Hallo lischen,
Zitat
ist einmal beim Freilauf ausgetickt und fong dann an, schon eine Frau mit der Nase anzustupsen (was ja meist die Vorwarnung vom beißen ist)...........
Als unser Hund diese Frau mit der Nase angestupst hatte, wollte er weder spielen, noch gestreichelt werden. Er knurrte laut, bellte stark und forderte sie durch sein stupsen halt immer wieder auf, zu gehen. 
Ich glaube hier verwechselst du Frustration mit Aggression.
Anstupsen ist bei einem normal tickenden Hund kein Vorzeichen für Beißen aus schlichter Aggression heraus.
Ich denke hier handelt es sich um eine Kette aus reglementierenem Verhalten.
Zunächst stupst der Hund um irgendwas einzufordern oder auf etwas aufmerksam zu machen. Das ist meistens so was wie "Gib mir ein Leckerchen" oder wie vermutlich in deinem Fall "Gib mir Aufmerksamkeit".
Reagiert dann der Angestupste nicht wie gewünscht, dann verfällt der Hund in Bellen und manchmal auch in Knurren. Wenn also der Hund seinen Willen durch anstupsen nicht bekommen, weil der Mensch nicht weiß was der Hund überhaupt möchte, dann muss der Hund seinem Wunsch irgendwie Nachdruck verleihen, was er eben mit bellen und knurren tut. Anders kann er sich ja nicht äußern.
Für mich hört sich das so an, als ob dein Hund entweder aus Schutztrieb- oder aus Hütetrieb heraus so reagiert. Wobei wohl Hütetrieb bei der Rasse wohl unwahrscheinlich ist, dafür aber Territorialverhalten im Vordergrund steht. Dein Hund scheint irgendetwas reglementieren zu wollen, die entsprechende Person zu stellen, von euch fern halten zu wollen, oder Ähnliches.
Es kann natürlich auch vorkommen, dass er in einer solchen Stresssituation im nächsten Schritt die betreffende Person zwickt. Ich schreibe hier bewusst "zwickt", weil es selten ein Beißen in Beschädigungsabsicht ist. Klar ist aber auch, dass das Zwicken bei einem größeren Hund auch mal weg tun kann.
Zitat
Dann lief er bei meinem Freund wieder normal an der Leine, machte bei ihm nichts mehr, doch bei mir wurde es immer schwieriger. Er bellte wieder alles an, wollte dann immer auf die Person zu rennen, was mir bei einer 50 kg schweren American Bulldog Probleme beim halten bereitet. Wir wissen schon mal, dass es für ihn eine Beschützer-Funktion ist. Nur wie hält man ihn davon ab??.....................
jedoch ist mein Problem, dass meine Reaktionszeit nicht mit der meines Hundes übereinstimmt. Wenn er richtig losrennt, liege ich und ich habe schon so viele Wunden gehabt, weil ich ihn einfach nicht mehr halten konnte.
Es scheint tatsächlich so zu sein, dass dein Hund dir nicht zutraut "brenzlige" Situationen händeln zu können. In seinen Augen gibts du keine Sicherheit, weshalb er die entsprechenden Situationen selber regeln will.
Bei deinem Freund scheint das ganz anders zu sein. Irgendwas macht er anders, oder strahlt was anders aus, dass dem Hund gewisse Sicherheit gibt. Der Hund sieht bei deinem Freund vermutlich nicht die Nötigkeit irgendetwas selbst regeln zu müssen.
Es liegt nun an dir, deinem Hund zu zeige, dass nicht er handeln muss, sondern, dass du rechtzeitig handelst.
Und das fängt nicht erst an, wenn dein Hund schon am Ausrasten ist. Dann ist es nämlich viel zu spät, und du hast keinen Einfluss mehr auf die Situation. Du musst lernen deinen Hund genau zu lesen und zu deuten, damit du eingreifen kannst, lange bevor dein Hund ausrastet. Du musst schon die kleinste Anspannung im Hundekörper bemerken, wenn euch jemand entgegenkommt. Meist machen Hunde sich steif, gehen plötzlich einen steifen staksigen Gang, verfallen evtl in eine Anstarren-Position mit gespitzten Ohren, sich groß aufbauen, evtl noch Hals/Kopf vorstrecken beim Anstarren usw. Da gibts so viele kleine Vorzeichen vor dem Ausraste.
Und spätestens hier musst du dann ansetzen und eine Lösung finden. Und diese Lösung ist meistens nicht den Hund direkt zu maßregeln.
