Beiträge von dagmarjung

    Schon die frontal stehende Körperhaltung mit direktem fixierendem Blickkontakt wirkt auf sensible Hunde bedohlich. In der Hundesprache heißt das: 'Halt! Bleib mir vom Leib!" Deine Hündin ist also nur höflich, wenn sie ihrerseits nicht frontal auf dich zustürmt.
    Versuch doch lieber, dich von deiner Hündin abzuwenden und sie im Weggehen an deine Seite zu rufen, in freundlichem einladenden Tonfall. Wenn sie dann bei dir ankommt, gleich an deiner Seite mit Lob, Leckerchen, Spielzeug bestätigen. Auf das korrekte Vorsitzen kannst du in diesem Alter noch gut verzichten, wichtig ist erst mal, daß sie vertrauensvoll dicht zu dir herankommt.


    Im Grunde sind das Herankommen und das Vorsitzen zwei verschiedene Aufgaben, die man gut getrennt üben kann. Das Vorsitzen brauchst du erst später und nur für den Hundesport, nicht für den Alltag.


    Wenn deine Hündin beim Heranrufen Vertrauen gefaßt hat und immer sicher und flott zu dir kommt (nicht vorher) dann kannst du langsam das Vorsitzen aufbauen, indem du sie aus ganz kurzer Distanz mit Leckerchen in der Hand rückwärts gehend in die Position lockst. Wenn das dann als Einzelübung gut klappt, dann kannst du auch beides verbinden. Im Alltag würde ich aber immer auf den Rückruf ohne Vorsitz zurückgreifen, denn das Herankommen soll für den Hund so angenehm wie möglich sein, und die frontale Körperhaltung wirkt auf den Hund wie gesagt eher bremsend.



    Dagmar & Cara

    Beim Einsetzen der Wirkung ist der Hund meist doppelt nervig, denn eigene Hormonproduktion + künstlicher Wirkstoff addieren sich einige Zeit lang, solange bis die eigene Produktion eingestellt wird. Weniger bekannt ist, daß derselbe Vorgang bei einigen Hunden auch beim Abklingen des Chips stattfindet. Diese Übergangsphase gibt also kein realistisches Bild davon, wie der Hund sich ohne Chip verhält.
    Die Wirkungsdauer des Chips läßt sich gerade bei kleinen Hunden oft nicht so genau vorhersagen. Beim Rüden einer Bekannten hielt die Wirkung auch weit länger an als geplant, ich glaube es war fast ein Jahr.


    Dagmar & Cara

    Für mich klingt deine Beschreibung, als hättest du einen Jagdhund oder Jagdhundmix. Viele Jagdhunde wie Bracken und Meutehunde jagen eher selbstständig mit der Nase. Geht man mit ihnen raus, versinken sie in ihre Geruchswelt und interessieren sich eher nicht für Bälle, Spiele und ähnliches. Mein Pudel geht mit mir spazieren, spielt, achtet auf mich und schnüffelt zwischendurch. Die französische Jagdhündin meiner Freundin dagegen arbeitet den gesamten Weg geruchlich durch und hat für nichts anderes Interesse. Mit mangelnder Bindung hat das aber gar nichts zu tun. Es ist eben ein anderer Typ Hund, für spezielle Aufgaben gezüchtet.

    Der Jäger in Südfrankreich freut sich über seinen weiträumig selbstständig arbeitenden Hund, für uns Hundehalter im engen Deutschland sind 100 Meter Abstand schon ein echter Grund zur Sorge. Da treffen leider zwei Welten aufeinander.
    Sicher kann und muß man also erzieherisch daran arbeiten, aber ich sehe keinen Grund, an der Beziehung zu zweifeln.


    Ich schließe mich Quarus an; deine Hündin hätte sicher Freude an anspruchsvoller Nasenarbeit wie zB Mantrailing, Fährte oder Stöbersuche nach Gegenständen. Wenn du dich mit ihr zusammen auf ihre Geruchswelt einläßt, wird das eure Beziehung mit Sicherheit fördern.


