Beiträge von lisa_do

    (1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn


    1.der Eingriff im Einzelfall


    a) (...)

    b) bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen (...)


    Ich habe mal die Tatbestandsmerkmale, die vorliegen müssen, unterstrichen. "Jagdlich zu führende Hunde" ist ja bei reinrassigen Hunden relativ einfach zu definieren. "Vorgesehene Nutzung" ist so auszulegen, dass es um die geplante Nutzung zum Zeitpunkt des Eingriffs geht. Wenn also geplant ist, dass der komplette Wurf an Jäger gehen soll, dann sollte das denke ich auch recht unproblematisch sein. "Unerlässlich" ist dann vielleicht ein Tatbestandsmerkmal, das einer genaueren Auslegung bedarf. Da kommt es mMn dann sehr auf den Einzelfall an und ist davon abhängig, ob der Hund in Waldgebieten oder eher auf Feldern eingesetzt werden soll.


    Zu dem Thema gibt es auch (erster Recherchen nach) keinerlei Rechtsprechung. Ich glaube einfach, dass das in der Praxis kaum verfolgt wird und man damit durchkommt, wenn man sagt der Hund sei aus dem TS / ein Rückläufer oder war zum Zeitpunkt der Kupierung als Jagdhund vorgesehen.

    Ich finde den Begriff schwierig. Erst schon einmal, weil i. d. R. nicht beide Bedürfnisse betrachtet werden, wenn der Begriff in den Raum geworfen wird - die des Hunds und die des Halters. Es gehören aber beide zum Team und wenn ein Team gut funktionieren soll, muss den Bedürfnissen aller Beteiligten Rechnung getragen werden.

    Da bin ich definitiv bei dir! Es ist immer schwierig, über ein Thema zu diskutieren, wenn ein bestimmter Begriff nicht eindeutig definiert ist. Für mich bedeutet bedürfnisorientiert nicht, dass alle Bedürfnisse meines Hundes immer und zu jeder Zeit erfüllt werden - was ja auch mehr oder weniger unmöglich wäre. Aber dass ich die Bedürfnisse zumindest immer im Hinterkopf habe. Kommt mein Hund mal zB ein paar Tage zu kurz, weil bei mir viel ansteht, dann kann mein Hund sich durchaus auch mal zurücknehmen, aber im Gegenzug sehe ich dann drüber weg, wenn in der Zeit bspw. mehr an der Leine gezogen wird, weil der Hund etwas unausgeglichener ist als sonst.


    Es ist echt nicht einfach das kurz und prägnant zu definieren.


    Dann wird bei Grabenkämpfen, die ich zu dem Thema lese, sehr gerne ganz viel menschliches Denken in Hundebedürfnisse hineinprojiziert, ohne dass genau geguckt wird, was denn situativ das Bedürfnis des Hunds ist. Jetzt mal egal aus welcher Richtung. Das ist die große Gefahr, wenn man etwas als Konzept bzw. Ideal aufzieht. Der Begriff wird zum Selbstwert, das System wird starr und kann auf den konkreten Fall wegen seiner a prioris nicht mehr flexibel reagieren. Da hat man ganz schnell eine Ideologie, die man um ihrer selbst Willen verteidigt und nicht wegen des Lebewesens, mit dem man interagiert (was die in dem Ausgangsthread aufgeworfene Frage beantworten könnte, warum Menschen, die Wertschätzung propagieren, teils so wenig wertschätzend mit andersdenkenden Mitmenschen umgehen).

    Findest du? Ich habe das tatsächlich eher andersrum erlebt.


    Als relativ klassisches Beispiel: Hund hat Trennungsangst und zerstört deshalb ein Kissen in der Abwesenheit der Menschen. Menschen kommen nach Hause, verkennen die Trennungsangst des Hundes, gehen böse auf diesen zu, Hund zeigt deshalb Walaugen und Mensch sagt böse "Du weißt genau, dass du das nicht machen sollst, das sieht man schon an deinem schuldbewussten Blick!"

    Hier wird zum einen menschliches Denken in den Hund projiziert, weil Hunde kein richtig und falsch kennen und auch kein schlechtes Gewissen haben, es wird übersehen, dass der Hund Trennungsangst hat (Bedürfnis nicht wahrgenommen) und der Hund wird bestraft, obwohl er das gar nicht mehr in Zusammenhang bringen kann.


