Beiträge von Cattledogfan

    Dass Mensch & Hund zueinander passen müssen - ich möchte z. B. nie & nimmer einen Windhund und wäre sicherlich mit einem Herdenschutzhund gnadenlos überfordert -, ist sicherlich ein Faktor, aber ich würde auch die allgemeinen Lebensumstände dazurechnen, wenn es darum geht, ob man den eigenen Hund als unkompliziert empfindet oder nicht.


    Meiner Meinung nach passt nämlich nicht in jedes Leben, wo wenig räumlicher und zeitlicher Puffer für einen Plan B ist, ein Hund... bzw. nicht unbedingt der Hund, der den Interessenten vorschwebt... und dann zieht ein Problem das nächste nach sich, wenn Verhaltensweisen des Hundes, die durchaus im Normbereich sind, einfach nicht in das Zeitfenster passen oder sich nicht mit der Erwartungshaltung des Menschen decken.


    Ich denke, "kompliziert" wird ein Hund dann, wenn der Aufwand, den man mit ihm betreibt bzw. betreiben muss, überwiegend kopfgesteuert ist und sich aus der Beschäftigung mit dem Tier kein Gefühl der Freude entwickelt.


    Caterina

    Meiner bescheidenen Ansicht nach sind bei reiner Wohnungshaltung 4 Stunden draußen ein gutes Mittelmaß, wenn man einen umweltsicheren, ausgeglichenen Hund haben will, der möglichst viele Umweltreize kennt und mit vielen unterschiedlichen Situationen umgehen kann, und wenn Du die Zeit hast, so lange mit dem Hund draußen zu sein, ist das doch toll!


    Ich persönlich hatte zwar noch nie große, sondern nur kleine und mittelgroße Hunde, aber ich habe keinen Unterschied von der Zeit her gemacht.


    Caterina

    Also ich würde einem Hund, der auch zufasst und evtl. tötet, in wildreichen Gebieten unbedingt einen Maulkorb zum Schutz der Jungtiere aufziehen, weil die oft halt nicht wegrennen, und zwar einen maßangefertigten aus Draht. Ich hatte mal eine Katzenkillerin (= der Abgabegrund, der mir verschwiegen worden war), die griff so schnell zu bei einer jungen Katze im hohen Gras (angeleint, wohlgemerkt!), dass meine nächste Amtshandlung die Anschaffung eines Maulkorbes war.


    Selbst an einer 2m-Leine kann sich ein guter Jäger noch einen jungen Hasen oder ein ganz kleines Kitz greifen, und wenn die erst mal - im wahrsten Sinne des Wortes - Blut geleckt haben, kannst Du meist einpacken mit Antijagdtraining & Co., die wollen dann echte Beute.


    Caterina

    Der Hund ist gerade mal 5 Wochen bei Euch, der ist doch noch gar nicht angekommen, und Ihr könnt ihn doch noch gar nicht richtig einschätzen.


    Ich würde solche Experimente tunlichst sein lassen und erst mal eine vernünftige Beziehung zu dem Hund aufbauen. Du schreibst, wenn er "abgelenkt" ist, kommt er nicht... DAS finde ich viel wichtiger, als am KOntakt mit anderen Hunden rumzuexperimentieren. Lasst einfach erst mal keinen Kontakt zu und lernt Euren neuen Hund lesen, damit Ihr abschätzen könnt, in welchen Situationen er wie auf andere Hunde reagiert.


    Caterina

    Ich persönlich finde zwar den Grundgedanken, ein so hochsoziales Wesen wie einen Hund in der für ihn aktiven Zeit nicht alleine zu lassen, zwar gut, aber dennoch halte ich diese Vorüberlegungen für eine Gleichung mit deutlich zu vielen Unbekannten, vor allem, weil Du offensichtlich noch nie einen eigenen Hund hattest und Dir wohl noch keine Vorstellung davon machen kannst, wie wichtig eine gute Beziehung zwischen Hund und Mensch ist, damit auch die Erziehung funktioniert und beide Parteien Freude mit- und aneinander haben.


    Und Beziehungen brauchen Zeit zum Wachsen, Redundanzen, in denen man Dinge ausprobiert, auch Fehler macht, in Ruhe was Neues probiert. Man kann einen Hund nicht immer durch Hundeschulbesuche quasi wie in einem Computerkurs zu dem Begleiter programmieren, den man gerne hätte, und irgendeine Hundesportart, die man übers Jahr vielleicht 40, 50 Male betreibt, ersetzt nicht den gemeinsamen Alltag, der aus vielen, vielen gemeinsamen Stunden besteht, in denen gar nicht mal was Spektakuläres passieren muss.


