Beiträge von Ernalie

    Ich backe auch voll gerne mit meiner Tochter. Es gibt echt viele Dinge, die ich nicht mag in Bezug auf Kinderaktivitäten. Basteln ist auf Nummer 1. Ansonsten Rollenspiele, Puppenspiele, Eisenbahn. Was mich irre nervt, aber zum Glück mein Mann richtig toll findet, ist Vorlesen. Ich hasse es. Mein Körper wehrt sich schon aktiv dagegen indem ich weniger als eine Minute nach Beginn einen unstillbaren Drang nach Gähnen habe. 🙈

    Backen hingegen mag ich. Ich mag auch kochen mit Kind. Da meine Tochter aber quasi gar keine Variation an Lebensmitteln hat und nur sehr wenige überhaupt isst, will sie das nicht.

    Wegen der Windeln bin ich inzwischen fest davon überzeugt, dass die Kinder trocken werden, wenn Sie bereit dazu sind. Ich habe meine Tochter sehr viel Zeit damit gelassen. Ich habe in meinem Umfeld häufig mitbekommen, dass Kinder, die eine klassische Trockenheitserziehung (die ich teilweiser extrem erniedrigend umgesetzt fand) machen mussten, total schnell wieder zurück zu Windeln gekommen sind. Meine Tochter hat relativ lange, wenn man getragen. Sie wollte auch nicht. Ohne. Eines Tages hat sie einfach morgens gesagt, dass sie jetzt keine mehr haben will. Seitdem ist sie zu 100% trocken. Es gab nie Unfälle. Sie ist auch sofort auf die Toilette gegangen. Töpfchen hat sie nicht angenommen, obwohl in jedem Zimmer eins stand. Meine Tochter leidet aber auch unter einem extrem ausgeprägten Perfektionismus. Die macht alle Sachen immer erst dann, wenn sie absolut sicher ist, dass sie es kann und probiert es vorher auch nicht aus. Leider.

    Tatsächlich scheinen die Stellen sogar diejenigen zu bekommen, die einfach nicht schnell genug aufem Baum waren, oder sich erbarmen weils sonst niemand machen würde. Und so zieht sich das ganze dann quasi durch alle Posten durch...

    Oder die, die es aushalten. Ich habe Sonderpädagog*innen in meinem Bekanntenkreis, die inzwischen im sozialpädagogischen Bereich tätig sind, weil sie es in den Schulen nicht ausgehalten haben. Ausnahmslos alle wegen der Lehrer*innen, die Zusammenarbeit zu einem Kampf gemacht haben, der sämtliche Vorstellungen davon, etwas bewirken zu können, vernichtet hat.


    Echte Inklusion funktioniert aus meiner Sicht auch nur mit Engagement, Wissen und - wichtig - Ressourcen und bei dem Sparkurs, der uns die nächsten Jahre begleiten wird, halte ich das erstmal für sehr weit weg. Leider.

    Absolut! Ich glaube, am Ende wurden einfach von Beginn an zu wenig Ressourcen zur Verfügung gestellt. Da wurde einfach was umgesetzt auf Biegen und Brechen, für das das System überhaupt nicht bereit war. Schade. Die Idee ist so gut. Hätte aber wahrscheinlich deutlich mehr Vorbereitung brauchen können.

    Ich bin gar kein Feind von Förderschulen. Im Gegenteil. Wenn das funktioniert ist es doch für viele Kinder einfach ein Traum. Und ich find's schade, dass diese im Zuge der Inklusion so weit abgebaut wurden. Ich habe gerade heute gelesen, dass sie hier in der Umgebung wieder gestärkt werden sollen. Wenn das sinnvoll passiert und nicht einfach nur mehr Plätze bei gleicher personeller Struktur geschaffen wird, stelle ich mir das schon bereichernd vor.

    Das einzige "Dazwischen", sind Förderschulen, wo ich wirklich verstehen kann, dass niemand, wirklich niemand, sein Kind freiwillig dort hin bringen möchte.

    Das mag dem Stand in deinem Bereich entsprechen, widerspricht meinen Erfahrungen jedoch komplett. Bei uns setzen sich Eltern seit Jahrzehnten dafür ein, dass es mehr Plätze in spezialisierten Förderzentren gibt. Und genau diese platzen trotz Erweiterungen und Schulneueröffnung aus allen Nähten - und das nicht, weil niemand, wirklich niemand sein Kind im FZ beschulen lassen möchte...

    Es freut mich tatsächlich sehr, dass es nicht überall so ist. Hier in meiner Umgebung sind Förderschulen ein sehr heißes Pflaster und nicht wenige finden da erstrecht auf einen anderen Pfad.


