Beiträge von Lucy_Lou

    Lucy hatte nie eine Flegelphase. Bei Grisu fand ich am anstrengensten, als er um die 12 Monate alt war. Er hat ausgetestet, wie selbständig er denn nun agieren darf und seinen Wachtrieb endgültig entdeckt. Außerdem hat er angefangen, Ressourcen gegen andere Hunde zu verteidigen und sich mit anderen Rüden zu messen... Nichts gegen eine gewisse Eigenständigkeit, aber er musste doch lernen, dass die Entscheidungen doch letztlich bei mir liegen, wie auf was reagiert wird. Fand ich selbst auch nicht immer einfach: ich bin mehr der Typ "Wattebauschwerfer" und bei Lucy war außer Konsequenz, Sicherheit vermitteln und positiver Motivation eigentlich nie was nötig... Bei Grisu brauchte es da teilweise etwas deutlichere Ansagen. Wobei er das auch gut angenommen hat und nach 1-3 Monaten (je nach "Problem") waren wir dann soweit durch

    Lucy hat Jagdtrieb, aber vermutlich kein Vergleich zu manch Jagdhund. Ich kann das schlecht beurteilen. Ich hatte bislang erst drei Hunde, von denen reagiert sie mit Abstand am meisten auf Wild. Wenn ich hier jetzt beschreibe, viele werden sich wohl denken: aber mein wirklicher Jagdhund, da ginge das so nicht.
    Trotzdem, da gefragt wurde: Mein Vorteile sind, dass 1. Lucy fast nur auf Sicht hetzt, mit den Augen bin ich ähnlich gut wie Lucy, würde sie Fährten verfolgen hätte ich es sicher schwerer gehabt. 2. wir begegnen hier täglich (!) Rehen, Kleintieren auf Sicht dagegen seltener. Und Lucys Jagdtrieb ist bei Kleintieren heftiger, so dass wir an der weniger schlimmen Reh-Variante gut üben konnten. 3. Lucy ist ein sehr sensibler und leichtführiger Hund.
    Zum Training: Zum einen haben wir sehr viel am Grundgehorsam gearbeitet. Vor allem daran, dass ich sie immer abrufen und immer ins Platz legen kann. Auch bei starker Ablenkung, auf große Entfernung, bei viel Ablenkung. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, sondern erst nach viel Training, mit langsamer Steigerung der Anforderungen. Dann habe ich sehr darauf geachtet, dass sie zum einen den Weg nicht verlässt und zum anderen einen bestimmten Radius um mich herum einhält. Das hat bei Lucy problemlos auch ohne Schleppleine funktioniert. Wenn sie den Weg verließ, ein strenges „raus da!!“, wenn sie zu weit entfernt war (ich schätze maximal 10 Meter) ein „Warte“. Sehr schnell hat sie da selbst drauf geachtet. Dann beschäftige ich mich sehr viel auf Spaziergängen mit den Hunden. Suchspiele, Futterdummy, Denk- und Geschicklichkeitsaufgaben u.s.w.. Die Hauptaufmerksamkeit gerade von Lucy (Grisu nicht unbedingt) liegt meist bei mir. Ist auch nicht jedermanns Sache ;).
    Was uns, wie ich finde, am meisten weiter gebracht hat, ist Impulskontroll-Training. Viel mit der Reizangel, aber auch vom geworfenen Ball abrufen und ähnliches. Und ich versuche mit dem Futter-Dummy Jagdsituationen zu simulieren. Ich versuche zu vermitteln, dass Jagd immer dann anfängt und endet, wenn ich das will und ich auch diejenige bin, die weiter weiß, wenn der Hund es nicht mehr tut.
    Es immer noch so, dass Lucy, wenn sie ein Eichhörnchen oder Kaninchen sieht, einen Moment erstarrt, zitternd, Pfote hoch, wie ein Pfeil fertig zum Abschuss sieht sie aus. Aber es klappt. Nach ein paar Sekunden innehalten ist sie wieder ansprechbar. Sie setzt nicht mehr zum Hetzen an. Bei Rehen ist die Reaktion besser. Da klappt die Verknüpfung: Reh = jetzt gibt es Futter von Frauchen. Den Teil meines persönlichen Antijagdtrainings gab (gibt) es auch. Ein donnerndes Nein, wenn sie ansetzt, Futter (eine Zeit lang hatte ich kleine Alu-Schalen Katzenfutter dabei), wenn sie ohne Aufforderung bei Anblick von Wild zu mir kommt. Ich habe ihr auch jedes Wild gezeigt, wenn ich es vor ihr gesehen habe. Anstatt zu hoffen, sie sieht es nicht, habe ich es als gute, kontrollierte Übungssituation gesehen.
    Wir hatten vor ein paar Monaten die Situation, dass neue Kaninchen von uns im Unterholz/Wald verschwunden sind. Ich habe es hier im Forum gepostet. Als ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste, habe ich Lucy suchen geschickt. Sie hat sehr ausdauernd gesucht, beide gefunden, und sich im entscheidenden Moment ins Platz legen lassen

