Beiträge von lisa_do

    Das geht mir an sich auch so. Aber was ist, wenn sie die Leinenführigkeit auf Gehwegen bzw. in der Stadt nicht leisten kann, weil die Straße fremd ist? Um das zu verbessern müsste ich doch die Leinenführigkeit in kurzen Einheiten in der Fremde üben, oder?

    Solange sie auch dann am Geschirr ist, ist es doch nicht schlimm, wenn sie auch da zieht. Ich glaube wie gesagt nicht, dass es aktuell Erfolge mit sich bringen würde, die Leinenführigkeit auch in fremden Umgebungen zu üben, eben weil es dort so aufregend sein wird, dass sie sich nicht konzentrieren können wird.


    Ich würde also zweigleisig vorgehen:


    • Leinenführigkeit immer am Halsband (oder Brustring Geschirr) einfordern und da auch konsequent sein. Das aber nur an Orten verlangen, an denen du weißt, dass sie sich auch konzentrieren kann, damit du es dir nicht kaputt machst.
    • An neuen Orten: Fokus auf Selbstwirksamkeit und Umwelterkundung legen, Leine am Geschirr befestigen und Leinenführigkeit außen vor lassen. Entspannung auch an neuen Orten üben, dafür alles langsam angehen lassen und ggf. ein konditioniertes Entspannungssignal aufbauen, um es an fremden Orten einzusetzen.


    Es kann sein, dass Tinka langfristig lernt, dass neue Umgebungen nichts schlimmes sind und zunehmend entspannter wird, auch wenn ihr dann mal irgendwo seid, wo sie vorher noch nie war. Es kann aber auch sein, dass sie das nicht generalisieren wird und jeden Ort immer erstmal ein paar mal kennengelernt haben muss, um dort entspannt zu sein.



    Wie häufig hast du denn vor, mit ihr mal an neue Orte zu fahren?

    Wenn du sagst, "selbst wenn man dann bei den ersten malen nicht weit kommt", dann würdest du aber trotzdem stehen bleiben wenn sie an der Schlepp zieht, oder?

    Und wenn die neue Umgebung ein fremdes Wohngebiet ist, dürfte die Schlepp ja höchstens 5 m lang sein oder so, damit nichts passiert...

    Ach so ja, irgendwie hatte ich jetzt nur Wald und Wiesen im Kopf :lol: klar, in der Wohnsiedlung dann lieber 5 m Schlepp!


    Hm, also es hat ja auch jeder eine andere Definition von Leinenführigkeit und jeder Hund verhält sich etwas anders an der Leine, aber ich kann gerne mal beschreiben wie es bei uns ist:


    Wenn ich ehrlich bin hat Leinenführigkeit bei mir keine oberste Priorität, weil ich den Fokus mit Luna zuerst auf andere Dinge gelegt habe, u.a. auch Sicherheit in Umwelterkundungen. Luna ist aber auch kein Hund, der mich durch die Gegend zieht. Sie läuft vielleicht mal ins Ende der Leine rein, aber wenn dann Zug auf der Leine ist, bleibt sie entweder stehen oder kommt von alleine zu mir, was ich dann auch jedes mal belohne. Mir ist auch egal ob sie vor mir, hinter mir oder neben mir geht und ich habe auch kein Problem damit, lange zu warten, wenn sie sich mal Festschnüffelt.

    Ich sehe das also alles nicht so eng. :tropf: Trotzdem kennt Luna die Signalwörter "Warte", "Weiter" und "zu mir". Also wenn sie vorgeht und eine Straße kommt, kann ich sie warten lassen und wenn sie mal in ein Gebüsch will, weil es dort gut riecht, dann kann ich sie zu mir rufen. So haben wir ein paar Dinge, auf die sie dann auch hören muss, aber ansonsten darf sie immer sehr frei erkunden.


    Die 5 m Schlepp ist eigentlich unser perfekter Radius für Leinenspaziergänge und ich nehme die auch sehr gerne. Wir haben ansonsten auch nur noch eine 3 m Leine, noch weiter einschränken will ich sie eigentlich nicht in ihrem Radius. Also an der 5 m Schlepp kommt es äußerst selten vor, dass sie da mal zieht, weil sie eben genug Bewegungsfreiheit hat, um zu erkunden.

