Beiträge von Luise32

    Welche zwei Bücher von Maja Novak waren das denn? Habe schonmal

    gefunden, aber die anderen klingen irgendwie nur nach Geschichtensammlungen.


    Ich hab grad nochmal gesucht... Das erste Buch war "Die mit den Hunden tanzt" , das zweite "Wanja".
    Im Grunde war das erste wichtiger für mich, aber ich hab beide gern gelesen...
    Und nach dem Training konnte ich auch erkennen, dass das so in dem ersten Buch auch steht (wie man das macht und wann und was), aber ohne Training nur mit dem Buch kann man das nicht (also hätte ich jedenfalls nicht gekonnt...) machen. Spannend wars trotzdem :)

    Danke für die vielen lieben Worte! Ich freu mich total :winken:


    Wie unheimlich unwichtig geworden ist, wo wer wann läuft (Teil 2)


    Dexter ist ein Hund, der alles sieht. Jede Lösung, und jede wird ausprobiert, auch wenn er das Problem (die Aufgabe) noch gar nicht verstanden hat... Er ist dabei überaschend kreativ, aber er verknüpft Dinge miteinander, die nicht zusammen gehören (Bewegungen von mir, Worte, die in der Hecke raschelnden Vögel o.ä....) - da sind Missverständnisse vorprogrammiert - und das macht ihn nervös. Werde ich dann noch ungeduldig oder hektisch, bricht der Hund in wilden Aktionismus aus. Beim Apportieren, so die Autorin, ist es vor allem wichtig, Ruhe in den Hund zu bekommen. Kurze Einheiten, gute Vorbereitung, Zerstreuung zwischendurch - das ist wichtig für Dex. Und: ihn seine Augen benutzen lassen. Er möchte seine Nase nicht benutzen, aber er merkt sich ganz genau wo etwas liegt, auch wenn man dazwischen was ganz anderes macht, wenn er gesehen hat, wie ich es hinwerfe/hinlege :)
    Aber: ich muss total ruhig und gelassen bleiben!! Und gleichzeitig "dynamisch" genug sein, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich hab ein bisschen probiert und gemerkt, dass Dex auf meine Anweisungen dann aufmerksam und willig reagiert, wenn ich dabei nicht starr bin, sondern mich bewege. Eine Zeit lang hab ich versucht, die "Befehle" mit Handzeichen fest zu verbinden, aber das war zu statisch. Und - es war nicht nötig! Nötig war nur eine Bewegung. Zum Glück reicht eine kleine! Die Hand heben, mit dem Finger wackeln, feste Auftreten oder mich einfach nur aufrichten, schneller gehen oder kurz auf den Füßen wippen. Und das erstaunliche daran ist, dass ich das inzwischen ganz intuitiv mache. Es gibt keine feste Zuordnung wie "Finger heben" = Sitz etc, sondern die Bewegung von mir "richtet" sich an Dex, der merkt das sofort und schaut mich an. Dann ist er ansprechbar - und inzwischen muss ich oft gar nicht sagen, was ich möchte, denn er weiß es -situativ- schon von selber. Aber so schön das ist - darum geht es gar nicht unbedingt. Viel "kriegsentscheidender" war, dass ich endlich VERSTANDEN hatte, was für jedes Training mit Dexter die Grundlage war: ein bewegtes Frauchen!!
    Damals hab ich mit Dex ja wirklich noch apportiert, und er hat das ziemlich gut gemacht! Vor allem für einen Hund, der in der "normalen" Hundeschule immer nur die erste halbe Stunde "gut" war, und danach einfach so unkonzentriert wurde, das nichts mehr klappte... (Und wenn ich bedenke, wie Dex vom Typ her eben "funktioniert", dann verstehe ich, wie anstrengend 30 Min Sitz, Bleib und Fuß für ihn gewesen sein müssen...)
    Außerdem hab ich mal gelesen, dass Hunde rot als grün sehen. Zum Spielen auf der Wiese nutze ich für Dex also gern gelbe und blaue Dinge. Das springt ihm ins Auge, man merkt, dass es so gleich interessanter für ihn ist!