    Dagmar & Cara

    Meine Hündin war auch sehr regelmäßig, dann aber einmal einen guten Monat früher dran. Ich finde es im übrigen sehr sinnvoll und keineswegs Erbsenzählerei, genau Buch zu führen, schon wegen eigener Jahresplanung und eben auch, um Unregelmäßigkeiten zu bemerken.
    Wegen der zeitlichen Verschiebung selbst würde ich mir keine Gedanken machen, aber du schreibst, daß deine Hündin alle für sie typischen Anzeichen zeigt ohne zu bluten. Das ist schon seltsam und da finde ich einen Besuch beim Tierarzt nicht überflüssig, lieber einmal zuviel als einmal zu spät.
    Der Tempotuchtest funktioniert am besten, wenn man die Hündin vorher ein paar Minuten in Bewegung hält, ohne daß sie Gelegenheit hat, sich zu lecken oder zu pinkeln. Dann ist das Ergebnis eindeutig.
    Bei meiner jetzigen Hündin ist das ständige Markieren ein sicheres Zeichen vom ersten Tag an, alle 10 Meter mindestens, bei meiner früheren war es ebenso. :roll: Wie sieht es da bei deiner aus? Denn die Anzeichen, die du beschreibst, von Freßunlust bis Anhänglichkeit, sind ja nicht so ganz eindeutig.



    Dagmar & Cara

    Der Verdacht auf Betrug liegt schon nah, weil ein Interesse bestand, den Hund zu vermitteln. Und das geht mit einem negativen Testergebnis nun mal leichter. Wäre ja nicht so ungewöhnlich, daß ein Hund mit geschönten Angaben über Gesundheit oder Wesen an Neubesitzer vermittelt wird. Hauptsache gerettet, der Neubesitzer wird sich dann schon kümmern.


    Dagmar & Cara

    Ich hatte als Kind ein Buch mit Hundegeschichten, und der Autor berichtete darin von seinem semmelblonden Langhaardackel Ratz vom Chattenbühl, das war sein Jagdhund. Das war vor 100 Jahren. Er hat mit ihm auch gezüchtet.
    Die Farbe gibt es also schon länger.


    Dagmar & Cara

    Toll, daß du einem alten Hund aus dem Tierschutz eine Chance gibst! :smile:


    Zitat

    Weiß sie denn sicher, was "hier" (oder welches Kommando du nutzt) bedeutet? Ansonsten bis zum Erbrechen erstmal verknüpfen: Wenn sie auf dem Weg zu dir ist, Kommado geben und Leckerchen geben.


    Der Trick dabei ist, daß du in der Lernphase das Hörzeichen überhaupt nur dann gibst, wenn du Geld darauf verwetten würdest, daß die Hündin auch kommt. Am sichersten also, wenn sie bereits auf dem Weg zu dir ist. So kann die Hündin das Hörzeichen mit dem, was sie gerade tut und der anschließenden Belohnung verknüpfen.
    Von da bis zur praktischen Anwendung auch bei Ablenkung ist es ein langer Weg in vielen kleinen Schritten.


    mit der Schleppleine zu sich ranziehen ist nicht ratsam, weil die Hündin dann das unangenehme Gefühl des Herangezogenwerdens mit dem Kommando verknüpft, dementsprechend eher ungern darauf reagieren wird, selbst wenn hinterher eine Belohnung folgt.


    Die Schleppleine ist aber selbstverständlich gut geeignet, um die Hündin zu sichern, solange sie noch nicht abrufbar ist. Nur das Ranangeln würde ich lieber lassen.


    Was Sukiko gesagt hat, kann ich auch nur unterstreichen: eine freundlich-unbedrohliche Körpersprache kann sehr helfen. Hinhocken oder sich eher abwenden, weggehen und den Hund an die Seite rufen statt sich frontal und starr aufzubauen.


