich auch getan!) und man sollte sich bewusst sein, dass es auch ganz anders laufen kann und dann nicht traurig deshalb sein. Natürlich ist bei einem vdh Hund aus guter Zucht die Wahrscheinlichkeit größer, dass man den Hund bekommt, den man will , aber eine kleines Restmöglichkeit besteht ja immer, dass es halt doch anders laufen kann.
Was wären denn deine Erwartungen an den Hund? Was sollte er mitbringen und wie sähe euer Alltag aus?
Um zu meiner Geschichte zurückzukommen: Letztes Jahr im Frühling habe ich meinen Abschluss gemacht und studiere nun noch an einer FernUni weiter. Das passt mit Hund natürlich super und im Mai 21 ist Luna dann bei mir eingezogen.
Aber auch mein Nebenjob findet zu 80% im HomeOffice statt. Ich muss vielleicht alle 2 Wochen mal für 6 Stunden dorthin fahren. Ich werde diese Situation (Fern-Studium und Job im HO) noch sicher für die nächsten 2 Jahre haben und bis dahin habe ich genug Zeit zu üben, dass Luna 6-7 Stunden entspannt alleine bleiben kann(was schon gut klappt) und dass auch Fremdbetreuung bei meinen Eltern oder ggf. in einer Pension (je nachdem was für Luna besser klappt) klappen wird.
Das gute am Studium ist natürlich, dass man recht flexibel ist (also meistens, ich weiß ja nicht was du studieren wirst) aber der Nachteil ist, dass noch vieles ungewiss ist. Meiner Meinung lässt sich das Argument "warte bis du einen Job hast" aber heutzutage kaum noch halten, da es generell viel mehr Jobwechsel als früher gibt. Wenn man Planungssicherheit für die nächsten 2-5 Jahre hat und den Hund in der Zeit auch auf andere Eventualitäten vorbereitet, dann ist das mAn ausreichend.
Und ganz ehrlich? Ich kann dich wirklich gut verstehen und ich glaube auch, dass es was anderes ist, ob man sich den Hundewunsch im jungen Alter erfüllt, wo man noch flexibel ist etc. oder ob man erst einen Hund hat, wenn man schon fest im leben steht.
Also zusammenfassend: Wenn dein Umfeld dir Betreuungsmöglichkeiten bietet, das alles finanzielle stemmbar für dich ist, du dir das Leben mit Hund nicht zu "romantisiert" ausmalst und flexibel bleibst und du bereit bist, für den Hund auch mal zurückzustecken, warum dann nicht?
Ich finde jedenfalls du klingst sehr reflektiert. 