    [In dem Buch "die 3 Charaktere" heißen die Typen Aktionshund (Tara), Augenhund (Dexter) und Gefühlshund (der Vollständigkeit halber), und für mich war es ein Aha-Erlebnis, das zu lesen. Aber: die Schlussfolgerungen, wie mit den Typen auch jeweils zu trainieren ist, sind wirklich nur aufs Apportieren bezogen. Da muss man sich schon selber Gedanken machen, wie man das in andere Bereiche transferiert!)]



    Ich war irgendwie weiter gekommen, hatte mehr Verständnis für die Hunde gewonnen, mit Dex entstand eine zarte Bindung und mit Tara konnte ich souveräner umgehen - ABER es klappte in "Jagdsituationen" immer noch nicht zuverlässig (genug), die Hunde zu stoppen oder abzurufen. Und Dex konnte ums Verrecken nicht "bleiben"... Das war nicht sooo schlimm, aber nervig.
    Da aber all das "beschäftigungszentrierte" und "Aufmerksamkeiterregende" Anti-Jagdtraining nicht half, suchte ich nach etwas möglichst "simplen". Ein Training, das reduziert ist auf das, was wir wirklich brauchten! Außerdem wollte ich mehr "kommunizieren" und weniger "befehlen" oder "locken"....


    Auf meiner Suche geriet mir ein Buch von Maja Nowak in die Hände (inzwischen hab ich zwei gelesen, welches zuerst weiß ich nicht mehr). Ich fand den Gedanken toll, ein "Rudel" zu werden, und mich sozusagen herauszunehmen, es sei denn es geht um etwas wirklich Wichtiges. Da ich nicht zu Frau Nowak selber fahren konnte, erkundigte ich mich bei ihr nach Alternativen und bekam zwei Trainerinnen empfohlen, die bei ihr gelernt hatten und zusammen in meiner "Nähe" eine Art Hundeschule betrieben. Das erste, was ich dort lernte, war mir mit einem Geräusch ("Tsch") und Fingerschnippen vor den Hundenasen Respekt zu verschaffen. Ich schmiß Fleischstücke auf den Boden, und durch das "Tsch" teilte ich den Hunden mit, dass sie für sie Tabu waren. Versuchten sie es, verteidigte ich das Fleisch durch Körpereinsatz (Hand/Fuß drauf halten, Schnippsen, Hund abdrängen). Das kapierten beide ganz schnell. Und einmal "tabuisiertes" Fleisch blieb Tabu (solange ich im Raum war)! Schnell sagte ich bei manchen Fleischbrocken freundlich "ok" bevor ich sie fallen ließ, und ließ die Hunde diese (!) Stücke fressen. Das klappte sehr schnell und sehr gut (es dauerte nicht länger als 10, 15 Minuten...). Der nächste Schritt war, einen Raum zu "tabuisieren": zuerst einen Türdurchgang, danach den Raum "außerhalb der Decke" - und so lernte Dex, innerhalb von Minuten! - an einem Platz zu bleiben bis ein freundliches "ok" den Raum wieder freigab. Das tat er hochkonzentriert, zuverlässig! Tara entspannte dabei sogar...
    Wir hatten also innerhalb der ersten Trainingsstunde eines von Dexters hartnäckigsten Probleme gelöst und ich war hochmotiviert, wie das weiter geht...!! Diese Möglichkeit, zuverlässig ein Tabu zu kommunizieren, hat uns oft geholfen. Bis heute ist für beide Hunde das Katzenfutter im Napf auf dem Küchenboden tabu (ohne dass ich das immerzu sagen müsste!) und in Gärten ohne Zaun kann ich eine imaginäre Grenze ziehen, indem ich mit dem Fuß eine Linie beschreibe oder eine Leine hinlege... Das ist ziemlich cool ;))
    Allerdings: Dex "bleiben" zu lassen braucht heut kein Tabu mehr, er versteht es mittlerweile auch so - wenn es nötig ist.


