Zitat
In wie weit, wenn ich fragen darf? :)
Kurz ein bisschen OT... 
Schon beim Kennenlernen der Arbeitsaussies fiel mir auf, dass sie stärkere Nerven haben, besser zwischen "Arbeitszeit" und "Ruhepause" unterscheiden können und – wenn sie richtig sozialisiert wurden und im passenden Rahmen (!) beschäftigt werden – irgendwie mit mehr Gelassenheit durchs Leben gehen. Dieses hypernervöse Beim-kleinsten-Reiz-Ausflippen habe ich bei Arbeitsaussies deutlich seltener als bei den Showlinienvertretern gesehen. Das mag ein rein subjektiver Eindruck sein, aber als ich darüber mit der Züchterin meines Zweithundes gesprochen habe, meinte sie, das würde schon hinkommen: Wenn sie mit ihren Hunden am Vieh arbeitet, kann sie keinen Hund gebrauchen, der irgendwie "unvorhersehbar" reagiert, weshalb bei den Arbeitsaussies eben Leistung und Wesensstärke die wichtigsten Kriterien für die Zucht sind.
Fies und etwas überspitzt gesagt: Ein Hund mit übersteigertem Aggressionspotenzial, einer ausgeprägten Artgenossenunverträglichkeit, völlig unkontrollierbarem Jagdtrieb oder einem labilen Nervenkostüm wird, mit entsprechendem Management, vielleicht trotzdem Preise auf einer Ausstelllung abräumen. Aber einen Hütetrial oder den Alltag in einem größeren Hunderudel, ev. das Leben auf einem Hof, schafft er damit nicht.
Und bei meinen beiden sieht man den Unterschied – obwohl der Kleine erst ein knappes halbes Jahr alt ist – jetzt schon: Der Große war in dem Alter deutlich "unbeständiger", hatte Probleme zur Ruhe zu kommen, war bei Bewegungsreizen nur nach langem Training ansprechbar, zeigte erste Anzeichen von Leinenpöbelei und seiner Abneigung gegen Kinder. Dagegen ist der Kleine ein echter Vorzeige-Junghund: Klar, er hat deutlich mehr Power, ist sportlicher, gelenkiger und – zumindest kommt es mir so vor – noch mal deutlich schlauer, was Problemlösungsstrategien angeht. Aber er nimmt sich seine Ruhepausen, kann unglaublich gut zwischen Action und Pause unterscheiden, setzt Korrekturen präzise um, dreht beim Arbeiten (= altersangemessene Grundausbildung) nicht hoch und ist rundum "klar im Kopf".
Lässt sich schwer in Worte fassen, aber beim Ersthund habe ich häufig das Gefühl, dass er zwar will, sich aber zu oft selbst im Weg steht, während der Kleine die gleiche Aufgabe mit Leichtigkeit meistert.
(... sorry, das ist jetzt echt lang geworden.
)