    Ich persönlich würde nicht stehen bleiben und warten, wenn Tinka an der Schlepp am Geschirr etwas zieht, sondern den Fokus auf gemeinsame Umwelterkundung legen. Wenn sie Richtung XY zieht, weil sie dort schnüffeln will, würde ich mit ihr hingehen und sie dafür loben, dass sie Erkundungsverhalten zeigt. Somit kannst du ihr Selbstbewusstsein geben und das finde ich dann in so einem Fall viel wichtiger, als Leinenführigkeit.


    Und ich glaube auch nicht, dass du dir damit eure Fortschritte kaputt machst, weil Hunde ja doch sehr gut unterscheiden können, dass sie am Halsband nicht ziehen dürfen. Das machen hier ja super viele so im DF. Hinzu kommt auch noch, dass Tinka ja unsicher und aufgeregt in neuen Umgebungen ist und dann höchstwahrscheinlich eh nicht gerade aufnahmefähig ist. Also würden da Trainingsversuche wahrscheinlich eh keinen Erfolg haben, weil einfach keine Konzentration seitens des Hundes da sein wird.



    Das wird sicher nicht der Weg von jedem sein, aber bei uns klappt das super so und Luna ist auch eher von der vorsichtigeren Sorte, wenn wir in neuen Umgebungen sind. Ihr hilft dann immer viel positiver Zuspruch (da mache ich mich auch manchmal echt bescheuert :lol: "wow, du bist so mutig! Hab ich eigentlich den mutigsten Hund auf der Welt? Ich glaube schon! Ich kann gar nicht glauben, wie toll du das machst!") - natürlich quatsche ich sie damit nicht ununterbrochen voll, nur in Situationen, in denen ich merke, dass sie Unterstützung gerade gut gebrauchen könnte - in Ruhe erkunden lassen, wobei ich mich auch durchaus nach Luna richte und sie entscheiden darf, was sie gerade genau erkunden will und an manchen Stellen ein bisschen Leckerchensuche. :smile:

    Wenn Tinka Schwierigkeiten mit neuen Umgebungen hat, würde ich da glaube ich so wenig Leinenführigkeit o.Ä. von ihr fordern wie möglich. Sie hat ja genug damit zu tun, die ganzen neuen Reize zu verarbeiten, da finde ich es verständlich, wenn sie dann keine Kapazitäten mehr hat um sich auf vernünftiges Gehen an der Leine zu konzentrieren.


    Ich würde auch unterscheiden zwischen "Leine am Geschirr = keine Leinenführigkeit gefordert" und "Leine am Halsband bzw. am Brustring des Geschirrs = Leinenführigkeit".


    Ansonsten würde ich in neuen Umgebungen einfach komplett den Druck rausnehmen und nichts erwarten. Schlepp ans Geschirr und den Hund in seinem Tempo erkunden lassen, selbst wenn man dann bei den ersten malen nicht weit kommt. Vielleicht zwischendurch mal ein paar Leckerchen verstreuen, die der Hund suchen kann, damit die Umgebung positiv verknüpft wird. :smile:

    Warum hat sie denn erbrochen ?

    Gute Frage, das kam sehr plötzlich. Vielleicht hängt es mit dem Sturm zusammen. Diese Windgeräusche stressen Luna immer ein bisschen und sie verkriecht sich dann gerne. Vielleicht ist ihr das auf den Magen geschlagen. Aber ich weiß es natürlich nicht.


    Mittlerweile schläft sie und sieht nur etwas k.o. aus. Ich hatte bei unserer TÄ angerufen, sie meinte ich soll das erstmal im Auge behalten und das Schnauben kann auch einfach von der Übelkeit kommen.

    Herrscht denn Leinenpflicht bei euch? Ich würde auf jeden das Ordnungsamt informieren. Stromhalsbänder sind doch auch tierschutzwidrig. Also hättet ihr da ja direkt mehrere meldenswerte Punkte


    Pfefferspray würde ich nicht machen. Wie du auch sagst, der Hund kann nichts dazu und nachher hat dann noch der Nachbar eine Anzeige am Hals, wenn der HH sich beschwert, weil der freilaufende Hund verletzt wurde. Und es wäre ja auch sehr kontraproduktiv, wenn der Hund durch solche Aktionen plötzlich noch zusätzlich Aggressionen gegen Menschen entwickelt.

