Ist es wirklich so einfach? Fehlen Hunden bei Frust tatsächlich die Strategien? Und können sie diese entwickeln, wenn "nach Lehrbuch" trainiert wird, indem sie in eine Box gesperrt oder auf einer Decke festgehalten werden?
Ich habe meine Mühe mit demonstrativ herbeigeführten Situationen, die zeigen sollen, dass der toll trainierte, devote Hund jetzt das tut, was man ihm beigebracht hat, weil man ein ach so toller Hundeflüsterer und Alpha ist, wie man es zu hauf sieht in den sozialen Medien.
Natürlich muss ein Hund verschiedenes lernen, der Umgang mit Reizen, das Warten, Aushalten-können, Ausblenden, aber auch Impulskontrolle und Frustrationstoleranz gehören zu unser aller Leben dazu.
Ein Hund, der nicht in der Einsamkeit lebt sondern inmitten unserer Zivilisation existieren muss, hat jeden Tag zig Situationen, wo er obige Qualitäten üben und zeigen kann und sogar muss.
(Was es bedeutet, wenn ein Hund diese Fähigkeiten nicht hat, weil nicht gelernt oder aus Wesensschwäche nicht möglich bzw nicht adäquat vom Menschen begleitet, sieht man dann, wenn man bedauernswerte Exemplare von zitternden, bellenden, in Übersprungshandlungen gefangenen Hunden im Trubel beobachten kann. Diese Hunde werden quasi erschlagen von Reizen um sie herum.)
Je nach Rasse sind das natürlich andere Auslöser. Nicht jeder Hund würde einen Skateboarder hinterherwollen, Tauben jagen oder spielende Kinder hüten.
Aber möchte ein Hund das, ist es sinnvoll, das schon in den Ansätzen zu erkennen und durch Training zu unterbinden, das Bedürfnis in die richtigen Bahnen zu lenken bzw umzulenken oder auch den Hund aus der Situation herauszunehmen. So lernt der Hund dann dosiert, den Reiz zu ignorieren, greift dafür aber Leckerli ab oder darf dem Ball hinterher, oder man arbeitet übers schnöde Verbot oder Management.
Was lernt der Hund so aber auch im Laufe der Zeit? Frustrationstoleranz und Impulskontrolle 
Mein Hund hat auch gelernt, auf der Decke zu liegen, wenn ich das möchte. Das fordere ich dann ein, wenn ich es brauche, weil Besuch da ist. Ich fordere es nicht in der Fußgängerzone der nächsten Großstadt an einem Samstag im Schlussverkauf, um zu zeigen, was für ein toller Hecht ich bin.
Mein Hund hatte sich ganz kurzzeitig als Junghund eine ganz wunderbare Strategien überlegt bei Frust. Wurde er angekläfft, fand er es eine ganz exzellente Methode der Frustabfuhr, wenn er sich umdrehte und entweder in unseren Seniorhund schnappte oder in Herrchens Jogginghose. Den Zahn haben wir ihm aber aus verständlichen Gründen recht schnell gezogen. Ideen haben Hunde viele, aber erwünscht sind sie halt nicht alle 
In eine Box sperren hätte da natürlich genau gar nichts geholfen, genauso wenig wie Futter wegnehmen, aus der Hand füttern oder was sich Rudelführer- und Dominanzgurus noch an Gängeleien einfallen lassen, um dem Hund vermeintlich zu zeigen, dass sie am längeren Hebel sitzen. Das ist häufig künstlich erzeugter Frust, den ich ethisch fragwürdig finde und mMn ähnlich gelagert ist wie man früher Kinder in den dunklen Keller gesperrt hat, weil sie nicht aufgegessen haben oder ins Bett gemacht haben. In keinem Zusammenhang, schädlich, zerstörerisch gar, wenn es um Vertrauen und Geborgenheit geht, für den Hund kommt noch der Verlust der Glaubwürdigkeit ob eines derart unsouveränen und erratischen Verhaltens dazu. Ein Mensch, der so handelt, dem kann man nicht trauen, da trifft der Hund dann lieber seine eigenen Entscheidungen. So wird eine Spirale nach unten draus.
Und noch ein Wort zur Wesensfestigkeit. Ein in sich ruhender, normal sozialisierter Hund aus guter und verantwortungsvoller Zucht, mit einem ihn sinnvoll führenden und auslastenden Menschen, kann eine ganze Menge Frust aushalten und damit konstruktiv umgehen. Das ist wie mit der vielgepriesenen Resilienz. Manche Menschen haben sie, manche nicht so. Es gibt Faktoren, die Resilienz fördern und welche, die sie unterminieren.
Hinterhofzucht, Traumata, falsches Training, verpasste Zeitfenster (Stichwort Timing), die falsche Hunderasse im verkehrten Umfeld, alles das kann dazu führen, dass ein Hund eine kurze Zündschnur entwickelt und sein Leben lang begleitet werden muss in für ihn herausfordernden Situationen, die für einen anderen, mental stabileren Hund kein Problem darstellen. Ist halt auch ein großes Stück weit individuell.