    Das ist für mich so ein klassisches Beispiel, das sich aber auch auf viele andere Bereiche übertragen lässt. Also vor allem dieses "Der weiß das" und "Der hat ein schlechtes Gewissen".


    Und gerade das Bedürfnisorientierte Training/Zusammenleben ist für mich das Gegenteil davon. Nämlich dass hündische Kommunikation wahrgenommen wird und man sich auch ein bisschen darüber informiert, wie Hunde so "ticken" (also eben keine Gewissen im menschlichen Sinne haben, das Konzept "richtig" und "falsch" nicht kennen etc.).



    Es ist auch was anderes, ob einem (einfach weil es menschlich ist) mal ein lautes/scharfes "Nein" rausrutscht / man mal wütend wird oder ob man sich bewusst dafür entscheidet, seinen Hund primär über Wasserflasche & aversives Halsband o.Ä. "trainiert".


    Mir persönlich ist Fairness einfach super wichtig (auch gegenüber anderen Menschen) und dass man als Mensch seine "überlegene" Position reflektiert und nicht missbraucht und gewaltfrei bleibt.

    Danke für die Erstellung des Threads! :smile:


    Aber die breite Masse der HH erlebe ich tatsächlich wenig Bedürfnisorintiert. Da wird eher das Bedürfnis des Menschen zwanghaft versucht über den Hund zu stülpen, was dann oft auch in die Hose geht:

    Ja, das erlebe ich ganz genauso und das war auch das, worum es mir im Hauptkern ging.



    Als Beispiel auch noch zwei Trainingsansätze von Trainerinnen, die ich als eher nicht bedürfnisorientiert wahrgenommen habe:


    Luna hat ein Problem mit Besuch, das nach Einschätzung einer der o.g. Trainerin und einer weiteren (positiv arbeitenden) Trainerin eher auf Unsicherheit als auf Territorialverhalten beruht.


    Ansatz der aller ersten Trainerin war Leine an den Hund, Hund neben sich holen, Fuß auf die Leine und der Hund muss aushalten. Irgendwann wird er sich beruhigen. Hab ich 2x ausprobiert, Luna hat sich nicht beruhigt und auch mein Bauchgefühl hat sich dabei nicht gut angefühlt (Rückblickende Einschätzung nach meinem Wissensstand jetzt: Diese Methode kann dazu führen, dass der Hund sich beruhigt und die Situation irgendwie erträgt. Aber eher aus dem Grund, dass der Hund in dem Moment keine andere Wahl hat und nicht weg kann und das natürlich auch irgendwann realisiert. Der Hund ist äußerlich also ruhig, innerlich wird sich die Emotion in Bezug auf die Situation aber sehr wahrscheinlich nicht verändert haben. Eher im Gegenteil: Wenn Luna Besuch blöd findet, weil der ihr zu Nahe kommt und ich sage "sie muss da jetzt halt durch" führt das mEn dazu, dass Luna Besuch am Ende noch blöder findet, nur keinen Sinn mehr sieht das auch zu kommunizieren. Deshalb nehme ich das Bedürfnis, dass sie Abstand braucht und ihr das gerade alles zu viel ist - was sie mir über bellen und/oder knurren mitteilt - wahr und ernst und lasse sie nicht in der Situation, sondern zeige ihr ein Alternativverhalten, indem ich sie aus der Situation rausführe und ihr beibringe, dass die Decke ein sicherer Ort ist, an dem sie niemand anfasst o.Ä.)


