Emi Yagi – When the museum is closed
"Rika Horauchis neuer Nebenjob besteht darin, jeden Montag, wenn das Museum geschlossen ist, mit einer Venus-Statue zu sprechen – auf Latein. Zunächst zögerlich, beginnt Rika, Freude an ihrem seltsamen neuen Job zu finden. Von ihrem ehemaligen Universitätsprofessor aufgrund ihrer vorbildlichen Sprachkenntnisse empfohlen, führt Rika ansonsten ein unscheinbares Leben und arbeitet den Rest der Woche in einem Tiefkühlhaus. Während Venus in der Stille des Museums zum Leben erwacht, unterhalten sie sich über alles Mögliche. Venus eröffnet Rika neue Welten, sowohl intellektuell als auch emotional. Bald verlieben sie sich ineinander. Doch als der Kurator des Museums, Hashibami, deutlich macht, dass er Venus für sich behalten will, was wird Rika reagieren?"
Der zweite Novelle (knapp 150 Seiten) nach "Diary of a void / Frau Shibatas geniale Idee" und, wie ich finde, um einiges besser. Die Handlung ist minimalistisch, recht dünn und statisch, die Struktur episodisch. Szenen sind nur lose miteinander verbunden und wandeln sich in der Stimmung und im Thema abrupt. Magischer Realismus wird als etwas Alltägliches behandelt, Rika akzeptiert einfach, dass Venus spricht. Der Leser ist die ganze Zeit bei Rika, ihre Ansichten und Beobachtungen sind zentraler Punkt in der Geschichte, es gibt einen sehr ungleichmäßigen emotionalen Spannungsbogen. Rika's Gefühlswelt bewegt sich von ruhig zu surreal zu intim zu mehrdeutig. Ich hatte eine gute Zeit beim lesen! Die Charaktere sind allesamt interessant, auch wenn man nicht viel über sie liest.
Erforschte Themen: Einsamkeit und alternative Formen der Verbundenheit / der weibliche Körper, Objektivierung und der männliche Blick / Freiheit vs. Einschränkung / queeres Begehren und Selbstfindung / Sprache und Kommunikation / feministische Kritik an sozialen Rollen / Wahrnehmung, Vorstellungskraft und Erzählung