Ich würde den Hund als allererstes medizinisch komplett auf den Kopf stellen. Hier haben Schmerzen ein ähnliches Verhalten verursacht.
Auch wenn es selten ist: Nerven- und Gelenkerkrankungen wie CES, Bandscheibenprobleme, Arthrose, Spondylose, HD oder diverse andere Fehlbildungen können (aus einer Erfahrung) auch schon im Alter von wenigen Monaten auftreten und genau solche zyklischen Stress-Symptome verursachen.
Ansonsten ja, Schilddrüse, generell Hormonhaushalt, Ernährung etc...
Davon ab lese ich da ganz arg viel Training über Frust heraus. Mit dem Hund im Auto herumfahren, immer wieder halten und wieder weiterfahren. Zig mal das Verlassen der Tür üben, rein, raus, anziehen, ausziehen. Leinenführigkeit über Blocken und Umdrehen. Wenn's nicht läuft, ganz heim gehen.
Wenn eure Maus stress- und frustmäßig eh schon total drüber ist, kann das extrem kontraproduktiv sein. Stress und Frust lässt sich nicht mit noch mehr Stress und Frust bekämpfen!
Gerade wenn du selbst sagst, dass bislang alle Trainer mit intensiven Übungen zur Impulskontrolle und Frustrationstoleranz gearbeitet haben (ich weiß es natürlich nicht sicher, aber habe da ein bestimmtes Spektrum an "Übungen" vor Augen...) und dass das immer nur dazu geführt hat, dass sie noch mehr drüber war: Zieht jetzt die Reißleine. Entstresst und entfrustet den Hund, indem ihr mal gar nichts verlangt (außer, dass sie nicht in euch reinbeißt).
Kein Wartenlassen, keine Übungen zur Geduld oder Leinenführigkeit und Impulskontrolle und Frustrationstoleranz, auch kein Ruhe-Ruhe-Ruhe mit allen Mitteln. Wenn sie es nicht umsetzen kann, erzeugen diese gut gemeinten Übungen nur zusätzlichen Stress. Und dann seid ihr in einer einzigen Stress-Spirale gefangen, aus der ihr nicht mehr so leicht raus kommt.
Ich würde die gesamte Erziehung deshalb nochmal auf Null setzen, nur das Allernötigste von ihr verlangen und schauen, dass sie erstmal ganz viele aus ihrer Sicht schöne und entspannende Momente genießen kann.
Du sagst, Freilauf kann sie super. Gibt es die Möglichkeit, so mit ihr rauszufahren, dass ihr euch den Weg an der Leine sparen könnt?
Falls nicht, würde ich tatsächlich erstmal die Zähne zusammenbeißen und sie halt ziehen und zerren lassen, bis ihr im Freilaufgebiet seid. Gibt ja entsprechende Management-Maßnahmen, um auch einem schweren, ziehenden Hund Herr zu werden.
Ansonsten je nachdem was sie mag: Kuscheln, Tricks, Dummytraining im Garten, gemeinsames Spielen und Zergeln, ein Schnüffelteplich, was zu Kauen, eine leichte Schleppfährte irgendwo in der Pampa? Irgendeine Freizeitbeschäftigung halt, die sie gern macht und die sie vor allem so gut kann (oder die so leicht gestaltet wird), dass da kein Frust, sondern vor allem Freude entsteht. Manchen Hunden hilft auch gleichmäßige Bewegung, also z.B. gemeinsames Joggen, aber in eurem Fall würde ich sowas wenn überhaupt erst dann probieren, wenn der Bewegungsapparat gründlich durchgecheckt wurde.
"Richtige" Arbeit ist langfristig zweifellos sinnvoll, allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, wie unfassbar schwierig das mit so einem Drüber-Hund ist. Komplexere Aufgaben, die einen wirklich sauberen Aufbau benötigen, sind quasi nicht beizubringen, wenn der Hund so dermaßen durch ist. Man kriegt einfach keinen Fuß in die Tür und dann gibt's nur noch mehr Frust von allen Seiten. Ich bin deshalb erstmal (!) für leichte Hobbys, wenngleich ich in jedem Fall eine "richtige" Arbeit anstreben würde, sobald der Hund halbwegs zugänglich ist.
Also kurz gesagt: Ich würde neben dem medizinischen Rundum-Checkup erstmal schauen, ob ihr eurer Hündin durch eine entsprechende Alltagsgestaltung, sehr viel geringere Anforderungen und schöne Glücksmomente den ganzen Frust, der sich da aufgestaut zu haben scheint, ein bisschen nehmen könnt. Erst dann macht es meiner Meinung nach Sinn, in ganz kleinen Babysteps sowas wie Leinenführigkeit, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz nochmal neu aufzubauen.