    Die zweite Trainerin, die sich selbst als bedürfnisorientiert beschrieben hat (es aber mMn nicht war), hatte den Ansatz Luna einfach körpersprachlich zu blocken. Also konkret: Luna frei (ggf. mit Maulkorb) laufen lassen, wenn Besuch da ist und jedes mal, wenn sie nach vorne gehen will, in den Hund reindrehen und blocken, um ihr somit "Grenzen aufzuzeigen". Darüber hinaus sollte ich auch "einfach weil ich es kann" mal im Alltag für ein paar Minuten die Küche o.Ä. zu blockieren, um Luna zu zeigen, dass ich den Raum verwalte und nicht sie. Tja, jetzt habe ich hier aber eine sehr sensible Hündin sitzen, die auf das Blocken direkt mit Beschwichtigungssignalen und Meideverhalten reagiert hat (ich habe sie nicht lange geblockt, war ruhig und souverän dabei, wie Trainerin es gezeigt hatte und habe den Druck immer sehr schnell wieder rausgenommen. War trotzdem zu viel für Luna). Auch das hat sich für mich nicht richtig angefühlt, weil ich nicht gegen meinen Hund arbeiten möchte, sondern mit ihm zusammen. Bei dieser Methode, hat sich das "Training" mMn viel zu sehr auf das "Fehlverhalten" von Luna fokussiert und nicht auf das, was sie gut macht. Auch diese Methode finde ich nicht bedürfnisorientiert, weil Luna ja gerade aus Unsicherheit agiert und ich sie nach diesem Ansatz ja mehr oder weniger ins kalte Wasser werfe, nach dem Motto "mach du mal, was du denkst und wenn ich das nicht gut finde, bestrafe ich dich durch Blocken."

    Auch hier wird ihr eigentliches Bedürfnis nach Abstand zu fremden Menschen nicht wirklich berücksichtigt und anstatt dass ich ihr eine Anleitung gebe, was sie machen soll, wenn Besuch kommt (z.b: positiv aufgebautes Decken und Bleib Kommando + Futterbeschäftigung zur Beruhigung), überlasse ich sie mehr oder weniger sich selbst. Und das ist dann meiner Meinung nach auch das Gegenteil von "Grenzen aufzeigen", weil Luna nach der Methode ja selber ausprobieren muss wo die meine Grenzen sind und dadurch werde ich sie für sie weniger berechenbar. Mit positiv aufgebautem Deckenkommando hingegen, sage ich ihr genau was ich von ihr möchte und erwarte und sie weiß, woran sie ist.



    Und ansonsten bedeutet bedürfnisorientiert für mich auch, immer im Hinterkopf zu haben, dass Luna ein Hund ist und dementsprechend Bedürfnisse vorhanden sind. Ich erwarte nicht, dass sie bei Spaziergängen bei Fuß läuft, sondern sie darf schnüffeln und ich warte so lange auf sie, weil Hunde die Welt nunmal hauptsächlich mit der Nase wahrnehmen. Wenn sie das nicht darf, wozu gehe ich dann sonst mit ihr spazieren? Ich gebe ihr Möglichkeiten, sich auch mal dreckig zu machen, buddeln zu können, flitzen zu können etc. Und ich gebe ihr Entscheidungsfreiheiten, damit sie Selbstwirksamkeit erleben kann.


    Mein Hauptgedanken dahinter ist, dass Luna sich dieses Leben nicht ausgesucht hat und sehr abhängig von mir und meinen Entscheidungen ist. Dabei sehe ich es als meine Aufgabe, ihre Hobbys und Bedürfnisse weitestgehend zu erfüllen, sodass es ihr im Umkehrschluss leichter fällt, sich an das menschliche Zusammenleben anzupassen. Vieles davon ist für einige DF-User*innen selbstverständlich, aber im Umkreis erlebe ich das leider häufig nicht.



    Auch Medical Training inklusive Kooperationssignalen gehören für mich zum bedürfnisorientierten Training dazu. Mein Hund darf über seinen Körper (außer in medizinischen Notfällen) selber entscheiden. Für mich gibt es kein "der muss da jetzt halt einfach durch", weil ich finde dabei macht es sich der Mensch ziemlich einfach. Klar, kann ich meinen kleinen Hund einfach auf den Arm nehmen, in die Dusche setzen, Tür zu machen und abduschen, obwohl ich weiß, er fühlt sich damit absolut unwohl, mache ich aber nicht, weil ich das nicht fair finde. Der Hund ist mir zu 100% ausgeliefert und gerade deshalb stehe ich in der Verantwortung fair mit diesem Lebewesen umzugehen.



    Klar ist es utopisch, dass ein Training ausschließlich über positive Verstärkung läuft, allein weil man ja keinen Einfluss auf die Umwelt und andere Menschen hat, aber mein Anspruch ist es möglichst positiv zu arbeiten und dabei fair zu bleiben und Luna's Bedürfnisse zu berücksichtigen. Die Trainerinnen, die ich mir zum Vorbild nehme, sehen das auch ähnlich differenziert.


