Beiträge von pinkelpirscher

    In Europa war wahrscheinlich ein französischer Popular Sire der Ausgangspunkt, ev sogar früher (spannenderweise dürft der ein "offenes Zuchtbuch" Hund gewesen sein) und unabhängig von den Amis.


    Manchmal munkelt man auch heute in Rennkreisen dieser oder jener Hund könnte Träger sein, aber würde es irgendwas bringen, hätten die Züchter, denen es nur um Tempo geht, schon längst auf Bully Whippets umgesattelt. Sie bleiben stattdessen bei ein paar Prozent Greyhound.


    Testverfahren haben sicher auch dazu beigetragen, dass der Defekt eine Randerscheinung ist, auch wenn er vorkommt - aber das dürft dann eher ein Grundsatzproblem gängiger Zuchtpraktiken, als Absicht sein.

    Whippets mit 2 Genkopien haben meist deutliche Probleme mit Muskelkrämpfen.


    Die Zucht mit Trägern ist in manchen Ländern erlaubt, in anderen nicht.


    Einen echten Bully-Whippet will und braucht keiner. Die Doppelbemuskelung muss nicht so krass ausfallen, wie bei "Wendy", die massiv eingeschränkt war, zwar relativ alt wurde, aber etwa nen halben Flugplatz für simple Wendemanöver brauchte.


    Ein Teil des "Sind schneller" Mythos mag auch daher kommen, dass eine Weile Rennhunde unter Generalverdacht standen, betroffen zu sein. Die teils deutliche stärker ausgeprägte Muskulatur vieler Rennlinienwhippets im Vergleich zu Showhunden oder Working Whippets ist zwar wohl auch ne getische Sache, hat aber nix mit dem Myostatindefekt zu tun.


    Tatsächlich waren und sind gar nicht soooo viele Hunde betroffen. Möglicherweise trat der Defekt schon in den 60ern,70ern manchmal auf, genauso gut möglich aber, dass die "Ich kannte da mal einen" Non Ped Whippets mit Bullrasseneinschlag waren.


    Hauptsächlich betroffen waren amerikanische und kanadische Rennhunde so Ende der 90er, Angang der 2000er. Dass es dort auch Greyhoundeinkreuzungen gab, ist ein offenes Geheimnis, das u.a. die grundsätzlich oft recht markante Muskulatur miterklärt, neben der Selektion auf Sprint.

    Die ersten Hunde, die da in Sachen Myostatin auffällig wurden, kamen halt aus gewissen Dunstkreisen (wobei der Defekt beim Greyhound nicht nachgewiesen wird, muss aber auch nicht zusammen hängen)

    Sahe



    Nein, es ist kein Muss.

    Und bei Tierschutzhunden nicht völlig unkritisch zu sehen. Denn sehr viele sind nicht optimal aufgewachsen und/oder bringen orthopädische Vorschäden mit.


    (Ich hab meine geröngt dann Trainings laufen lassen. Gefiel ihnen auch, aber grad beim weniger ableinbaren war es immer ne Gratwanderung. Der lief zu wenig frei um wirklich fit zu sein. Freilaufersatz ist Windhundsport auf keinen Fall).


    Podencos jagen nicht wie Windhunde. Hetzen gehört zwar auch zum Jagdverhalten und macht ihnen Spaß, aber lässt den Faktor Nase etwa völlig außen vor. Da haben die aber durchaus auch ihre Stärken.

    Auch im Trab übrigens. Denn letztlich sind es tendentiell mehr Laufhunde mit etwas Ähnlichkeit zu Bracken, als Sichtjäger und Kurzstreckengalopper.

    Vereinfacht gesagt haben Galgos einen weniger klar bekannten Hintergrund wie Greyhounds aus dem Rennbetrieb, wo man Geburtsdatum, Papiername, Trainer usw. weiß oder zumindest oft rausfinden kann und wo die Haltung meist recht standardisiert erfolgt. Beim Galgo ist meist deutlich mehr unbekannt. Sei es genaues Alter, Rassemix in Gebrauchskreuzungen oder wo und wie Hund gehalten wurde. Klar ist vorallem: es sind Nutztiere. Jagdeinsatz von Oktober bis Februar. Sonst Pause.

    Die Haltung kann katastrophal gewesen sein - oder auch nicht (nur halt nicht mitteleuropäischer Haushund).

    Theoretisch kennen Galgos öfter andere Hundetypen und andere Hof- und Heimtiere, als Greyhounds aus dem Rennkennel, aber das stimmt so auch nicht immer.

    Was man aber meistens kriegt: einen Hund, der bis dato immer nur in der Gruppe, meist selber Hundetyp, gelebt hat und nicht im Haus. Auto fahren kennen fast alle

    Manche kennen mehr Umweltreize und haben zb relativ frei auf einem Hof gelebt, andere waren ihr Lebtag irgendwo im Hinterland, abseits der Zivilisation in einem Schuppen oder einer Zwingeranlage und kennen: nichts.