    Du schreibst, Deine "gesamte Freizeit" würde dem Hund gehören - wie viel ist es denn pro Tag?


    Man kann sich zwar Vieles anlesen, aber die wirklichen Alltagstücken lernt man erst zu "schätzen", wenn man schon einen Hund hatte: Was tun im Krankheitsfall (Hund, Hundebetreuung)? Lass Deinen Hund mal Zwingerhusten haben, zum Beispiel. Den nimmt dann keine Hundetagesstätte. Welches Geschlecht hast Du Dir vorgestellt? Normalerweise werden läufige Hündinnen auch nicht aufgenommen. Alternative Frühkastration? Wann willst Du Deinen Hund erziehen, wenn er z. B. im Herbst kommt? Rechne Dir aus, ab wann Du bei Deinen Arbeits- und Wegezeiten, zu denen ja dann die Wegezeiten fürs Bringen und Holen des Hundes hinzukommen, im Spätjahr morgens und/oder abends kein Tageslicht mehr hast, wenn Du mit dem Hund raus willst bzw. musst, da passiert einfach nicht mehr viel in Sachen Erziehung zur Alltagstauglichkeit. Du scheinst ja in einer Stadt zu wohnen, wo ich nicht so ohne weiteres die Leine abmachen würde im Dunklen.


    Mir wäre auch die Abhängigkeit von dieser einen Fremdbetreuung, die Du Dir ausgeguckt hast, viel zu hoch. Was ist, wenn sich Dein noch unfertiger Welpe oder Junghund zu einem eher eigenbrötlerischen Knurrhahn oder zu einem pöbelnden Proll entwickelt bzw. sich irgendwelche Inkompatibilitäten innerhalb der betreuten Meute ergeben? Es würde mich wundern, wenn Du Einfluss darauf nehmen könntest, welche Hunde neben Deinem eigenen noch betreut werden.


    Ich kenne die Rasse nicht näher, weiß also nicht, inwiefern sie als meutekompatibel gilt, aber ich persönlich würde NUR nach einem erwachsenen, charakterlich schon fertigen Hund gucken, der grundsätzlich Menschen und Artgenossen gegenüber aufgeschlossen ist, und rassemäßig würde ich mich überhaupt nicht festlegen, aber wohl eher bei Meutehunden wie Husky oder Beagle gucken.


    Warum muss man eigentlich einen Welpen oder jungen Hund in so einen engen Zeitrahmen pressen wollen, wo ich persönlich schon Mühe hätte, während der Woche z. B. einen Arzttermin unterzubringen - denn die Hundepension hat auch irgendwann Feierabend...


    Ich hatte einige Jahre lang einen Huskymixrüden aus dem Tierschutz, der wäre dafür geeignet gewesen, weil er grundsätzlich alle Menschen liebte, sogar den Tierarzt, und je mehr Hunde, desto besser, entweder zum Spielen oder zum Anschweinen (aber er ließ sich auch von jedem X-beliebigen sofort zusammenfalten, und dann war es das mit dem Rumgeprolle). Kollegen von mir, die ebenfalls auf Fremdbetreuung angewiesen sind (allerdings unregelmäßig) haben eine Junghündin aus dem Auslandstierschutz, die auch perfekt in ihr Zeitmodell passt, weil sie völlig unkompliziert ist.


    Wermutstropfen ist dann meist die fehlende Halterbindung, aber alles kann man nicht haben.


    Wenn es denn partout diese eine Rasse sein soll: Schon mal über einen Hund im "Zuchtruhestand" (bei den meisten Rassen mit gerade mal 8 (!) Jahren nachgedacht?


    Meine letzte Hündin, die aus diversen Gründen schon älter sein sollte, war so ein Züchterausschuss, und ich frage mich bis heute, wie man dieses charakterlich so wundervolle Tier abgeben konnte.


    Caterina

    Baustelle...hm.. ich weiß nicht, ob ich es als Baustelle bezeichnen würde, weil es mich eigentlich nicht stört, es ist nur ungewohnt, und ich muss(te) gewaltig umdenken, denn:


    Ich führe aktuell einen Hund, der außer dem Vieh nicht auf Kommandos hört... aber gut zu führen ist er trotzdem.


