Du hast ihn erst seit ein paar Tagen, da ist es schwer zu sagen, ob es an allgemeiner Unsicherheit liegt oder sich gibt, wenn er erstmal Vertrauen zu dir aufgebaut hat.
Wie ist denn die Vorgeschichte des Hundes? Das wäre wohl das wichtigste, um Tips geben zu können.
Mein Grisu hat zu Anfang auch vieles angebellt. Er hat Wachtrieb, wohl auch Schutztrieb und zu Anfang sicher auch die Unsicherheit der neuen Umgebung und neuer Bezugspersonen.
Hm, wie hat es sich bei uns geändert? Sicher auch die Zeit: dein Hund lernt, dir zu Vertrauen, orientiert sich immer mehr an dir und deinen Reaktionen auf etwas Fremdes. Dein Hund braucht schon ein paar Wochen, um wirklich bei dir anzukommen.
Was ich probiert habe (ich weiß ehrlich nicht, was da letztlich den Ausschlag gegeben hat):
- bellt der Hund nachts: aufstehen, einen Blick in den Flur werfen (auch wenn man sich sicher ist, da ist nix), Hund sagen: alles ok, und wieder ins Bett gehen. Ansonsten Hund völlig ignorieren, nicht schimpfen oder sonstiges. Hat bei Grisu erstaunlich schnell gewirkt
- anbellen von Passanten/Hunden: reagieren bevor (!!!) er bellt. Du siehst Passantan (was auch immer), lenke den Hund sofort ab, nicht erst, wenn er anfängt zu ziehen oder zu bellen. Gehe in die entgegengesetzte Richtung, nimm Lieblingsspielzeug oder Leckerlie und beschäftige den Hund, bis das "Anbellungswürdige" vorüber ist. wenn dein Hund schon relativ entspannt ist (nach ein paar Wochen oder Monaten, in denen du es so trainiert hast), gib ein Kommando: Sitz, Fuß, was auch immer. Kommuniziere mit dem Hund, lob ihn in den Himmel, wenn er richtig reagiert, also auf dich achtet. Gehe da spazieren, wo du auch Passanten/Hunden/Joggern etc. begegnest, nur so kannst du üben. Lass deinen Hund nie aus den Augen, beim kleinsten Anzeichen von Anspannung: ansprechen, ablenken, Richtungswechsel.
- auf dem Grundstück: die Ruhe selbst bleiben. Begrüß den Besuch freundlich, beachte den Hund nicht. Lass ihn bellen, dein Besuch soll den Hund nicht anschauen und erst recht nicht anfassen. Sag freudig zum Hund: Schau wer da kommt, dann den Besuch begrüßen, Hund nicht weiter beachten.
- bring dem Hund hinter dir laufen bei. Das dauert, fang in ablenkungsarmer Umgebung an, nicht über Strafe/Verbote aufbauen, sondern freudig. Hat der Hund es verstanden (und das dauert seine Zeit), Kommando durchsetzen, immer noch ohne jede Ablenkung üben! Erst wenn es wirklich sitzt, unter leichter Ablenkung ausprobieren. Z.B. dein Hund ist entspannt, du gehst auf Passanten zu, fragst nach der Uhrzeit, Hund bleibt hinter dir. Loben, weiter gehen. Du kümmerst dich, dein Hund lernt, es gibt keine Gefahr, die du nicht im Griff hättest.
- Du begrüßt Besuch. Such jemanden, der mit dir übt: es klingelt an der Haustür, dein Hund sitzt ab, im besten Fall hinter einer Flurbiegung oder ähnliches, so dass er die Tür nicht sieht. Du öffnest die Tür, sagst Hallo, irgendwann darf auch der Hund schauen kommen, falls er möchte. Rennt dein Hund vorher bellend zur Tür, Tür wieder zu machen, nochmal probieren: deshalb jemanden suchen, der mit dir übt.
Am allerwichtigsten ist: viel üben und den Hund immer ablenken, bevor er falsch reagiert (nicht erst wenn du denkst, jetzt nervt es langsam). Es verlangt 100% Aufmerksamkeit von dir und dass du deinen Hund lesen lernst. Jedes Anbellen festigt sein Verhalten, durch rumzerren/schimpfen deines Hundes machst du es eher schlimmer.
zu deinem zweiten Problem: es klingt allgemein so, als hätte dein Hund nicht die Chance gehabt zu lernen, welches Verhalten gewünscht ist (s.o.). In dem Alter ist Anspringen, Zwicken, Lecken normales Hundeverhalten. Da braucht es vor allem Geduld.
Ganz allgemein: mach Aufmerksamkeitstrainig: Suchspiele, Dummy, Fährte, Wald-Agility, longieren, aber auch Aufbauen eines Abbruchsignals... Dein Hund muss Spaß daran finden, mit dir zusammen zu arbeiten und auf dich zu achten.