    Was mich persönlich immer etwas aufregt sind so abwertende Kommentare nach dem Motto "mit Klickern und Keks kommt man nicht weit", weil das viel zu oberflächlich ist. Natürlich ist positiv verstärktes Training nicht einfach nur mit Keksen um sich zu werfen. Das wäre ja auch viel zu einfach. Ebenso gibt es auch im positiven Hundetraining Grenzen, die werden nur nicht aversiv aufgebaut.



    Wie ist die 'Grundlage' die Bedürfnisorientierte Erziehung bei Kindern im Vergleich zu Hunden anwendbar?

    Meiner Meinung nach in dem Sinne, dass man sich Hinsetzt, sich Zeit nimmt und Kindern Dinge erklärt. Was bei mir als Kind/ Teenager immer direkt eine bockige Reaktion hervorgerufen hat, waren Aussagen meiner Eltern wie "Das ist jetzt so, weil wir das sagen.", "Du machst das jetzt, weil wir das wollen.", "Das kannst du noch nicht verstehen, glaub und einfach."

    Solche Aussagen waren nie zielführend. Hingegen war ich (und so erlebe ich die meisten Kinder) recht einsichtsfähig, wenn man sich hingesetzt hat um Dinge zu erklären und Fragen seitens der Kinder beantwortet wurden.


    Das kann man, finde ich, gleichsetzen mit "dem Hund eine Anleitung geben" - Beispiel Straße überqueren:

    Meinem Kind erkläre ich, warum das gefährlich ist und dass man erst gucken muss und den schnellsten Weg über die Straße nimmt und was sonst passieren kann. Meinem Hund bringe ich ein zuverlässiges "Warte" Kommando bei.

    Beide haben dann im Prinzip eine Anleitung bekommen und wissen, was sie tun sollen.


    Was ich im besten Fall am Ende habe sind ein Kind / ein Hund, das / der sich traut mit seinen "Problemen" zu mir zu kommen und mit mir zu kommunizieren, weil beide wissen, dass sie gehört und ernst genommen werden und ich eine "Anleitung" haben, was in Situation XY getan werden soll. :smile:

    Man mag von der Petition halten, was man will. Aber ich finde, dass hier gerade auch schon wieder total über einen Kamm geschert wird.

    Nicht alle, aber die meisten der Damen haben noch nie in diese Richtung gearbeitet und wissen immer alles besser.

    Woher weißt du das denn jetzt? Die Petition wurde mittlerweile von über 1000 Leuten unterschrieben, darunter viele bedürfnisorientierte Trainer*innen. Woher weißt du jetzt, dass die meisten dieser Leute noch nie mit Hunden mit Ressourcenproblematik gearbeitet hat?


    Ja das ist mir klar . Ich finde es aber unglaubwürdig wenn jemand so eine Petition startet, der selbst über blocken arbeitet. Das ist unlogisch.

    Aber das stimmt doch glaube ich gar nicht, oder? Gestartet wurde die Petition meines Wissens nach von einer positiv arbeitenden Person. Gut möglich, dass sie von Personen unterstützt wird, die auch über Blocken arbeiten (was dann wirklich etwas widersprüchlich ist), aber hier wird es jetzt gerade so dargestellt, als werde die Petition ausschließlich von Personen unterstützt/gefördert, die auch über's Blocken arbeiten. Das ist ja so nicht ganz richtig.


    Ich finde immer die Spezis die nur online die Klappe ausreißen sollten es einfach mal selber besser machen.

    Diese Hunde sitzen trotz Corona (was ja bekanntlich die TH leer gefegt hat) als "Unvermittelbar" da drin. Wenn man deren Probleme mit 2x Click und Leckerlis hätte lösen können warum hat das wohl bisher keiner gemacht? Vielleicht weil es nicht so leicht ist? Vermutlich eher nicht weil die TH ihre Insassen unbedingt behalten wollten oder alle anderen Trainer einfach zu blöd sind

    Aber online kann man ja viel meckern

    Na ja, aber das weiß man doch nicht, oder? Ob einige dieser Leute es nicht wirklich vielleicht schonmal besser gemacht haben? Ich weiß zumindest von einigen Trainerinnen, die positiv arbeiten und die Petition unterstützen, dass sie auch schon Erfolge mit Hunden hatten, die ein Problem mit Ressourcen hatten.