    Der Rückruf war letztlich eine Kombi aus einem "Heranrufen" und "Tabuisieren" (wenn der Hund nicht kommt), und auch wenn Tara schnell begriff und Dex verunsichert genug war (durch das Tabuisieren), dass er bald auf Zuruf kam (misstrauisch, aber zuverlässig) - es funktionierte nicht wirklich sicher. Im Grunde nur, solange ich nah genug dran war, die Spannung hochhielt und es nicht zu große Ablenkung gab (in einem Rudel tobender Hunde konnte ich ja das Tabu nicht durchsetzen...). Vor allem Tara hatte schnell raus, dass sie mir draußen "entkommen" konnte, sobald die Schleppleine weg war. Oder anders: die schlaue Tara wusste, dass sie mir körperlich weit voraus ist :)


    Die Lösung für dieses Problem bestand bei den Trainerinnen darin, die "Vorwärtsgerichtetheit" der Hunde zu nutzen. Sie orientieren sich ja in aller Regel nach vorne, in Marschrichtung. Die neue Regel war jetzt, dass die Hunde nur noch hinten laufen sollten. So würde ich jeder (oder den meisten) Herausforderungen zuerst begegnen und wenn nötig ein Tabu setzen und durch Körpereinsatz (blockieren) durchsetzen konnte. Das "hinter mir halten" funktionierte schnell, und Dexter, der Augenhund, schaute tatsächlich vor allem in Laufrichtung. Tara allerdings, die Selbstständige, orientierte sich ganz schnell um. In der Gewissheit, dass "hinter mir alles erlaubt war" begann sie, weit zurück zu bleiben und die Seiten links und rechts des Weges ausgiebigst zu inspizieren.
    Für mich war es oft total anstrengend, da ich ja nunmal hinten keine Augen habe. Und trotzdem musste ich die Hunde ja kontrollieren. Ziemlich gut lief es, wenn wir agressiven Hunden begegneten: ich lief dann mittig, Tara rechts, einen halben Schritt hinter mir, Dex links leicht hinten, und sie reagierten auf meine Geschwindigkeit und das Heben meiner Hand. So waren wir extrem Respekteinflößend - anderen Hunden und auch Menschen gegenüber. Ein tolles "Rudelgefühl" war das! Leider mochte Dex das bald lieber, als mit anderen Hunden freundlich zu spielen - eine "Nebenwirkung", die ich nicht akzeptieren wollte. Ich ließ diese Regel fallen, normalisierte unsere Hundebegegnungen und habe heute nur noch sehr selten, in wirklich bedrohlichen Situationen die Hunde in einer solchen Rudelformation bei mir. Dann muss ich nichts mehr sagen, dann reichen Handzeichen! Aber nach wie vor: beide sind dann in ihrem "Verteidigungs"modus und hoch konzentriert achten sie auf jedes Zucken des "Fremden"...
    Aus dem Training in der Art zu Kommunizieren "nach Maja Nowak" hab ich für mich die Fähigkeit gezogen, mir schnell (bei JEDEM Hund) Respekt verschaffen zu können. Und noch besser kommunizieren zu können, wo die Hunde laufen sollen/können und wo nicht. Ziemlich gelegen kommt mir das, seit ich mit ihnen auch Radfahre!


    Das Jagdproblem bzw. das Ding mit dem Abruf war nach wie vor nicht gelöst... nach einigen Monaten des Trainings gab ich auf. Und suchte einen neuen Weg. Mein Exmann (damals noch ohne Ex - einfach nur Mann) hatte die Faxen dicke und wollte, dass zumindest Dex einfach an der Leine blieb und auch Tara nur noch selten Freilauf haben würde. Etwas, das ich in keinem Fall akzeptieren wollte. Ein Laufhund muss laufen, und eine so kluge Hündin darf man nicht "anbinden". Fand ich (und er eigentlich auch...)! Aber natürlich wollte ich sie nicht in "Lebensgefahr" bringen, und dem Hasen hinterher vors Auto springen sehen.