    Ich kenne den Hund meines Freundes schon, seit er einige Monate alt ist, weil ich die ersten Jahre immer wieder zu Besuch war, bevor ich hierher zog. "Erzogen" im klassischen Sinne wurde er nie, er war halt immer Herrchens Schatten, und wie man Vieh bewegt, hat sie ohnehin im Blut.


    Der Hund guckte sich von meinen damaligen Hunden so einiges ab, wie Gassigehen funktioniert, wie man am Fahrrad läuft, was man machen muss, um mit Leckerchen belohnt zu werden, wann man mich begeiern muss, um Fressen zu bekommen (und dabei schwor Herrchen Stein und Bein, außer ihrem Trockenfutter und Nachgeburt frisst sie nix), etc.


    Alles in allem ein Hund, der richtig Spaß macht, weil er in Nullkommanix alles aufsaugt und rasend schnell verarbeitet. Ich hatte immer das Gefühl, hinter dem hübschen ACD-Streberschädel mit der verwegenen Piratenaugenklappe ratterten sämtliche Rädchen.


    Eineinhalb Jahre war sie mit meiner letzten Hündin täglich 1 - 2 Std. mit zum Spazierengehen, zusätzlich zur Stall- und Koppelarbeit, und ich hätte schwören können, der Hund kennt meine Kommandos genauso gut wie meine eigene Super-Verlass-Aussie-Mausi, weil das Aas sie immer streberschnell und mit Seitenblick auf die unliebsame Nebenbuhlerin ausführte, selbst wenn sie gar nicht gemeint war.


    Doch kaum war die verhasste Nebenkönigin tot, fiel ich aus allen Wolken, als der Hund außer auf Sitz nicht mehr reagierte - im Stall funktioniert(e) das Einmaleins wie Bleib, nein, weiter, alle mit, etc. nach wie vor.


    Nichtsdestotrotz, der Hund hat eine einmalig gute Bindung zu mir, und wir wohnen hier so einsam, dass ich es mittlerweile aufgegeben habe, ihr die Kommandos, die ich gerne hätte, anzutrainieren, weil es schlicht an Übungsmöglichkeiten fehlt. Verkehrssicher ist sie insofern, dass sie allen Fahrzeugen aus dem Weg geht, das hat sie so auf dem Hof gelernt, und falls es nichts zu schnüffeln gibt, bleibt sie ohnehin in einem ganz engen Radius, und nachdem ich ihr einmal den Fahrradkorb hinterher geworfen habe, als sie meinte, trotz Rückruf einem Hasen nachsetzen zu müssen, ist das Hetzen auch so gut wie gegessen.


    Sie reagiert 1a auf meine Stimm(ungs)lage, d. h. wenn ich barsch "lass es" oder "das geht Dich nix an" sage oder einfach einen unartikulierten Brüller loslasse, wenn frühmorgens ein Hase quer über den Hof hoppelt und sie hinterher will, bricht sie ab.


    Selbst im Stall, wo ich manchmal gegen laute Umgebungsgeräusche anbrüllen muss, kann sie unterscheiden, ob mein Geblöke jetzt "lass es" oder "bester Hund der Welt, das war einmalig" heißt.


    Da im Stall ein Generationenwechsel war (winkewinke in den Kuhhimmel an meine verblichenen Freundinnen) und im letzten halben Jahr praktisch der halbe Bestand an Milchkühen frisch dazugekommen ist, ist teilweise richtig viel zu tun, und wenn ich nicht so recht weiß, wie ich den Tross jetzt vorwärts bringe, wenn z. B. Tiere bullig sind und einen ganzen Gang aufmischen, reicht es, wenn ich "Hilfe!" blöke, dann räumt der Hund auf.


    Es ist aber schon eine mordsmäßige Umstellung, einen Hund nicht mehr mit "Platz!" irgendwo festtackern zu können, wenn z. B. spielende Kinder um die Ecke geschossen kommen, ich muss immer die Zeit bis zum Ranrufen einkalkulieren, und wenn es mir zu unübersichtlich ist, bleibt eben die Leine dran.


    Ich muss mich außerdem gut im Griff haben, dass ich mit Stimme und Körperhaltung immer genau das vermittle, was ich haben bzw. dem Hund gegenüber ausdrücken will, ansonsten macht sie ganz schnell ihr eigenes Ding. Zum Mausen darf sie sich z. B. relativ weit entfernen, aber kaum wird ein schneller Zickzacklauf mit Schnauze auf dem Boden daraus, muss ich sofort mein Missfallen kundtun, um sie ranzuholen, ansonsten stellt sie auf Durchzug.