    Luna hat sich gerade übergeben und jetzt schnaubt sie immer zwischendurch. Muss ich mir da Sorgen machen und zum TA fahren oder erstmal beobachten?


    Das Schnauben passiert nicht ununterbrochen, aber immer mal zwischendurch.


    Das war kurz nach dem Erbrechen:


    Das macht sie jetzt immer mal zwischendurch. Aber vor ein paar Sekunden ist sie endlich eingeschlafen.

    Ich öffne die Tür. Mein Hund schiesst als erster aus der Tür, prüft alles und bellt aus tiefster Kehle einfach mal alles an, auch das pure schwarze Nichts. Gibt's nicht. Und 1000x schon gar nicht wenn Nachtruhe ist. Daher hat mein Hund nicht als Erster aus der Tür zu gehen. Um noch konkreter zu werden: Ich trainiere solche Situationen nicht. Ich will das nicht und fertig. Macht Herr Hund doch die Anstalten dazu, gibts erstmal ein 'Nein'. Manchmal ignoriert es es und prescht trotzdem vor. Die Konsequenz: Ich pack ihn an der Rute, Fell, Halsband - das was ich grad in die Finger krieg, zieh ihn zurück ins Sitz und es wird einfach gewartet bis ich die Freigabe erteile. Schluss. Punkt. Aus. Es gibt keine Diskussion und keine Leckerlies. Es ist mir egal ob es sich für ihn lohnt oder nicht, ich will nicht das er aus der Tür schiesst um Nachbarn, Besucher auf dem Fressnapfparkplatz oder das Nichts anzubellen.

    Richtig ernst war es dann beim Zugriffsversuch auf die Henne. Das war reines Glück: ich stand nicht nur in der Nähe, sondern hatte auch noch einen Handfeger in der Hand. Der landete dann mit "SPINNST DU???!!!!" im Terrierkreuz und bewog den Hund zum großen Glück, seine Aktion sofort abzubrechen.

    Ich finde halt zwischen den beiden o.g. Situationen gibt es große Unterschieden. Was terriers4me beschreibt ist eine Ausnahmesituation. Klar, wenn es um Leib oder Leben eines Menschen oder eines anderen Tieres geht und man in dem Moment einfach nur die Gefahr abwenden muss, dann verstehe ich, dass da ein aversiver Reiz eingesetzt wird. Das ist für mich aber eine Sondersituation. Sowas sollte ja nicht tagtäglich vorkommen.

    Da geht es in dem Moment dann wirklich nur um Schadensbegrenzung. Wenn mein Hund zB bellend und knurrend auf ein Kind zu rennt, dann finde ich es logisch in dem Moment alles dafür zu tun, dass das Kind nicht zu schaden kommt. Dennoch weiß ich dann, dass mein Hund ein Problem mit Kindern zu haben scheint und dann sehe ich es als meine Aufgabe daran zu arbeiten, in dem ich Kinder für meinen Hund langfristig positiv verknüpfe.


    Und da liegt dann der Unterschied: Mir ging es in meinen gesamten Aussagen darum, dass das Training positiv gestaltet werden sollte. Mir ging es nicht um Ausnahmesituationen. In diesem Thread wurde der TE ja von dem Trainer dazu geraten bei dem feindlichen Hund mit Wasserflasche zu arbeiten und da habe ich es so verstanden, dass das der Trainingsansatz sein soll. Also jedes mal wenn der Hund angepöbelt wird Wasser drauf. Und das fand ich einfach nicht richtig (aber da sind glaube ich auch viele bei mir).


    In dem Beispiel von alsatian_00 geht es mMn um eine mehr oder weniger tagtägliche Situation und wenn es mir persönlich wichtig ist, dass der Hund erst nach mir aus der Tür geht, dann würde ich das langfristig trainieren, damit der Hund weiß, was ich von ihm will und nicht erst auf Fehlverhalten warten, um dieses dann zu maßregeln. Da finde ich die Aussage "ich will halt einfach nicht, dass mein Hund das macht. Punkt." dem Hund gegenüber nicht fair und sehr einfach gemacht. Weil das wäre ja eigentlich was, das man über positive Bestätigung super easy aufbauen könnte. Dann wäre es auch ein Miteinander (nach dem Motto: wir üben das zusammen und dann wartest du, bis ich die Tür öffne, dafür gibt's einen Keks und dann sind wir ready to go) und nicht ein Gegeneinander.