    Ich finde ihr macht hier gerade im Prinzip das gleiche, was ihr an den Menschen die die Petition gestartet haben, kritisiert - und zwar ohne vollständiges Wissen über das Große und Ganze und was alles dahintersteckt kritisieren.


    Und bedürfnisorientiertes Training ist auch ganz sicher auch mehr als "Click + Keks". Es gibt eine menge wissenschaftliche Studien die belegen (bei Interesse lasse ich gerne entsprechende Links zukommen), dass aversive Reize sich langfristig negativ auf das Verhalten der Hunde auswirken und dass man mit positivem Training weiter kommt, die Hunde idR ausgeglichener und zufriedener sind und lieber mit dem Menschen zusammenarbeiten.

    "Click + Keks" ist wirklich sehr runtergebrochen. Es geht im positiven und bedürfnisorientierten Training darum, den Grund für Verhalten XY herauszufinden und dort anzusetzen. Ja, dabei wird viel mit Futter oder anderen Belohnungen gearbeitet, aber diese werden gezielt eingesetzt, um die Emotionen des Hundes in Bezug auf eine bestimmte Sache/Situation nachhaltig zu verändern. Das benötigt Zeit und Geduld, ist aber effektiv.


    Der Umgang mit Hunden verschiebt sich meines Erachtens gewaltig in die falsche Richtung.

    Wieso denn? (ernstgemeinte Frage, interessiert mich wirklich!)

    Aber du meinst jetzt nicht TheBigFootWay oder?

    Nein, die meinte ich nicht. Habe mir die Story aber gerade angeschaut und kann noda_flake eigentlich nur zustimmen. Ich fand die Analyse der Coffee-Situation durchaus recht differenziert und einleuchtend. Sprachlich nicht immer unbedingt nett, aber vom Inhalt her schon nachvollziehbar.

    Bei Coffee sollte man halt nicht vergessen: Zum Einen ist das Verhalten schon seit vielen Jahren gefestigt - trotz jahrelanger Vermittlung, während der recht wahrscheinlich viel trainiert wurde, dass er sich abwenden kann (und er wurde wieder abgegeben, weil sein Potenzial als doch zu gefährlich für das kommende Kind erachtet wurde) - und zum Anderen wurde erklärt, dass er auch für den Menschen völlig unberechenbare Dinge von jetzt auf gleich zur Ressource erklären kann und dafür in den Konflikt geht.

    Aber gerade wenn das Verhalten schon sehr verfestigt ist, sollte man doch eher an der Ursache arbeiten anstatt nur die "Symptomatik" zu bestrafen, oder nicht? Bestrafen unterbricht das Verhalten ja immer nur für den Moment, aber wenn Coffee irgendwann gegen Wasser abstumpft, was dann? Dann wird es doch umso gefährlicher, weil dann hilft ja irgendwann gar nichts mehr.


    Kleinschrittiges Training, das an der Wurzel des Problems ansetzt ist halt nicht sonderlich spektakulär, dauert länger und ist wahrscheinlich deshalb nichts für Fernsehen, aber dafür ist es nachhaltig und effektiv. Und gerade im Sinne des Tierschutzes hätte man am Beispiel von Coffee auch gut darüber aufklären können, dass nicht jeder Hund in jede Familie passt. Dass man bei manchen Hunden halt mit der Einstellung "alles kann, nichts muss" rangehen muss und die Anfangszeit ggf. auch viel Management (Maulkorb, nichts rumliegen lassen etc.) erfordert.

    Zum Thema Coffee: ich finde es berechtigt und gut, dass es kritische Stimmen zum "Training" mit der Wasserflasche gibt. Dass da einige Stimmen über's Ziel hinausschießen oder unfreundlich/aggressiv werden gehört halt leider zum Internet dazu, lässt sich aber wiederum auch nicht direkt auf die komplette positiv arbeitende Hundetrainerschaft übertragen.


    Coffee hat eine schwierige Vergangenheit und ein Problem mit Ressourcen. Ich habe mir den Ausschnitt mit der Wasserflasche mehrfach angeschaut und Coffee geht freiwillig vom Knochen weg. Da hätte man ansetzen können. Klar, kennt er zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch kein Markerwort/Lob o.Ä. aber wäre es nicht richtig gewesen, dieses zuerst aufzubauen, um dem Hund ein gewaltfreies Training zumindest ermöglichen zu können?