    Den Grundgedanken dahinter übernahm ich für Tara soweit es ging, indem ich ihr mehr Selbstständigkeit im geschützten Raum zugestand und mich an ihrem Können freute. Und gleichzeitig wesentlich weniger über "Befehle" und Anweisungen, Wütendsein, Schimpfen oder Strafen agierte - sondern schlicht dafür sorgte, dass sie keinen Erfolg hatte. Wollte sie sich aus dem Spiel mit einem anderen Hund nicht abrufen lassen, dann machte ich das Spiel ruhig und freundlich kaputt, indem ich den anderen Hund zB anlockte, fütterte oder streichelte. War sie dann ruhig und neugierig an meiner Seite schaute ich nur kurz hin, leinte sie an und ging. Kam sie aber auf den Rückruf gab es eine Spielrunde extra, gerne auch mit mir zusammen. Aber vor allem: ich hörte auf, mich aufzuregen darüber, dass sie war, wie sie nunmal ist. Sie ist ein erwachsenes Lebewesen, und ich behandel sie auch so. Was ich allerdings bis heute mache (vielleicht vor allem um mich über meine Sprache selber zu steuern dahingehend) ich bitte sie oft. Ich sage: Frau Tara! Kannst Du das jetzt echt lassen und bitte zu mir kommen?! Ich bin langsam genervt davon" - etwa wenn sie ewig schnuffelnd hinter mir her schleicht und ich eilig bin (*hust* und uns keiner beobachtet). Sie hört "zu mir" und den Nachdruck, und ich bleibe ruhig... Klar haben mir schon Trainer gesagt, dass ein Befehl kurz sein soll, keine Predigt. Aber, was Tara angeht, so gebe ich keine Befehle, sondern Empfehlungen. Und das klappt sehr gut ;)


    Dexter fand ich unter den 3 Charakteren auch wieder - aber das beschreibe ich in Teil 2... Ich hoffe ihr lest mit einem Augenzwinkern - und haltet mich nicht für verrückt ;)

    Wie unheimlich unwichtig geworden ist, wo wer wann läuft (Teil 1)


    Die Frage nach dem richtigen Abstand im Freilauf hat mich in den Wahnsinn getrieben.


    Auf wie viel Meter kann ich eingreifen, wenn - auf wie viel Meter klappt der Rückruf? Bei Tara war es so, dass sie mal auf 20 m "Sitz" machte vorm Hasen, und dann wieder aus dem "Fuß" raus das Reh jagte. In der Hundeschule war sie eine "der Besten", beim Spazierenghen bildete sie oft die Vorhut, ging manchmal verloren und manchmal hatte ich das Gefühl, sie lässt sich gefühlte 500 m zurückfallen weil sie lieber alleine unterwegs ist. Und dann wieder: der "perfekte" Begleiter, immer auf Sichtkontakt, meist nur 5 - 10 m neben, vor und hinter mir...


    Dexter war speziell. Er rannte nie wirklich weg, auch nicht jagen, aber er war nicht im Mindesten kontrollierbar. Mal gemütlich, über Tage und Wochen der bravste Hund an meiner Seite...und dann plötzlich: BÄMM! Ich hatte das Gefühl ich bin der Saturn, und er läuft auf meinen Ringen spazieren. Was heißt läuft: er rennt. Rast. Bellend. Unstoppbar, alles und jeden kontrollierend. Aber: lieb, der bellt nur, der beißt nicht...bis - eines Tages - ein Jogger mit langer Hose kam, die ihn "anraschelte"... zum Glück nicht den Jogger gebissen, nur die Hose. Aber: ich hatte den Kaffee auf und stellte den Hund unter Leinenzwang. Der war von dem Moment an unausgelastet, unzufrieden, hyperaktiv... Dexter ist ein Bracke-Mix, und er rennt schnell wie ein Windhund und ausdauernd wie ein Münsterländer. "Ein Laufhund" sage ich, wenn mich jemand fragt "was das für ein Hund ist"... So viel spazieren konnten wir nicht, um ihn an der Leine auszulasten. Da half auch alles Obedience, Nasenarbeit, Intelligenzspielzeug, Longieren und Apportieren nur sehr bedingt, um den Hund wieder glücklich zu machen. War dafür aber teuer und zeitintensiv ;)


    Also hieß es: Einzeltraining. Dexter auslasten und an mich binden, mich interessant machen und ihn anleinen wenn etwas potentiell "Anbellbares" kommt. Ansonsten "abgesicherter" Freilauf mit Schleppleine... Und mit Tara spielte ich verstecken. Schaute sie sich zu lange nicht nach mir um, verschwand ich (anfangs quiekend, später piepsend) hinterm Baum. Und ich sollte immer neue und andere Wege gehen. Und beim Spaziergang füttern, Tricks einbauen, laufen, Leckerli verstecken und mit Super-Leckerli einen Super-Rückruf einüben, damit es zusätzlich zum "Hierhin" noch etwas "seltenes, nicht abgenutztes" gibt...