    Rennt mein Kind zB einfach auf die Straße, weil ich nie erklärt habe, dass es am Straßenrand erstmal warten soll (was gleichzusetzen wäre mit: ich leite meinen Hund an, dass er an der Tür warten soll und baue das kleinschrittig auf) und es dann im Gegenzug einen von mir dafür drüber kriegt, dann finde ich das nicht fair. Oder das kennt ja bestimmt auch jeder selber, wenn jemand zu einem sagt "will ich halt einfach nicht." ohne zu erklären oder sonstiges, dann hat man weniger Lust sich dran zu halten, als wenn sich jemand Zeit nimmt und seine Gründe für XY ausführlich erklärt.


    Klar, muss da jeder seinen Weg finden und wissen was richtig für einen ist, das ist nur meine Meinung und mein Werteverständnis.

    Mir war es nur nochmal wichtig den Unterschied zwischen einer Ausnahmesituation und Training, das auf aversiven Mitteln basiert, herauszustellen.


    Ich bin super gespannt, was meine Trainerin zu den verschieden Ansätzen denkt und mit einigen tollen Tipps und Meinungen werden wir auch arbeiten :relieved_face:

    Halt uns gerne auf dem Laufenden, ich bin gespannt! :smile:

    Wenn mein Hund Stress hat, egal ob positiv oder negativ, wie genau kann ich ihn dann unterstützen?

    Kommt auf die Situation an, würde ich sagen. :smile:

    Kann Artus im Haus denn generell gut abschalten und entspannen? Ansonsten würde ich langsam ein Deckentraining aufbauen und die Decke (bzw. das Körbchen) sehr positiv verknüpfen, sodass er gerne darin liegt. Also immer mal wieder Futterbeschäftigung (zB gefrorener Kong) im Körbchen anbieten und ruhig loben, wenn er sich dort aufhält.


    Bei Hunden die ganz schlecht entspannen können, helfen auch Entspannungssignale oder bestimmte Gerüche/ Geräusche, die mit Entspannung verbunden werden. Auch das muss man aufbauen, indem man zB ein Tuch mit einem bestimmten Geruch immer dann dem Hund hinlegt, wenn dieser gerade entspannt ist. Irgendwann wird der Geruch dann mit Entspannung verknüpft (das ist jetzt sehr runtergebrachten, da müsstet ihr euch etwas einlesen :smile:).


    Ansonsten auch mal Ruhetage einlegen, an denen ihr gar nichts vom Hund fordert und nur Pipi-Runden oder entspannte Runden an der Schleppleine in der Pampa geht. Dann kann der Hund Vergangenes in Ruhe verarbeiten und etwas regenerieren.


    In welchen Situationen hat Artus denn am meisten Stress?

    Danke für die Erklärung, ich weiß auf jeden Fall was du meinst.


    Aber was machst du, wenn dein Hund zwar genau weiß, was du erwartest, in dem Moment aber anderes höherwertiger ist als deine Wünsche und jede Belohnung - zum Beispiel der Lieblingsfeind oder die Superbeute?

    Ich kann dir da ein ganz ein reales Beispiel bieten: mein Terrier ist ein Riesensensibelchen, tut mir gerne jeden Gefallen, und normalerweise kommen wir prima mit Andeutungen aus. Aber als hier vor neun Jahren die Hühner einzogen, hätte es ohne ganz deutliche Korrektur und ebenso deutliche Strafe bei Mißachtung Tote gegeben. So gab es echt Ärger für jeden Zugriffsversuch, gekoppelt mit Super-Spitzenbelohnungen bei jedem Ansatz für Wohlverhalten. Richtig drastische Korrekturen waren, da wir sowas sehr, sehr selten einsetzen, nur ganz wenige nötig, aber die haben dann auch gewirkt. Schnell und bis heute.


    Diese ganzheitliche nur positive Schleppleinen-Klicker-Keks Community lügt sich mE selbst in die Tasche und stehlen dem Hund Lebenszeit und Qualität….


    Wenn dem Hund klar ist, dass er irgendwo nicht hinkann, ist das für diesen sonnenklar und erledigt…. Bevor man sich mit dem ganzen Firlefanz bewaffnet hat, 10 Foren befragt und 3 rein positive Trainer verschlissen hat, könnte der Hund bei EINEM passenden Abbruch schon monatelang wieder entspannte gassigänge an den Gänseblümchen vorbei haben….