    Wenn ein Hund so ein Thema mit Ressourcen hat, dann ist das doch nicht das erste was ich anfange zu trainieren, wenn noch kein Vertrauen zum Menschen da ist. Hätte Coffee ein Markerwort gekannt, hätte man das genau in dem Moment einsetzen können, als er sich freiwillig vom Knochen entfernt hat. Stattdessen wird dieses Verhalten komplett ignoriert und Coffee wird erneut zum Knochen geschickt, nur um ihn dann deckeln zu können. Da hört mein Verständnis auf und da kann ich durchaus verstehen, dass es viele kritische Stimmen gibt.

    Der Hund hat gedroht, also kommuniziert und wird dafür gestraft. Da darf man sich dann mMn nicht wundern, wenn der das Vertrauen in die Menschen komplett verliert und beim nächsten mal direkt zum Angriff übergeht. Ich meine hier im DF wird ja auch immer wieder gesagt, dass Knurren erstmal nur Kommunikation ist und dass das nichts ist, was dem Hund verboten werden sollte.


    Ich habe mir die Instagram-Story von der Hundetrainerin, auf die der Rütter in seinem Podcast anspielt, angeschaut und die war alles andere als aggressiv oder unsachlich. Dort wurde das Verhalten von Coffee und dem Trainer sehr detailliert analysiert und es wurden Vorschläge gemacht, wie man es hätte gewaltfreier lösen können. Das war wirklich sachlich und basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen bezüglich Hundetraining.



    Und klar sieht man nur gewisse Ausschnitte aus dem Training, aber gerade das macht es doch auch gefährlich. Menschen, die sich von sowas beeindrucken lassen (ähnlich wie bei CM), ohne das Große und Ganze zu kennen, kaufen sich am nächsten Tag eine Wasserfalsche und denken, das ist die Lösung jedes Problems. Was dadurch aber für neue Problematik entstehen können, wird dann wiederum nicht bedacht. Ich finde es sehr sehr fragwürdig und sehe es kritisch, aversive Trainingsmethoden im Fernsehen zu zeigen, weil dies suggeriert, dass das ein akzeptabler Weg sei, seinen Hund zu "trainieren". Und es gibt viele Hundehalter*innen, die sich nicht so intensiv mit Hundetraining oder Hundeverhalten auseinandersetzen, wie die User hier im DF. Und diese Leute nehmen sowas wahr, ohne kritisch zu hinterfragen und denken, dass sei der richtige Weg.


    Und aus diesen Gründen finde ich es mehr als richtig, dass lautstark Kritik geäußert wird.


    Diese Provokation von Coffee und das Nassspritzen mit der Wasserflasche kam mir persönlich so gestellt und unbedingt gewollt vor, weil es einfach beeindruckend für's Fernsehen aussieht. Und wenn da Leute wütend werden (mich eingeschlossen), weil das zu Lasten eines Lebewesens passiert, dann finde ich das sehr nachvollziehbar.

    Ich glaube ich würde zunächst ein paar mal hintereinander an denselben Ort fahren, einfach damit sie auch die Chance hat einen neuen Ort positiv kennenzulernen. Wenn du an einen Ort fährst, den sie noch nicht kennt und sie dort Stress hat, dann wird dieser ja auch erstmal so verknüpft. Wenn du dann eine Woche später an einen anderen Ort fährst, wo sie wieder nur Stress erlebt ohne die Chance zu haben, den positiv zu verknüpfen, dann wird der ebenfalls mit Stress verknüpft. Da hätte ich zu viel Angst, dass sich das generalisiert und sie jeden neuen Ort mit Stress verbindet.

