Diese Berufsrealität verändert sich gerade
Darf ich euch mal was fragen, ich hab gelesen, dass die Generation Z eine starke Abneigung gegen das Telefonieren hat und manche keine Termine telefonisch ausmachen möchten.
Was denkt ihr, woran das liegt? Würde mich total interessieren.
Ältere Generationen mussten mit der Verbreitung von Smartphones erst hineinwachsen in eine Welt, in der man "Always-on" sein kann und in der man mit "Informationen" und "Kommunikationsanfragen" völlig zugeschmissen wird.
Die jüngeren haben sich darauf eingestellt, für sie heißt das inzwischen, dass man zwar jederzeit auf alles zugreifen kann, aber nicht mehr, dass man alles sofort annehmen muss. Diese Generation ist, insbesondere durch die Verbreitung von Whatsapp, mit asynchroner Kommunikation aufgewachsen. Während das bei früheren Generationen nur für SMS / email galt, haben die Jüngeren das recht früh im Leben auch mit Sprache erlebt.
Ich habe den Eindruck, dass für viele dabei der Nutzen überwiegt, dass man Aufzeichnungen von Voice-Nachrichten beliebig oft wiederholen kann, dass man dazu keine Tastatureingabe braucht und dass man nicht gezwungen ist, währenddessen mehr oder weniger konzentriert zu sein. Kommunikation geht heute (auch) sehr beiläufig.
Nimmt man einen Voice- oder Video-Anruf an, bedeutet das, dass man sofort auf einen anderen Menschen und dessen Fragen - und vielleicht sogar auf dessen Emotionen - reagieren muss. Auf diesen Stress haben viele keine Lust mehr, in meiner Wahrnehmung ist das aber generationenübergreifend. Je nach Gegenüber und/oder Thema werden Anrufe inzwischen als ausgesprochen unhöflich wahrgenommen.
Hinzu kommt, dass in sehr vielen Branchen heute nicht mehr zu festen Zeiten gearbeitet wird, dadurch ist man auch tagsüber nicht permament am Arbeitsplatz erreichbar. Anrufversuche sind damit ein Glücksspiel und abhängig davon ggf. ineffizient.
Ein weiterer Faktor ist sicher auch die Erfahung in Corona: Persönliche Treffen waren deutlich eingeschränkt und Videotelefonie hat persönliche Treffen in weiten Teilen zumindest temporär, in anderen dauerhaft, abgelöst. Umgekehrt kann das dazu geführt haben, dass reine Voice-Gespräche mangels Mimik als zu schmal wahrgenommen werden.
Telefonieren zu können ist heute in bestimmten Bereichen noch eine notwendige Kompetenz, diese Bereiche werden sich aber in den nächsten Jahren massiv verringern.