    Hier hatte schon jemand anders geschrieben, dass es bei ihnen nicht so ist. Finde ich gut!!

    Na dann sind wir doch ziemlich auf dem selben Standpunkt.

    Eine Anmerkung habe ich aber. Ein Kind braucht keinen Förderstatus um in der Schule in seiner Individualität anerkannt zu werden. Es gibt Nachteilsausgleiche, die unabhängig von der Existenz eines Förderstatus sind. Und grundsätzlich ist man als Lehrkraft immer frei, auch Mal out of the box zu denken und Dinge anders zu machen.

    Ich empfehle dazu liniert.kariert auf Instagram. Sie ist Lehrerin, selbst AuDHSlerin und macht tolle Aufklärungsarbeit in diesem Bereich. Wichtige Message ist bei ihr oft, dass alle Dinge, die für neurodivergente Kinder gut sind, eigentlich für alle Kinder gut sind oder sein konne und es daher immer lohnt, genau zu überlegen, wie man was macht.

    Fängt zB im ganz kleinen an, wie zB Noise cancelling headphones im Unterricht zu erlauben, was leider bei den meisten Lehrern verboten ist. Oder auch Mützen und Kapuzen zuzulassen (für neurodivergente Kinder aus vielen Gründen extrem hilfreich) oder auch Jogginghosen nicht zu verteufeln (Stichwort sensorische Überstimulation). Man kann im kleinen Rahmen schon so viele Dinge bewirken, wenn man von "das machen wir schon immer so" Mal weg kommt. Damit erwischt man dann auch all die, denen die Eltern leider die Hilfe verbauen. Ja, auch ich kenne solche Kinder und es tut mir in der Seele weh. Aber man kann IMMER einen Unterschied machen. Immer. Und genau diese Lehrkräfte wünsche ich mir als Mutter. Bisher treffe ich leider überwiegend auf Leute, die sogar bestehende Diagnosen anzweifeln und mit "sie muss das jetzt mal lernen" oder "sie muss ein Vorbild für die kleineren Kinder sein" und krampfhaft ein Kind normalisieren wollen, was nachweislich Entwicklungsdefizite hat und dem Druck, der dadurch entsteht, überhaupt nicht gewachsen ist.

    Das Herz steht vor allem für den letzten Absatz.

    Beim ersten sehe ich das ein wenig anders. Ich möchte nämlich gar nicht, dass mein Kind von der Schulpflicht befreit wird. Ich bin gut vernetzt und kenne viele Geschichten anderer Kinder. Daher weiß ich, was theoretisch alles möglich ist. Ich möchte aber, dass mein autistisches, hochintelligentes Kind, was durchaus auch in seinem Rahmen das Bedürfnis nach Sozialkontakten und Teilhabe hat, diese auch ermöglicht wird und seine Kompetenzen auch nutzen kann. Nicht jedes Kind mit Autismus ist nicht beschulbar. Es braucht vielleicht nur eine andere Sicht der Lehrer*innen auf sich. Ich möchte, dass es was dazwischen gibt. Zwischen "ganz oder gar nicht". In meinen Augen hat Inklusion, die ich grundsätzlich für eine gute Idee halte, in der Realität in dieser Umsetzung dafür gesorgt, dass Betroffene Kinder entweder vollkommen krachen gehen oder keine Chance mehr auf Teilhabe haben. Das einzige "Dazwischen", sind Förderschulen, wo ich wirklich verstehen kann, dass niemand, wirklich niemand, sein Kind freiwillig dort hin bringen möchte. Das, was ich von Inklusion sehe sind überforderte Lehrer*innen, die schlecht ausgebildet sind und auch überhaupt nicht die Kapazitäten haben, die Inklusionskinder gut und passend zu begleiten und Kinder, die weniger denn je individuell sein dürfen. Der Druck auf Kinder (egal ob mit oder ohne Diagnosen) ist wahnsinnig gestiegen und den letzten Jahrzehnten. Und ich finde, man sollte auch Mal wieder das Augenmerk auf das legen, was Kinder brauchen und nicht nur auf das, was sie leisten müssen oder können müssen oder wie sie sich zu benehmen haben und wie scheiße ihre Eltern sind, dass sie ihnen das nicht beibringen.

    Es gibt da Ausnahmen. Es gibt ganz tolle Lehrkräfte. Es gibt auch gute Schulen. Leider ist das aber nicht die Regel.

    Ich habe neulich einen Podcast gehört in dem es auch darum ging, dass die Rolle der Schule (und auch Kitas) umgedacht werden muss. Weil Kinder heute deutlich mehr Zeit in der Schule verbringen. Das war eine ganz spannende Sicht auf die Sache.

    Meiner Meinung nach muss das ganze Schulsystem neu erfunden werden.