    Die Hunderunden mit 2 Hunden, 2 Leinen, 2 Schleppleinen, Hundeleberwurst als "Superleckerchen", Trillerpfeife als "Superrückruf", Spielzeugdummie für Dexter, normalen Leckerchen für Tara und der Futterration zum "Beute verlieren" waren spitze *IRONIE*, Echt entspannend und dass ich es mit dem ganzen Krempel noch geschafft hab, hinter Bäume zu springen oder mich piepsend im Gebüsch zu verstecken, das qualifiziert mich wohl irgendwie für den Outdoor-Oscar. Geholfen hat es nichts. Die Hunde fanden es schon ok, anfangs sogar irgendwie lustig und spannend, meistens aber war es nicht das, was sie vom Spaziergang wollten... Und ich war frustriert, angestrengt "gut gelaunt", und ziemlich einsam unterwegs ;)


    Aber etwas Gutes hat es gebracht:


    meine Hunde spielen gerne verstecken mit allen möglichen Kindern. Sie bleiben sitzen und lassen die Kids außer Sicht rennen - und wenn die dann piepsen oder pfeifen, dann rennen die Hunde los. Kinder suchen. Das finden die Hunde toll, die Kinder sind begeistert und ich freu mich, dass sich Kids und Wuffis so gut verstehen! Dabei zeigt sich wieder der unterschiedliche Charakter: werden die Verstecke schwierig, dann nutzt Tara ihre sehr gute Nase und Dex rennt lieber von der Tarantel gestochen in systematischen Kreisen alles ab, was in Frage kommt. Jeder auf seine Weise sehr erfolgreich!


    Das Longieren hat zu Dex eine Bindung aufgebaut. Da es (neben im Garten toben mit Tara) ja damals seine einzige Chance war, zu tun, was er am liebsten tut (rennen!), war er ganz heiß drauf und hat mich das erste Mal als "Spielpartner" wahrgenommen, mit dem er wirklich Spaß haben kann, jenseits von Leckerli, die ihn nie sehr interessiert haben. Er hat mich im Auge behalten! Von sich aus, weil "um mich herum rennen" das nötig machte. Sehr schnell lief er ohne Leine, ließ sich durch Armzeichen links- oder rechts herum schicken und näher oder weiter weg schicken. Allerdings: ohne Flatterband, Hindernisse und all zu viele komplizierte "Einlagen". Für Dexter ist "Rennen" ein Lebenszweck an sich, und "Spielen" die Art von Sozialkontakt, für die er -draußen!- zu haben war. Dass er mich auf diesem Weg als Spielpartner entdeckte, der seine Freude an HUNDRENNTDURCHDIEWELT teilt, war ein großer Schritt. Heute kann ich ihn, im Freilauf und an der Leine, sowohl über Zuruf als auch durch Handzeichen relativ zuverlässig nach links oder rechts "dirigieren", und wenn er voller Lebensfreude parallel zum Wanderweg über die Wiesen rast, dann kann ich ihn in eine "Umlaufbahn" näher heran holen. Das ist schon klasse :)
    In der Zeit habe ich ein Buch gelesen über "Bindung und Beziehung beim Hund", weil mir Dex eine echte Nuss war: er HATTE eine Beziehung zu mir (reagierte auf Ansprache, nahm Futter, spielte beim Longieren mit, ließ sich streicheln...), aber keine Bindung. Im Grunde hatte ich das Gefühl, dass wir bei jeder Begegnung eine neue Beziehung knüpften, und das Band sofort riss, wenn der Moment vorbei war... In dem Buch stand viel, im Gedächtnis blieb mir sinngemäß: sobald jmn auf jmn im denken/handeln/fühlen Bezug nimmt, entsteht eine Beziehung. Zur Bindung kommt es zwischen sozialen Wesen, wenn fast alles denken/handeln/fühlen aus der Beziehung heraus geschieht.
    Entgegen gängiger Hundetrainerphilosophie wollte ich es also erreichen, dass Dex "an mich denkt" wenn ich gerade nicht interagierte - dass ER eine Interaktion zu beginnen versucht. Dass er, wenn er sich langweilte, ankommt, und mich zum Spiel auffordert. Also: mich in seine zukunftsgerichteten Problemlöseversuche einbezieht! Und tatsächlich hat er schnell ganz zarte Versuche gemacht (zur Tür geschaut und dann zu mir!).), die ich sofort aufnahm und weitersponn. Schließlich ging es soweit, dass er sich vor mich setzte und mich anstuppste wenn er spielen wollte (und heute auch, wenn er irgendwas anderes braucht oder will)...