    Auch - gerade! - ein sensibler Hund hat ein Recht darauf, zu wissen, woran er ist. Und wenn du da aus Konfliktscheu jede Korrektur, jede klare Ansage vermeidest, ist das eben genau nicht vertrauensbildend, sondern schafft Unsicherheit. Mit der ein sensibler Hund dann wieder ganz schlecht umgehen kann.

    Ich stimme dir in dem Punkt zu, dass auch ein sensibler Hund wissen sollte, woran er ist. Definitiv. Aber sowas kann man doch nicht nur über Strafen und Korrekturen erreichen.

    Ich kann meinem Hund auch positiv Grenzen setzen und beibringen, was ich in bestimmten Situationen erwarte.



    Mal als fiktives Beispiel:


    Mein Hund rennt im Freilauf Fahrrädern hinterher.


    Jetzt kann ich meinen Hund jedes mal "korrigieren", wenn er das tut, indem ich z.B. mit der Wasserflasche spritze. Wozu führt das? Mein Hund unterbricht höchstwahrscheinlich sein Verhalten und rennt dem Fahrrad nicht mehr hinterher. Somit ist erstmal das erreicht, was man als Mensch möchte. So kann man natürlich arbeiten, aber es kann schnell passieren, dass der Hund irgendwann abstumpft und es plötzlich gar nicht mehr schlimm findet mit Wasser bespritzt zu werden. Was macht man dann? Dann muss man zu härten Methoden greifen, damit der Hund sein Verhalten unterbricht. Zudem kann es passieren, dass Fehlverknüpfungen entstehen und man plötzlich noch ganz andere Baustellen hat.

    Und ich finde es dem Hund gegenüber auch nicht fair, weil es ja erstmal nichts ungewöhnliches ist, dass Hunde Bewegungsreizen hinterher jagen wollen. Hier wird halt oft gesagt, dass es falsch ist, wenn der Hund das tut. Aber wie gesagt, richtig und falsch sind menschliche Konstrukte. Aus hündischer Sicht ist es erstmal selbstbelohnendes Verhalten, was Hormone ausschüttet, wenn Hund dem Rad hinterher rennt. Also lohnt sich das für ihn.


    Was kann man noch tun? Wenn man weiß, dass der Hund auf Bewegungsreize anspringt, dann kann man über eine Schleppleine sichern und dem Hund beibringen, was man von ihm erwartet, wenn ein Rad kommt. Ich übe also erstmal in einer reizarmen Umgebung, dass wenn ich "Fahrrad" sage, der Hund zu mir kommt, sich hinsetzt und mich anschaut. Das ist natürlich super viel Arbeit und muss kleinschrittig aufgebaut werden. Im nächsten Schritt kann ich das dann einsetzen, wenn Fahrräder kommen. Hund natürlich zusätzlich über Schlepp sichern und dann jedes mal "Fahrrad" sagen ,wenn ein Rad kommt. Dann verknüpft der Hund das im besten Fall irgendwann automatisch und kommt von alleine zu mir und setzt sich hin, wenn er ein Fahrrad sieht, weil er weiß bei mir gibt es dafür einen tollen Keks oder ein Spiel oder sonstiges.

    Und das finde ich fair. Ich gebe dem Hund eine Anleitung und "erkläre" ihm, was ich von ihm erwarte, wenn ein Fahrrad kommt. Dann weiß er auch woran er ist. Natürlich muss man dabei konsequent sein und natürlich dauert das seine Zeit. Aber man ist in jedem Fall ein berechenbarer und verlässlicher Partner für seinen Hund und man läuft nicht Gefahr, dass Fehlverknüpfungen durch Strafen passieren.



    Ich verstehe immer nicht das Argument, dass man Hunden nur durch Korrekturen zeigen kann "woran sie sind". Man kann das alles auch positiv aufbauen und dem Hund trotzdem Grenzen setzen und einen Rahmen stecken, in dem er sich bewegen soll. Vor allem bewirkt eine Korrektur ja auch nur, dass der Hund sein aktuelles Verhalten unterbricht, aber trotzdem weiß er ja dadurch nicht, was nun von ihm erwartet wird. Vor dem Hintergrund finde ich eine positiv trainierte "Anleitung" umso fairer dem Hund gegenüber.