Ich glaube, Du bemühst Dich zu sehr, ihr Fehlverhalten zu rechtfertigen. Ich finde, ein Hund hat niemanden zu beißen. OK, außer er wird vielleicht geschlagen o. ä. Aber nur, weil sich Dein Freund auf der Couch ein Stück bewegt, ihr Verhalten damit entschuldigen zu wollen, dass es ihr wg. Magen/Darm nicht gut geht und sie schlecht geschlafen hat? Also bitte!
Ich weiß was du meinst und worauf du hinaus willst und verstehe auch, dass dieser Eindruck hier vielleicht entsteht. Definitiv hat ein Hund niemanden zu beißen (soweit es keinen Grund dafür gibt) und soweit ist es hier zum Glück ja auch nicht gekommen (natürlich nehme ich auch das Schnappen sehr ernst). Ich rechtfertige ihr Verhalten auch nicht und sage in keinster Weise, dass ich das okay fand. Im Gegenteil: ich habe in meinem obigen Post ja durchaus gesagt, dass ich körperlich Blocken würde, wenn Luna meint eine ihr bekannte Person angehen zu müssen. Und das habe ich in dem Fall, als sie meinen Freund angeknurrt hat, ja durchaus auch getan. Auf der Couch war das nicht möglich, weil ich saß und es so überraschend kam, dass ich es nicht hab kommen sehen.
Allerdings finde ich schon, dass körperliches Unwohlsein oder körperliche Schmerzen eine Erklärung und auch ein Stück weit Entschuldigung für atypisches Verhalten sein können.
Deine Schilderungen lenken uns in die Richtung, dass der Hund unsicher sein könnte. Ich kriege hier aber die Phantasie, dass sie schlicht und ergreifend maßregelt. Es sind halt Deine Schilderungen, die durch Deine Wahrnehmung gefiltert sind und hier wiedergegeben werden. Man müsste das halt sehen.
Die Hundetrainerin die bei uns vor Ort war hat ja bestätigt, dass sie eher aus Unsicherheit handelt. Von daher sind das nicht nur meine Erfahrungen.
Und wenn Du Dich selber als Wattebauschwerfering bezeichnest, dann fehlt dem Hund vielleicht eine klare Führung mit klaren Grenzen. Evtl. eierst Du situationsbezogen und mit Rechtfertigungsgedanken im Hinterkopf immer wieder zu sehr rum?! Klare Regeln und Grenzen helfen einem unsicheren Hund und geben ihm Sicherheit. Und einem Hund mit Besitzansprüchen (vielleicht "besitzt" sie Dich, Deine Möbel, Deine Wohnung) ebenso.
Nur weil ich mich als "Wattebauschwerferin" bezeichne heißt das nicht automatisch, dass es bei uns keine klaren Regeln und Grenzen gibt. Nur kann man die im Alltag auch eben anders durchsetzen als ausschließlich durch körperliches Blocken. Luna darf zB nur auf's Sofa/Bett nachdem wir das erlauben und nach der Situation mit meinem Freund wurde sie auch direkt runtergeschickt, damit sie weiß, dass es so nicht geht. Sie geht in ihr Körbchen, wenn wir ihr das sagen und hört auch auf einen Abbruch. Sie wartet beim Futter auf Freigabe, sie wartet beim Gassigehen im Treppenhaus bei jedem Treppenabsatz auf mich und darf erst weiter gehen, wenn ich auf ihrer Höhe bin etc. Nur weil ich das größtenteils positiv aufbaue, heißt es nicht automatisch, dass hier Anarchie herrscht. Wir haben auch klare Strukturen und Routinen, die Luna gut helfen.
Bei dem Zitat von Sora bezüglich klarem Blocken, relativierst Du ja ebenfalls wieder, dass es in Deinen Augen nur gerechtfertigt ist, Deinen Hund zu blocken, wenn er die Person kennt und dann trotzdem ein solches Aggressionsverhalten zeigt. Warum? Wieso darf Dein Hund ihm unbekannte Menschen eher maßregeln, als ihm bekannte? Verschließt sich mir der Sinn dahinter. Ein Hund hat niemanden zu maßregeln.
Ich habe nicht gesagt, dass es in Ordnung ist zu maßregeln (falls es überhaupt Maßreglung ist, laut Hundetrainerin eher Unsicherheit), sondern dass ich in bestimmten Situationen verstehen kann, dass mein Hund aus Hundesicht so reagiert.
Ich finde es wichtig zu differenzieren, weil es in unterschiedlichen Situationen ja durchaus unterschiedliche Motivation sein kann.
Geht mein Hund gegen meinen Freund nach vorne, den sie schon lange kennt und mag und mit dem sie eigentlich sehr harmonisch zusammenwohnt, dann finde ich das frech. Hier schließe ich nicht aus, dass es Maßregeln war und dann würde ich auch blocken (so wie ich es in der Situation draußen auch getan haben), um zu sagen "bis hierhin und nicht weiter".
Sind wir aber in einer Situation, die für Luna eh schon anstrengt ist (Weihnachtstrubel) und dann kommt eine Person, die sie nicht einschätzen kann und sie geht aus Unsicherheit nach vorne, dann finde ich das natürlich auch nicht ok, aber ich kann den Grund nachvollziehen. Und da sehe ich mich eher in der Pflicht, solche Situationen schon im Vorhinein zu verhindern und ruhiges Verhalten zu belohnen, Aufmerksamkeit auf mich zu lenken etc. , als zu warten bis es zu einer solchen Situation kommt um dann körperlich zu blocken.
Das an Weihnachten war halt einfach blöd von mir und ich hätte es gar nicht erst soweit kommen lassen dürfen, ich habe mich da einfach zu sehr "in Sicherheit gewägt", aber da mache ich nicht Luna den Vorwurf.
Ich glaube wir haben vielleicht auch ein bisschen aneinander vorbeigeredet. Worum es mir hauptsächlich geht, ist dass dieses körperliche Begrenzen nicht meine Hauptmethode werden wird, um unser Besucherproblem in den Griff zu bekommen. Klar, wenn sie sich mal frech verhält, dann würde ich es einsetzen. Aber langfristig setze ich lieber drauf, dass ich sie für's ruhig bleiben belohne und es somit gar nicht erst zu Situationen kommt, in denen sie nach vorne geht.
Das mit der räumlichen Begrenzung in dem Sinne ist ja auch nicht verkehrt. Aber ich sehe unseren Weg da zB eher in der Begrenzung durch Türgitter, weil ich da nicht aktiv gegen sie gehen muss um sie einzuschüchtern und über Hausleine.
Dass es ok ist Menschen zu maßregeln habe ich nicht gesagt, lediglich dass ich es wichtig finde die unterschiedlichen Motivationen dahinter zu erkennen und dementsprechend ggf. unterschiedlich zu reagieren. Ich hoffe, das kam jetzt deutlicher rüber.