    [Wer jetzt denkt, dass ich zu sehr vermenschliche: nein, tue ich nicht. Hunde denken und sind dabei auf die nahe Vergangenheit und die nahe Zukunft ausgerichtet. Nur so kann ein Hund zB die Leine anschlrppen, weil er raus will oder sich im Keller verkriechen, weil Koffer gepackt werden etc. Ich meine diese Art hündischer Intelligenz, nicht "denken/handeln/fühlen wie ein Mensch]


    Tara hat bei dem ganzen Spektakel bewiesen, wie intelligent sie ist. Als sie verstanden hatte, dass es "Superleckerchen" nur bei "Superrückruf" gab, ignorierte sie "normale" Rückrufaktionen konsequent. Sobald wir eine Strecke zum 2. Mal gingen kannte sie sich aus und hatte es nicht mehr nötig, mich zu suchen. Sie fand alleine nach Hause, und das wusste sie. Tara ist selbstbewusst, lebensklug und autark. Und bei aller Bindung an mich, sie wusste schließlich auch, dass ich schon alleine klarkommen würde und auch ohne "Helikopter-Dog" überleben kann... Das hab ich so richtig erst verstanden, als ich ein Buch übers Apporttraining fand, das wenig bekannt ist in D: Die drei Charaktere. Ich las es vor allem für Dex, Tara apportiert nicht, aber was darin steht ist für wirklich jedes Hundetraining spannend. Die Autorin beschreibt drei Typen (eigentlich 6, je nach Ausprägung, aber gut...), die sie bei Hunden ausmacht. Der eine Typ erkennt das Problem und löst selbstständig. So ein Hund ist selbstbewusst, stabil, oft gutmütig - und schwer zu korrigieren. Eigentlich ist so ein Hund nur korrigierbar über die Erfahrung: ich kann es nicht allein. Bei solchen Hunden werden Befehle und Anweisungen aus Sicht des Hundes bestenfalls zu "Hintergrundrauschen", schlimmstenfalls zu "Hindernissen". Und wenn solch ein Hund dann noch Erfolg hat....... - hat Mensch verloren. So ein Hund ist Tara! Und Stück für Stück wurde mir klar, WIE erfolgreich sie ist, wie gut sie klar kommt und wie wenig Hilfe sie (aus ihrer Sicht) brauchte. Das Fatale daran war natürlich ihre krasse Fehleinschätzung: ein Hund weiß nicht um potentielle Gefahren im Straßenverkehr, durch Jäger oder das Ordnungsamt... Die Autorin empfahl beim Apportiertraining mit solchen Hunden, ihnen einerseits ganz viel Selbstständigkeit zu erlauben (Hauptsache sie finden alle Dummies, egal ob mit der Nase oder durch Sicht etc.) , andererseits arbeitete sie mit "fiesen" Tricks: im Gebüsch versteckte Helfer entfernen ausgelegte (und nur zum Schein geworfene) Doppeldummies über eine Schnur, wenn der Hund etwas "unerwünschtes" macht. Der Hundeführer lässt den Hund nach einmaligem Korrekturversuch gewissermaßen achselzuckend machen - und eben damit NICHT erfolgreich sein...