    Manche sind sicher aufgrund traumatischer Erlebnisse ängstlich. Aber nicht nur. Idiopatische genetisch bedingte Ängste, u.a. auch vor Männern werden diskutiert und sind wahrscheinlich.


    Andere sind kein bisschen ängstlich. Bei uns hielt es sich die Waage. 2 waren nach 4 Wochen großstadttauglich und hatten absolut null Ängste (ebenso die Galga meines einstigen Partners), 2 waren unsicher bis ängstlich in neuen oder bestimmten Situationen.


    Zurückhaltend....ähm...war keiner. Die Nichtängstlichen noch weniger. (Beim reinrassigen Galgo Espanol ist wohl eine noble Zurückhaltung und eine gewisse Anfangsskepsis Fremden gegenüber erwünscht, ham aber trotzdem nicht alle). Man wird weniger angesprungen, umgeworfen o.ä. als bei anderen Typen vielleicht. Waren halt rotierende Wedel- und Bettelmaschinen, die jeden in die Wohnung lassen und ihm die Nase zur Begrüßung in intime Stellen drücken. So "Oh, ein Einbrecher! Willkommen. Ich zeig Dir, wo der Kühlschrank ist."


    Sensibel im Sinne von zerbrechlich empfindsam und sofort schwer traumatisiert bei einem schiefen Blick, war hier bislang auch keiner. Der Senior und der Haflingerkarl waren eher sperrige, mobile Hindernisse, die einem gern auf den Fuß hopsen oder für n Kaninchen den Arm auskegeln. (Zu halten waren sie, mit Technik, allerdings immer. Oh und was auch Galgos schrieb. Die Leinenführigkeit war meistens ab Werk eingebaut wobei ich da auch Junggalgos ken,n mit ohne viel Zeit beim Galguero, die halbe Zugpferde sind. Letztlich weiß man es nicht immer...vielleicht sind viele Tierschutzgalgos vielem einfach schon entwachsen, weil sie oft jenseits der verrückten 1,5 Jahre vermittelt werden, wo Vernunft auch manchmal bereits Platz in nem Hundekopf hat.)

    In Anbetracht der Menge an Hunden, die teils als Direktimport vermittelt werden und der Menge der Galgos, die in Mehrhundehaltung auch bei relativen Anfängern landen, sind es keine extrem komplizierten Hunde.


    Trotzdem haben sie natürlich ihre Besonderheiten.


    Sehr angenehm finde ich das weitestgehende Fehlen von Wach- oder Schutztrieb. Natürlich auch etwas individuell zu sehen und da Galgos aus dem Tierschutz oft mehr oder weniger Mixe sind, kann es auch die eine oder andere Totalausnahme geben, aber im Großen und Ganzen sind es freundliche Hunde. Ihre Ernsthaftigkeit erstreckt sich wenn, dann auf die Jagd nach Kleintieren.


    Ich hab bisher mit 4 Galgos (mit mehr oder weniger Greyhound oder Whippetanteil, so richtig klassicher Galgo Espanol war keiner) und einem Mix, mutmaßlich Galgo-Podenco, vielleicht ne Prise Was anderes zusammen gelebt, alles Direktimporte oder "Muss nach 2 Wochen sofort von der Pflegestelle oder dem Fixplatz weg" - denn ja, Problem(ch)e(n) gab es immer mal wieder.

    Der Mix hatte nach dem Kind geschnappt und ging über Tische und Bänke, die kleine, nette Madame war katzengestestet, aber das sagte nix aus, ohne Anleitung wollte sie die fressen.


    Mein letzter Direktimport war angstaggressiv gegenüber Menschen und Hunden. Die Langzeitpflegehündin meist nur Hunden gegenüber, außerdem ein Übersprungswadenzwicket und anfangs nicht kleinhundesicher. Trotzdem empfand ich ihr Aggressionsverhalten als relativ undramarisch. Ja,der eine trug zeitlebens dann draußen Maulkorb, aber das war kein Hund der beschädigen will und Spaß am Vorwärtsgang hat. Beides eigentlich Mauserl mit der Strategie "Ich hack besser mal Dir rein, bevor Du mir was tust".


    Leinenpöbler waren 3 von meinen 4 eigenen relativ sofort ab Ankunft. Bei zweien nehme ich stark an, dass die, wie viele Galgos, auch einfach absolut keine anderen Hundetypen kannten und nur unter Windhunden gelebt hatten, mutmaßlich auch mit viel Stress und Mobbing im Zwingeralltag, spätestens im Tierheim dann.

    Glücklicherweise waren die hartnäckigeren beiden Pöbler auch die Kleinsten. 17 und 19 Kilo war ganz gut zu halten.

    Bei nem Rüden ü30Kilo hätt ich schon arg zu tun gehabt - aber ja, Galgos sind tendentiell große Hunde, das darf man nicht unterschätzen, auch wenn sie sich gut stapeln und falten lassen.


    ...Teil 2 folgt ..