    Bei Lucy war das über ein Jahr Arbeit, an den Punkt zu kommen. Bei ihr hatte ich auch nicht das Gefühl, eine Schleppleine würde helfen. Aber jeder Hund ist anders. Und bei einem Hund, der Fährten folgt oder weniger Menschen-orientiert handelt oder ein noch ambitionierter Jäger ist, hat man es mit Sicherheit viel schwerer

    Ständig Treppen laufen ist vermutlich nicht gut. Mal Treppen laufen, vor allem aufwärts und langsam, ich glaube nicht, dass das wirklich schadet. Ich habe Grisu damals schon alleine deshalb ab und zu Treppen laufen lassen, da Lucy sich mit bestimmten Treppen sehr schwer getan hat/Angst davor hatte, da sie es nicht kennen lernen durfte als junger Hund. Bei Grisu fand ich deshalb wichtig, dass er auch das als Welpe/Junghund positiv kennen lernt.

    Zitat


    Wenn der Hund also angerannt kommt im kompletten freilauf schadet das dem SL Training mMn nicht. Rufe ich aber 2 mal ehe der Hund kommt, dann wirft mich das im Training einfach zu sehr zurück.

    Also ohne SL kann er laufen, aber dann solltest Du auch nur dann rufen (oder Kommandos einfordern) wenn Du sicher bist, dass er hört. Bist Du Dir nicht sicher, dann gib ihm lieber kein Kommando ;)

    Das jagen ist aber so toll für den Hund, dass es trotzdem schadet. Egal ob da noch ein ignoriertes Kommando zu kommt oder nicht...

    Da ich meine jagdlich recht ambitionierte Lucy nie an der Schleppe hatte, kann ich da aber eigentlich schwer was zu sagen. Grisu war eine Zeit lang an der Schleppleine, da er beim Anblick fremder Hunde nicht zuverlässig gehört hat. In übersichtlichen Gebieten lief er aber trotzdem ohne ;) . Da hatte ich nicht den Eindruck es schadet. Andererseits war es bei Grisu ja eigentlich "nur" mangelnder Gehorsam. Wenn ich Lucy beim Anblick eines Kaninchens sehe, das ist schon was ganz anderes...

    Zu den drei Zitaten im Zusammenhang:

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    Ich möchte deshalb den Kontakt an der Leine, weil ich Jenny nicht freilaufen lassen kann, weil wir noch an ihrem Jagdtrieb arbeiten müssen. (Leider hört sie noch nicht auf mich, wenn sie Katzen, Hasen etc. sieht, auch nicht an der Leine)


    Zum Antijagdtraining (wie macht ihr das bisher?) gehört auch Bindungsarbeit, Auslastung, Grundgehorsam, Impulskontrolle. Alles Dinge, die dir auch bei den Begegnungen mit anderen Hunden helfen könnten. Das Buch von Pia Gröning soll da sehr hilfreich sein.


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    Was die Bindung betrifft: wir machen UO, ich bringe ihr Tricks bei, spielen verstecken (allerdings nur im Garten), wir kuscheln, wir tollen umher - kann ich vielleicht noch etwas tun? Wobei ich aber nicht das Gefühl habe, dass unsere Bindung schlecht ist.


    Was davon machst du denn bei Spaziergängen?


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    Ich hab jetzt nur noch eine Frage: wie schaff ich es, dass ich wichtiger bin als der entgegenkommende Hund? Mit Leckerli geht nix, da verweigert sie, obwohl Jenny sonst sehr verfressen ist.


    Woran hat Jenny denn Spaß? Mag sie Zerrspiele, apportieren, Nasenspiele, Tricks/Obedience? Es gibt da sehr viele Möglichkeiten, den Hund auch an der Leine entsprechend zu beschäftigen und so auch interessanter zu werden. Aber um da Tipps zu geben, müsste man wissen, was sie toll findet.

    Theoretisch kann ein Hund sicher lernen, die Katzenklappe zu nutzen. Ich persönlich würde meinen Hund allerdings nicht alleine im Garten lassen, wenn niemand Zuhause ist. Ein bricht schnell mal aus, wenn ihm langweilig wird oder vielleicht versuchen Kinder ihn durch den Zaun zu streicheln oder zu füttern oder er wird gar geärgert. Gerade bei einem kleinen Hund dürfte die Hemmschwelle zu irgendeiner Interaktion mit dem Hund eher niedrig sein.
    6 Stunden alleine bleiben, einhalten sollte ein erwachsener Hund aber schaffen, auch ohne Gartenzugang

    cazcarras Worte sollten mich eigentlich warnen :roll: , aber ich frag trotzdem Massa: was wäre denn dein Vorgehen? Von der Theorie her kann ich es mir bei einem nicht allzu sehr jagdlich ambitionierten Hund vorstellen. Über Reizangel, Dummy, Bälle können durchaus Jagd-ähnliche Situationen geschaffen werden und wenn man es richtig aufzieht, behält man die ganze Zeit die Kontrolle und leitet den Hund an. Bestenfalls schafft man es sogar, dass der Hund merkt, es macht Sinn, sich am Besitzer zu orientieren, das verspricht mehr Jagderfolg. Bei meiner Hündin hatte ich den Eindruck, das hat uns als Teil des Antijagdtrainings sehr weiter geholfen. Aber zum einen hat sie keinen extrem starken Jagdtrieb und zum anderen ist sie auch allgemein kein besonders eigenständig arbeitender Hund.

