Naja, ihr habt da einen noch sehr arbeitsnahen Hütehund-Mix aus nicht unbedingt den besten Umständen gekauft. Dass der kein bombenfestes Nervenkostüm mitbringt, ist ehrlich gesagt nicht überraschend.
Zum Schafpudel kann ich nicht so viel sagen, aber ich kenne ein paar wenige andere AHHs und vor allem Kroaten. Alle hatten gemein, dass sie a) wahnsinnig schnell drüber waren und b) dann ganz arg schnell schnappig wurden. Und dass sie, sobald sie drüber waren, auf jegliche Art der Hemmung mit noch mehr Drübersein reagiert haben.
Das sind einfach per se wahnsinnig reizoffene, temperamentvolle Hunde, die innerhalb von Sekunden extrem hochdrehen können. Familienleben, Zivilisation, Hundespielstunde und sowas kann denen ganz arg schnell zu viel werden. Da sind sie einfach nicht für gemacht.
Bei euch kommt dann nochmal erschwerend hinzu, dass der Hund auf dem Bauernhof vermutlich wenig von dem kennengelernt hat, was er jetzt alles erleben muss. Und dass die Elterntiere vermutlich auch nicht so auf Familientauglichkeit gezogen wurden.
Für mich klingt das gerade in Kombination mit der Einschätzung der Trainerin also gar nicht unbedingt danach, dass die Vorbesitzer da was vergeigt hätten (von wegen Hände ins Maul und so). Für mich schreit das geradezu, dass der Hund einfach total überfordert ist. Und dann dreht er in der besten Kerniger-Hüter-Manier eben hoch, das Hirn verabschiedet sich und er greift auf das zurück, was in seinen Genen steckt: Schnappen und Kneifen. Und schon habt ihr eine überdrehte, elendig anstrengende, scheinbar unbelehrbare Schnappschildkröte.
Ich würde deshalb erstmal hinterfragen, was genau ihn so überdrehen lässt und ob oder wie ihr das verändern könnt.
Ist es zu viel Gassi? Sind es zu viele Reize? Hat er zu viele spannende Erlebnisse? Verlangt ihr zu viel Gehorsam? Ist zu viel Action daheim? Kommt er zu wenig zur Ruhe? Speziell bei diesem Hundetyp auch: Mit welcher Energie kommuniziert ihr mit ihm? Habt ihr einen fixen Tagesablauf mit festen Routine ? Weiß er, wann er Ruhe hat und wann es was zu tun gibt?
Das sind alles Stellschrauben, an denen ihr drehen könnt, damit der Hund gar nicht erst so krass drüber ist. Und vergesst, wenn ihr da drüber nachdenkt, nicht, dass ihr da einen Hund habt, der vermutlich sehr viel weniger verträgt als der normale Durchschnitts-Welpe.
Der Umgang mit dem Überdrehen und dem Schnappen ist dann wieder ein anderes Thema...
Von Ignorieren, Raum verlassen oder sowas bin ich meist eh kein großer Fan.
Zumindest den Kroaten kriegst du meiner Erfahrung nach aber auch nicht runtergeregelt, wenn du mit noch mehr Energie reingehst und es z.B. vehement versuchst zu verbieten. Das ist eher kontraproduktiv und dreht den Hund noch mehr auf. Und ab einem gewissen Alter können so Aktionen wie den Hund zu "unterwerfen" bei solchen Kandidaten auch mal richtig nach hinten los gehen, also lass da bitte die Finger von.
Was in solchen Momenten oft hilft, ist, den Hund mit wahnsinnig viel Einfühlungsvermögen, sanfter Konsequenz und Wohlwollen zu begleiten und ihn so langsam wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Dafür braucht es aber ein sehr gutes Gespür für sich selbst und für die Bedürfnisse des Hundes.
Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, dem Hund mit wirklich festen, aber langsamen Bewegungen entweder eine Körperstelle zu massieren oder über den ganzen Körper zu streichen oder auf den Brustkorb zu drücken. Das ist je nach Hund natürlich total individuell, aber meine ganz persönliche, unwissenschaftliche Beobachtung ist, dass solche Kandidaten den Druck auf den Körper brauchen, um sich genau darauf überhaupt fokussieren zu können. Streichele ich zu schnell oder zu sanft, pusht das nur noch mehr auf.
Was man grundsätzlich auch machen kann, ist, dem Hund drinnen einen abgetrennten Bereich einzurichten. Manchen Hunden hilft diese räumliche Trennung, um runter zu kommen.
Wenn euer Hund nach dem Kroaten kommt, wäre ich aber tendenziell vorsichtig damit, den Hund dort drin mit seinem Frust und seiner Überforderung allein zu lassen. Viele von denen können sich ab einer gewissen Erregungslage (und die ist wie gesagt schnell erreicht) anfangs gar nicht mehr selbst runterregulieren. Und dann neigen sie ein wenig zu Verhaltensweisen, die man so keinesfalls haben möchte (sich ewig lang in Rage zu Kläffen, im Kreis rumzutigern, den eigenen Schwanz zu jagen, an sich selbst rumzuknabbern usw.).
Wenn ihr so einen Safe Space nutzen wollt, würde ich das also eher prophylaktisch empfehlen.
Also kurz und knapp: Ihr habt da einen Rassemix, der vermutlich echt viel Feingefühl seiner Halter braucht, für den grundsätzlich alles etwas schneller "zu viel" ist als bei den meisten anderen Hunden und auf dessen Bedürfnisse demnach im Alltag deutlich mehr geschaut werden muss. Und zwar nicht nur jetzt, sondern bis zu einem gewissen Grad ein Hundeleben lang.
Wenn ihr das mit diesem Hund durchziehen wollt, dann sucht euch so bald wie möglich einen Trainer, der sich wirklich gut mit genau so einem Hundetyp auskennt und der euch vor allem langfristig begleiten kann.