Ich denke auch schon die ganze Nacht darüber nach (Schlaflosigkeit sei Dank).
Es ist alles einfach so individuell an diesem Thema. Jeder muss/darf/soll seine eigene Art der Trauer haben und da sollte man sich als Unbeteiligter (oder von mir aus auch Angehöriger mit anderer Meinung) einfach mal einen Schritt zurücknehmen. Ob das Teilen der postmortem-Aufnahmen wirklich auf FB gehört oder wie bei mir über whatsApp geteilt werden müssen, kann man anzweifeln, aber meiner Freundin hatte das damals sehr geholfen.
Sollte ihr Pferd einmal sterben, steht für sie fest, dass sie das Pferd erst nach einigen Tagen abholen lässt (fraglich ob das aber so klappt) um sich jederzeit vergewissern zu können, dass sie wirklich weg ist und sich ausgiebig verabschieden kann.
Früher scheint der Tod auch in unseren Breitengraden ganz anders wahrgenommen worden zu sein. Keine Ahnung, wo diese Wandlung herkommt, schätze aber mal, das hängt damit zusammen, dass immer weniger Angehörige zuhause versorgt werden im Alter sondern in ein Pflegeheim kommen oder vom Sozialdienst versorgt werden. Von dem was ich weiß, war es früher ganz normal, dass der Verstorbene noch zuhause aufgebahrt worden ist, bis der Bestatter ihn abholen konnte. Da haben die Kinder halt auch abends um den Sarg von Oma nachlaufen gespielt und wurden früh konfrontiert.
Bei Südländern ist das heute wohl so noch Usus, da gibt es auch einfach einen ganz anderen Umgang mit kranken/toten Angehörigen.
Werde ich nie vergessen, als ich auf der Palliativstation gearbeitet habe und ein Italiener eingeliefert worden ist. Da war ganz klar, dass er nicht mehr lange bei uns bleibt. Da kamen innerhalb kurzer Zeit so ziemlich alle Angehörigen eingeflogen, angereist und waren auch nicht mehr wegzubewegen. Pflegerisch durften wir dort gar nichts tun, das haben alles die Angehörigen übernommen. Und die waren laut, richtig laut in ihrer Trauer und dem Wissen, dass der geliebte Angehörige bald gehen muss. Da wurde gefeiert, gesungen, geweint, gewehklagt. Als er letzendlich starb, hat man auch da sehr viele Bilder gemacht, teilweiße wurden ihm auch die Babys in die Arme gelegt, damit das Kind eine Erinnerungen an den Opa hat, wenn sie größer sind.
Auch wenn das für mich sehr fremd war, fand ich das sehr schön und es hat einfach sehr authentisch gewirkt. Der Tod gehört halt dazu.
Im Vergleich entwickeln sich "die Deutschen" gefühlt immer weiter vom Tod weg. Hier will kaum jemand seinen Angehörigen noch mal sehen, sobald er tot ist. Selbst Unterstützung in den schlechten Zeiten sieht ganz anders aus. Unterstützung beim Essen oder der Körperpflege? Lieber nicht. Entweder empfindet man es als eklig oder man hat Angst, dass man was falsch machen könnte. Der Tod soll auch durch alle möglichen medizinischen Fortschritte soweit rausgezögert werden, wie nur irgendmöglich. Hier ist Trauer sehr leise und "für sich".
Aber auch das ist okay. Das soll hier auch bitte definitiv nicht als Angriff gewertet werden und beschreibt nur meine ganz eigenen, persönlichen Erfahrungen mit diesem viefältigen Thema.
Wenn ich einmal sterbe, liegt schon eine Liste bereit, wie ich mir die Beerdigung vorstelle. Und DAS finden viele extrem makaber, aber ich finde das für mich einfach schöner.
Wenn dann jemand noch Bilder von mir will, weil ihm das hilft.. gerne. Nur auf FB würde ich sie nicht haben wollen.
Wobei es mir dann wohl wirklich egal ist
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Beim ambulanten Pflegedienst war ich übrigens mal bei einer Dame, die hat sowohl ihren Hund, als auch ihre Katze nach deren Tod präparieren lassen. Der Hund - ein kleiner struppiger Mix, stand neben dem Kamin und die Katze lag zusammen gerollt auf einem Sofakissen. DAS fand ich extrem gruselig, aber für die alleinstehende Dame war es ein Trost und auch irgendwie eine Art der Gesellschaft. Für neue Tiere war sie zu alt und so hatte sie wenigstens noch die. DAS wäre definitiv meine Grenze.