Hallo Foris,
ich starte mal meinen ersten Thread hier mit einem Thema, welches mich aktuell recht stark beschäftigt.
Ich hätte gerne einen Zweithund, und will mir diesen aus dem Tierschutz holen. Ich habe auch schon eine recht konkrete Vorstellung.
Ich habe das Thema "neuer Hund", bzw. "Zweithund" aus sogenannten Vernunftsgründen
einige Jahre vor mir hergeschoben. Nun habe ich mich aber entschlossen, und es fühlt sich bauchtechnisch richtig an.
Vor ein paar Tagen bin ich nun also wild entschlossen losgestiefelt, um mir einen zu besorgen. Vor Ort wurde ich dann allerdings abgewiesen, und habe keinen Hund bekommen. Ich bin also frustriert wieder nach Hause gefahren. Ich habe natürlich die Schuld erst mal bei mir gesucht, aber nachdem ich keine gefunden habe, bin ich inzwischen immer verärgerter darüber. Mir wurden keine konkreten Gründe oder Argumente genannt, warum ich keinen Hund bekomme, bzw. warum ich diesen Hund / diese Hunde, die ich mir ausgesucht hatte, nicht bekomme. Die Pflegerin hat mir einige "negative" Eigenschaften meiner Favouriten aufgezählt, und mir quasi unterschwellig unterstellt, dass ich damit nicht fertig würde, oder ich die Voraussetzungen dafür nicht mitbrächte. Aber ohne dies zu prüfen. Also ich stand sozusagen vor einer Wand aus Vorurteilen. Ich habe natürlich versucht, die "Argumente" zu entkräften, indem ich ein bisschen was von mir erzähle, aber ich wurde nicht wirklich gehört. Es war ein Gespräch zwischen Tür und Angel, ich hätte mir gewünscht, dass sich ein Pfleger Zeit nimmt, und wir uns wenigstens zum Gespräch hinsetzen oder so.
Die gleiche Situation, bei der gleichen Pflegerin, hatte ich ein paar Wochen vorher schonmal, da hatte ich mir einen alten Hund ausgesucht, den ich auch nicht bekommen habe, weil ich ihm aus gesundheitstechnischen Gründen nicht gerecht werden konnte, also er ist leber- und nierenkrank, und muss alle zwei Stunden raus, was ich nicht leisten kann, da ich arbeiten gehe, und bräuchte permanent Zugang zu Futter, was wegen der Zweithündin nicht geht. Das waren ganz klare Argumente, die ich auch voll und ganz und sofort eingesehen habe.
Allerdings habe ich auch an diesem Tag schon gefragt, ob sie mir denn andere Hunde empfehlen könne, wo ich jetzt schon mal da wäre, und sie meinte nur lapidar, ich solle nochmal auf der Internetseite schauen, und dann wiederkommen.
Nun kam ich vorbereitet wieder, mit 23 Favouriten aufm Zettel (man ist ja flexibel), und nun sollte keiner (??) in Frage kommen?
Sie meinte, ich solle erst mal die schriftliche Selbstauskunft ausfüllen (was ich tat, und was nicht viel mehr enthielt als meinen Namen und meine Adresse), und dann sähen wir weiter, und sie würde den Kollegen sagen, dass ich schon da war, und unbedingt nen schwierigen Hund wolle.
Ich weiß nun nicht, ob und wann sich jemand bei mir meldet, oder ob ich mich nochmal melden soll, oder ob ich denen auf den Keks gehe, und lieber Ruhe geben soll.
Meine Frage an euch ist nun, ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt, und wie ihr die Sache seht.
Mir kommt es inzwischen so vor, als ob zumindest diese Pflegerin, vielleicht sogar das ganze Team, eigentlich gar keine Hunde vermitteln will. Mir wurden keine konkreten oder sinnvollen Argumente genannt.
Außer:
"der ist ein Beißer,
der ist schwierig,
der ist schnell,
der ist stark,
der ist ein Arbeitshund,
spazierengehen reicht da nicht,
sie wohnen in Berlin - wir suchen eher ein ländliches Zuhause,
sie haben noch keine Erfahrung - man soll nicht gleich mit einem schwierigen Hund beginnen,
ihr Ersthund ist zerbrechlich - da geht ein großer Zweithund nicht,
sie gehen arbeiten, alle Hunde bei denen Text dazusteht sind schwierig und eigentlich gar nicht für die Vermittlung geeignet,
die Gruppe' hat entschieden dass er auf die Seite in die Vermittlung kommt - ich wäre eher nicht dafür und würde ihn gerne noch hierbehalten,
der ist noch nicht so weit,
das ist ein Jagdhund, der jagt,
er hatte vorher Zugang zu einem Garten,
es ist nicht wichtig, ob sie damit kein Problem haben, sondern ich muss sehen, was für den Hund am besten ist,
sie tun dem Hund damit keinen Gefallen,
einer von beiden Hunden kommt da garantiert zu kurz,
wir wollen nicht, dass der Hund nach kurzer Zeit zurückkommt, und dann noch mehr traumatisiert ist,
eher nicht."
Wobei mich das fett Gedruckte ganz besonders wurmt.
Mein einziges Argument war dann nur noch, dass ich mich der Herausforderung stelle, und ich mich dem gewachsen fühle. Was sie aber nicht interessierte.
Nun stelle ich mir die Frage, sollte es überhaupt so sein, dass ein Interessent Überzeugungsarbeit leisten muss? Dass ein Interessent sich vor dem Pfleger profilieren muss und Werbung für sich selber machen muss? Läuft da nicht irgendwas gewaltig schief?
Beide Male war es kein faires Gespräch, sondern irgendwie ein "Gegeneinander". Bzw. ein reines Abwimmeln.
