Beiträge von WorkingDogs

    Aber inwiefern trägt diese Akkuratesse zum Dampfablassen bei? Oder anders gesagt: Kann man das auch "schludriger" machen, wenn es nur um Spaß und Auslastung geht? Oder ginge dann der Effekt verloren?

    Nein, der Hund soll ja nachdenken und sich anstrengen. Es ist ein himmelweiter sportlicher unterschied, ob ein Hund eine Bahn Fußarbeit in Spannung und Korrektheit läuft, oder so nebenher-schlappt.

    Genauso macht es einen unterschied, ob der Hund sich beim Sitz konzentrieren muss, dass der korrekt geschlossen sitzt, oder ob er Welpensitz-irgendwie zeigt.

    Ersteres ist immer Sport und hat dementsprechend auch einen positiven Effekt auf den Organismus, ähnlich wie Tänzer sehr gut trainiert sind und ein super Körpergefühl haben.

    Jetzt habe ich das "kleine" Buch hier. Alles sehr anschaulich beschrieben und die Übungen sind quasi idiotensicher. Gut erklärt ist vor allem, wie man den Hund zum "Arbeiten" motiviert kriegt. Auf den hinteren Seiten 266 - 287 sind alle Übungen in Kurzform noch einmal zusammengefasst. Inklusive dem Hund das Bellen beibringen. Das ist vielleicht eine ketzerische Frage, aber: Was nützt mir das im Alltag? Hund ruhig kriegen verstehe ich noch. Aber warum soll ich einem Hund, der von Haus aus so gut wie niemals bellt, das Bellen extra beibringen?

    Ein großer Teil dreht sich ums Fußlaufen. Ja, sieht schön aus, wenn er das akkurat ausführt. Aber in der Akkuratesse an sich sehe ich keinen Nutzen für den Alltag, wenn man einfach nur will, dass er an lockerer Leine läuft bzw. im Freilauf bei Bedarf herkommt und neben dem Menschen läuft. Oder hat die Genauigkeit, mit der trainiert werden soll, im Alltag einen positiven Nebeneffekt im Sinne eines echten Mehrwerts?

    Ja, es ist ein Sportbuch, zur Auslastung und Sportaufbau. Im Alltag bringt es dir einen ausgeglicheneren Hund. Bei Sporthunden zählt eben das akkurat sein.

    Das bellen kann sinnvoll für Hunde sein, die abflachen, grade im Rahmen der Prüfungsvorbereitung.

    Und zwar wollte ich eigentlich mit meinem Aussie ein bisschen Schutzdienst machen. Durchaus auch im Verein.

    Naja, Privat bitte nicht, sondern vernünftig unter Anleitung im Verein. Das letzte was der Sport gebrauchen kann, ist, wenn sich Privatpersonen mit Schutzarm irgendwo hinstellen und nicht wissen, was sie tun.


    Archie, mein Aussie, hält aber partout nichts fest. Er nimmt zwar Dinge auf Signal ins Maul und hält die auch, aber sobald ich nur ganz leicht dran ziehe, spuckt er es sofort auf.

    Zweites Problem: Er bellt einfach nicht. Egal, was ich versuche, er macht keinen Mucks. Ich lasse schon extra meine Kleinen neben ihm bellen, damit er vielleicht versteht, was ich möchte. Aber keine Chance. Bei Frust bellt er auch nicht.

    Müsste man sehen, sind es Konflikte, sind die Zähne ok, ist da überhaupt Beutetrieb, etc. Bellen brauchts halt, müsste man auch sehen.


    Macht es überhaupt Sinn, mit so einem Hund überhaupt mit Schutzdienst anzufangen?

    Das kommt drauf an, ich kenne tatsächlich tolle Beispiele dafür, wo soetwas geklappt hat und beide Seiten profitieren, auch wenn Prüfungen mit diesen Hunden wohl unrealitisch sind. Aber wenn es menschlich passt, man ein gutes Team vor Ort hat und Vereinsleben genießt, ja, warum dann nicht?

    In meinem Beispiel zog dann in der Regel später ein Sporthund ein und man blieb dem Sport treu. Bin ich ehrlich, finde ich auch schön! So kommen doch einige tolle Leute zum Schutzhundesport.

    Wie denn sonst?

    Durch Erfahrung. Ja, ist fies, dass man das als Anfänger nicht kann und auch nie können wird. Aber eigentlich funktionieren fast alle Dinge im Leben so, die etwas komplexer sind.