    ...jedenfalls waren wir gerade 10 Tage auf Abenteuerurlaub. Wir - also Tara (ca. 10 Jahre alt), Dex (ca. 5 Jahre alt) und ich. Und der große Wanderrucksack, 2 Isomatten und das 3-Mann-Zelt. Und die Wanderstiefel.
    10 Tage Sonne, wenig Regen, Ostsee, Wald, Dünenkaninchen, Schlafen im Sand, kalte Nächte, Holzfeuer, 100 andere Hunde, 1000 Radfahrer, Busfahren - und ganz viele Kinder. Und - Lebensfreude. Hoch drei :)


    Und bei mir immer wieder die Gewissheit: das sind die tollsten Hunde der Welt. Weil sie mitdenken, weil sie bei mir sind, weil wir gemeinsam schaffen, was immer nötig ist...


    Und auch: grenzenloses Stauenen. Wann ist das passiert? Wann ist aus diesem lieben aber sturen Tier, das schließlich sein halbes Leben auf eigenen Pfoten stehend als Kettenhund in Griechenland bewältigt hat (ohne mich, ohne Hilfe), so eine Vertraute geworden? Wann ist aus diesem Rüden aus Serbien, der zwar lieb aber ängstlich war und so gar keinen Bezug zum "Tier Mensch" finden konnte, ein Partner geworden, der eine so stabile Bindung zu mir hat, dass wir uns blind verstehen können?


    Keine Frage, natürlich hören sie auch mal nicht. Oder wälzen sich auf der Kuhwiese. Oder jagen (Mäuse, Tauben...). Oder fressen fremden Kindern Kekse weg. Oder kommen auf Rückruf in mini-Tippelschritten schlecht gelaunt zu mir. Bleiben stehen, wenn ich "sitz" sage. Aber - ABER wenn es drauf ankommt, dann sind wir ein Team. 100 prozentig.


    Vor drei Jahren, im Sommer, da habe ich verzweifelt. Da habe ich, manchmal, sogar geweint. Weil Dex, der Rüde, es einfach nicht VERSTANDEN hat, was ich wollte, weil er zu mir nur genau so lange Bezug herstellen konnte, wie er mich angesehen hat. Nie wäre ihm in den Sinn gekommen, sich unter Ablenkung auf mich zu konzentrieren. Oder gar wenn er Angst hat (oder ein anderes Problem), altiv zu mir zu kommen... Heute ist das ein anderer Hund. Und ich frage mich, wann ist das Wunder passiert? Und wie...



    Wir haben geübt. Natürlich. Bis zum *****
    Hundeschule, Anti-Jagd-Training, Agility/Apportieren zur Auslastung und Teambildung, Training nach Maja Nowak, Training bei Ulv Philipper. Und alles nicht nur kurz mal ausprobiert. Nein - Veränderung geht schließlich nicht über Nacht, ich hab es (damals noch mit Mann, also "wir" haben es) wirklich durchgezogen. Bis die jeweiligen Trainer ihre Ratlosigkeit offenbarten, irgendwann, und auch ihre Unflexibilität. Oder bis sie anfingen ihre eigenen Ziele herunterzuschrauben - und plötzlich ok war, wenn etwas "meistens" klappte anstatt "zuverlässig". Oder bis sie mich mit ihren Dogmen in die Flucht geschlagen hatten. 2 Jahre, etliche kilometer, viel Zeit und noch mehr Frust und ganz, ganz viel Geld... - das hat viel gekostet. Aber: es hat sich mehr als gelohnt. Alles. Jeder Trainer, jedes Training, jedes Buch - aus allem habe ich etwas Positives gezogen, etwas Wichtiges, ohne das wir drei nicht das Rudel wären, das wir sind.


    Und deshalb möchte ich das gerne mal ordnen. Möchte versuchen aufzuschreiben, was gut war für uns, und was geklappt hat (bei uns!). Ich möchte davon gern erzählen - mit ehrlichem Blick, aber mit deutlichem Schwetpunkt auf dem Positiven. Eben weil es kein "Kochrezept" war, sondern ganz viel Stilmix und Impro.
    Und vielleicht mag es ja jemand lesen! Ich freue mich jedenfalls über/auf eure Kommentare :)