    Dagmar & Cara

    Ist zwar nur Randthema, aber weil es hier erwähnt wurde: Pudel und Pudelpointer:


    Pudel werden durchaus öfters als jagdliche Apportierhunde geführt dort wo es erlaubt ist, vorrangig in Kanada. Dort gibt es daher nicht nur ausnahmsweise Züchter, die solche Linien züchten.
    Hierzulande muß ein Jagdhund ja einer anerkannten Jagdgebrauchshunderasse angehören, daher darf ein Pudel keine jagdlichen Prüfungen ablegen.
    Anekdote am Rande: Ich sprach mit einem Jägerehepaar, das erzählte, der Zwergpudel der Frau zeige deutlich mehr Talent auf der Schweißfährte als der Jagdterrier des Mannes, dürfe aber leider die Prüfung nicht machen. :smile:


    Einkreuzungen von Pudeln zur Auffrischung des Genpools der Pudelpointer fanden vor einigen Jahren mit Erfolg statt. Ja, es ging eine längere Suche voraus, aber man wurde fündig. Ich sprach mit einem Vertreter des Pudelpointerklubs darüber. Man ist mit den Ergebnissen wesensmäßig sehr zufrieden, Kritik gibt es allerdings am Haarkleid, das beim PP ja harsch sein soll, nicht lang oder wattig. In dieser Beziehung sei man ein Stück zurückgeworfen worden.
    Grundsätzlich erwartet man vom Pudel, daß er Führigkeit und Apportieranlagen in den PP einbringt, der Pointer dagegen Nase, Passion und Vorstehen.


    Dagmar & Cara

    Ich kann deine Gefühle bezüglich Züchterin Nr 5 verstehen, aber auch ihre Reaktion auf dich. Ich empfinde dich nach deinen Beiträgen hier als zielstrebig, du weißt was du willst und ziehst deine Pläne entschlossen durch. Das sind ja durchaus positive Eigenschaften - aber vielleicht erscheint deine Art der Züchterin allzu forsch, und sie wollte deinen Schwung ausbremsen. Was sie dir gesagt hat, ist ja im Grunde eine Selbstverständlichkeit: bis zur Übergabe bleibt der Welpe Eigentum des Züchters. Warum meinte sie, das betonen zu müssen?


    Ein Telefongespräch kann nur ein allererster Eindruck sein. Ein persönliches Kennenlernen wird dadurch nicht ersetzt. Während des Besuches macht man sich dann ein genaueres Bild voneinander und schaut, ob es auf beiden Seiten passt. Auch wenn du noch so kaufwillig bist und noch so bereit, dich sofort in den Welpen zu verlieben - du erwirbst dadurch noch kein Anrecht auf ihn. Die Züchterin möchte selbst und ohne Druck entscheiden, ob sie dir den Welpen anvertrauen will. Versetze dich mal an ihre Stelle und überlege, ob du die Welpen deiner geliebten Hündin jemandem nur deshalb geben würdest, weil er oder sie das dringend möchte.


    Während des Besuches wird sich sicher vieles klären, wenn du unvoreingenommen und ohne negative Gefühle hineingehst. Vielleicht sagt dir die Züchterin den Welpen dann bereits fest zu, wenn sie dich besser kennenlernen konnte. Es wäre aber auch ganz in Ordnung, wenn sie sich für ihre Entscheidung etwas mehr Zeit lassen will, vielleicht eine Nacht drüber schlafen. Ich glaube nicht, daß es ihre Absicht ist, dich bis zum Abgabetag hinzuhalten - wozu auch? Aus Jux und Dollerei? Weil der Traumkandidat noch kommen könnte? - Entweder man hat ein rundum gutes Gefühl bei dem Bewerber, dann gibt man den Welpen dorthin, oder eben nicht, dann behält man ihn.


    Du hast bei dem Besuch dann auch die beste Gelegenheit, mit ihr in Ruhe über alles zu sprechen. Ich vermute, du hast ihre Bemerkung viel zu persönlich genommen, obwohl sie nicht so gemeint war.
    Wenn die Züchterin dich von vorneherein ablehnen würde, würde sie sich und dir den Besuch ersparen. Sie kann ihre Zeit sicherlich auch anders zubringen.


    Im ungünstigsten Fall kann es natürlich sein, daß sie dir den Welpen nicht geben will. Was hast du dann schlimmstenfalls verloren? Dann war es eben ein Tagesausflug ohne praktisches Ergebnis. Niemand stirbt nach so kurzem Kontakt mit einem Welpen an gebrochenem Herzen. Andere Hündinnen haben auch hübsche Kinder...:smile:


    Alles Gute bei der Hundesuche, bleib dran! :smile:


    Dagmar & Cara