    Entweder man sagt alles egal. Dann kann man aber auch wirklich nach Optik aussuchen oder man bemüht sich, auch wenn das Restrisiko, dass es doch nicht passt bleibt :ka:

    Sag ich doch gar nicht. Es gibt genug Grauzonen, das Leben ist da zum Glück nicht binär.

    Und die sammelt man eben über's tun. Wenn man es ins Extrem ziehen will, könnte man sich die ganze Selbstanalyse dann auch sparen und einfach mit irgendeinem Hund anfangen. Hinterher ist man schlauer, ist doch genauso Käse.


    Wie will man denn das Wesen eines Hundes beurteilen ohne sich zu informieren :ka: und nur Optik ist es eben bei Pudel ja oder nein eben nicht, weil da eben Pflegeaufwand hinter steckt ein Hundeleben lang. Muss man genauso berücksichtigen wie alles Andere auch. Auch nur kurz scheren ist ganz schön viel Arbeit und muss auch erstmal gelernt werden. Blöd wenn Hund und Mensch Pflegeanfänger sind und am Ende hat man eine zappelnde Schnappkröte und Stress für alle Beteiligten.

    Schreibe ich doch danach. Man beurteilt das Wesen eines Hundes aber nicht durch sich informieren. Informieren erklärt einem leider nicht, wie es ist mit einem Hund zu leben der Eigenschaft xy mitbringt, informieren bedingt, dass man recherchieren kann (hier gibt es ja erhebliche Unterschiede und vor allem auch, dass man Selbstreflektion mitbringt um die Dinge auch einzuordnen. So leicht ist es ja leider nicht. Informieren sorgt auch nicht dafür, dass dann alles perfekt läuft, das ist ja oft auch die Denke dahinter.

    Es ist gut und richtig, sich zu informieren, aber die richten Schlüsse zieht man dadurch nicht zwangsläufig.

    Ja, nu, es gibt tatsächlich in der Realität und auch im Forum genug Beispiele dafür, dass Hundehalter auch sehr gut klarkommen können, obwohl sie sich vorab null informiert haben und einfach irgendeinen Hund gekauft haben. Und die haben nicht alle einfache Rassen. Und auch dafür, wie es in die Hose ging, obwohl nach bestem Wissen und Gewissen ausgesucht wurde.

    Für ein umfassendes Bild braucht es eben mehr als eine Informationsquelle.

    Dafür braucht es meiner Meinung nach vor allem Erfahrung. Bei sehr vielen Hundehaltern ändert sich das Idealbild ihres Hundes über die Jahre, manche stellen fest dass ihre Traumrasse dann doch zu pflegeaufwendig ist oder so gar nicht dem Traum entspricht.

    Wichtig ist, sich realistisch einzuschätzen und Fehler einzukalkulieren. Die wird man als Anfänger nämlich auf jeden Fall machen. Teils gravierende, deshalb ist es sehr zu empfehlen nicht nach Optik zu schauen, sondern nach Wesen, auch von einem selbst, ob man überhaupt der Typ dafür ist, dann auch unter Mehraufwand und ggf. hohen Kosten die Suppe auszulöffeln. Je nach Fehlentscheidung kann das auch bedeuten, das passende Lebensumfeld schaffen zu müssen, vermitteln ist ja zur Zeit auch nicht so einfach.

    Es macht Sinn sich erstmal damit zu beschäftigen, was man wirklich machen möchte.

    Anspruchsvolle Beschäftigung, heute dies, morgen das, alles mal ausprobieren und vielleicht doch nicht dabei bleiben ist was anderes als „Ich möchte Dummysport, Obedience, Rettungshund, Agility, Schutzhundesport“ machen. Die Kommata bitte als oder verstehen. Letzteres sind sehr aufwendige Sportarten die man dann am Ende auch durchziehen MUSS wenn man sich einen Hund aus Sportzucht anschafft. Auch der Labbi aus Arbeitslinien zählt dazu, auch, wenn er im Alltag unkompliziert ist, wollen die dann schon auch vernünftig beschäftigt werden. Da sollten die Pläne nicht vorab hochgesteckt sein und dann stellt man hinterher fest, dass man da eigentlich keine Böcke zu hat.


    Als grundsätzlich angenehm und toll zum sich hundesportlich ausprobieren empfinde ich den Border Collie aus guter Ausstellungszucht. Im Alltag und der Erziehung vergleichsweise unkompliziert und für vieles zu haben.