    Mein Aussie hatte so mit 4 Monaten auch eine Phase, wo er auf alles mögliche mal ängstlich reagiert hat. Mir wurde damals gesagt, bei Hütehunden sei das nicht selten, dass die eh typische Angstphase in dem Alter was ausgeprägter ist, als bei anderen Hunden. Die Reizschwelle ist niedrig und Hütehunde beobachten und bewerten ihre Umgebung sehr genau. Es ist eine Art "Strategie-ausprobieren". Der Hund testet verschiedene Möglichkeiten, auf die Umwelt zu reagieren, natürlich nicht bewusst. Mir wurde damals gesagt, möglichst nicht drauf eingehen, sondern ihm vermitteln, da ist nichts, was bedrohlich ist. Klar, der Hund darf zwischen die Beine kommen, aber nicht gut zureden und nicht streicheln. Auch auf keinen Fall solchen Situationen ausweichen, sondern sie suchen. Dann entweder durch das Verhalten zeigen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt oder schön füttern/spielen, bis der Hund sich beruhigt hat. Z.B. der Hund bellt eine Tierfigur an. Wenn die sich nicht gerade in einem eingezäunten Vorgarten befand, bin ich dann hin, habe mich mit der Figur beschäftigt, bis die Neugierde bei ihm siegte und er nach kam oder ich bin kurz hin, habe ihm dann gesagt "alles ok" und weder die Figur noch Grisu weiter beachtet. Das geht bei so ziemlich jedem Gegenstand ganz gut. Bei Menschen, auf die der Hund unsicher reagiert geht gut: hin gehen, freundlich Hallo sagen, nach der Uhrzeit fragen, dann weiter gehen. Hund nicht beachten, er soll nur zusehen. Bei Geräuschen fand ich hilfreich: Leckerlie über den Boden kullern, so dass Grisu hinterher jagt oder ein Spiel mit ihm anfangen. So lange, bis er die Geräusche unwichtig findet. Fremde Hunde finde ich am schwierigsten, die Verhalten sich ja nicht unbedingt so, wie man es gerne hätte...

    Bei Grisu waren die Unsicherheiten allerdings nicht so stark, dafür vielfältig. Er hat immer nur so 1-3 mal auf eine bestimmte Sache reagiert, dann war die wieder in Ordnung, dafür kam das nächste dran... Nach ein paar Wochen war der Spuk dann vorbei :^^:

    Worauf reagiert sie denn ansonsten ängstlich?

    Vertrauen darauf, dass du ihr nichts tust, so dass du alles mit ihr machen kannst und vertrauen darauf, dass du jede bedrohliche Situation im Griff hast, so dass sie sich bei dir sicher fühlt und deinem Urteil vertraut, sind zwei völlig verschiedene Dinge.

    Noch kurz etwas hierzu:

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    Allerdings, wenn der entgegenkommende Hund auf ca. 1/2 - 1 m bei uns ist, springt sie stürmisch auf, was ich aber nicht möchte. ... Viele [Hunde] verstecken sich meist hinter Herrchen oder Frauchen.

    Mir ist ausserdem auch aufgefallen, dass Jenny meist erst die Nackenhaare aufstellt

    Was würd mir das Ausweichen denn bringen, dann hätte sie doch gar keinen Kontakt mehr?

    Die Frage ist, was bewirkt dein momentanes Vorgehen? Nackenhaare aufstellen kann auch ein Zeichen von allgemeiner Erregung sein, nicht zwangsläufig negativ. Wenn du aber Pech hast, schlägt es irgendwann in Leinenaggression um, weil sich zu viel Frust in ihr aufgestaut hat, durch viel wollen/viel Anspannung und wenig Positives. Die Frage ist somit auch, was hat Jenny von dem Kontakt, wenn der andere Hund sich versteckt oder gar giftig wird? Du denkst vermutlich, das ist ja nicht bei jedem Hund so und es gibt auch nette Kontakte. Und genau da bist du gefragt. Bestenfalls schaffst du es, dass dein Hund sich auf dich konzentriert und wenn du dir sicher bist, dass der Kontakt in Ordnung geht (der andere Hund sich also auch freut) gibst du sie frei. Ziel ist, dass dein Hund sich bei Hundebegenungen an dir orientiert und lernt, dass er ohne deine Freigabe sowieso keinen Kontakt haben wird. So bringst du auch allgemein viel mehr Ruhe rein. Dein Hund denkt nicht mehr bei jedem Hund "da muss ich hin!!!", sondern "mal sehen, was Frauchen dazu sagt. Bei allen Hunden, die wirklich freundlich interessiert an deinem Hund sind, kannst du sie ja nach wie vor hin lassen.