Zunächst mal muss dein Hund ja lernen, dass du in der Lage bist euch als Team zu beschützen bzw solche Situationen zu regeln. Welcher Ansatz da bei euch der Beste ist, ist für uns im Forum erstmal nicht genau zu beurteilen. Aber wenn du schon gute Erfolge mit dem Absitzen und Leckerchen-Ablenkung erziehlt hast, dann kannst du da weiter machen. Bringt das Absitzen lassen und Aufmerksamkeit auf dich lenken nicht den gewünschten Erfolg, dann drehe um, und gehe eine andere Richtung, oder laufe mit einem Hund im Fuß einen großen Bogen, grad so weit , dass dein Hund noch einigermaßen ruhig bleiben kann.
Was du noch versuchen könntest:
Wenn dir jemand entgegen kommt, und du merkst wie sich dein Hund anspannt, dann nimm ihn kurz an der Leine. Nimm ihn an die von dem Entgegenkommenden abgewanten Seite, und geh soweit wie möglich weg (andere Straßenseite z. Bspl.) am Anderen vorbei. Achte nur auf deinen Hund aus dem Augenwinkel, aber bleib nicht stehen, sondern geh mit ihm an der kurzen Leine einfach in normalem Tempo weiter. Will dein Hund rumhüpfen, dann nimm ein Bein als Begrenzung zur Hilfe. Meist reicht es, wenn du einfach dein Bein nach hinten oder seitlich ausstellst, damit der Hund nicht um dich rum springt. Das stetzt natürlich voraus, dass du einen festen Stand hast, und der Hund nicht schon in der Leine hängt mit aller Kraft.
Wichtig ist halt, dass dein Hund nicht vor läuft, sondern quasi neben oder leicht hinter dir bleibt. Geht der Hund etwas vorneweg, hat er zu viel Spielraum um sein ganzen Prozedere abzuspielen. Geht er neben bzw leicht hinter dir, bist du zwischen dem "Hassobjekt" und deinem Hund, und stellst sozusagen einen Puffer dar.
Zum Grundsätzlichen Umgange mit eure Gassirunden:
Wenn es soweit kommt, dass der Hund dich von den Füßen holt, dann hast du den Hund schlichweg zu lang an der Leine. Der Hund darf gar keine Gelegenheit bekommen so heftig in die Leine zu gehen, dass er dich durch die Gegend schleift. Schleift er dich auch an der megakurzen Leine durch die Gegend, dann solltest du überlegen, ob du überhaupt kräftig genug bist ihn zu halten. Dann ist er für dich einfach zu stark, und du wirst ihn allein durch Händling nie richtig halten können.
Des Weiteren würde ich an deiner Stelle an vielbelaufenen Wegen, wo dir immer wieder Menschen entgegenkommen, grundsätzlich mit dem Hund im Fuß gehen. Lange Leine quasi nur, wenn wirklich keiner da ist, den den Hund angehen könnte. Dass dein Hund die Frau anstupsen konnte, ist insofern dein Fehler gewesen, dass er überhaupt Gelegenheit hatte so nah an die Person ranzugehen. Dem kannst du entgegenwirken, wenn du deinen Hund immer auf der abgewanten Seite im Fuß behälst. Außerdem kannst du so auch viel besser fremde Hund und Menschen abblocken, die euch unfreiwillig zu nahe kommen.
Freilauf solltest du nur noch gestatten, wenn du dir annährend 100% sicher bist, dass er sich auch abrufen lässt.
Grad weil dein Hund in der Pubertät ist, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass er eben mal Sauerkraut in den Ohren hat, wenn er die Witterung einer läufigen Hündin in die Nase bekommt. Das Risiko, dass er dann abhaut, oder eben nicht abrufbar ist, solltest du sogut wie möglich minimieren.
Meine Ausführungen sind jetzt aber nur reine Vermutungen. Ganz genau kann man so was halt nur vor Ort beurteilen. Das soll dir halt nur Ansatzpunkte geben, um deinen Hund und die entsprechenden Situationen besser analysieren zu können. Was von meinen Ausführungen jetzt auf euch zu trifft, kann nur ein Trainer sagen.
Such dir jemanden, der dich in eure Alltags-Gassigängen begleitet, und der dir einiges zur Körpersprache (deine, wie auch die des Hundes) erklären kann.
Maßnahmen wie das Anti-Bell-Halsband, oder anderes massives Maßregelverhalten deinerseits halte ich hier erstmal für einen ungünstigen Weg. Das stellt nämlich nicht das grundsätzliche Problem ab, sondern bekämpft nur die Symptome.