Einige Tage vorm zweiten Besuch habe ich angerufen. Ich muss dazu sagen, es ist verdammt schwer, jemanden ans Telefon zu bekommen. Ich habe es vorher und hinterher sehr oft probiert, und es ging nie jemand ran. Derjenige, den ich an dem Tag dran hatte, wirkte eher wie ein Helfer oder Azubi. Er stellte mir direkt sehr konkrete Fragen, vor allem, ob und welche Erfahrungen ich mit schwierigen Hunden dieser Sorte hätte. Ich habe sogut ich konnte alles recht ausführlich erzählt, was aber natürlich nicht ausreichte. Auch von diesem Mitarbeiter wurde ich also mehr oder weniger am Telefon abgewimmelt, mit den Worten, dass dieser Hund dann eher nicht für mich in Frage käme, und ich vielleicht mal mit jemandem sprechen solle, der konkret für diesen Hund zuständig sei, und ich persönlich zur Besuchszeit vorbeikommen solle, und evtl. weitersuchen soll. Als ich an dem Tag dann vor Ort war, wurde mir (von einer anderen Pflegerin) gesagt, ich solle in der entsprechenden Abteilung anrufen.
Als ich ihr sagte, da geht keiner ran, hat sie dann rumtelefoniert, und mich dann weitergeschickt.
Bevor ich den Azubi am Telefon hatte, hatte ich noch eine Vermittlerin des Haupttelefons dran, die mir zu meinem Hauptfavouriten sagte, nachdem sie ihn rausgesucht hatte: "Oh, der sitzt ja im xy-Zwinger, na der scheint ja nich so nett zu sein .. sind sie sich da ganz sicher?..."
Nun frage ich euch, ist das eine adäquate Weise, Hunde zu vermitteln?
Wie vielen Interessenten geht/ging es wohl noch so wie mir?
Und wie viele (gar Hunderte?) geben frustriert auf, und holen sich einfach einen Hund aus einer Kleinanzeige?
Wie viele hunderte Menschen, wurden schon auf diese Art abgewimmelt. Hier und anderswo?
Die Pflegerin meinte, dass auch die einfachen, unkomplizierten Hunde Bedarf und ein Recht hätten, vermittelt zu werden, worin ich ihr absolut Recht gebe. Ich fragte sie, ob es denn hier Hunde gäbe, und sie mir welche empfehlen könne, die 'einfach' seien, wenn sie mir schon keine Schwierigen zutraue. Darauf bekam ich keine Antwort.
Ich fragte außerdem, was ich denn mibringen oder haben oder machen müsse, um einen Hund generell, oder einen meiner Favouriten zu bekommen, oder wer überhaupt einen Hund bekäme, auch darauf bekam ich keine Antwort.
Ich muss dazu sagen, ich war die ganze Zeit im Tonfall sehr freundlich und die Pflegerin auch. Inhaltlich war das ganze aber, im nachhinein betrachtet, eine Katrastrophe, und ich frage mich nun, bzw. euch, ob das überall so läuft, oder ob evtl. diese Pflegerin (und ihr ganzes Team?) die letzten 10 Jahre heimlich gar keine Hunde vermittelt hat?
Weil sie die alle selber behalten wollen?
Ich hatte auch nicht die Möglichkeit, einen Hund zu streicheln, oder mit einem Probegassi zu gehen, diese Möglichkeit wurde mir gar nicht erst angeboten.
Jagdhunde vermitteln sie wohl gar nicht an 'normale Menschen'. Nur an Jäger. Ich fragte, wie viele interessierte Jäger denn hier pro Woche zur Besuchszeit vorbeikämen. - "Keiner."
Bekannte von mir wollten sich vor zwei Jahren einen Hund aus dem Tierheim holen. Bei der Vorkontrolle stellte sich heraus, dass sie nicht bereit waren, eine Hauptbezugsperson für den Hund festzulegen. Sie sind ein Ehepaar, und wollten eben beide Besitzer sein. Das war der Grund, warum sie keinen Hund aus dem Tierheim bekamen.
Was mir fehlt, ist das Abfragen von Wissen. Also Fachwissen, ein Sachkundetest. Wird das überhaupt irgendwo gemacht? Hier offenbar nicht.
Stattdessen wird nach Erfahrung gefragt. Jedenfalls am Telefon. Vor Ort nicht.
Wobei die Frage nach 'Erfahrung', bzw. die Antwort darauf genau 0 aussagekräftig ist. Warum hat man das bisher noch nicht erkannt? Nach wieviel .. hundert Jahren Tierschutzarbeit?
Vielleicht kann ja der ein oder andere verstehen, worum es mir geht. Ich wollte mir das einfach mal von der Seele schreiben. Und eure Meinung dazu wissen, und evtl. ähnliche Erfahrungsberichte lesen. Wie kann ich jetzt weiter vorgehen?
Mir geht es weniger darum, jetzt unbedingt einen Hund zu bekommen, sondern mir geht es ums Prinzip und um die Art und Weise. Um das Wie. Und die offene Frage steht im Raum, ob da alles so mit rechten Dingen zugeht. Und wie es bei euch so gelaufen ist, als ihr euren Hund geholt habt (oder holen wolltet).
Also ich habe absolut nichts dagegen, jetzt noch keinen Zweithund zu haben, das Mehr an Freizeit, Platz, Sauberkeit, Geld und Nerven weiß ich durchaus zu schätzen, so ist es nicht
, es ist nur so ein diffuses Gefühl, dass ich mit dieser Erfahrung evtl. nicht ganz alleine dastehe.
Viele liebe Grüße / eure Selinah