    Es gibt übrigens Studien darüber, dass Kinder heute in ihren Familien zwar weniger Zeit verbringen, dafür aber deutlich mehr Qualitätszeit als früher. Das zum Thema Eltern, die sich nicht kümmern.

    Aber das führt jetzt wirklich oft topic 🤣

    Nicht grundsätzlich. Aber für ein Kind, dass aufgrund einer ‚man kann es ja mal testen“-Entscheidung von Erziehungsberechtigten jeden Tag sieben, acht Stunden in einer lauten, konfusen Welt verbringen muss, die es nicht verarbeiten kann, vielleicht schon.

    Ich bin keine Mutter, ich bin Lehrerin. Mir ist total egal, ob ein Kind irgendwelche Diagnosen hat oder nicht. Mir nutzt beides nichts. Ich seh halt - wie gesagt - nur öfter Kinder, bei denen ich mich frage, warum die keinen Förderstatus haben (was den Weg zu Hilfen ebnen würde), als Förderkinder, die ohne klarkämen… ist halt einfach meine Erfahrung.

    Mir wird dein Standpunkt hier nicht ganz klar. Für was argumentierst du hier gerade? Ist das nicht genau das, was ich gerade gesagt habe? Und was meinst du mit "aufgrund einer "man kann es Mal testen" Entscheidung der Eltern sieben, acht Stunden in einer lauten Umgebung verbringen muss..?"

    In Zeiten von Inklusion ist es übrigens gar nicht so einfach, dem Kind das zu ersparen. Meine Tochter kommt auch ganz schlecht in dieser lauten Welt klar und muss es, trotz Diagnosen, trotzdem.

    Mit Perspektive auf die Schule, die wir nächstes Jahr anfangen müssen, finde ich es übrigens auch schade, von einer Lehrerin zu lesen, dass ihr Diagnosen egal sind. Ich würde mir wünschen, dass mein Kind in seiner Individualität gesehen wird und das nicht "egal" ist.

    die einen werden grundlos stigmatisiert

    Ich würde mich auf freuen, wenn wir so ganz gesamtgesellschaftlich aufhören würden, in dem Zusammenhang von Stigma zu reden. Oder es überhaupt als Stigma zu verstehen.

    Das würde vielleicht den betroffenen Kindern helfen, an entsprechende Hilfe zu kommen (weil Eltern nicht mehr zwanghaft neurodivergentes Verhalten als normal darstellen um bloß das "Stigma" nicht tragen zu müssen).

    Neurodivergenz ist keine schlimme Krankheit.

    Ich hab lange Haare, meine Partner auch. Die Hunde haaren wie Sau, das ist so halblanges Fell und ganz viel wuschelige Unterwolle. Ich hab wenig Lust, den Robi

    Übrigens dazu. Der Hund haart hier fast gar nicht. Aber sowohl ich als auch Töchterchen haben lange Haare und der qrevo s5v verheddert null. Wir haben noch einen anderen Robi auf einer anderen Etage, da wickeln die sich immer um die Bürste.

    dass Eltern heutzutage extrem schnell mit einer (nicht bestätigten!) Diagnose um die Ecke kommen - ADHS, hochsensibel, Autismusspektrum - und damit alles entschuldigen.

    Als Betroffener Mutter: an der Stelle möchte ich Mal darüber aufklären, dass wir mit der Anzahl der Diagnosen heute immer noch sehr weit unter der zu erwartenden Prognose liegen. Und dass man als betroffene Eltern leider sehr lange und sehr frustrierende und nervenaufreibende Wege hinter sich bringen muss, wenn das autistische Kind nicht gerade direkt aus "Rainman" entsprungen ist. Dabei kommen betroffene Eltern nicht selten an über eigenen Belastungsgrenzen. Es gibt deswegen Trennungen der Eltern, Burnouts und viel, viel Leid.

    Ich glaube, wirklich kein Elternteil wünscht sich, dass das Kind so eine Diagnose hat. Es geht vielmehr darum, dem Kind zu helfen und irgendwie bestmöglich auf das Leben vorzubereiten. Dabei spielt auch sehr viel Angst und Sorge eine Rolle, die man mit Blick auf die Zukunft dieses Kindes entwickelt. Dahinter steckt ein irre hoher Leidensdruck.

    Ich möchte das erklären, weil ich verdeutlichen will, was solche Aussagen wie: "heute hat ja auch jeder ADHS/Autismus" und "Eltern sagen das um ihre unerzogenen Kinder für alles zu entschuldigen" mit betroffenen Eltern machen. Vor allem von Menschen, die überhaupt nicht über die Qualifikation verfügen, sich ein Bild davon zu machen, wie realistisch oder auch nicht die Vermutung ist.