    Vielleicht noch ein paar theoretische Tipps, um den Rückruf zu verbessern:


    • 2x loben/ markern/ Klickern: 1x im Moment des Umorientierens zu dir und 1x im Moment des Ankommens bei dir. Die größte Herausforderung für den Hund ist nämlich natürlich sich von dem gerade spannenden Reiz abzuwenden und sich zu dir zu orientieren. Dieser Moment verdient eine Bestätigung. Meistens wird aber nur gelobt, wenn der Hund angekommen ist, obwohl das der einfachere Part für den Hund ist.
    • Immer hochwertig belohnen und am besten auch mit einem Leckerchen, das der Hund sonst nicht bekommt. Z.B. Leberwurst aus der Tube oder Käse (je nachdem, was der Hund halt so mag).
    • Nicht jedes mal den Spaß beenden, wenn der Hund zurückgekommen ist. D.h. wenn der Hund aus einem Spiel zurückgerufen wird, dann nicht Keks - Anleinen - Weitergehen, sondern das Spiel mit dir noch fortsetzen und dann erst weitergehen. Oder den Hund zurückrufen, wenn ihr noch nicht weitergehen wollt, dafür belohnen und dann zurück ins Spiel schicken. Und den Rückruf auch nicht nur in Ernstfällen verwenden, sondern auch einfach mal zwischendurch, wenn du gerade sicher bist, dass der Hund hören würde. Einfach mal ran rufen, belohnen und den Hund weiter sein Ding machen lassen.
    • Auch mal funktionale Verstärker verwenden. D.h. nicht einfach immer nur ein Leckerchen als Belohnung, sondern der Situation entsprechend belohnen. Wenn du deinen Hund aus einen Rennspiel zurückrufst, dann renn als Belohnung noch mit ihm weiter (ein Keks kann in den Augen des Hundes auch mal was "schlechteres" sein, als zB ein Rennspiel. Dann denkt der sich natürlich "Warum soll ich jetzt für einen Keks zurückkommen? Rennen macht doch viel mehr Spaß." ). Wenn du deinen Hund von einem Mauseloch zurückrufst, dann gib danach nicht einfach nur "langweilig" einen Keks, sondern lass den Keks über die Erde kullern, damit der Hund ihn jagen kann. Funktionale Verstärker, sind quasi Belohnungen, die gleichwertig mit dem Reiz sind, von dem sich der Hund abwenden soll.
    • Eher fröhlich rufen - wenn man seine Stimme verändert und böse klingt, kann es sein, dass der Hund erst recht nicht zurückkommen will. "Frauchen klingt böse, wieso sollte ich da jetzt hingehen?". (Deshalb sind Pfeifen idR auch besser, als ein Rückrufwort)
    • Und je nach Hund: Manche Hunde reagieren besser auf gesprochene Signale und manche besser auf Sichtzeichen. Luna kommt zB viel besser mit Sichtzeichen klar. Sage ich "sitz" setzt sie sich nicht immer hin. Aber mit unserem Sichtzeichen für "sitz" schon. Ebenso beim Rückruf. Anfangs habe ich mich (unbewusst) immer hingehockt, wenn ich sie gerufen habe. Das hat sie so bei ihr eingesägt, dass rufen und hinhocken, bei ihr besser funktioniert, als nur rufen.


    Ansonsten würde ich natürlich auch dazu raten, je nach Tagesform die Schleppleine zu verwenden. :smile: auch wenn es manchmal nervt - nach der Pubertät dankst du dir dafür, wenn du dir den Rückruf nicht kaputt gemacht hast.

    Da würde ich erstmal dafür sorgen, dass sie die anfängliche Aufregung irgendwie loswerden kann. Zur Not lässt du sie halt erstmal Kreise um dich herum laufen oder ihr übt Dinge, die sie auch in aufgeregtem Zustand gut kann. Oder ihr erkundet zusammen erstmal die direkte fremde Umgebung (z. B. den Parkplatz in der Stadt) und geht dann halbwegs entspannt los. Und dann wirklich mini Leinenführigkeitssequenzen zwischendrin, im Wechsel mit Sequenzen, wo sie nicht auf Leinenführigkeit achten muss.

    :bindafür:


    Wenn sie sich nach "einmal Energie loswerden" und "kurz die nähere Umgebung erkunden" wieder einigermaßen fangen kann und halbwegs konzentriert ist, kannst du natürlich auch in kurzen Sequenzen die Leinenführigkeit üben. Ich bin jetzt eher davon ausgegangen, dass sie so aufgeregt ist, dass wirklich gar keine Konzentration da ist. Aber das wirst du (also die TE) ja am besten beurteilen können. :smile:


    Vielleicht braucht Tinka 15 min Zeit zum Runterkommen und dann ist es möglich zu üben, vielleicht braucht sie aber auch 2-3 Besuche in der Umgebungen, bis sie sich konzentrieren kann. Das musst du einfach gucken!