    Für mich eine wirklich interessante Erfahrung.


    Caterina

    Bis auf einen Huskymix würde ich alle Hunde, die ich hatte, mit uneingeschränktem, dreifach donnerndem "JA!" noch einmal nehmen; der Huskymix war einfach so sauteuer wegen seiner lange unentdeckt gebliebenen Autoimmunerkrankung, dass ich mir bzw. meinem Portemonnaie und meinen Nerven (die ganzen Tierarzttermine!) das nicht mehr antun würde.


    Caterina (mit Winkewinke in den Hundehimmel)

    Ja, würde mich auch interessieren, wie Du inzwischen mit dem Gernegroß klar kommst.


    Der unsichtbare Feind hinter dem Zaun ist einfach ein ideales Trainingsobjekt, um sich aufzupumpen und den großen Macker raushängen zu lassen, ohne dass man selber in die Verlegenheit kommen könnte, evtl. beweisen zu müssen, was hinter der eigenen großen Klappe tatsächlich steckt.


    Wie klappt es eigentlich mit dem anderen jungen Rüden? Sei froh, dass Diesel sich nicht mit dem messen will.


    Caterina

    Ich finde es eine tolle Sache für alle Windhundartigen, die für die Sicht- und Hetzjagd gezüchtet wurden, denn ansonsten haben solche Hunde ja streng genommen keine Gelegenheit, ihren Trieb kontrollierbar auszuleben.


    Andere Hunde würde ich an so ein Gerät nicht ranlassen, eben wegen der Befürchtung, sie anzufixen.


    Caterina

    Ich bin bekennender Gurtflexifan - allerdings nehme ich sie nicht in die Hand wie eine normale Leine, sondern hänge sie mir um, sprich, ich ziehe eine normale Leine zweimal durch den Griff und hake sie zusammen, und die erste der beiden Schlaufen lege ich mir um die Taille, die zweite liegt auf der Schulter auf, so dass mir der Griff der Leine irgendwo zwischen Brust und Bauch hängt, je nachdem, wie dick die Klamotten sind. So hat man die Hände frei und kann innerhalb des Leinenradius' z. B. mit dem Hund spielen, und man hat das Problem mit dem Verheddern nicht.


    Hängt man sich von zwei Flexis die Schlaufen gegengleich über die Schulter, kann man auch zwei Hunde führen, an jeder Seite einen. Ich mag daran, dass man so schön nachfassen kann und nicht 1 - 2 m Leine um die Hand gewickelt hat, wenn man den bzw. die Hund(e) kurz nehmen muss.


    Genau aus diesem Grund möchte ich die Gurtflexi zum Fahrradfahren nicht mehr missen, denn ich habe immer genau die Länge einmal um die Hand gewickelt, die ich brauche, um den Hund neben mir zu halten, und bei meiner früheren Huskymix-Jagdsau (absolut nicht ableinbar in Wald und Feld) lief der Gurt vorne über den Lenker.


    Außerdem hat man mit Flexi am Rad ein paar Meter mehr Reaktionszeit und wird nicht bei einem plötzlichen Schnüffelstopp unsanft vom Rad geholt.


    Für den Tierheimhund, der evtl. "mein Neuer" wird, habe ich mir die neue 10m-Gurtflexi bestellt, im Moment habe ich noch 5 m im Einsatz. Die hängt am Geschirr, und zusätzlich führe ich ihn an der Führleine am Halsband. Sind wir im Wald, kommt die kurze Leine ab.


    Umgehängte Flexileinen finde ich auch insofern praktisch, als dass man nicht dieses Riesenteil von Schleppleine irgendwo verstauen muss, wenn man zwischendurch doch noch mal eine Strecke läuft, an denen man die kurze Leine braucht, denn innerorts nehme ich natürlich lieber die kurze Führleine (bzw. gar keine, je nach Hund... ;) )


    Und nicht zuletzt hängt der Hund garantiert an einem fest und kann sich nicht an der durchgeflutschten Schleppleine verselbständigen, was mir gerade bei den jagenden Hunden enorm wichtig war - wobei ich allerdings sagen muss, dass ich ohnehin nie allzu schwere Hunde hatte, irgendwo so +/- 25 kg, da mir ansonsten bei dem Konstrukt die Gefahr zu groß wäre, von den Füßen geholt zu werden (z. b. bei Glatteis oder Matsch).


    Caterina