Dieses Buch lässt mich mit vielerlei Gefühlen zurück, aber grundsätzlich mehr als positiven. Ich mochte die Stimmung durchgehend, sie passte perfekt zur Jahreszeit, ich hätte mir das für den Sommer so nicht vorstellen können. Aber jetzt im Winter, wirklich wunderschön, wohlig und dennoch aufregend und aufwühlend.
Mir ist bewusst, wie ungerecht die Welt der Frauen ist und vor allem auch war. Auch heute ist es noch völlig normal, dass den Frauen und Opfern der Gewalt die Schuld zugesprochen wird und nicht den Tätern. In der damaligen Zeit aber war das natürlich nochmal eindeutig schlimmer und das wird im Buch auch immer wieder sehr eindrücklich beschrieben. Diese Ungerechtigkeit begleitet einen die ganze Zeit über, man hofft so sehr auf Gerechtigkeit - und sorry not sorry, ich schließe mich Fuchshexchen an, mir hat das Ende definitiv eine Genugtuung gegeben.
Ich muss sagen, mir ging es ähnlich wie euch beim Lesen, wenn es um Marthas Mann Ephraim ging. Es war fast zu schön um wahr zu sein und im Nachwort schreibt die Autorin ja auch, dass sie die Ehe wegen ihrer eigenen Ehe so beschrieben hat. Ich denke auch, dass es eher unwahrscheinlich war, dass die Ehe SO gleichberechtigt und angenehm damals für Martha war, aber ich wünsche es mir natürlich.
Dennoch mochte ich grundsätzlich schon, dass er "ein Guter" war. Ich hatte tatsächlich auch richtig Angst in dem Kapitel als er für zwei Wochen weg musste, ich dachte schon, er würde nicht zurück kommen, weil er getötet wurde oder sowas. Aber ich war dann sehr erleichtert als sich das nicht bewahrheitet hat.
Ich fand den Einblick in die Rolle einer Hebamme in der damaligen Zeit spannend, welche Aufgaben sie auch hatte außerhalb der Geburtshilfe. Und mich hat sehr berührt, dass Martha das kleine Mädchen, das aus der Vergewaltigung entstanden ist, zu Sarah gebracht hat und diese sie dann füttern konnte und auch einfach wie selbstverständlich angenommen hatte. Das hat mein Herz wirklich sehr schwer gemacht und ich musste eine Träne verdrücken. Allgemein hat mir der Schreibstil überwiegend gefallen.
Ich kann aber auch verstehen was tinybutmighty schreibt. "Mitreißend" kann man den Stil wohl nicht wirklich beschreiben, aber irgendwie war das so auch gar nicht nötig in meinen Augen. Gerade das Unaufgeregte hat mich irgendwie gebannt, schwer zu beschreiben, aber ich fand es genau richtig.
Ein unglaublich tolles Buch, das ich sicherlich nächsten Winter nochmal lesen werde. Danke an die Person, die es vorgeschlagen hat. Das hat mein Leben wirklich bereichert, muss ich sagen. :)